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Michael Drewniok
Wo Schneemänner Zähne zeigen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Apr 2020

„Nat“ McPherson hat es mit ihrem Podcast „Nat’s Mysteriöse Welt“ zu einiger Internet- Prominenz gebracht. Sie reist und berichtet über Stätten, an denen es umgehen soll. Ihre Erfahrungen hält sie in Wort und Bild fest. Treu an ihrer Seite ist Produzent Andrew, der dafür sorgt, dass der Podcast auch ein wenig Geld einbringt.

Seit einiger Zeit piesackt Nat ein Online-Troll, der sie träge nennt und ihr echtes Interesse an seltsamen Orten in Zweifel zieht. „Cliff“ outet sich außerdem als Neffe jener Ljudmila Dubinia, die Anfang Februar 1959 zusammen mit acht Gefährten ein grässliches Ende auf dem Djatlov-Pass im damals noch sowjetischen Ural-Gebirge fand. „Cliff“ bringt Nat so in Rage, dass sie und Andrew nach Russland fliegen, um mit sieben Begleitern den Ort dieses Geschehens zu besuchen und darüber zu berichten.

Das Unternehmen steht unter keinem guten Stern. Von Anfang an gibt es Konflikte, die in der Regel der sozial inkompetente Steven auslöst. Als Führer hat Nat den Mansen Wasili angeheuert, der das Land kennt, aber seinem Job nur nachgeht, weil er in Geldnot ist. Ständig sorgt er sich: Am Djatlov-Pass sollte man sich nicht blickenlassen, da dort weiterhin lauert, was nicht nur 1959, sondern auch später immer wieder zuschlug.

Es dauert nicht lange, bis die Gruppe merkt, dass sie nicht willkommen, aber bereits umzingelt ist. Joe und Gattin Anubha erwischt es zuerst. Noch ist man mehrheitlich uneins; schließlich lebt man im 21. Jahrhundert und glaubt nicht an die von Wasili als Verursacher genannten „Schneemenschen“, Einige zerfetzte Leichen später stellt sich höchstens die Frage, wer oder ob überhaupt jemand diesen Trip überleben wird …

Das Rätsel als nie versiegende Quelle der Fantasie

Die Tragödie am Djatlov-Pass gehört zu den großen Mysterien zumindest jener ‚Fachleute‘, die sich darauf versteifen, dass wir Menschen uns die Erde mit Bigfoot und Yeti, dem Ungeheuer von Loch Ness oder Gespenstern teilen sowie zu allem Überfluss von Außerirdischen besucht/belästigt werden. Neun erfahrene, gesunde Ski-Wanderer kamen in dieser abgelegenen Region der damaligen Sowjetunion Anfang Februar 1959 unter bizarren Umständen zu Tode, die nie völlig aufgeklärt werden konnten.

In diese Bresche sprangen seither mehr als freiwillig allerlei Verschwörungstheoretiker, deren ‚Theorien‘ Autorin J. H. Moncrieff pflichtschuldig auflistet, weshalb sie an dieser Stelle ungenannt bleiben. (Für weitergehende Infos zum Thema empfiehlt sich die eigene Internet-Recherche, obwohl diese - eine Warnung! - oft genug dorthin führt, wo die Hirnlosen hausen.) An eine Verkettung unglücklicher Umstände, die durch menschliches Fehlverhalten verhängnisvoll verstärkt wurden, mögen die Freunde ‚alternativer‘ Fakten nicht glauben; sie lieben die Welt rätselhaft und hassen es, durch Wissenschaftler u. a. Spielverderber aus ihrer Traumwelt gerissen zu werden.

Moncrieff gehört zu denen, die das Djatlov-Mysterium populärkulturell aufgreifen und ausgestalten. Sie ist beileibe nicht die Erste, wobei sich zum (Trivial-) Roman mindestens gleichberechtigt der (Trivial-) Film gesellt. Die Bandbreite ‚übernatürlicher‘ Ursachen steht im Fall Djatlov seit langem fest. Sie ist begrenzt, und Moncrieff bleibt in den Fußstapfen ihrer Vorgänger, d. h. verzichtet darauf, eine eigene Lösung zu erfinden - leider. Das Risiko hätte sie eingehen sollen, denn was stattdessen im Schatten des Berges Cholat Sjachi sein Unwesen treibt, kann weder überraschen noch erschrecken.

Gruppendynamik mit üblen Folgen

Was bald Lücken in unsere Forschergruppe reißt, kann an dieser Stelle gar nicht unerwähnt bleiben. Auf dem Cover der Originalausgabe sieht man den Schrecken des Urals sogar abgebildet. Moncrieff stellt nicht nur das Rätsel bzw. seine Verursacher ins Zentrum des Geschehens, sondern auch ihre acht menschlichen Protagonisten und die daraus resultierende Gruppendynamik.

Die Zeichnung prägnanter Figuren ist freilich nicht ihre Stärke. „Djatlov Pass“ ist nur ansatzweise ein Splatter- und kein Torture-Porn-Garn, dessen Inhalt sich auf das möglichst drastische Schänden und Ausbeinen der Protagonisten beschränkt. Hauptfigur Nat ist nach dem Vorbild der Autorin gestaltet. Als „Holli Moncrieff“ ist diese seit Anfang der 1990er Jahre journalistisch aktiv. Der Besuch ‚verwunschener‘ oder ‚verfluchter‘ Orte gehört zwar nicht zu ihrer Primärbeschäftigung, doch die im Text erwähnten Stätten hat Moncrieff zum Teil tatsächlich besucht und darüber geschrieben. Umso trauriger, dass der grimmige Djatlov-Pass unter Moncrieffs Schreibhand so menschenfeindlich wie eine Rodelpiste im mitteldeutschen Sauerland wirkt.

Außerdem geht uns Nat rasch ebenso auf die Nerven wie die übrigen Teilnehmer dieser Expedition. Man möchte Moncrieff nicht unterstellen, dass sie mit voller Absicht acht Hohlköpfe und Unsympathen ins Verderben schickt. Dennoch fragt man sich, wieso man drei Frauen und fünf Männer dabei beobachten muss, die sich endlos streiten, prügeln und gegenseitig als Lügner, Frauenschänder oder Mörder beschuldigen, wenn nicht gerade Schneemenschen angreifen. Was lange aussieht wie die Vorbereitung eines Finales, das durch gruppeninterne Feindseligkeit eine tragische Prägung erfährt, verpufft indes sinnfrei, als die schmelzende Schar wie einst Custer am Little Big Horn zusammensteht und auf die attackierenden Unholde einsticht, solange die monsterseitig zermetzelten Körper durchhalten.

Von einem auf den anderen Moment ist es vorbei. Was Moncrieff als ‚doppelt tragische‘ Auflösung versucht, ist miserabel getimt, im Rahmen der Vorgeschichte völlig unlogisch und lässt den Leser nicht nur verdattert, sondern sauer zurück: Gerade wenn man ein Mysterium nur ausbeuten will, sollte man unterhaltsam für Ausgleich sorgen - eine Mindestanforderung, die hier offenbleibt.

Fazit:

Ein reales Mysterium dient als Fundament für eine Geschichte, die ungeachtet der steigenden Opferquote stetig an Unterhaltungswert verliert. Der Plot ist simpel und beinahe überraschungsfrei, zwischen den Monster-Attacken wird ewig diskutiert und gezetert, und das Ende ist ebenso abrupt wie unbefriedigend: Schwach- (Sinn-) Horror.

Djatlov Pass - Die Rückkehr zum Berg des Todes

Djatlov Pass - Die Rückkehr zum Berg des Todes

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