Land des Todes von Alison Croggon

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Black Spring“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 288 Seiten.ISBN 3-404-20708-4.Übersetzung ins Deutsche von Michael Krug.

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In Kürze:

Land des Todes – so heißt der raue Norden, in dem die Magie noch wild und gefährlich ist. Hier wachsen Lina, die Tochter des Lords, und ihr adoptierter Ziehbruder Damek gemeinsam auf. Zwischen ihnen entsteht eine innige, fast obsessive Freundschaft. Doch Linas Leben steht unter einem unheilvollen Stern: Sie ist eine geborene Hexe – und im Norden ist Magie nur Männern erlaubt. Allein der mächtige Stand ihres Vaters schützt Lina. Als er stirbt, beginnt für sie eine Zeit der Demütigung. Doch Damek, der Lina abgöttisch liebt, sieht nicht tatenlos zu …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Schlicht schön“87

Fantasy-Rezension von Hanka Jobke

Es gibt einige Worte, die der moderne Titelmacher umgehen sollte, wenn er möchte, dass sein Werktitel nicht stetig mit einem anderen verwechselt wird. Dazu gehören: Liebe, Sehnsucht, Seele, Tod, Stadt, Land, Mädchen, Abend, Herz, Geheimnis, Blut, Jahr, Nacht, Himmel, Wind, Schicksal, Zeit. Eine clevere Kombination mit weniger abgegriffenen Worten mag noch zünden, eine Kombination der Worte untereinander ist pures Schlafmittel.

Einerlei der Titelei

Letzteres widerfuhr leider der Übersetzung von Alison Croggons düsterer Mär. Dabei hat der Originaltitel durchaus Potenzial: „Black Spring“ hätte man für das Zielpublikum nicht einmal übersetzen müssen. Konnte man aber. Ins unsagbar fade „Land des Todes“ – auf dass sich dieses Buch einreihe in die unübersichtliche Menge der opportunistischen modernen Phantastikgruselliteratur. Damit tut man dem Buch unrecht, denn Croggons Werk nimmt die Atmosphäre und Struktur des frühen Schauerromans auf.

Ein Kälteschauermärchen

Kein anständiger Schauerroman des 18. und 19. Jahrhunderts kam ohne ein gruseliges Gemäuer aus; Croggon bietet davon gleich zwei im Land des Todes, in denen sich die Leben der Protagonisten abspielen. Doch sind es nicht die Geister der Ahnen, zugeschüttete Friedhöfe oder Altlasten in Form von Flüchen, die den Schauer in die Häuser bringen – die Figuren selbst tragen das Erbe der vorangegangenen Generationen wie eine schwarze Krankheit in sich.
In mehreren Rückblenden wird die Geschichte von Lina und Damek erzählt – und wer jetzt schon die Augen verdreht, weil er an marktkonforme Dark Romance glaubt, sei zurückgepfiffen. Von einer typischen Liebesgeschichte ist dieser Roman so weit entfernt wie das Land des Todes von der uns vertrauten Welt. Lina ist ein Mädchen, wie es sie im rauen Norden des Landes nicht geben darf. Als Tochter einer Hexe schützt sie lediglich der Adelsstand ihres Vaters vor den Gesetzen der Zauberer und den Traditionen der Gemeinschaft. Das eigensinnige Kind kennt weder Angst noch Manieren, ihre Launen sind unberechenbar und berechnend zugleich. Als ihr der schüchterne Damek als Stiefbruder ins Haus gesetzt wird, verstricken sich beide mit den Ereignissen der Zeit, die von Vorurteilen, Rache und Fügsamkeit im Schatten der Herrschenden provoziert werden.

Fürsprache für Sprache

Wesentlich mehr mag ich über die Handlung nicht vorwegnehmen, denn die große Stärke des Romans ist seine Sprache. Ohne das australisch-englische Original zu kennen, sei dem Übersetzer Michael Krug ein großes Lob ausgesprochen. Souverän und sauber formuliert erlaubt sich der Sprachstil wenig Eitelkeit und bereitet so den Boden für die im Grunde simple Handlung, die jedoch stets dicht an den Erwartungen vorbeischrammt und so den Leser immer schneller mit sich zieht. Vielleicht hätten Croggon/Krug die Stile der drei verschiedenen Ich-Erzähler unterschiedlicher klingen lassen können – mussten sie aber nicht. Im durchgehend eleganten Erzählstil eröffnet sich eine ferne Welt, die dank dreier zeitlichen Ebenen und Erzähler verschlungen genug ist. Und so greift Linas Lebensgeschichte nach dem Leser, nimmt ihn mit ins Land des Todes, sodass auch er irgendwann nicht mehr glaubt, dass eine Flucht möglich sei.

In kein anderes Rezensionsexemplar kritzelte ich so wenige Anmerkungen, beinahe jungfräulich ist der Roman verblieben. Und wollte ich ein Zitat bringen, um von der schönen Sprache kosten zu lassen, so könnte ich mit dem ersten Satz des Romans beginnen und mit dem letzten enden. Wer also, wie ich, genervt ist von schludriger Sprache und unsauberem Satzbau, Lücken in der Erzählung und verpenntem Lektorat – der lese diesen Roman. Egal, ob ihn das Thema anspricht: Das Buch ist Balsam für die hundertfach verwundete Sprachseele.

Hanka Jobke, Mai 2013

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