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Michael Drewniok
Wie man in den Wald hineinschießt, so schallt es heraus

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2020

Anfang der 1970er Jahre tobt der Krieg in Vietnam weiterhin ebenso erbittert wie ergebnislos. Der Vietkong und die US-amerikanischen ‚Befreier‘ bekämpfen sich nicht, sondern metzeln einander auf einem heißen, unübersichtlichen, moskito- und giftschlangenverseuchten Dschungel-Schlachtfeld gnadenlos nieder.

Den Scharfschützen Michael Spiers hat es vor acht Monaten in diese Hölle verschlagen. Eine Zwei-Mann-Patrouille hat nur er schwer verletzt überlebt; Kameraden konnten ihn aus einem Gefangenenlager des Vietkongs befreien. Dort wurden er und seine Leidensgenossen nicht gefoltert, sondern gemästet: als Futter oder Opfergabe für ein im Urwald hausendes Ungeheuer, das seiner Beute das Blut aussaugt.

Seine Vorgesetzten halten Spiers für übergeschnappt; man will ihn in eine Nervenheilanstalt stecken. Um dem zu entgehen, schließt er sich einer Spezialeinheit an, deren Kommandeur seiner Gruselgeschichte Glauben schenkt. Spiers‘ Gefährten sind eher Psychopathen und Killer als Soldaten; sie wollen dem Problem auf ihre Weise auf den Grund gehen, d. h. vor Ort in Stücke sprengen, was dort womöglich auf unvorsichtige US-Soldaten lauert.

Die Gruppe erreicht ein von der Außenwelt abgeschnittenes Tal, in dem sich mehr als bestätigt, was Spiers berichtet hat: Eine breite Palette der Menschheit völlig unbekannte Kreaturen ist hier heimisch geworden und hocherfreut über die Eindringlinge, die sofort auf den Speiseplan gesetzt werden. Die Jagd ist eröffnet; allerdings stellen die Soldaten die Beute dar, und auf sie warten grässliche Lebensenden …

Und wieder tobt das Grauen

Schon einmal hat Tim Curran den Vietnamkrieg als Schauplatz für ein Grauen gewählt, das die zeitgenössische Waffengewalt an Scheußlichkeit und Tücke weit übertroffen sollte. „Head Hunter“ (2013; dt. „Kopfjäger“) enthielt außerdem den Hinweis, dass die urweltlichen Dschungel Indochinas weitere Wesen beherbergen, die der Krieg mit unerwartetem Beutenachschub versorgt, weshalb sie sich aus der Deckung trauen und aktiv zu jagen beginnen.

Curran kombiniert gern echten Schrecken mit ‚übernatürlichem‘ Grauen. Er entfesselt es auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, aber auch auf ‚normalen‘ Friedhöfen entfesselt oder lässt es dort aus den Tiefen der Erde auftauchen, wo es u. a. der von ihm verehrte Meister des modernen Horrors H. P. Lovecraft (1890-1937) verortet hatte. Die Gegenüberstellung solchen Grauens ist eine echte Herausforderung, weshalb Curran Glück hat, über ein wahrlich unheimliches Talent zu verfügen: Er kann sogar die Realität so entsetzlich darstellen, dass es dem Jenseits schwerfällt, höllische Grässlichkeiten von der Kette zu lassen, die es mit ihr aufnehmen oder sie gar übertreffen.

Auch Currans Version des Vietnamkriegs hat es (erneut) in sich. Ein positives Gefühl oder einen Hoffnungsschimmer wird man in diesem Garn garantiert nicht finden. Spätestens Francis Ford Coppola hat in „Apocalypse Now“ 1979 jene Bilder gefunden, die seither prägend für die Vietnam-Rezeption sind: Viel zu junge, völlig überforderte Männer verlieren in einer heißen, heimtückischen Hölle den Verstand. Sie hören ‚rebellische‘ Rockmusik, nehmen Drogen und schießen um sich. Zwischen eigentlich neutralen Vietnamesen und dem allgegenwärtigen „Charlie“ wird kein Unterschied gemacht; vorsichtshalber schlachtet man alles ab, was einheimisch ist. Aus Menschen werden Mörder, die den Verstand und oft genug ihr Leben einbüßen.

Zwischen „Charlie“ und Schlimmerem

Natürlich wurde dieses Szenario von der Populärkultur nicht nur übernommen, sondern geglättet, überspitzt und anderweitig instrumentalisiert. Einschlägige Vietnamkrieg-Klischees finden auch durch Curran reichliche Anwendung. Da es sich hier um einen Horrorroman handelt, dessen Schilderungen man keineswegs mit historischer Akkuratesse gleichsetzen sollte, geht das in Ordnung. Es funktioniert umso besser, je stärker man politisch korrektes Unbehagen ausblendet: Natürlich wird hier eine Tragödie ausgebeutet, aber dabei wird niemand (mehr) verletzt.

Helden darf man in „Grimweave“ ebenso wenig erwarten wie Mitleid. Sämtliche Protagonisten sind psychisch deformiert. Spears ist noch einer der ‚Gesündesten“ unter ihnen - und sein Job ist es, Menschen auf große Entfernungen zu erschießen. Der Ton ist rau, aber herzlos, und die Kameradschaft hat genau dort ein Ende, wo das eigene Leben in Gefahr gerät. Dass gleich zwei Patrouillen dorthin ziehen, wo der Tod umgeht, liegt auch im Blutdurst derer begründet, die nicht unbedingt den Tod, sondern eher den Tag fürchten, an dem der Krieg endet und sie nicht mehr straflos morden dürfen.

Nur zeitweilig tritt „Charlie“ aktiv auf. Curran sieht den Vietkong in derselben Falle wie die US-Truppen. Patriotismus und Propaganda mag seine Kämpfer antreiben, aber im Dschungel sind sie mindestens so unmenschlich wie ihre Gegner. Recht oder Unrecht sind Begriffe, die in dieser Hölle ihre Bedeutungen verloren haben. Insofern legt Curran ungeachtet des zusätzlichen Metzel-Spuks eine vergleichsweise ungetrübte Sicht auf diesen ‚Krieg‘ an den Tag.

Der Weg und der Tod sind die Ziele

Was da im Dschungel lauert, wird von Curran klug möglichst lang unter Verschluss gehalten. Das Umfeld fördert Ungewissheit, die sich auf Rascheln im Unterholz, seltsame Rufe oder grässliche, aber nicht zu deutende Überreste zurückgeht. Dadurch wächst die Angst, die für jene Unbesonnenheit sorgt, die Curran geschickt schürt, um die Fehler eigentlich für den Kampf ausgebildeter Soldaten zu erklären.

Obwohl „Grimweave“ recht unvermittelt abbricht, begeht Curran nicht seinen Kardinalfehler: Allzu oft steigt er einfach aus dem Geschehen aus. Eben noch geht es mit Volldampf gen Hölle, doch plötzlich ist Schluss, und die Leser stehen belämmert da. Zwar muss man feststellen, dass ein echter bzw. eigentlicher Höhepunkt fehlt, aber das liegt in der typischen Struktur solcher „Such-und-finde“-Plots: Wichtiger als das Ziel ist der Weg dorthin; eine Maxime, die Curran vielleicht ein wenig zu sehr verinnerlicht hat.

Andererseits muss man fragen, wie er die Spannungskurve noch hätte ansteigen lassen können, nachdem praktisch jeder Schritt, den Spears und seine Gefährten im Dschungel machen, sie in weitere Abscheulichkeiten tappen lässt. Weniger erfreulich ist die unverhohlene ‚Anleihe‘ an das „Alien“/„Predator“-Franchise, aber immerhin gelingt Curran ein Final-Gag, für den er (ausgerechnet) auf „E. T. - Der Außerirdische“ zurückgreift.

Fazit:

Tim Curran präsentiert abermals eines der für ihnen typischen Horror-Gemetzel, die reales und fiktives Grauen durchaus gekonnt mischen und auf oft absurde Gipfelhöhen führen. Die Atmosphäre ist mindestens so wichtig wie die Handlung, die dieses Mal immerhin nicht einfach abbricht, nur weil das Buchende naht: rasanter Grusel unter effektvollem Ekel-Trommelfeuer.

Grimweave - Das Monster aus der grünen Hölle

Grimweave - Das Monster aus der grünen Hölle

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