Devil´s Night von Alan Campbell

Buchvorstellungund Rezension

Devil´s Night von Alan Campbell

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Penny Devil“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 509 Seiten.ISBN 3-442-46269-X.Übersetzung ins Deutsche von Jean Paul Ziller.

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In Kürze:

Der einst mächtige Gott Ulcis von Deepgate ist besiegt. Doch seine Tempelarmee lässt seinen Tod nicht ungesühnt. Sie nimmt grausame Rache an dem Erzengel Dill und rauben ihm das, was ihn als Engel ausweist: seine Flügel. Dill gelingt die Flucht in die Hafenstadt Sandport, aber verkrüppelt an Leib und Seele muss er dort sein Leben als Bettler fristen. Verzweifelt ruft er mit einem Beutel magischer Pennys einen namenlosen Teufel zu Hilfe – doch wenn die Münzen verbraucht sind, endet auch Dills Macht über diesen Dämon, der nur darauf wartet, Unheil zu stiften …Ein gewaltiges Epos über eine Welt der Finsternis, in der Götter, Erzengel und Dämonen einen ewigen Kampf ausfechten.

Das meint phantastik-couch.de: „Bizarrer Krieg zwischen Himmel & Hölle“90

Fantasy-Rezension von Michael Drewniok

Nachdem Gott Ulcis, der im Abgrund unter der Kettenstadt Deepgate hauste, von seiner Tochter Carnival getötet wurde, hat sich in der Tiefe ein Portal zur Hölle aufgetan. Geister und Dämonen schwärmen an die Oberwelt, wo die Spine, Herren von Deepgate, verzweifelt versuchen ihnen Einhalt zu gewähren. Doch Deepgate ist eine Ruine, die zu allem Überfluss durch gigantische Explosionen in den schlecht gesicherten Treibstoff- und Giftgas-Fabriken in Stücke gerissen wird.

Rachel Hael, einer abtrünnigen Spine, und dem ehemaligen Tempel-Engel Dill gelang im letzten Moment die Flucht. Sie verbergen sich in der Hafenstadt Sandport, wo sie von den Spine gestellt, gefangen genommen und nach Deepgate zurückgeschafft werden. Im Palast der Spine sollen sie, die an Ulcis‘ Ende nicht unbeteiligt waren, verhört und bestraft werden. Doch sie können fliehen, wobei Rachel feststellen muss, dass Dill vom Geist eines uralten Kriegsarchons namens Silister Trench besessen ist, der Cospinol, dem Gott des Nebels und des Wassers, eine wichtige Nachricht aus der Unterwelt überbringen soll.

Cospinol hat inzwischen die Jagd auf Carnival eröffnet. Wenn es ihm gelingt, ihrer Seele habhaft zu werden, wird er endlich von dem Bann gelöst, der ihn an sein uraltes Luftschiff kettet, das sein menschlicher Sklave John Anchor an einem langen Seil über Land zieht. Anschließend soll er sich seinen Brüdern anschließen und die Horden der Hölle zurück in die Finsternis treiben. Carnival soll ihr Unwesen unweit der Ruinen von Deepgate treiben. Anchor und sein neuer Gefährte, der Dieb Jack Caulker, machen sich dorthin auf den Weg. Sie bewegen sich durch ein von Krieg gezeichnetes Land, in dem die „Mesmeriten“, wie man die Höllenbewohner nennt, stetig an Macht gewinnen.

Tief im Labyrinth der Hölle kämpft die aus seinem Körper verdrängte Seele von Dill inzwischen gegen König Menoa, dessen golemhaften Archoniten sich für den Endkampf gegen Götter und Menschen rüsten. Auf dem Schlachtfeld vor der belagerten Küstenstadt Coreollis treffen sich alte und neue Freunde wieder, doch manche haben sich so sehr verändert, dass sie einander nicht mehr erkennen können …

Rückkehr in eine seltsame Welt

Mit dem „Deepgate Codex“ ist Alan Campbell ein großer Wurf gelungen. Abseits verwässerter Tolkien-Klone oder dümmlicher Vampir- und Werwolf-Schmonzetten, die dreist als „urban fantasy“ etikettiert werden, entwirft er ein originelles Fantasy-Reich, das spontan an Autoren wie Tim Powers oder Neil Gaiman denken lässt, sollte man unbedingt eine Kategorisierungs-Schublade benötigen. Dabei ist es weniger die Handlung, die in ihren Bann zieht, obwohl sich dies ändern könnte, sobald endlich einmal klar sein wird, worauf Campbell hinaus will. Noch präsentiert er seinen Lesern nur Zipfel eines offenbar globalen oder gar kosmischen Geschehens, das er wortgewaltig in zwar bekannte aber wirkungsstark abgewandelte Szenen kleidet.

Den eigentlichen Charme der Kettenwelt macht ihre krude Mischung aus Erdachtem und Verfremdetem aus. Campbell schert sich nicht um Logik oder besser: Er kreiert eine eigene Logik, die nur auf der Kettenwelt funktioniert. Sie schöpft aus einerseits aus dem klassischen Fundus der Fantasy: Die Kettenwelt ist einem imaginären Mittelalter zuzuordnen. Sie zerfällt in eine Unzahl kleiner und großer Reiche, die zentral oder absolutistisch regiert werden. Gesetz und Moral lassen sich mit dem Spruch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ beschreiben, die Religion steht mindestens gleichberechtigt neben dem Fortschritt.

Andererseits verlässt Campbell zielgerichtet den Boden der ‚Realität‘, die viele Fantasy-Welten trotz allgegenwärtiger Zauberei so langweilig prägt. ‚Klassische‘ Magie ist in der Kettenwelt eine Mischung aus Alchimie und Naturwissenschaft, wenn sie nicht sowieso als buchstäblich fauler Zauber gilt. Das Seltsame gehört ohnehin zum Alltag. Gemeint ist damit nicht eine Stadt, die an 99 Ketten über einem bodenlosen Abgrund hängt. Auf angenehme Weise irritierend ist die Selbstverständlichkeit, mit der das, was in anderen Fantasy-Welten zwanghaft mystifiziert wird, in die Gegenwart eindringt. „Himmel“ und „Hölle“ sind so real wie die eigentliche Menschenwelt, Götter mächtige Herren über Leben & Tod aber gleichzeitig ganz und gar keine überirdischen Wesen, sondern gleichgültige und undankbare Herren und tief verstrickt in Streitigkeiten, die zwar mit fantastischen Mitteln ausgefochten werden, deren Motive indes überaus gewöhnlich sind.

Dies daraus erwachsenden Konflikte schildert Campbell ebenso spannend wie ironisch. Sein Humor ist stets präsent, schwarz und grimmig. Sentimentalität ist des Verfassers Sache nicht. ‚Große‘ und meist peinlich beschriebene Gefühle erspart er sich und uns. Die Welt ist schlecht, und so benehmen sich ihre Bewohner auch – und zwar auf, über und unter der Erde. Mit grotesken und – keine Selbstverständlichkeit – gelungenen Einfällen bereichert Campbell das intensive Geschehen zusätzlich. Skurrile Figuren wie John Anchor, Alice Harper oder die drei unsterblichen Forscher-Ketzer, denen lebendigen Leibes die Knochen entfernt wurden, sind genial in ihrer Negierung sogar des halbwegs Vorstellbaren. Der Autor ignoriert erneut den Wunsch der breiten Fantasy-Leserschaft nach einer in ihrer Fremdheit geordneten Welt. Die stetigen Veränderungen, denen der Engel Dill unterworfen ist, sind dafür ein anschauliches Beispiel.

Von alten und neuen Mitspielern

Der unerschöpflich sprudelnde Einfallsreichtum des Alan Campbell ist von elementarer Wichtigkeit, weil er mit einem besonderen Pfund nicht mehr wuchern kann: „Scar Night“ überwältigte mit noch neuen und frischen Impressionen einer wundersamen, erschreckenden, faszinierenden Welt. Die kennen wir nun und erwarten neue Wunder und Schrecken, die sich der Verfasser hoffentlich ausdenken kann. Das gelingt ihm meisterhaft, obwohl die eigentliche Story zunächst nicht die Dichte des Erstlings erreicht.

Das Geschehen verlässt Deepgate und siedelt in einer Welt, die – Stichwort Cinderbark Wood – ihre eigenen Absonderlichkeiten aufweist. Doch nachdem es bisher durch den Schlund von Deepgate quasi konzentriert wurde, bekommt ihm die neue Weite nicht. Die Geschichte zerfasert; da haben wir Rachel und Dill/Trench auf der Flucht sowie John Anchor und Caulker auf der Jagd nach Carnival. Irgendwann finden die beiden Gruppen einander, und die der eigentliche Handlungsstrang 1 setzt ein, doch bis es soweit ist, reihen sich über viele Seiten interessante aber isolierte Abenteuer.

Ganz großes (Kopf-) Kino setzt ein, sobald Campbell in einem zweiten Großkapitel in die Tiefen der Hölle umblendet. Die ist ein wahrlich düsterer Ort, der die Schrecken von Deepgate oder Ulcis‘ Tiefe wie eine Fingerübung wirken lässt. „Morbid“ ist ein Adjektiv, das heute nicht mehr oft Verwendung findet. Hier kommt es zu neuen Ehren. Campbells Fantasie scheint grenzenlos im Ausdenken ebenso schrecklicher wie erneut schwarzhumoriger Höllenschöpfungen, seine Beschreibungen sind plakativ und wirkungsvoll. Außerdem bilden sie den Rahmen, aus dem Campbell neue Figuren in die Handlung einführt.

Alice Harper erinnert mit ihrem tragischen Schicksal an Rachel Hael. Allerdings wurde sie noch wesentlich tiefer in das Mahlwerk des Götterkrieges gezogen. Als wichtige Erfüllungsgehilfin und hilflose Sklavin ihres Herrn Menoa hegt sie wie alle Bewohner der Kettenwelt sorgfältig geheim gehaltene Hintergedanken, was den Boden für weitere Verwicklungen vorbereitet.

Noch unklar bleibt die Rolle von Minna Green, einer angeblichen ‚Hexe‘, die in der Tat über besondere Kräfte verfügt, die sie zum Wohle Dills einsetzt – oder auch nicht, denn sie ist auch, die den Dämonen Basilis über dessen Freunde bringt. Einmal mehr gilt: Trauen darf man nicht nur in der Hölle niemandem!

Dass Campbell noch im allerletzten Satz mit einem Schlusstwist aufwartet, der wirklich nicht zu erwarten war, rundet das positive Lektüre-Erlebnis aufs Erfreulichste ab und schürt die Erwartung auf den dritten Teil der Kettenwelt-Saga!

Anmerkung: Verwirrung in Deutschland

Während die Übersetzung erneut gefallen kann, sorgt der Klappentext für Verwirrung. Er skizziert ein Romangeschehen, das so überhaupt nicht stattfindet. Ohnehin fehlen den deutschen Leser Informationen. So hat Basilis bereits eine Vorgeschichte, die Campbell im „Deepgate“-Kurzroman „Lye Street“ erzählt, der noch nicht übersetzt wurde.

Ihre Meinung zu »Alan Campbell: Devil´s Night«

Lykantrophos zu »Alan Campbell: Devil´s Night«01.11.2009
@ Lasbelin:

Danke für Deine Bemühungen, den verwirrenden Klappentext betreffend. Ich habe die Lektüre gerade beendet und fragte mich auch, was dieser Text soll.

Befremdlich finde ich auch den "deutschen" Titel.
Warum muss ein Buch, das im Original den Titel "Iron Angel" trägt, in der übersetzten Fassung "Devil´s Night" heißen ?

Der dritte Band heißt dann wahrscheinlich "God´s Night" ( im Original "God of clocks" )

Doch nun zu dem Buch selbst:

Es ist einfach GENIAL. Mochte ich schon den ersten Teil, so bin ich vom Zweiten total begeistert. Der Phantasie von Mr. Campbell sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Klasse !!! Stellenweise erinnert es sogar an den, von mir verehrten, Michael Moorcock.

Dass "Devil´s Night" endet wenn´s gerade spannend ist, sei dem Autor zu verzeihen.

So schreibt man, im wahrsten Sinne des Wortes, CLIFFHANGER :-)

Ich kann den dritten Teil kaum noch erwarten und auf seiner Homepage verspricht Alan Campbell (bzw. der Klappentext von "God of clocks" ) ein grandioses Finale.
Lasbelin zu »Alan Campbell: Devil´s Night«17.02.2009
Aus Interesse bezüglich des falschen Klapptextes, habe den Verlag bzw. Vertrieb kontaktiert und nachfolgende Antwort erhalten.
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...nach Rückfrage beim Verlag habe ich erfahren, daß der Klappentext zu einem Zeitpunkt entstand, als das Manuskript noch in Arbeit war.

Der Erscheinungstermin hat sich dann immer weiter nach hinten verschoben und als das Buch endgültig erschienen ist, hat sich der Inhalt etwas verändert und der Klappentext wurde nicht angepasst.

Bei einer evtl Nachauflage wird dies korrigiert...

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