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Michael Drewniok
Erst hatte er Pech, dann kam noch die Hölle hinzu

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2019

In der englischen Kleinstadt Thetford führt John Coal das zurückgezogene Leben eines Sonderlings. Seine Mitbürger ignorieren ihn, wenn er in den Mülltonnen des Ortes nach Brauchbarem stochert. Für die Kinder der Nachbarschaft ist Coal ein Ziel für Hohn und Spott, denen bald handgreifliche ‚Streiche‘ folgen. Coal ist jedoch weder wehrlos noch bereit sich tyrannisieren zu lassen. Die vier schlimmsten Übeltäter kann er in sein verwahrlostes Haus und in die Falle locken. Im Keller müssen sie sich seine Lebensgeschichte anhören:

- Der Stiefvater erweist sich als frauenhassender Serienkiller. Als John nicht in seine Fußstapfen treten will, muss er feststellen, dass er von der Rolle des Nachfolgers in die des nächsten Opfers gewechselt ist.

- Da die Polizei nach dem bizarren Ende des Stiefvaters bohrende Fragen stellen könnte, verlässt John vorsichtshalber England und wird Seemann. Es verschlägt ihn nach Asien, wo er auf einem verkommenen Frachter anheuert. Während einer Fahrt über das Südchinesische Meer stößt man auf ein Geisterschiff voller verstümmelter Leichen. Entsetzt kehren die Seeleute dem Wrack den Rücken, aber was sich in seinem Inneren verbarg, begleitet sie an Bord des eigenen Schiffes.

- John Coal hat genug vom Seemannsdasein und kehrt nach England zurück. Als Handelsvertreter ist er viel unterwegs. Als er nach einem Autounfall in einem abgelegenen Dorf strandet, muss er feststellen, dass er dieses nicht mehr verlassen kann. Zu allem Überfluss tauchen nach Anbruch der Nacht dämonische Schattenwesen mit mörderischen Absichten auf.

- Vampirmädchen Rachel nistet sich bei John ein, der ihr helfen soll, ihre Mordlust in Zaum zu halten. Seinem boshaften Mündel ist er allerdings nicht gewachsen, weshalb seine Bemühungen, Rachel zu ‚erziehen‘, immer neue und blutige Fehlschläge auslösen.

Horror und die Tücke des Objekts

Schrecken und Lachen sind ebenso ungleiche wie erstaunlich vertraute Gefährten. Was zunächst seltsam klingt, wirkt logisch, wenn man sich daran erinnert, dass man Furcht in der Tat durch Lachen entschärfen kann. Zudem lässt man sich gern erschrecken, wenn man sicher sein kann, dass die dabei heraufbeschworene Gefahr fiktiv, d. h. ein sinnlicher Genuss bleibt, der sich durch eine Fahrt mit der Achterbahn ebenso zuverlässig wecken lässt wie durch die Lektüre einer schauerlichen Geschichte. Letzteres stellt natürlich eine größere Herausforderung dar: Der Schrecken muss durch Worte geweckt werden, die deshalb wohl gewählt und gesetzt werden sollten!

Danny King ist ein Autor, der auf mehreren Hochzeiten zu tanzen versteht. Seine Storys sind durchaus gruselig, denn es gehen Serienmörder, Werwölfe, Dämonen und Vampire um, die vor Gewalttaten nie zurückschrecken. Blut, Eingeweide und Knochen werden verspritzt bzw. gebrochen, und es dauert, bis die zahlreichen Opfer dabei ihren Geist aushauchen. Nichtsdestotrotz ist King kein Vertreter des Horror-Splatters, der heutzutage (viel zu) oft in platte Gewaltpornografie übergeht. Wenn King jemanden sterben lässt, dann geschieht dies nicht, um Gorebauer-Augen glänzen zu lassen. Der Tod steht im Dienst einer Geschichte, die jenseits bloßer Schau- (bzw. Ekel-) Effekte echte Unterhaltungswerte besitzt.

John Coals Biografie ist der eigentlich tragische Bericht eines Außenseiters, der ständig erleben muss, dass Eifer, Gesetzestreue und Gottesglaube nicht die Schlüssel zu einem erfolgreichen, zufriedenen Dasein darstellen. Coals Leben steht von Anfang an unter keinem günstigen Stern. Daran ändert sich höchstens, dass es immer wieder noch schlimmer kommt - eine Wendung, die King nie als Tragödie zelebriert. Stattdessen treibt er Coals Pech auf immer neue, absurdere Höhen und legt dabei nicht nur einen erstaunlichen Einfallsreichtum, sondern auch einen Sinn für wahrlich schwarzen Humor an den Tag, den er staubtrocken serviert - und gern abrupt ins Grässliche umkippen lässt, auf dass den Lesern das Lachen im Halse steckenbleibe!

Ein Leben in Episoden

„Das Haus der Monster“ ist kein Roman, sondern besteht aus vier Kurzgeschichten, die durch eine Rahmenhandlung verklammert werden. King knüpft hier an eine vergleichsweise junge britische Tradition an: Gruselstorys wurden in Britannien in den 1960er und 70er Jahren gern in Episoden erzählt. Der Autor ist u. a. mit den Filmen der „Amicus Productions“ groß geworden - Streifen mit Titeln wie „Dr. Terror’s House of Horrors“ (1965; dt. „Die Todeskarten des Dr. Schreck“), „Torture Garden“ (1967; dt. „Der Foltergarten des Dr. Diabolo“) oder „Asylum“ (1972; dt. „Asylum“), die mehr versprachen, als sie zu halten vermochten, weil sie möglichst kostengünstig hergestellt wurden. Allerdings ließen sich ausgezeichnete Genre-Schauspieler wie Vincent Price, Peter Cushing oder Christopher Lee engagieren, die auch in dürftigen Rollen glänzten.

Mit mehr oder weniger feiner Ironie (und manchmal zynisch) wurden Schauermärchen erzählt, die für die Protagonisten in der Regel nicht nur tödlich, sondern auch hässlich ausgingen. Danny Kings Favorit ist nach eigener Auskunft das „Amicus“-Spätwerk „The Monster Club“ (1981; dt. „Monster Club“). Es basiert auf dem gleichnamigen Episodenroman des Schriftstellers Ronald Chetwynd-Hayes (1919-2001), der vom Ergebnis eher enttäuscht war, während Kings Urteil günstiger ausfiel: Als Autor beschloss er das Vorbild aufleben zu lassen und ihm dadurch seine Reverenz zu erweisen.

Das ist ihm definitiv gelungen. King hat die kuriose Mischung aus (scheinbar) lehrreich-moralischer Warnung und saftig-grausiger ‚Strafe‘ einerseits verinnerlicht, während er sie andererseits ins 21. Jahrhundert führt: Über den einst als Höhepunkte des Schreckens angepriesenen „Amicus“-Grusel können heute selbst Kinder nur noch mitleidig lachen. King zieht die Horror-Schraube zeitgemäß an. Die dabei angerichteten Blutbäder sind in jeder Hinsicht übertrieben; sie können und sollen nicht ernstgenommen werden.

Es ist schade, dass King kein adäquates Ende für sein Garn findet. Er meint es mit einem Schockeffekt zu krönen, der jedoch allzu abrupt kommt und an Originalität zu wünschen übrig lässt. Dies ist jedoch der einzige Minuspunkt, den man dem Verfasser ankreiden muss.

Fazit:

Aus Einzelgeschichten bestehender Episodenroman mit einer übergreifenden Rahmenhandlung, der mit pechschwarzem Humor bewährte Grusel-Garne gegen den Strich bürstet, ohne ihnen die schaurige Wirkung zu rauben. Immer wieder stockt dem Leser der Atem, wenn Autor Danny King staubtrocken Wahnsinn und knochenkrachende Attacken aus dem Jenseits inszeniert: ein echter Tipp!

Das Haus der Monster

Das Haus der Monster

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