Scar Night von Alan Campbell

Buchvorstellungund Rezension

Scar Night von Alan Campbell

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „Scar Night“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 560 Seiten.ISBN 3-442-46270-3.Übersetzung ins Deutsche von Roberto de Hollanda.

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In Kürze:

Seit Hunderten von Jahren hängt die Stadt Deepgate an unzähligen schweren Eisenketten über einem finsteren, dämonischen Abgrund. Dort tobt ein erbitterter Kampf um die Seelen der Verstorbenen. Dill ist der letzte aus dem einst mächtigen Geschlecht der Erzengel und dazu auserwählt, tote Seelen an den schrecklichen Gott dieses Höllenschlundes zu übergeben. Als er das Ritual zum ersten Mal vollzieht, schwört der Vater einer entseelten Tochter blutige Rache und löst damit einen infernalen Kampf aus …Der erste Teil einer atemberaubenden Fantasy-Trilogie

Das meint Phantastik-Couch.de: „Blut und Rost“91

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

Ohne Blut im toten Körper kommt die Seele nicht in den Himmel:  Doch der Himmel über Deepgate, die Stadt an den Ketten, das ist die Hölle im endlosen Abgrund darunter, regiert vom gefallenen Engel Ulcis. Der Himmel in der Höhe dagegen ist eine geschlossene Veranstaltung der Göttin Ayen: sie feiert lieber allein mit ihren Engeln und lässt die armen Sünder vor der Pforte stehen – egal, was sie anstellen.

Es ist ein wirklich faszinierendes theologisches – und architektonisches – Konzept, dass der Schotte Alan Campbell zur Grundlage seines ungewöhnlich atmosphärischen Erstlings „Scar Night“ gemacht hat. Die Stadt Deepgate hängt an zahllosen gigantischen Eisenketten über einem scheinbar unendlich tiefen Abgrund. Ihre Regeln werden bestimmt von den miesepetrigen Würdenträgern einer intoleranten Religion, in der sich alles um Blut, Sünde, Erlösung und ewiges Leben dreht. Campbell öffnet die Geheimnisse der Kettenstadt kleinschrittig, indem er die Charaktere der Hauptfiguren nach und nach offen legt. Da ist zum einen der Oberpriester Sypes, der die Lüge seiner Religion bewusst auslebt; Mr. Nettle, der über Leichen geht, um die Seele seiner Tochter zu retten; der Alchemist Devon, psychisch und physisch verkrüppelt von den Ergebnissen seiner Arbeit; Rachel, eine angehende Spine-Elitekämpferin, und schließlich Dill, ein echter Engel, unsicher, pubertär und ahnungslos. Die faszinierendste Figur ist jedoch Carnival: Seit 2000 Jahren heimsucht sie allmonatlich die wankenden Gassen von Deepgate, um sich im wahrsten Sinne des Wortes eine arme Seele einzuverleiben.

Doch mit ihrem düsteren Facettenreichtum steht die Kettenstadt den handelnden Protagonisten in grotesk-gotischem Charakter kaum nach. Sie qualmt und stinkt in bester Steampunk-Manier, sie ist labyrinthisch-verfallen wie ein exotische Ghormenghast-Variante, sie schwärt, wabert und rostet, sie ist korrupt wie China Miévilles New Crobuzon. In ihrer Mitte steht der Tempel, von wo aus alle toten Körper auf den Weg nach unten befördert werden. Deepgates Armee verfügt über Luftschiffe und chemische Kampfstoffe, die bedenkenlos gegen Feinde eingesetzt werden. Ganze Stadtteile stürzen in den Abgrund, wenn Ketten reißen. Die ganze Kultur der Stadt scheint auf den Tod zu warten, auf Tod aufgebaut zu sein, um ewig in ihm zu leben.

Diese kaum verhohlene Todessehnsucht treibt denn auch die meisten Hauptfiguren an. Während Dill, der letzte Engel in einer langen Ahnenreihe von Engelskriegern, von den Kirchenoberen für ihre überkommenen Rituale instrumentalisiert wird, zieht der wahnsinnig gewordene Wissenschaftler Devon die Stadt und das Nomadenvolk der Heschette in einen Krieg. Rachel soll Dill beschützen und gerät mit der vampirartigen Carnival aneinander, doch der größte Kampf steht dem ungleichen Trio noch bevor – im Abgrund unter der Stadt an den Ketten.

Selbstbewusstes Debüt

Kaum zu glauben, dass „Scar Night“ ein Debütroman ist. Die Geschichte ist dunkel, atmosphärisch und actionreich, die Charaktere – besonders die weiblichen – sind geheimnisvoll und verzweifelt, das Setting gothic, ohne es mit der entsprechenden sprachlichen Ornamentik zu übertreiben; Dark Urban Fantasy sagen die Briten und Amerikaner dazu. Provokant sind übrigens die unverhohlenen Anspielungen auf den Katholizismus. Und scheinbar ist Edinburgh für Fans einen Besuch wert, Campbell sagt im Interview mit Phantastik-Couch.de, dass ihn seine Heimatstadt zu dem Roman inspiriert hat.

„Scar Night“ wurde in englischsprachigen Ländern nicht ohne Grund ziemlich gehypt. Der Roman repräsentiert wie Scott Lynchs „Die Lügen des Locke Lamora“ eine neue und selbstbewusste Richtung der Fantasy für alle, die nichts mehr über Zauberer, Elfen und Zwerge lesen wollen. Mehr als unterhaltsam und höchst empfehlenswert, trotz des etwas behäbigen Einstiegs und nahezu unerträglichen Cliffhangers.

Ihre Meinung zu »Alan Campbell: Scar Night«

deta zu »Alan Campbell: Scar Night«19.04.2013
Kann man ein Buch nur mit einem Wort definieren? UNGLAUBLICH! Tja, so ist diese Geschichte. Wie ein in seinen Farben schnell oszillierendes Kaleidoskop wechseln hier die Charaktere und verschiede Persönlichkeiten. Jede der Protagonisten in diesem Roman ist wie eine der Ketten, die diese Stadt tragen, ohne sie könne diese Geschichte ihre, im Grunde, grausame Pracht nicht entfachen.
Na ja, mit den Ketten habe ich so meine Schwierigkeiten. Es gelang mir einfach nicht sich vorzustellen, wo die Ketten, auf denen die Stadt hing, verankert sind, denn sie haben auch ein anderes Ende, welches irgendwo außerhalb des Abgrunds verankert werden musste, sonst hätten sie keine Berechtigung zwischen den Häusern. Vorstellen konnte ich mir das nicht.
Es ist in Ganzem eine fesselnde, schnelle und sehr interessante Geschichte.
Eine fremde Welt mit einem seltsamen Glauben, indem das Gut und das Böse ihre Plätze vertauscht haben, aber sich mit solch logischer Erklärung behaupten, dass man dies erst merkt, als es zu spät ist. Hier könnte man über Auslegungen und Dogmen der eigenen Religion reflektieren.
Verdrehte Gemüte der Hauptpersonen. Die Geburtstunde des Helden, der eins sein wollte, und gleichzeitig nicht glaubte, dass er das auch kann.
Helden die neue Ära schreiben und es bis zum Schluss nicht merken.
Man findet hier alles: Starke Frauen, tollpatschige Engel, berechnende Kirchenmänner, wahnsinniger Erfinder, gefallene Götter, Wilde und Monster, und ein verzweifelter Vater auf der suche nach der Seele seiner Tochter in einem sich immer schneller drehendem Strudel der Ereignisse. Und ein grenzenloser Hass, welcher man nachvollziehen kann, ohne ihm gut zu heißen.
Eine Geschichte, von der man nach der letzten Seite noch mehr lesen will.
Nic Black Albino zu »Alan Campbell: Scar Night«05.12.2008
Ich find das Buch spannend und mitreißend. Wie der Erzengel Dill einerseits geschützt werden soll und in einem goldenen Käfig steckt, jedoch aber auch gegen die Dunkelheit die den Ort bedrohen kämpfen muss.
Es ist mitreißen und regt die Fantasi an, außerdem interessiere ich mich mit allem was mit Engeln zu tun hat.
Gullugullu zu »Alan Campbell: Scar Night«05.09.2008
Scar Night ist ein überraschend neuartiges Buch, das durch seine frischen und unverbrauchten Ideen sowie durch die überaus düstere und apokaliptysche Weltdarstellung überzeugt. Im Mittelpunkt steht der Engel Dill, der letzte Abkommen einer heroischen Engelblutlinie, der die Verantwortung und Erwartung nicht ansatzweise tragen kann. Stets ist er von Selbstzweifeln und Unsicherheit geplagt, ganz im gegenteil zu typischen Fantasy-Büchern wird er nicht wie ein typischer Held, sondern wie ein Looser dargestellt. Das Buch ist sehr finster und dunkel aufgebaut, vereinzelt auch brutal und widerwärtig. Allerdings nehmen diese Stelen nicht überhand, also kein Grund zur Sorge. Allerdings muss ich zugeben, dass dieses Buch teils ein wenig schwer zu lesen ist, da es relativ zäh und ein wenig unstrukturiert wird. Manchmal fehlt einfach der rote Faden, der durch die Geschichte führt. Man merkt, dass Campbell literarische Erfahrungen fehlen. Allerdings weiss er durch seine durchaus interessanten und tiefgründigen Charaktere zu überzeugen, die ein wahres Highlight des Buches ausmachen, wie zum beispiel Carnival, einem eigentlich als Böse zu bezeichneten Engel, der sich allerdings später auf die Seite der "guten" schlägt. Die Seiten Gut und Bäöse sind nicht eindeutig definiert, das buch wird aus beiden seiten beschrieben, wenn es diese überhaupt gibt. Daher kann man sich gut mit den Charakteren personifizieren.
Alles in allem muss ich sagen, dass Scar Night ein sehr interessantes Buch ist, das sich zwar nicht mit anderen Fantasy-sternchen messen kann, aber eben durch diese unvergleichbarkeit besticht. Wer mal Lust auf was neues hat und genug von alten Klischees mit zwergen und Elfen hat, sollte auf jeden Fall zugreifen. Übrigens soll im Dezember 2009 der Zweite teil der Triologie erscheinen, Devils Night, der ebenfalls von Dill handelt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dr. Shakalu zu »Alan Campbell: Scar Night«12.02.2008
Ich muss sagen, dass mich dieses Buch wirklich beeindruckt hat. Es ist unterhaltsam, spannend und befasst sich mit der durchaus aktuellen Problematik der Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft. Mich haben allerdings gerade die 'guten' männlichen Charaktere fasziniert, da diese aus dem klassischem Heldenschema fallen.
Ich empfehle dieses Buch jedem, der nach neuer, innovativer und intelligenter Fantasy der düsteren art sucht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Johgel zu »Alan Campbell: Scar Night«10.12.2007
Ehrlich gesagt mich konnte dieses Buch überhaupt nicht begeistern. Ich fand den Anfang sehr zäh und dieses Gefühl durch einen literarischen Sirup zu waten hat sich nicht geändert. Deshalb habe ich nach 2/3 aufgegeben und das Buch verschenkt!

Kann sein das im letzten Drittel alles gut wird. Aber dafür fehlt mir die Geduld.
Lykantrophos zu »Alan Campbell: Scar Night«10.12.2007
Fantasy des 21. Jahrhunderts!

Aufgewachsen mit den "alten" Helden wie R.E. Howard, Fritz Leiber, H.P. Lovecraft, E.R. Burroughs, Karl Edward Wagner und Michael Moorcock, stehe ich "neuer" Fantasy eher skeptisch gegenüber.

Cover und Klappentext von "Scar Night" bewegten mich zum Kauf.

Was soll ich sagen? - Ich bin begeistert!!! Charaktere und Handlung überzeugen. Ein echter Cliffhanger. Klasse !!!
Ich habe seit langem mal wieder einen Roman in einem Zug
durchgelesen.

Ich fühlte mich zurückversetzt in die Kindheit, als ich zum ersten Mal Conan, Fahrfd und der graue Mausling oder Elric, mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, las.

Nach der Lektüre habe ich im Buchhandel und im WWW geforscht und bin auf John Meaney´s " "Tristopolis" (orig. "Bone Song") und auf Scott Lynch´s "Die Lügen des Locke Lamora" gestoßen. Beide sind auch für Fans von "Scar Night" zu Empfehlen.

Wenn Du auf der Suche nach neuen, aufregenden und bisweilen düsteren ( "Tristopolis"- Achtung! Eher Mystik/ SF/ Detektivstory im Sinne der klassischen s/w Hollywoodfilme ) Abenteuergeschichten bist, dann versuche es mit diesen drei Romanen.
Bei Alan Campbell und Scott Lynch kann ich die Fortsetzungen kaum abwarten. John Meaney´s " Tristopolis" erfährt wohl leider keine Fortsetzung. Zumindest ist keine vom Verlag angekündigt.
Schade :-((((

Bei einer Skala von 0 bis 10, würde "Tristopolis" mit einer 10, "Scar Night" mit einer glatten 11 und "Die Lügen des Locke Lamora" mit einer 11 Plus von mir bewertet :-)))
Das alles ist natürlich rein Subjektiv und mein persönlicher Geschmack. Sollte Dir meine Bewertung zusagen, freue ich mich auf ein Feedback
:-)))
ArcAngel89 zu »Alan Campbell: Scar Night«11.10.2007
Als ich die Inhaltsangabe zum Buch las hatte ich erst großes Interesse, aber dieses verwelkte dann. Die Charactere sind nicht ausführlich beschrieben, daher kann man sie sich nicht richtig vorstellen und die meiste Zeit musste ich mich langweilen. Es gab meiner Meinung nach nur einige Stellen die Spannend waren.Für mich eine Enttäuschung! Bevor ich mir den 2. Teil kaufe ( erscheint nächstes Jahr ) lese ich mir erstmal die Leserkommentare durch.
Ladonna zu »Alan Campbell: Scar Night«04.10.2007
Dieses Buch ist ein ein muss für alle Fantasy und Horror liebhaber.

Packend mit sehr ungewöhnlichen "Helden" .
Was mir besonders gut gefiel, es existiert im prinzip hier kein gut und böse.

Große klasse
archon666 zu »Alan Campbell: Scar Night«18.09.2007
Ein absolut gutes Buch mit einer schön düsteren und mal einer "erfrischend" anderen Welt.

Etwas schwergängig am Anfang, aber dafür um so mitreißender am Ende.

Absolut empfehlenswert für jeden der etwas Abwechslung in seinem Fantasy-Regal haben möchte.
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