Abraham Merritt

Abraham Merritt wurde am 20. Januar 1884 in Beverly, einem Städtchen im US-Staat New Jersey, geboren. 1894 zog die Familie nach Philadelphia um, wo Merritt die Schule besuchte – ungern und so kurz wie möglich; die High School verließ er bereits nach einem Jahr. Nach diversen Jobs fasste er 1902 und gerade 18 Jahre alt Fuß im Journalistengewerbe. Er schrieb für den „Philadelphia Inquirer“ und macht sich vor allem als Polizeireporter einen Namen. Nach einigen Jahren wurde der Zeitungs-Zar William Randolph Hearst auf Merritt aufmerksam. Er heuerte ihn für das Magazin „American Weekly“ an, dem Merritt eng verblieben blieb und als dessen Herausgeber er später bis zu seinem Tod fungierte. Im Verlauf seiner Tätigkeit unternahm Merritt ausgedehnte Reisen, die ihn u. a. 1903 ins mittelamerikanische Yukatan führten. Hier untersuchte er in seiner Freizeit alte Maya-Städte und frönte seiner Leidenschaft für mysteriöse und versunkene Kulturen.

In der zweiten Hälfte der 1910er Jahre wurde Merritt auch schriftstellerisch tätig. Er schrieb Fantasy- und Horrorgeschichten für die zeitgenössischen „Pulp“-Magazine, deren erste („Through the Dragon Glass“, dt. „Durch das Drachenglas“) 1917 veröffentlicht wurde. Schon im folgenden Jahre folgte mit „The Moon Pool“ (dt. „Der Mondsee“ bzw. „Der Mondteich“) ein erster und sehr erfolgreicher Roman, der bereits 1920 eine Fortsetzung erhielt.

Seine Tätigkeit als Journalist und Herausgeber ließ Merritt nur wenig Zeit als Schriftsteller. Insgesamt verfasste er nur acht Romane und diverse Kurzgeschichten, die jedoch zu den Klassikern der Phantastik gezählt werden. Ihn faszinierte die Vorstellung, dass die Geschichte der Welt nicht nur wesentlich weiter zurückreichte als von der Geschichtsschreibung dokumentiert, sondern dass diese Vergangenheit präsent geblieben war – unter im oft sogar selbst gewählten Exil, aber mächtig, weil im Besitz urzeitlichen und magieähnlichen Wissens, und gefährlich, wenn man ihr auf die Spur kam oder gar herausforderte.

Merritt war ein Autor, der zwar für die Groschenhefte seiner Zeit schrieb, sich dadurch jedoch nicht abhalten ließ, in seinen Geschichten mit Worten zu malen. Er schrieb konzentriert aber mit einem sicheren Gespür für Dramatik und Atmosphäre. Vor allem die Fantasy-Romane „The Ship of Ishtar“, „The Face in the Abyss“ (auch „The Snake Mother“) und „Dwellers in the Mirage“ belegen eine Meisterschaft, die Merritt an die Seite von Größen des phantastischen Abenteuers wie Henry Rider Haggard stellen.

Auch das Horror-Genre verdankt Merritt mindestens zwei Klassiker. „Seven Footprints to Satan“ und „Burn Witch Burn“ kombinieren sehr erfolgreich den Konflikt urzeitlicher Mächte mit der faktenorientierten Wissenschaft der Moderne. Merritt ließ sein einschlägiges Fachwissen geschickt in die Romanhandlungen einfließen. In seiner Bibliothek standen zahlreiche Werke, die sich mit okkulten Themen beschäftigten. Als Hobby zog Merritt in seinem Garten Pflanzen, die mit dem Wirken ´historischer´ Hexen in Verbindung gebracht wurden.

Mit „Creep Shadow Creep“ beschloss Merritt 1934 seine schriftstellerische Laufbahn, für die ihm sein eigentlicher Beruf nunmehr keine Zeit mehr ließ. Im Alter von nur 59 Jahren erlag Abraham Merritt am 30. August 1943 in seinem Sommerhaus in Florida einem Herzanfall. In seinem Nachlass fanden sich einige Roman- und Story-Fragmente, die ein langjähriger Bewunderer, der Maler Hannes Bok (1914-1964), vollendete. [Michael Drewniok]

mehr über Abraham Merritt:

Phantastisches von Abraham Merritt:

  • Storysammlungen
    • (1948) Rhythm of the Spheres
    • (1948) The People of the Pit
    • (1949) The Fox Woman: And Other Stories
    • (2001) The Women of the Wood: And Other Stories
  • Sachbuch
    • (1942) The Story Behind the Story
  • Biografie
    • (1985) Sam Moskowitz: Reflexions in the Moon Pool