Im Reich der Vogelmenschen von A. E. van Vogt & Edna Mayne Hull

Buchvorstellungund Rezension

Im Reich der Vogelmenschen von A. E. van Vogt & Edna Mayne Hull

Originalausgabe erschienen 1943unter dem Titel „The Winged Man“,deutsche Ausgabe erstmals 1967, 161 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Vogelmenschen entführen das im Pazifik kreuzende U-Boot „Seeschlange“ in eine weit entfernte Zukunft. Hier tobt zwischen ihnen und einer Rasse ebenfalls intelligenter Fischmenschen ein erbitterter Krieg, den Erstere zu verlieren drohen. Die Verstärkung aus der Vergangenheit mag sich nicht auf ihre Seite stellen, sondern versucht den Ausgleich – und gerät erst recht zwischen die Fronten …Klassische Science Fiction, zelebriert ohne literarischen Anspruch von einem der Großmeister des Genres, mit dem im Final wieder einmal die Pferde (bzw. Außerirdischen) durchgehen.

Das meint phantastik-couch.de: „Weltkrieg-II-U-Boot im Krieg um die Zukunft“60

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

Irgendwo im Pazifik, 1200 Meilen entfernt vom nächsten Hafen, dümpelt in einer mondhellen Nacht das amerikanische U-Boot „Seeschlange“ auf den Wogen. So weit auf See ahnt man nichts Böses, als plötzlich ein geflügelter 'Mensch’ auf das Deck niederstößt und eine merkwürdige Apparatur dort befestigt, die sich partout nicht entfernen lässt. In der folgenden Nacht kehrt der ungebetene Gast sogar wieder und tut dasselbe an einer anderen Stelle der „Seeschlange“.

Dieses Mal kann ihn die Besatzung ergreifen, aber es ist bereits zu spät: Ein Energiewirbel versetzt die „Seeschlange“ in eine weit entfernte Zukunft. Der durch die Zeit mitgereiste Vogelmensch ist ein Botschafter, der sich in der Vergangenheit nach Verstärkung umschauen sollte. Die Zukunft ist nicht nur ein trostloser, sondern auch ein von Krieg heimgesuchter Ort. Aus der Erde wurde ein unwirtlicher Wasserplanet, auf dem in der Luft die Vogelmenschen mit ihren im Meer lebenden Gegnern, den Fischmenschen, ringen und dabei allmählich das Nachsehen haben.

Die tatkräftigen Menschen des 20. Jahrhunderts sollen das Zünglein an der Waage spielen und den Vogelmenschen den Sieg bringen. Die Männer der „Seeschlange“ schätzen es freilich gar nicht auf diese Weise rekrutiert zu werden. In diesen Krieg wollen sie nicht ziehen. Statt dessen bemühen sie sich um einen Ausgleich zwischen den Gegnern. Die Situation verkompliziert sich, weil sich die „Seeschlange“ außerdem in einer Flotte ebenfalls verschleppter Schiffe aus verschiedenen vergangenen Jahrtausenden wieder findet, deren Mannschaften einander gar nicht grün sind. Als dann noch ein Raumschiff mit eroberungswütigen Außerirdischen auftaucht, wird es eng für die unfreiwilligen Friedensstifter, zumal auch die Vogelwesen allmählich ungeduldig werden …

Als „Trash“ noch „Pulp“ hieß

Science Fiction ohne Anspruch außer diesen: den Leser so gut wie möglich zu unterhalten. Mit solcher naiver Unschuld ging dies wohl nur im „Goldenen Zeitalter“ des Genres, das die wenigen Jahre vor und während des II. Weltkriegs umfasst, als die auf billiges, holziges Papier gedruckten „Pulp“-Magazine die Szene beherrschten. Dort schlugen die Mannen der „Seeschlange“ denn 1944 auch zum ersten Mal (in Fortsetzungen) ihre Schlacht gegen geflügelte oder gekiemte Zukunftsmenschen.

Die Geschichte ist so absurd, dass sie eigentlich unterhalten muss. Heute gibt es freilich gewisse Schwierigkeiten. Es beginnt stimmungsvoll und spannend, lässt aber deutlich nach, als die ferne Zukunft erreicht wurde. Die entführten Tatmenschen des 20. Jahrhunderts sollen dort einen Torpedo abfeuern und dürften danach wieder zurückkehren. Das wollen sie nicht – überhaupt und weil es sich hier um US-Amerikaner handelt, die sich prinzipiell nichts sagen lassen. Statt dessen wird auch im 25. Jahrtausend von einem Fettnäpfchen ins andere getrampelt.

Generell ist dem Autorenduo nichts wirklich Originelles eingefallen für die zukünftige Erde. Das Geschehen spielt sich im Schatten einer schwebenden Insel ab, unter der sich einige See- und Raumschiffe misstrauisch umkreisen. Intrigen werden gesponnen, Piraterie versucht, aber das führt letztlich zu nichts.

Anders ausgedrückt: Die durchaus faszinierenden Elemente wollen sich nicht zu einem stimmigen Ganzen fügen. Besonders das Finale legt dieses Manko offen: Es ereignet sich, als der Leser einen Moment nicht hinschaut. Anschließend muss er verdattert in einigen Nebenbei-Sätzen nachlesen, dass die ursprünglich so gewaltigen Probleme, die den Einsatz der Zeitreise erforderlich machten, kurz und knapp gelöst wurden.

Es mag freilich sein, dass wir deutschen SF-Freunde es wieder einmal mit einer gekürzten Fassung – schwungfedergestutzten Vogelmenschen also – zu tun haben. 160 Seiten umfassten die „Terra“-Taschenbücher des Moewig (und später Pabel) Verlags; längere Geschichten wurden 'bearbeitet', d. h. mehr oder weniger kunstvoll gekappt.

Harte Burschen für einen harten Job

Wie man sich sicherlich denken kann, erfordert eine Geschichte wie die gerade zusammengefasste kein besonders profilstarkes Personal. Hier wird gehandelt, werden markige Reden geschwungen. Eine Besatzung tatendurstiger Seemänner ist da genau richtig. Zwar bemühen sich die Autoren, der Figurenzeichnung durch einige interne Konflikte – der U-Boot-Kommandant ist ein ängstlicher Opportunist, seinem weitsichtigen Stellvertreter sind die Hände durch das militärische Protokoll gebunden usw. – Tiefe zu verleihen. Das wirkt jedoch sehr weit hergeholt.

Von den Vogelmenschen erfährt man wenig, von ihren Gegnern sogar noch weniger. Irgendwie erscheint dieser zukünftige Krieg ziemlich sinnlos, was allerdings auf jeden Krieg zutrifft. Typisch Van Vogt ist der temporale Auftrieb unterschiedlicher Zeitreisender aus verschiedenen Epochen. Typisch für das Jahr 1944 ist die Darstellung der Sessa Clen-Amazonen als instinkt- oder besser triebgesteuerte Chaotinnen, denen ein richtiger Kerl zeigen müsste wo=s langgeht; kein Wunder, dass die Königin dem U-Boot-Helden Kenlon sogleich einen Heiratsantrag macht …

Van Vogt bearbeitete „Im Reich der Vogelmenschen“ 1966. Im Bemühen, die Geschichte zu 'aktualisieren', machte er aus der Weltkrieg II-„Seeschlange“ ein Atom-U-Boot im Versuchs-Einsatz, was gar nicht gut in die Handlung passte. In dieser Hinsicht war Van Vogt allerdings nie zimperlich; wenn es ihm verkaufsförderlich erschien, hatte er kaum Skrupel, seine Texte umzugestalten.

Die unbekannte Frau an seiner Seite

„Im Reich der Vogelmenschen“ nimmt in der Geschichte der Science Fiction eine gewisse Nischenstellung ein. Der Roman wurde zwar von einem der bekanntesten Autoren des Genres verfasst, wirkt aber in dessen Gesamtwerk etwas fremd. Kein Wunder, denn A. E. van Vogt hat es nicht allein verfasst. Kann man den Quellen trauen, stammt „Im Reich der Vogelmenschen“ sogar aus E. Mayne Hulls Feder. Wobei das E für Edna steht. Soweit war die Welt noch nicht, dass sie weibliche SF-Autoren mit offenen Armen empfangen hätte. Ein Pseudonym konnte deshalb nützlich sein.

Edna Mayne Hull wurde 1905 in Brandon, Manitoba und damit in Kanada geboren. Die ehemalige Privatsekretärin verfasste eine Reihe rührseliger religiöser Geschichten und Hörspiele, doch sie war ehrgeizig. So belegte sie einen Schreibkurs, den auch ein anderer hoffnungsvoller Nachwuchsautor besuchte: Alfred Elton van Vogt.  Die beide heirateten 1939, kurz bevor van Vogt mit „Black Destroyer“ der Durchbruch gelang. Hull wurde Van Vogts Sekretärin. Ihre eigenen schriftstellerischen Ambitionen wurden von ihrem Gatten aber durchaus unterstützt. In den 1940er Jahren verfasste Hull Kurzgeschichten, die in Magazinen wie „Astounding“ oder „Unknown Worlds“ erschienen. Der Roman „Planets for Sale“ basiert auf diesen Storys.

In den folgenden Jahrzehnten blieb Hulls Werk schmal. Massive gesundheitliche Probleme beeinträchtigten immer wieder ihre schöpferische Kraft. Ihren diversen schweren Krankheiten erlag sie im Januar 1975.

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