Sherlock Holmes und das Druidengrab von Alisha Bionda

Buchvorstellungund Rezension

Sherlock Holmes und das Druidengrab von Alisha Bionda

Originalausgabe erschienen 2012, 240 Seiten.ISBN 3927071757.

»Sherlock Holmes und das Druidengrab« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

„Ich glaube, alles, was aus dem Gewöhnlichen herausfällt, ist der Mühe wert, berichtet zu werden.“Sherlock Holmes – Der Hund von Baskerville
Arthur Conan Doyle schuf vor 125 Jahren den literarisch größten Meisterdetektiv aller Zeiten. Seit seinem Tod haben zeitgenössische Autoren Sherlock Holmes und seinen treuen Freund Dr. Watson in neue Fälle verwickelt und somit für die Leser am Leben erhalten.
Volker Bätz, Tanja Bern, Anke Bracht, Barbara Büchner, die die Titelstory bestreitet, Tanya Carpenter, Andreas Flögel, Ruth M. Fuchs, Désirée Hoese, Guido Krain, Sören Prescher, Ramón Scapari, Vincent Voss und Klaus P. Walter konfrontieren Holmes und seinen messerscharfen Verstand in diesem Kurzgeschichtenband mit mystischen Fällen – meisterhaft bebildert von Crossvalley Smith.
So stellen sich Sherlock Holmes wieder viele Fragen. Geht tatsächlich ein Vampir in London um? Gibt es wirklich einen Geist auf Carnington Hall, der sein Unwesen treibt? Was hat es mit den Stimmen aus dem Jenseits auf sich? Und welches Geheimnis steckt hinter der brennden Brücke?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Sherlock Holmes kämpft gegen das Übernatürliche“71

Horror-Rezension von Sanja Döttling

Zum Auftakt der Reihe „Meisterdetektive“ veröffentlicht Alisha Bionda im Fabylon-Verlag eine Sherlock-Holmes-Anthologie. Der Vater aller Detektive tritt gegen das Übernatürliche in all seinen mythischen und mystischen Facetten an. In dieser Geschichtensammlung zweifelt Sherlock Holmes, konfrontiert mit dem Andersartigen, manchmal an seinem logischen Verstand. In 13 Kurzgeschichten schicken ihn unterschiedliche Autoren in unglaubliche Kämpfe.

Eine Studie in Blut: Desirée Hoes

Irene Adler, die Frau, die Sherlock Holmes besiegte, wird tot aufgefunden. Doch ihre Leiche verschwindet, wie auch viele arme Menschen aus den zwielichtigen Gassen Londons. Als Doktor Watson, ständiger Begleiter von Holmes, eine Horde blutsaugende Kinder diagnostizieren muss, stellt sich die Frage, ob hier Vampire am Werk sind.

Stimmen aus dem Jenseits: Vincent Voss

Lady Carter kommt verstört in die 221B Baker Street, den Wohnsitz Sherlock Holmes. Sie erzählt von einer Séance, einem spiritistischen Gespräch mit den Verstorbenen und Dämonen, in der den Teilnehmern des Treffens der baldige Tod vorausgesagt wurde. Als der Erste aus der Runde ums Leben kommt, wird die Drohung aus dem Jenseits zur gefährlichen Wirklichkeit.

Die brennende Brücke: Ramón Scapari

Zu Holmes Klienten zählen auch die Prominenten der Zeit: Gustave Eiffel, Erbauer des Eiffelturms in Paris, bittet den Detektiv um Hilfe: Er wird bedroht, eine seiner Brücken soll bald darauf einstürzten. In der Nacht lecken blaue Flammen an der Konstruktion und Holmes rationaler Verstand ist gefragt.

Holmes und der Wiedergänger: Tanja Bern

In dem kleinen Lymington herrscht große Aufregung: Ein Wiedergänger geht um, tötet nachts Menschen auf bestialische Weise und versetzt das Dorf in Angst. Sherlock Holmes zweifelt nicht daran, dass es eine logische Lösung für das Monster geben muss und beschließt, bei dem Waldgrab nach Antworten zu suchen.

Sherlock Holmes und der Geist von Carnington Hall: Anke Bracht

Auf dem Gut des Earls von Carnginton geht der Geist der weißen Frau um. Der alte Butler und seine Schwiegereltern haben sich schon in den Tod gestürzt. Die Schwester der Gutsbesitzerin wurde nach einem Kindsmord in die Irrenanstalt geschickt. Holmes ist der Zusammenhang schnell klar.

Sherlock Holmes und der Golem: K. Peter Walter

Das Ermittlerduo weilt nach einem gelösten Fall in Prag, als der Jude Reb Treppengelaender zu ihnen kommt. Aus seiner Bibliotheks-Sammlung wurde eine wertvolle Handschrift geklaut. Er macht seinen Diener dafür verantwortlich. Und mit dieser Handschrift lässt sich unheimliches Unheil anrichten.

Die Geisterschlange von Castonhall: Guido Krain

Sherlock Holmes und John Watson besuchen einen alten Freund, Sir Rodrick Winterwood. Er ist ein großer Bewunderer von Schlangen. In der Festnacht seines Geburtstags stirbt ein Gast an einem Schlangenbiss, und er wird nicht das einzige Opfer bleiben.

Sherlock Holmes und das Druidengrab: Barbara Büchner

Albus Milstone, einer der zahlreichen Feinde Holmes, erbittet Hilfe bei der Erforschung eines Druidengrabs. Doch dann wird die Leiche des Vorarbeiters John Harris gefunden, der sich nachts dem Grab nährte. Watson verdächtigt die steinernen Grabwächter.

Die Fremde: Andreas Vogel

Ein Kutscher bringt ein Mädchen in die Baker Street, das eigentlich gar nicht mehr leben dürfte. Per Morse-Code schickt sie Sherlock Holmes und Watson zum Haus von Mr. Peacock, der im Keller eine geheimnisvolle Frau gefangen hält.

Schleichendes Gift: Sören Prescher

Leonard Whedon kommt in die Baker Street; ein Gift-Mordanschlag ist auf ihn verübt worden. Sherlock Holmes und John Watson brechen zu dem Landhaus auf um zu ermitteln. Dort erfahren sie, dass Leonard sofort nach dem Anschlag gestorben ist. Sherlock ermittelt umso enthusiastischer.

Sherlock Holmes und der Schatten des Chronos: Volker Bätz

Lawrence Ashby spricht in Séancen mit den Toten, unter anderem Emma Waters, einer verstorbenen Jugendfreundin seiner Schwester. Sie teilt ihm mit, dass den Verantwortlichen für ihren Tod bald das Zeitliche segnen wird. Ashby bekommt Angst.

Sekhmet darf nicht gedient werden: Ruth M. Fuchs

Der Assistent des Archäologen Arthur Bambidge verunglückt im britischen Museum tödlich. Die neue Ausstellung beherbergt das Grab eines Priesters, aus dem der Assistent eine Vase klaute. Das alte Relikt ist der Schlüssel zur Lösung des Falls.

Im Rauch der Meerschaumpfeife: Tanya Carpenter

Sir Hugo wird tot aufgefunden, alle Beweise deuten auf Sherlock Holmes als Mörder hin: Die Violine, Holmes Meerschaumpfeife und die Briefkorrespondenz mit Holmes – und das, obwohl Holmes den Mann kaum kennt.

 

Unerklärbare Fälle – auch für den Meister der Deduktion?

Die Idee, Sherlock Holmes gegen das Übernatürliche antreten zu lassen, ist genauso gewagt wie interessant. Herausgeberin Alisha Bionda beweist mit dieser Auswahl viel Mut. Die Spannung zwischen dem rationalen Detektiv und den scheinbar unerklärlichen Begebenheiten ist spürbar groß. Nicht alle Autoren der Anthologie halten sich an den realistischen Schreibstil Arthur Conan Doyles: in der Auftaktgeschichte „Studie in Blut“ beispielsweise wandeln wirklich, und unerklärt, Vampire durch die Straßen Londons. Diese und andere monströse Veränderungen der Wirklichkeit wollen sich nicht so recht in das Bild des Holmes-Universums einfügen. Leider nimmt das den Geschichten, die ja immer fest in der realen Welt verankert waren, ihre Glaubwürdigkeit und lassen Holmes, den Vertreter einer Logik, ziemlich ratlos dastehen.

Nah am Original

Das gilt nicht für alle Geschichten – viele Autoren ließen Fälle zwar magisch aussehen, um sie dann doch mit Holmes’schen Methoden als Lügen zu entlarven. Diesen Geschichten fällt es viel leichter, sich in den Kanon einzufügen und den Sherlock-Holmes-Verehrern zu gefallen. Dazu trägt auch bei, dass fast alle Autoren sich an den von Arthur Conan Doyle geprägten Stil halten: Der Ich-Erzähler Watson schreibt fast alle Fälle nieder, mit denen das Ermittlerpaar in diesem Band konfrontiert wird. Somit sind die Leser von den brillanten Deduktionen Sherlocks am Ende genauso überrascht wie Watson. Nur die Geschichten „Holmes und der Wiedergänger“ und „Sherlock Holmes und der Geist von Carnington Hall“ brechen aus diesem Muster aus und haben an den Folgen zu leiden: Kommt man Holmes zu nah, ist er nicht mehr das Genie, für das ihn Watson hält.

Einige Geschichten imitierten den Aufbau so weit, dass sich die Geschichten lesen wie das Original. Die Geschichten „Stimmen aus dem Jenseits“ von Vincent Voss und „Die brennende Brücke“ von Ramón Scapari stechen dabei durch besondere Treue zum Original hervor.

Fazit

Der mutige Versuch, Holmes gegen das Übernatürliche antreten zu lassen, ging auf allen Ebenen unentschieden aus. Oft wirkte das wirklich „Andere“ wie ein Fremdkörper in der rationalen Welt des Sherlock Holmes – vor allem aber scheiterte das Fantastische an der Unmöglichkeit, es zu erklären. Damit macht man einen Mann wie Holmes arbeitslos.

Wenn sich aber das Übernatürliche doch erklären ließ, war Holmes in seinem Element. Diese Geschichten stehen den Holmes-Verehrern gleich viel näher – und sie sind schließlich auch die Zielgruppe. Manchmal konnten sich die Fälle mit den Originalen messen lassen, aber bei vielen fehlt noch der kleine Funken Originalität, um sie mit Arthur Conan Doyle zu vergleichen.

(Sanja Döttling, Juni 2012)

Ihre Meinung zu »Alisha Bionda: Sherlock Holmes und das Druidengrab«

Ihr Kommentar zu Sherlock Holmes und das Druidengrab

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.