Genom von Alan Dean Foster

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „The Human Blend“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 432 Seiten.ISBN 3-404-20706-8.Übersetzung ins Deutsche von Kerstin fricke.

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In Kürze:

Whispr und Jiminy sind Gauner – und Melds: Menschen, die körperlich oder genetisch „verbessert“ wurden. Sie überfallen einen Mann, um an seine künstliche Hand zu kommen und stehlen dabei eine Silberkette. Diese scheint wertvoller zu sein, als sie dachten, denn bald werden sie erbarmungslos gejagt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Skurrile Zukunftsvision von Altmeister der SF“68

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Willkommen im Amerika der Zukunft. Die globale Erwärmung hat dafür gesorgt, dass weite Landstriche ehemaligen Siedlungsraumes überflutet wurden. Mithilfe der hochgezüchteten Technik wurden ganze Städte auf hydraulische Bühnen gesetzt und angehoben. Die Menschen haben sich aber nicht nur die Natur untertan gemacht, auch in die Schöpfung wird eingegriffen. Kaum ein Mensch verzichtet auf Melds, genetisch-biologische Manipulationen die den Körper verändern. Ein weiteres Herz, Federn statt Haare, oder vielleicht ein riesenhafter Körper – es gibt nichts, was nicht gemacht wird. Menschen verwandeln sich in Tiere, Tiere werden menschlich aufgepeppt, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

In dieser Welt fristet Whispr sein Dasein als Dieb. Natürlich hat auch er seinen Körper modifizieren lassen – er ist unnatürlich dünn, passt durch engste Zwischenräume und wiegt gerade noch einmal knapp 50 kg. Whispr ist kein netter Mensch. Um seine Raubzüge erfolgreich durchzuführen, scheut er sich nicht, Menschen zu ermorden. Um an eine künstliche und sehr teuer aussehende Hand zu gelangen, wird kurzerhand das Meld-Herz des Opfers zum Stillstand gebracht, schon können er und sein Partner in Ruhe die Hand abmontieren und die Brieftasche an sich nehmen. In letzterer findet er einen fadenförmigen Datenträger – und schon beginnt eine Jagd auf ihn, die er sich nicht erklären kann. Was nur ist auf dem Datenträger, den es physikalisch eigentlich nicht geben kann, gespeichert, dass sämtliche Polizeikräfte und die besten Attentäter der Welt gemeinsam hinter ihm her sind? Zusammen mit einer Natural-Ärztin, die ihn von lästigen Nanosonden der Polizei befreit, macht er sich an die Aufklärung der Mysterien …

Tolle Kulisse, aber gewöhnungsbedürftige Figuren

Altmeister Alan Dean Foster schildert uns eine faszinierende Welt der Zukunft. Nicht nur die überschwemmten Bereiche und die Art, wie die Menschen mit der Umweltkatastrophe fertig wurden, begeistert den Leser, die genetischen Manipulationen sind bei all ihrer schrillen Ausprägung nur allzu gut vorstellbar. Was wäre, wenn man sich wirklich in alles und jeden verwandeln, sich aufrüsten und verändern könnte – wo würde die Grenze des guten Geschmacks liegen? Fragen, die sich aufdrängen, die Foster nebenher einfließen lässt, deren Beantwortung er aber dann seinen Lesern selbst überlässt. So wertet er nicht, beschreibt nur Menschen mit Federkleid oder Frauen mit diversen Brüsten und Vaginas, Alligator-Menschen oder Fischer mit Kiemen, drei Meter große Basketballspieler oder tonnenschwere Mechaniker, ohne hier den Stab über diese zu brechen.

In diese faszinierende Kulisse hat er dann seine spannende Handlung eingebaut. Manko des Romans – einnmal mehr der Auftakt einer Serie von Romanen – sind dann aber die Charaktere. Whispr selbst irrt getrieben und hilflos durch seine Welt, weiß nicht warum man ihn nun mit allen Mitteln jagt, was hinter der Treibjagd wirklich steckt. Zudem ist er nicht eben ein angenehmer Protagonist. Ein Mann ohne große Skrupel oder Moral, der sich nicht scheut, seine Opfer mitleidlos umzubringen, um sich zu bereichern. Das ist nicht unbedingt stromlinienförmiges Heldenmaterial. Zwar ermöglicht er uns einen direkten Einblick in diese uns fremde Welt, doch wird man mit ihm als Erzähler nicht warm.

Selbst die Einführung der weiblichen Begleiterin und der Konzentration auf einen sie verfolgenden Schurken sorgt hier nicht für viel Abhilfe. Zwar zieht das Tempo immer weiter an, konzentriert sich das Geschehen auf die beiden Parteien, die sich einen packenden Wettlauf liefern, dennoch fehlt dem Roman hier etwas.

Insofern bleibt mir insbesondere das faszinierende Umfeld mit dem Meld-Erweiterungen im Gedächtnis, in dem sich aber leider Personen tummeln, mit denen ich zumindest nicht richtig warm geworden bin.

(Carsten Kuhr, November 2012)

Ihre Meinung zu »Alan Dean Foster: Genom«

Roberto zu »Alan Dean Foster: Genom«23.03.2013
Ich würde noch hinzufügen, dass die Lesbarkeit im Deutschen meiner Meinung nach wegen der schlechten Übersetzung (voller Nebensatzkonstrukte) extrem in Mitleidenschaft gezogen wird.

Zur Verdeutlichung: Wäre dies ein Satz aus der Feder der Übersetzerin gewesen, sähe er in etwa so aus:

Ich würde noch, wegen der schlechten Übersetzung, die voller Nebensatzkonstrukte ist, hinzufügen, dass die Lesbarkeit extrem, im Deutschen, gezogen wird, in Mitleidenschaft.
Johgel zu »Alan Dean Foster: Genom«05.01.2013
Wieder einmal zeigt Alan Dean Foster, dass er einer der Ideen reichsten Schöpfer von Welten und Wesen (siehe z. B. "Die denkenden Wälder" oder "Cachalot") im Genre des technischen Science Fiction ist.

Die Idee durch Gentechnik Anpassungen von Menschen in jeder beliebigen Form vorzunehmen, liefert für ihn ein perfektes Szenario um dieses Talent voll und ganz aus zuspielen. Seine geschaffene Welt ist spannend, chaotisch skurril aber dennoch immer glaubhaft. Das soweit zum Guten und Lesenswertem an diesem Buch.

Leider hat bei seinem Ideenreigen vergessen, seine Charaktere glaubhaft und mitreißend zu gestalten. Der Hauptprotagonist ist ja noch einigermaßen gelungen, aber seine Partnerin ist leider die gesamte Zeit vollständig unglaubwürdig und ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl: "Das würde eine solche Person nicht tun". Es fehlte bedauerlicherweise an einer nachvollziehbaren Motivation ihres Handelns Ein solcher Eindruck hat für mich des Lesespaß deutlich reduziert.

Auch sind die Sidekicks und Nebenpersonen viel zu plakativ und zweidimensional. Auch hier hat Foster sich eher auf eine Gestaltung der Ausstattung als auf die Schaffung eines Charakters konzentriert.

Wie immer ist das Buch gut lesbar und angenehm geschrieben, aber leider fehlt hier etwas, was einen auf der Reise der Beiden mit nimmt und mitleiden lässt. Meist hatte ich nur das Gefühl Zuschauer an einem Bildschirm einer Drohne zu sein und nicht direkt dabei.

Für Fosterfans (wie mich) kommt man an dem Buch nicht vorbei. Aber Leser, die diesen Autor noch nicht kennen, sollten sich lieber andere Bücher von ihm nehmen. Da gibt es echte Perlen!
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