Für Licht und Vollkommenheit von

Buchvorstellungund Rezension

Für Licht und Vollkommenheit von

Originalausgabe erschienen 2010, 350 Seiten.ISBN 3862540898.

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In Kürze:

Wieder einmal drücken Lupina, die clevere Halblingsdame aus Eine Frage von Leben und Tod , Sorgen. Gerade als ihr Laden für erotische Stempeldrucke eine sichere Existenz verspricht, gefährdet eine Klage wegen Unsittlichkeit ihre Existenz. Erneut muss sie einen Auftrag für diskrete Ermittlungen annehmen und ermittelt unversehens in einem Mordfall. Romal, der alte Gelehrte von gegenüber, ist erschlagen worden. Anscheinend war es ein Raubmord, denn es sind kostbare Ringe mit wunderbaren Kräften verschwunden. Romals Haushälterin und Lebensgefährtin bittet Lupina, diese Ringe wieder zu beschaffen, und so stürzt sie sich erneut in ein gefährliches Detektivabenteuer. Eine gelungene Mischung aus spannender Detektivgeschichte, prall-buntem Fantasy-Schauplatz und bissigem Witz.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Von Halblingen, Morden und Apfelkuchen“67

Fantasy-Rezension von Tom Orgel

Kriminalistische Fantasyromane sind ein kleines, feines Sub-Genre der klassischen Fantasy. Es hat immer wieder Perlen hervorgebracht – neben einer Reihe sehr unterhaltsamer Pulp-Fantasy wie die Detektiv-Romane „Die Legenden von Turai“ von Martin Scott um Thraxas, den abgehalfterten Magier-Ermittler oder Steven Brusts „Jereg“-Serie. Genau in dieses Segment fällt Ballys gar nicht mal so kleiner, zweiter Band der Fantasy-Krimis um die Halblings-Dame und Teilzeit-Detektivin Lupina, alias Lu.

Mittelalterliche Schweinigeleien und kleine Morde unter Nachbarn

Lupina ist eigentlich eine Druckerin in einer recht typischen Fantasy-Stadt (namens Garbath) und verdient normalerweise ihre Brötchen mit der Herstellung und dem Verkauf ausgesprochen erotischer Götterbildnisse an Seeleute. Von der städtischen Priesterschaft kurzfristig aus dem Geschäft gekegelt, nimmt sie vor allem aus Geldnot wieder einmal einen Ermittlungsauftrag an: Ein alter Gelehrter, für den sie als Schreiberin gearbeitet hat, ist erschlagen worden und aus seinem Besitz fehlen einige Bücher und wertvolle Schmuckstücke. Die Geliebte des Alten heuert Lu an, um den Mord aufzuklären und den Schmuck wiederzubeschaffen. Bald darauf geschieht ein zweiter Mord und plötzlich hat die kleine Druckerin mehr als genug damit zu tun, einen ihrer Freunde vor dem Galgen und gleichzeitig ihr Geschäft zu retten.

Spannend und voller Lokalkolorit

Gleich zu Anfang: Bállys Roman ist gelungen. 514 spannende und logische Seiten von Low-Fantasy, in der Magie, Rassen und die üblichen Krieger- und Magierklassen kaum eine Rolle spielen, in der es keine mystischen Monster, fiese Oberbösewichter samt Invasionsheeren oder Weltvernichtungspläne gibt. Stattdessen eine ganze Reihe liebevoll gezeichneter, sehr menschlicher Charaktere (auch wenn einige davon Halblinge sind) und eine bis ins Detail akribisch ausgearbeitete Stadt, in der Totengräber, Knast und Bibliothek ebenso gut funktionieren, wie die lokale Wirtschaft und das Rechtssystem.

Und genau damit muss sich die kleine, vorlaute Protagonistin Lu weit mehr herumschlagen, als mit handfesten Bösewichtern. Denn hier geht es nicht um Schwert- sondern eher um Wortgefechte in einer Geschichte, in der Probleme mit dem Kopf statt mit Waffen oder Magie gelöst werden. Die augenzwinkernde, unaufgeregte Erzählweise und der recht actionarme Plot konzentrieren sich auf Figuren, Beweggründe und menschliche Verhaltensweisen – wer Brachialfantasy mit Weltretterhelden sucht, ist hier definitiv fehl am Platz. Der Plot ist liebevoll und vor allem logisch aufgebaut und lädt zum Miträtseln ein. Dass man den einen oder anderen Mosaikstein etwas eher ins Bild fügen kann, als Ballys Protagonistin macht es um so interessanter. Im Grunde ist „Für Licht und Vollkommenheit“ schlicht ein Kriminalroman in einem fiktiven Mittelalter. Nur eben, dass die Heldin eben ein Halbling ist und auf deren Kultur (und Eigenarten) aufbaut.

Kleine Detektivin mit Herz und großer Schnauze

Lu selbst ist dabei eine sehr, manchmal vielleicht zu, moderne und selbstbewusste Heldin. Zu modern auf jeden Fall für ihr eigenes Volk, in dem sie mit ihren emanzipatorischen Anflügen aneckt. Zu modern eventuell auch für eine typische Fantasywelt, auch wenn das verzeihlich ist. Immerhin sind Fantasyheldinnen ja allgemein wesentlich eher an den Maßstäben unserer heutigen, westlichen Kultur orientiert. Dafür ist sie allerdings durchweg sympathisch und als Identifikationsfigur für einen Detektivroman in Ich-Erzähler-Manier sehr geeignet.

Generell ist Ballys Sprache erfrischend schlicht und schnörkellos gehalten, mit nur sehr reduzierten Andeutungen von „Mittelaltersprech“ – was für Fantasy dieser Art vielleicht ungewohnt ist, jedoch hervorragend zu Figuren und Geschichte passt.

Die schlechten Seiten des Buches

Das größte Manko des Buches ist daher nicht vom Autoren, sondern vom Verlag verschuldet. hier gibt es allerdings gleich eine ganze Reihe schwerwiegender Kritikpunkte, die den Gesamteindruck empfindlich trüben.

Punkt eins betrifft wohl lediglich das Format des Rezensionsexemplars. Der Aavaa-Verlag bietet seine Bücher in drei Formaten an: Zum einen im klassischen Taschenbuchformat, zum zweiten in einem besonderen Großdruck, wie er für Leute mit Sehschwäche produziert wird und zum dritten in einem so genannten „MINI-Buch“.

Genau das ist es auch, was Aavaa als Rezensionsexemplar versendet hat. Was ich nicht für einen gelungenen Schachzug halte. Denn dieses Format ist um ziemlich genau eine DIN-Stufe (also in etwa vom grob mit DIN A-5 vergleichbaren Taschenbuch auf ein knapp unter Postkartengröße verkleinertes Format) reduziert. Was jedoch nicht bedeutet, dass es entsprechend neu gesetzt ist. Es scheint vielmehr, als hätte man einfach das bestehende „Normal-Format“ auf 71% verkleinert. Kleinere Schrift, kleinere Zeilenabstände, dünneres Papier. Und genau das macht den Roman sehr schwer lesbar – was für einen Rezensenten natürlich den Gesamteindruck deutlich beeinträchtigt, wenn man sich auch als Nicht-Brillenträger deutlich mehr anstrengen muss. Für Leute mit Brille ist das wohl eher nicht geeignet.

Don’t judge your book by it's cover

Dazu kommt, dass die Qualität des folienkaschierten Umschlages sehr zu wünschen übrig lässt. Die Covergestaltung an sich ist für einen Kleinverlag in Ordnung, wenn auch nicht herausragend. Immerhin jedoch so, dass man sich das Buch eventuell in der Buchhandlung mit nehmen würde. Was man ja lange nicht von allen Kleinverlagen behaupten kann. Die technische Qualität allerdings nicht: Schon nach wenigen Seiten Lesens wölben sich die Umschlagseiten beinahe im Viertelkreis nach außen und die ohnehin minderwertige Kaschierung wird rissig und löst sich ab – selbst bei pfleglicher Behandlung. Das sollte heute definitiv nicht passieren!

Detektivroman mit Fehlersuchspiel

Dritter und schwerwiegendster Punkt: Der Verlag hat ganz eindeutig an Korrektorat und Lektorat gespart. Dadurch ist die Häufung von gravierenden Schreibfehlern und vor allem ausmerzbaren Fehlern wie Wortwiederholungen, überzähligen oder fehlenden Worten und immer wieder auch kleineren Sinn- und Logikfehlern schmerzhaft hoch. Das kommt zwar in den besten Häusern vor und ist ein Problem, vor dem auch große Verlage nicht völlig gefeit sind. Doch wenn man durch so etwas quasi ständig aus dem Lesefluss gerissen wird, dann ist das mehr als ärgerlich. Und es schadet der Geschichte empfindlich. Bállys Roman hätte hier definitiv mehr Sorgfalt verdient. Das gibt deutliche Abzüge in der B-Note.

Empfehlenswert mit produktionsbedingten Mängeln

Zusammenfassend: Eine feiner Roman für alle, die eine intelligente, unblutige Who-Dunnit-Kriminalgeschichte im Fantasygewand abseits der magieschwingenden High-Fantasy zu schätzen wissen. Alexander Bálly versteht sein Handwerk als unterhaltsamer Erzähler und ich werde mir den ersten Band von Lupinas Abenteuern sicherlich noch holen. Wenn Aavaa jetzt noch ein wenig mehr Sorgfalt bei Produktion und Lektorat walten ließe, würde das Leseerlebnis allerdings noch deutlich mehr Spaß machen. Und die Wertung höher ausfallen. normalerweise sollte das nicht in die Wertung einfließen – muss es in diesem Fall jedoch leider.

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