Schattenversuchungen von Alisha Bionda

Buchvorstellungund Rezension

Schattenversuchungen von Alisha Bionda

Originalausgabe erschienen 2009, 224 Seiten.ISBN 3940235415.

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In Kürze:

Vorwort der Herausgeberin Alisha Bionda: Diese Kurzgeschichtensammlung bietet das erste „Appetithäppchen“ der neuen düster-phantastischen Erotikreihe ARS AMORIS im Sieben Verlag. Ein Hors d’œuvre erotischer Literatur, wie sie unterschiedlicher nicht sein kann. Sei es vordergründig, subtil oder in nur sehr fein wahrnehmbaren Nuancen. Erotik ist nicht für jeden gleich definierbar, für jeden anders empfindbar. Ob nun der intensive Blickkontakt in der Menge, die sanfte Berührung des Mannes, den man liebt, das zarte Streicheln über die Wange, ein stimulierender Duft – oder der feuchte, ausdauernde Kuss zweier Liebenden, das lustvolle Öffnen des erwartungsvollen Schoßes, der harte Sturm auf enge Pforten – all das und noch viel mehr ist Erotik. Ich habe in den „Schattenversuchungen“ bewusst eine sehr große Band-breite an Texten aufgenommen, die Erotik in allen Facetten betrachten und oft auch nur im weitesten Sinne erkennen lassen, weil jeder Leser seine Form der Sinneslust finden soll. So fängt diese oft nur im Betrachten einer schönen Frau oder eines Bildes an, und geht doch tiefer, als die Berührung des falschen Menschen, die einen eher innerlich erkalten lässt. Manchmal erweckt gar die Stimme einer Fremden am Telefon, die ein besonderes Timbre besitzt, erotische Schwingungen in uns. Oft sind es auch nur surrealistische Fingerzeige, die den Kern einer Geschichte ausmachen, die Liebhabern bestimmter Praktiken vertraut sein dürften. Die „Schattenversuchungen“ wollen den schmalen Grat bieten, dem jede Anthologie folgen sollte: Lesern des Genres eine Fülle von erotischen Möglichkeiten offenbaren. Aber auch, jenen Vergnügen bereiten, die „nur“ eine schöne phantastische Geschichte mit lediglich einer Prise der besonderen Würze des Lebens lesen wollen. Die ARS AMORIS-Reihe wird künftig – auch in den geplanten Romanen – weiter diesem Pfad folgen. Mal wird er eher schöngeistig-erotisch, dann in deutlicheren stilistischen Mitteln, aber dennoch immer niveauvoll, in die verschiedenen Reiche der Lust führen. Stets, wie dieser Band bereits anschaulich beweist, mit ästethisch schönen Bildnissen von Crossvalley Smith versehen. Um das zu ehren und zu adeln, was unserem Leben Sterne verleiht – die Sinnesfreude und die „Kunst zu Lieben“.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Klischeefreie Sammlung, die Lust auf mehr macht“90

Fantasy-Rezension von Elmar Huber

„Es waren Abbildungen der Götter, doch nicht etwa ihrer Heldentaten, wie man zahllose draußen in der Stadt gefunden hätte. Es waren vielmehr die Stellen, die in den großen Liedern in einigen wenigen schmucklosen Zeilen abgehandelt wurden, in denen dieser Gott mit jenem, jenen und jener zeugte. Die Tatsache, dass die Mutter des einen ein Elefant, ein weiterer rückwärtig gezeugt und ein ganz weiterer aus dem Samen von achtzig Kriegern entstanden war, verschwiegen jene großen Lieder für gewöhnlich.“
(Christian von Aster – Die Laster des Tribuns)

Ascan von Bargen – Die 13te Fee

Auf einer Kutschfahrt lernt die 15jährige Laure de Séligny die ältere Madame de Beauséant kennen, die eine bisher ungekannte Erregung in dem Mädchen weckt. Während des ungeplanten nächtlichen Aufenthalts in einer Burgruine erzählt ein Mitreisender das Märchen vom Dornröschen, denn die Ruine soll das Schloss aus dem Märchen sein. Die darauf folgende Nacht bringt für Laure nicht nur die Erfüllung ihrer Wünsche, sondern auch den wahren Kern der Dornröschensage ans Licht.

Christian Schönwetter – Vampirja: Gesucht

Die Anzeige für Telefonsex klingt vielversprechend anders für den depressiven Schriftsteller: Vampirja will dein Blut. Die Faszination für die Unbekannte führt bald zu einem realen Treffen. Sobald er Vampirja sieht, ist er ihr und ihren Spielen verfallen. Und er muss alles niederschreiben.

Holger Kutschmann – Grüne Augen

Gerade fragt er sich wieder einmal, ob ihm seine Ehefrau wirklich treu ist, als die grünäugige Schönheit vor seiner Haustür steht und ihm die Möglichkeit offeriert, ewig zu leben.

Barbara Büchner – Die Katzenfrau

Der einzige Zweck ihres Treffens ist das grausame Spiel, das die Katzenfrau und ihr Gefährte spielen. Nur er kann ihr dieses bestimmte, unnachahmliche Gefühl bescheren, nach dem sie sich so sehnt.

Aino Laos – S.A.D.

Gelangweilt von ihrem Altag beantwortet Sarah in Affekt eine e-Mail, die ein anonymes Sexabenteuer verspricht. Neugier und die Aura des Verbotenen lassen sie das Treffen trotz anfänglicher Zweifel tatsächlich wahrnehmen. Doch am nächsten Tag erhält Sarah Besuch von der Polizei. Die Leiche eines Mannes wurde auf dem Friedhof gefunden, auf dem ihr amouröses Abenteuer stattfand.

Arthur Gordon Wolf – „Oh, Geliebte!“

Bereits das erste Wahrnehmen seiner Geliebten verzaubert ihn. Aber sie hat nur Augen für diejenigen Männer, die lediglich ihren Körper begehren. Doch er weiß sich derer zu entledigen. Die letzte Rettung seiner Geliebten allerdings muss noch vollzogen werden.

Michael Schmidt – Adrian

Der Vampir Adrian ist gelegentlichen Sinnenfreuden sehr zugeneigt. Er hat leichtes Spiel mit dem schönen Geschlecht. Doch heute und hier ist etwas anders.

Linda Koeberl – Die letzte Versuchung

Der Priesteranwärter Henry, der gerade in Jerusalem weilt, wird in seinen Träumen von einem Succubus heimgesucht, der eine Höhle außerhalb der Stadt bewohnt. Dort soll Henry einen Exorzismus durchführen, um sich selbst von dem Dämon zu befreien. Doch er erfährt überraschendes über die Identität des Succubus und über den jahrhundertealten Irrglauben der Kirche.

Barbara Büchner – Blut und Rosen

Schon auf den ersten Blick ist die Auftragsmalerin Erin fasziniert von dem Bild, dass sie kopieren soll. Während der Arbeit an dem Gemälde scheint Erin regelrecht aufzublühen.

Hermann Agis – Der schwarze Raum

Ein geheimnisvoller schwarzer Raum soll die Quelle der Inspiration für den gefeierten Schriftsteller sein. Die Gerüchte um den schwarzen Raum sind mannigfaltig. Während eines Interviews mit dem Autor bekommt ein Reporter die Gelegenheit, den schwarzen Raum zu betreten.

Jennifer Schreiner – Gefangen

Als Resultat der Jagd auf den Mörder ihres Vaters findet sie sich an ein Bettgestell gefesselt wieder, Auge in Auge mit ihrer Beute, die nun zum Jäger wird. Ein perfides Machtspiel beginnt.

Alisha Bionda – Die Jägerin

Ihr unstillbares Verlangen treibt die Jägerin Selina auf der Spur des Jägers zu der verfallenen Abtei. Dort entbrennt ein grausames Spiel, in dem nur die Regeln des Jägers gelten.

Klaus-Peter Walter – Black Magic Woman

Die leicht naive Fernsehkritikerin Dr. Dula Zehnpfennig erwartet nach ihrem späten Feierabend ein ganz und gar unerfreuliches Kneipenerlebnis.

Christian von Aster – Die Laster des Tribuns

Gerade dringt der Meisterdieb Jyphrin in die Villa des verurteilten Tribuns ein, um dort einige rufschädigende Dinge wichtiger Personen zu entwenden. Doch in einem geheimen Keller sieht er sich plötzlich einer ganz und gar unglaublichen Szenerie gegenüber.

Karl-Georg Müller – Schwarze Schmetterlinge

Ryan und Kayla genießen ihr einfachens Leben in der Abgeschiedenheit, bis eines Tages Krieger aus dem Nachbarland Mercia in ihre Hütte eindringen. Schnell erkennen diese, dass Kayla ganz besondere Gaben hat.

Guido Krain – Indigo

Auf seinem Ritt gelangt der ergebene Herold der Königin an einen geheimnisvollen See, dem eine unirdisch schöne Frau entsteigt. Nach einem fürchterlichen Traum muss der Reiter erkennen, dass er nun einer neuen Königin ergeben ist.

Barbara Büchner – Die Grotten der Lust

Beständig auf der Suche nach neuen ausgefallenen Spielarten der Lust stößt van Royden auf einen uralten Brunnen. Das Wesen, das in dessen Tiefen haust, vermag es, ihm endlich die ganzheitliche Lust zu schenken, nach der er sich sehnt.

Christoph Marzi – Madame Z

Nach seinem persönlichen Absturz an der Börse entwertet Charlie Colemann nun die Eintrittskarten eines Vergnügungsparks. Eines Tages erregt dort ein neues Zelt seine Aufmerksamkeit und die Inhaberin – Madame Z. – lockt ihn auf unwiderstehliche Weise.

Reimund Neufeld – Die Geschichte der Hurenkönigin Lebesi

Trotz seiner glücklichen Ehe und seines ansonsten redlichen Lebens treibt es Joseph immer wieder zu anderen Weibern. Eines Nachts wird er im Wald des seltsamen und lasterhaften Treibens der Hurenkönigin Lebesi und ihrer Gefolgschaft gewahr.

Tanya Carpenter – Die Ruine

Während ihres Ferientrips lernt Carmen mitten in der Toskana den attraktiven Hotelbesitzer Gulio kennen und lieben. Nach einigen lustvollen Tagen erhärtet sich jedoch ihr Verdacht, dass sich ein Geheimnis um das ehemaligen Schloss rankt.

Triebhaft und experimentierfreudig

„Schattenversuchungen“ macht sich zwei der ursprünglichsten Triebe der Menschheit zunutze – Angst und Lust – und webt aus diesen beiden Zutaten mannigfaltiges Garn. Die Zusammenstellung zeugt vor allem von Lust an der Abwechslung. Abwechslung bietet auch die Herangehensweise der AutorInnen an das spezielle Thema, dass doch eine gewisse Fingerfertigkeit erfordert. Zurückhaltende Szenarien, in denen sich Details lediglich im Kopf des Lesers abspielen, wechseln sich ab mit Beiträgen, die mit expliziten (auch schmerzhaften) Szenen nicht sparen.

Positiv ist mir aufgefallen, dass gängige Klischees, wie etwa Vampire als Vorzeigeexemplare der sexuell deutbaren Phantastik, (fast) gemieden werden. Frischen Wind in die Vereinigung von Abscheu und Begierde bringen hingegen Ascan von Bargens Vorstellung davon, was denn nach der Märchenstunde geschieht, wenn die Kindlein schlafen (Die 13te Fee), Holger Kutschmanns augenzwinkernde Invasion-Utopie (Grüne Augen), Linda Koeberls Vermutung über einige fehlende Kapitel in der Bibel (Die letzte Versuchung), Klaus-Peter Walters schräger Albtraum einer erholungssuchenden Business-Frau (Black Magic Woman) und Wortzauberer Christian von Asters überraschende Abenteuer eines orientalischen Meisterdiebs (Die Laster des Tribuns).

Schmerzvoll und unvorhersehbar

„Schattenversuchungen“ bietet auch naheliegende S/M-Variationen mit phantastischem Anstrich und geht dabei sogar so weit, Erklärungsversuche für die Befriedigung anzubieten, die aus einer erniedrigenden Position gezogen wird („Sie hat Angst vor weiteren Schlägen. Eigentlich ist sie schmerzfeig, aber da ist das Gefühl, wie die Reifen zerspringen – dieses unnachahmliche Gefühl.“, Die Katzenfrau). Neben Barbara Büchners „Die Katzenfrau“ gehören dazu Jennifer Schreiners Schilderung eines Rachefeldzug mit unvorhergesehner Wendung (Gefangen) und Alisha Biondas provokant-brutale Masochismus-Fantasie „Die Jägerin“.

Als stilistisch überraschend erweisen sich Arthur Gordon Wolfs „Oh Geliebte!“, das ganz der Monolog eines Besessenen ist, Reimund Neufelds „Die Geschichte der Hurenkönigin Libesi“, ein düster-erotisches Märchen, das von den unstillbaren Trieben selbst der angesehensten Zeitgenossen handelt und Christian von Asters „Die Laster des Tribuns“, das mit seinen eindeutigen Andeutungen ein stetes Lächeln auf das Gesicht des Lesers zaubert.

Nach ihrem Beitrag in „Unter dunklen Schwingen“ (Otherworld, 2009) nimmt sich Barbara Büchner mit „Blut & Rosen“ ein weiteres Mal der Blutgräfin Erzebeth Bathory an. Karl-Georg Müller gibt uns mit „Schwarze Schmetterlinge“ einen Vorgeschmack auf sein „Nebelwelt – Herrin der Dornen“, das im November 2009 im Sieben Verlag erscheinen soll und weiteres über die schwarzen Schmetterlinge enthüllt. Tanya Carpenter lässt ein lustvolles Urlaubsabenteuer zu einem fast klassichen gänsehauterzeugenden Gruselszenario mutieren, dessen eigentlicher Schrecken erst mit dem Schluss der Story beginnt (Die Ruine).

Die Geschichten werden ergänzt von den Kurzvorstellungen der AutorInnen, der Herausgeberin und des Grafikers.

Reizvolle Verpackung

Zu jeder Story hat der Künstler Crossvalley Smith eine fotorealistische Grafik erstellt, die ganzseitig je eine Szene der Geschichte zeigt. Die Bilder sind in Schwarzweiß gehalten und tragen eine großen Teil zur edlen Optik der „Schattenversuchungen“ bei.

Bei meinem Exemplar stören schmale weiße Ränder auf den rechten Grafikseiten das Gesamtbild etwas. Diese fallen jedoch nur beim Umblättern auf. Die schöne Umschlaggestaltung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Atelier Bonzai (Reihenlayout) und Crossvalley Smith (Motiv). Erwähnen möchte ich auch noch die filigran-süßen Szenentrenner, die ebenfalls zum besonderen Gesamtbild beitragen.

„Schattenversuchungen“ ist der erste Band von Alisha Biondas neuer Reihe „Ars Amoris“ im Sieben Verlag, die düster-phantastische Erotikgeschichen in kurzer und langer Form enthalten wird. Ergänzt werden die Texte jeweils durch die Grafiken von Crossvalley Smith. Die „Schattenversuchungen“ bieten einen ersten Eindruck und Querschnitt über das, was den Leser dort erwartet; Ein wunderschöner, edler Band, der absolut Lust auf mehr macht.

„Wir gingen weit über die Grenzen dessen hinaus, was man einer zügellosen Jugend noch zugestehen mochte. Wie abgründig das Erlebnis auch sein mochte, wenn es uns nur zu errgen versprach, so suchten wir es und fragten nicht nach Gott oder Menschen.“
(Barbara Büchner – Die Grotten der Lust)

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