Kinder der Ewigkeit von Andreas Brandhorst

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010, 704 Seiten.ISBN 3-453-52610-4.

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In Kürze:

Die Zukunft: Die Menschen haben sich in der Galaxis ausgebreitet und zahlreiche Allianzen mit Außerirdischen geschmiedet. Und sie haben – mittels hoch entwickelter Biotechnik – den Tod besiegt. Keine guten Zeiten also für unseren Helden, möchte man meinen, übt er doch den Beruf eines Profikillers aus. Doch dann erhält er wider Erwarten noch einen Auftrag. Einen Auftrag, der das Universum für immer verändern wird …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Cyberpunk meets Space Opera“75

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Die ferne Zukunft. Die Menschheit hat nicht nur in überlichtschnellen Raumschiffen und mittels Wurmlöchern das All erobert, dabei Aliens getroffen und ein interstellares Reich aufgebaut, sie hat auch einen Menschheitstraum wahr werden lassen. Mit Hilfe überlegener Nano- und Gentechnologie gelang es, das Altern aufzuhalten. Die körperliche Unsterblichkeit ist wahr geworden.

Doch wird dieses Geschenk nicht allen Menschen zuteil. Nur die Besten der Besten, die sich im Laufe ihres Lebens genügend Meriten verdient haben, kommen in den Genuss der Behandlung. Für alle wird gesorgt, keiner muss arbeiten, so er es nicht will. Doch wer den langen, steinigen Weg zur Unsterblichkeit beschreiten will, der muss dem Gemeinsinn etwas wertvolles zukommen lassen. So blüht die Forschung im Auftrag der Hohen und gesteuert und überwacht durch die Magister, allmächtige Maschinen. Nur den Bewohnern der Gemischten Gebiete ist es verwehrt, den Aufstieg zu einem Hohen anzustreben. Sie alleine müssen dem Tod permanent in die Augen schauen.

Esebian ist, nein besser war einer von ihnen. Dann beschloss er auf eigene Art zu Meriten zu kommen. Jahrzehntelang konnte man sich seiner Dienste versichern, so man denn bereit war, genügend Meriten dafür zu bezahlen. Dafür konnte man sicher sein, dass ein lästiger Konkurrent, ein verhasster Gegner nicht länger ein Problem darstellen würde. Esebian war der beste Profikiller der Menschheit. Vor Jahrzehnten aber hat er sich zu Ruhe gesetzt, seine entsprechende Persönlichkeit abgespeichert, und sich bemüht, als Forscher die letzten ihm fehlenden 50.000 Meriten zu verdienen.

Eines Tages bekommt er überraschend Besuch. Einer der Hohen, ein Unsterblicher sichert sich seine Dienste. Für das Versprechen, in den Rang eines Erlauchten aufzusteigen und unsterblich zu werden, soll er ein letztes Mal als Sniper agieren. Sein Ziel, der Vorsitzende der Unsterblichen selbst. Der Anschlag gelingt, doch dann wird Esebian selbst zum gejagten Wild. Sein Auftraggeber versucht ihn zu meucheln, nur dem Eingreifen einer jungen Frau aus den Gemischen Gebieten und ihren PSI-Gaben verdankt er sein Überleben. Nun beherrscht nur ein Gedanke sein Dasein – er will Rache. Verfolgt von Unsterblichen, geleitet von den Magistern muss er erkennen, dass er Zeit seines Lebens nur manipuliert und gesteuert wurde – doch was und wer verbirgt sich hinter all den Geheimnissen?

Die Zukunft nach Brandhorst – ein intelligentes Gedankenspiel

Andreas Brandhorst kann auf eine lange Reihe von Romanen zurückblicken. Für die innovative Heftserie „Die Terranauten“ verfasste er diverse Titel, bei Corian kam sein „Netzparasit“ heraus und in den letzten Jahren hat er sich neben seiner Tätigkeit als Übersetzer insbesondere der Scheibenwelt-Titel mit seinem „Kantaki-Zyklus“ Meriten verdient. Mit „Äon“ legte er dann einen packenden Thriller vor, bevor er mit vorliegendem Werk wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Brandhorst erzählt uns von einer fernen Zukunft. Durch die Augen seines Protagonisten erleben wir eine Welt, in der es üblich ist, sich mittels künstlicher Aufrüstungen des Körpers Vorteile zu verschaffen, in der niemand arbeiten muss, jeder versorgt wird, in der aber auch ein ultimativer Anreiz dafür sorgt, dass so viel und intensiv geforscht wird wie nie zuvor.

In diese hochtechnisierte, fast kalt und steril wirkende Welt setzt er einen Mann, der von Gefühlen getrieben wird. Trauer, Verlust, Neid prägen seine Jugend, Rache und Neugier sein Alter. Das passt auf den ersten Blick kaum zusammen. Ein Profikiller, in einer Gesellschaft der erhabenen Unsterblichen und engagierten Forscher, das las sich zu Beginn ein wenig seltsam. Im Verlauf der abenteuerlichen Handlung aber hebt sich mit dem Schleier, der über die multiplen Persönlichkeiten, die sich in Esebians Körper tummeln, neben dem Killer auch eine verführerische Frau. Je mehr wir von seiner Historie erfahren, desto faszinierender wird die Gestalt.

Daneben setzt der Autor mit dem Anführer der Hohen und der PSI-Begabten aus den gemischten Gebieten weitere markante und geheimnisvolle Persönlichkeiten. Im Hintergrund lauerst ständig die Frage, ob es wirklich erstrebsam ist, unsterblich zu sein. Wird das Leben nicht langweilig, verliert man nicht seine Menschlichkeit, wird von den Erinnerungen erdrückt, von den Verlusten gequält? Ist dieser Preis die Flucht vor der letzten Grenze wert – Fragen, die dem Roman eine ungewöhnliche Dimension und Tiefe verleihen.

Stilistisch ansprechend kommt der Roman, nachdem man sich in den ersten Kapiteln in die zunächst kompliziert und verschaltend wirkende Handlung eingefunden hat, schnell in Fahrt, unterhält dabei spannend und abwechslungsreich.

Ihre Meinung zu »Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit«

gormidooble zu »Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit«18.09.2014
....also dem kann ich nur zustimmen. Hatte schon Äon gelesen, das war ok, aber längst nicht so spannend wie Kinder der Ewigkeit. AB beschreibt ausführlich genug eine gut durchdachte Zivilisation, vor allem die Weber / Filigrane etc, und die verschiedenen Gruppen die in seinem Universum interagieren. Gute Space Opera, alles drin was man so kennt, aber wie oben beschrieben in einer sehr guten Handlung miteinander verbunden. Die Ausserirdischen kommen etwas zu kurz, aber wie der Protagonist selber sagt, weiss man kaum etwas über sie. Die Story könnte man super fortsetzen, falls die Icerna (hiessen sie so?) kommen würden, bis dahin könnte Esebian in der Organisation der Unsterblichen aufgestiegen sein und massgeblich an einer friedlichen Lösung mit den Icerna arbeiten - wenn s das gibt kauf ich es sofort....Meine Meinung: Moderne und spannende SF, die man gelesen haben muss
Torsten zu »Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit«08.09.2014
Ich bin schon seit meiner Kindheit SF-Fan, aber zum lesen bin ich erst die letzten 5 Jahre so richtig gekommen.
Kinder der Ewigkeit war mein erster Brandhorst, aber nach diesem Buch war klar dass es nicht der letzte sein wird.
Hier ist für jede Klasse der SF Fans etwas geboten: Überlichtschnelle Raumschiffe, Wurmlöcher, Biomechaniker, Phasenverschobene Parallelwelten und dies alles physikalisch gut erklärt.
Über die Geschichte wurde schon genug erzählt, ich kann mich meinen Vorgängern nur anschließen, ein muss für SF-Fans.

Übrigens auch die Romane: "Der letzte Regent" und "Artefakt" von Brandhorst sind sehr zu empfehlen, jedoch ist von den dreien Kinder der Ewigkeit mein Fovorit.
meta7 zu »Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit«21.09.2013
Ich liebe SF, dies vorab - dass ich 688 Seiten in 2 Tagen lese kommt dann doch selten vor.

Man braucht am Anfang eine gewisse Zeit um der Komplexität des beschriebenen Universums Herr zu werden, wird dann aber immer tiefer in die Geschichte hineingezogen und kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.

Spannend, visionär und unheimlich abwechslungsreich - bis zum Schluss - für mich war es Unterhaltung vom allerfeinsten.

Zur Geschichte selbst möchte ich an dieser Stelle nichts weiter sagen, da schon alles gesagt wurde. Ich kann mich 7even nur anschließen - für alle SF-Fans ein MUSS.
Beverly zu »Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit«16.02.2012
Als langjährige Leserin von SF könnte ich sagen, dass fast alles, was Brandhorst in "Kinder der Ewigkeit" beschreibt, schon einmal da gewesen ist: Unsterblichkeit als Privileg einer Elite und die Folgen daraus für die Gesellschaft, der Wechsel des Geschlechts und multiple Persönlichkeiten Wurmlöcher und künstliche Intelligenzen, Artefakte untergegangener Zivilisationen. Aber Brandhorst vereint diese Ideen in einer exotischen Zukunftswelt und fügt Ideen, Welt und Charaktere zu einer spannenden Handlung zusammen.
So macht "Kinder der Ewigkeit" neugierig auf weitere Bücher von ihm.
7even zu »Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit«18.01.2011
Mit diesem Buch hat sich Andreas Brandhorst zu einem meiner Lieblingsautoren gemacht!

Er beschreibt auf 688 Seiten ein riesiges faszinierendes und abwechslungsreiches Universum, keine Sekunde kommt Langeweile auf. Die Fantasie wird bei jedem Satz angeregt.
Der Held, eigentlich Antiheld, ist mal nicht der 0815 Typ von Nebenan, der liebe Junge der niemandem was zur Leide kann, nein wir haben es hier mit einem waschechten Serienmörder zutun der obendrein auch noch eine multiple Persönlichkeitsstörung zu haben scheint.

Ich möchte nicht viel vorweg nehmen, aber für Sci-Fi Fans ein MUSS!
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