Die Krähe von Alison Croggon

Buchvorstellungund Rezension

Die Krähe von Alison Croggon

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „The Crow“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 576 Seiten.ISBN 3-404-20002-0.Übersetzung ins Deutsche von Michael Krug.

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In Kürze:

Die ganze Erde ist durchtränkt von einer giftigen Falschheit, und die Macht des Namenlosen wächst von Tag zu Tag. Das Baumlied – der Schlüssel zur Wiederherstellung des Friedens – ist verloren. Nur die magiebegabte Maerad kann die Geheimnisse des Lieds enträtseln. Während sie sich nach Norden begibt, um die Antworten zu finden, reist ihr Bruder Hem nach Süden, gemeinsam mit seinem Wächter Saliman. Der unglückliche Hem wird von seiner schlimmen Vergangenheit und seiner ungewissen Zukunft geplagt. Doch sein Schicksal ist vielleicht mehr mit dem Baumlied verknüpft, als er ahnt …

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Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Im dritten Band der insgesamt vierteiligen Saga um Pellinor wechselt die Autorin ihren Protagonisten und mit diesem die Sichtweise. Nun ist das so eine Sache. Die unbestrittenen Vorteile eines Wechsels, die Möglichkeit zeitlich parallel laufende Ereignisse zu schildern, durch die Augen einer anderen Person die Geschehnisse nicht nur zu beleuchten, sondern vielleicht gar abweichend zu werten, neue Länder und Völker einzuführen, steht auf der Habenseite. Demgegenüber ist im Soll zu buchen, dass der Leser sich auf einen neuen Erzähler einlassen muss, dass das Hineinschlupfen in eine vertraute Haut wegfällt.
Entsprechend machte ich mich doch mit einigen Vorbehalten an die Lektüre des voraussichtlich vorletzten Bandes des Zyklus.

Croggon entführt uns tief den den heißen, orientalisch anmutenden Süden ihrer Welt. Herm, der lange verschollene Bruder von Maerad hat sich Saliman, einem mächtigen Barden und Heiler, angeschlossen. In der prächtigen Metropole von Turbansk soll er in bardischen Tugenden ausgebildet werden.

Wie nicht anders zu erwarten war, hat er seine Probleme, sich einzugewöhnen. Bislang hat er in seinem Leben wenig Sicherheit und Freundschaft erfahren. Von den Schergen des Namenlosen aus dem Waisenhaus entführt, traut er außer seiner Schwester und Saliman zunächst niemanden. Verschlossen und verstockt ist er ein Außenseiter in einer ihm fremden Welt. Einzig eine weiße Krähe, ein Albino, der von den anderen Vögeln ebenso ausgegrenzt wird wie Herm von seinen Mitschülern selbst, bietet ihm Freundschaft und Zuneigung. Doch dann trifft er auf das Waisenmädchen Zelika, das vor den herannahenden Heeren der Dunklen flieht. Zusammen mit Saliman fliehen sie aus der belagerten, kurz danach zerstörten Stadt. Auf Erkundungsmission wird Zelika von den Dunklen gefangen genommen. Herm bricht auf, seine erste wahre Liebe aus den Klauen der Kindersoldaten zu befreien. Tief ins Feindesland dringt er vor, bis in die Festung des Oberkommandierenden des dunklen Heeres führt ihn sein Weg und hier, in der Höhle des Löwen, trifft er auf den zweiten Teil des gebundenen Baumliedes …

High Fantasy voller Zauber, aber auch mit hohem Wiedererkennungswert

Hat der Wechsel der Perspektive der Handlung nun gut getan? Hier darf ich der Autorin attestieren, dass sich das Wagnis, den Erzähler zu wechseln, gelohnt hat. Mit Herm hat sie einen unverbrauchten Protagonisten, dessen Geschichte für Faszination und Mitleid sorgt. Herm selbst muss zunächst einmal Vertrauen finden. Vertrauen in diejenigen, die ihm ihre Freundschaft antragen, Vertrauen nicht zuletzt aber auch in sich selbst. Er muss erkennen, dass er neben seiner Schwester eine ganz eigene, wichtige Rolle in der prophezeiten Auseinandersetzung des Guten gegen das übermächtig scheinende Böse zu erfüllen hat, dass er wichtig ist. Dieser Prozess wurde sehr anschaulich und gut nachvollziehbar herausgearbeitet. Gerade die Ablehnung, die dem Jungen ob seiner Andersartigkeit entgegenschlägt, kann jeder leicht nachvollziehen. In jedem Prozess des Erwachsenwerdens ist das sich ausgeschlossen fühlen, der Versuch sich anzupassen und damit in eine Gruppe aufgenommen zu werden und die schlussendliche Abkopplung dieses Herdentriebes ein wichtiger Entwicklungsschritt. Hier hat die Autorin mit viel Feingefühl gearbeitet und uns den Selbstfindungsprozess sehr anschaulich dargeboten.

Daneben zeichnet sie mit den bislang unbekannten Gegenden des Romans ein immer detailreicheres Bild ihrer Welt. Hinzu kommt, dass sie mit der Einführung der indoktrinierten Kinderheere für ein wahrhaft gruseliges Element gesorgt hat. Aus den Nachrichten sind sie schon lange verschwunden, die Reportagen über die Kindersoldaten, die insbesondere in Afrika durch ihre Brutalität auffielen und betroffen machten. Durch Manipulation und Drogen gefügig gemacht, greifen sie ohne jegliches Mitleid, ohne Unrechtsbewusstsein oder Reue ihre Gegner an, und metzeln diese nieder. Diese Beschreibungen fügen der Tetralogie einen dunklen, bislang noch nicht bekannten Unterton zu, machen die Handlung gleichsam realistischer und furchteinflößender.

Immer mehr hebt sich der Schleier um die missbrauchte Macht des Namenlosen und die Aufgabe, die die Geschwister bei der Errettung der Welt erwartet. Alles läuft auf ein großes Finale hinaus, an dessen Ende das Aufeinandertreffen der ungleichen Gegner steht. Das ist im Groben bekannt und bietet in der Anlage wenig wirklich Neues. Es sind die kleinen Dinge, die liebevollen Feinheiten in der detailreichen Ausarbeitung ihrer Welt, die Croggons Romane aus dem Allerlei der High-Fantasy-Serien herausheben. Warten wir gespannt, ob der Abschlussband wirklich das hält, was die ersten Teile versprachen.

Ihre Meinung zu »Alison Croggon: Die Krähe«

Guitarfreak68 zu »Alison Croggon: Die Krähe«06.05.2009
So hat es Tolkien ,auch gemacht.Verschiedene Perspektiven geschaffen.Ich fand es zwar Schade am Anfang ,das Maerad nur in Anspielung vorkam.Aber da Hem auch eine wichtige Figur ist in dieser Saga,fand ich dann doch sehr gut. Ich mag diese Form zu schreiben,man entwickelt wie bei Herr der Ringe Lieblingsfiguren mit denen man sich Identifizieren kann.Diesen Schreibstil ist nicht vielen gelungen.Das mit den Vogel ist ne gute Idee.Man trauert auch ein wenig mit über diese Krieggeschenisse .Die Schlacht um Turbansk sind sehr gut und ergreifend beschrieben.
Wendeline zu »Alison Croggon: Die Krähe«28.08.2008
Ich schließe mich Tiaras Meinung an. Das Buch handelt von Hem, seine Schwester wird nur ab und an erwähnt; aber auch die Geschichte von Hem ist spannend. Ich fand es faszinierend, wie er sich entwickelte, wie er mit seinen Aufgaben wuchs und im Angesicht des erlebten Grauens erwachsen werden muss ... und wie auch er Teil der Lösung um das Baumlied ist (nur gut, dass er einen gefiederten, kleptomanischen Freund hat ;-)
Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung und kann es kaum erwarten...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Tiara zu »Alison Croggon: Die Krähe«08.08.2008
Das Buch handelt zwar primär von Hem, aber das stört nicht weiter. Während im 2. Teil nur angedeutet wurde was in Turbansk geschah als Maerad unterwegs war, wird in diesem Buch genau das wiedergegeben. Es würde also nicht viel bringen, wenn wieder Kapitel von Maerad dazwischengeschoben werden würden, da sich dann nur alles vom 2. band wiederholen würde.
Ich brenne zwar darauf zu erfahren was weiter mit ihr passiert, aber Hems abenteuer sind nicht weniger interessant ;)
Seba zu »Alison Croggon: Die Krähe«02.05.2008
Habe das Buch auf Englisch gelesen weil es in Deutsch noch nicht raus ist... jetzt will ich umbedingt noch den nächsten Teil..... bin mal gespannt wann ich da dran komme....

Auf jeden Fall geht es in dem Teil nur um Hem... von Madred hört man so gut wie nichts mehr..
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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