Das Eulentor von Andreas Gruber

Buchvorstellungund Rezension

Das Eulentor von Andreas Gruber

Originalausgabe erschienen 2007, 160 Seiten.ISBN 3898409309.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Unerklärliche Phänomene in der Arktis“70

Horror-Rezension von Frank A. Dudley

Die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts sahen die Kolonialmächte noch davon beseelt, die Welt weiter unter sich aufzuteilen. Zu diesem Zweck fanden sich für die Expeditionen in unbekannte Regionen auch Geldgeber, die sich selbstverständlich einen nicht unerheblichen Profit versprachen. So stießen Peary und Amundsen in rascher Folge zum Nord- und Südpol vor, um die Erde im Namen von Forschung und Wissenschaft weiter Untertan zu machen. Der Expansionsdrang wurde auch getragen vom zeitgenössischen technischen Fortschrittsglauben.

„;Das Eulentor“ nun erzählt die Geschichte österreichischen Abenteurers Alexander Berger. Sie setzt 1911 ein, dem Jahr des bis heute nachwirkenden Titanic-Untergangs, als das „;unsinkbare“ Riesenschiff und Techniktotem der Zeit den natürlichen Urgewalten zum Opfer fiel. Berger zieht es nach Spitzbergen, um mit der Kartographierung der Küstenlinie nicht nur einen Batzen Geld einzustreichen, ein gewisses Streben nach historischer Unsterblichkeit kann ihm wohl auch unterstellt werden.

Doch seine Expedition scheitert. Widrigste Wetterumstände und geologische Gegebenheiten stoppen den ehrgeizigen Forscher. Ihm stirbt beinahe die gesamte Mannschaft weg, die überlebenswichtige Ausrüstung geht verloren. Durch Zufall entdeckt Berger einen kreisrunden, perfekt gearbeiteten Schacht. Wie tief der lotrecht in die Tiefe führende Schacht ist, lässt sich nicht festellen. Doch trotz der Beinahe-Katastrophe ist sein Forschergeist geweckt. Berger kehrt nach Österreich zurück, besorgt sich frisches Kapital und rüstet eine neue aus: Dem offenbar nicht natürlichen Phänomen soll das Geheimnis entlockt und wissenschaftlich nutzbar gemacht werden.

Zunächst mithilfe von Seilzügen und Trittleitern, dann, nach dem Eintreffen eines sehr preußischen Ingenieurs, auch unter Einsatz von motorgetriebenen Aufzugsgondeln, arbeitet sich die Forschertruppe dutzende von Kilometern in die immer lichtloser werdende Tiefe. Dabei stößt Berger zunächst auf ein weiteres unerklärliches Rätsel: Noch nach zig Kilometern finden sich Vogelnester an der Schachtwand – Eulennester. Schließlich bemerken die Männer beunruhigende Veränderungen, die Physik sprengt ihre irdischen Grenzen und irrsinniges Grauen erhält Einzug in das Expeditionscamp.

Knapp, kompakt und flüssig

Was als aufwändiges, wenn auch unkoordiniertes Abenteuer begann und trotz (oder wegen) technischer Aufrüstung am Vorabend des 1. Weltkriegs im Grauen endet, kann als unheimliche Parabel auf das Treiben der damaligen europäischen Führungsmächte gelesen werden. Eine weitere Lesart ist die der Hommage an Jules Verne und Edgar Allen Poe, speziell an deren Romane „;Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und „;Arthur Gordon Pym.

Egal, welche der beiden Interpretationen man wählt, “;Das Eulentor" ist ein Roman, der nicht mit vordergründigen Horroreffekten arbeitet, um gruselige Spannung aufzubauen. Gruber verschwendet keine Wörter, er schreibt knapp und angenehm flüssig. Die Handlung treibt er pausenlos voran, sodass die rund 300 Seiten schnell gelesen werden wollen. Dicht und angenehm kompakt ist auch die Hauptfigur Alexander Berger, einzig die Nebenrollen hätten mehr Kolorit vertragen können.

Ihre Meinung zu »Andreas Gruber: Das Eulentor«

tassieteufel zu »Andreas Gruber: Das Eulentor«16.11.2015
Der junge Wiener Arzt Alexander Berger hat das Gefühl, mehr aus seinem Leben machen zu wollen, als in der väterlichen Praxis zu arbeiten, daher investiert er sein gesamtes Vermögen in eine Expedition zur Kartographierung der Küster Spitzbergens. Im November 1911 bricht er mit dem deutschen Walfänger Hansen und einer Handvoll weitere Männer an Bord des Schoners Skagerrag auf. Doch schon wenige Tage, nachdem sie mit ihren Hundeschlitten unterwegs sind, wird die Expedition von einem Unglück nach dem anderen verfolgt. Gletscherspalten, eisige Temperaturen und extreme Stürme dezimieren die Ausrüstung und einige Todesfälle unter den Teilnehmern untergraben die Moral. Die Expedition scheint gescheitert, Alexander Berger und der Walfänger Hansen sind sie einzigen Überlebenden, die nur durch die Hartnäckigkeit des Kapitäns der Skagerrag gerettet werden können. Doch während eines unheimlichen Blizzards hatten Berger und Hansen einen mysteriösen Schacht entdeckt, der tief in den Gletscher führte. Unmöglich dass es sich hierbei um einen natürlichen Graben handeln könnte. Sowohl Hansen als auch Berger wollen das Rätsel um dieses geheimnisvolle Bauwerk lösen und kommen Monate später mit neuer Ausrüstung und Geldmitteln zurück. Doch die Erforschung des Schachts, der jedem physikalischen Gesetz widerspricht, bringt nichts als Wahnsinn und Tod.

Zunächst startet die Geschichte recht spannend mit der Arktisexpedition. Die Beweggründe des jungen Arztes Alexander Berger werden stimmig geschildert, ebenso die widrigen Umstände während der Expedition. Gletscherspalten, eisige Temperaturen, der Verlust von Männern und Ausrüstung, das alles wird vom Autor sehr lebendig und dicht geschildert, hier fühlt man förmlich den eisigen Wind, der ums Zelt heult und kann sich die Situation sehr gut vorstellen. Schnell eskaliert die Lage, als einige Männer verletzt werden oder gar sterben, die Verwundeten durchdrehen. Mit dem Auftauchen des mysteriösen Schachts ändert sich die Geschichte und eine eindeutig phantastische Komponente kommt hinzu. Zwar verzichtet der Autor weitestgehend auf die typischen Fantasy oder gar Horrorelement, aber es ist eigentlich die ganze Zeit über klar, dass der Schacht nicht durch natürliche Ursachen oder menschliches Schaffen entstanden ist und so zieht sich die Spannung auch mehr aus der Frage, was es mit dem Schacht auf sich hat, als mit großartigen mysteriösen Geschehnissen. Zwar werden einige physikalische Absonderlichkeiten festgestellt und im Schacht findet man die eigenartigen Eulennester, aber ansonsten passiert nicht wirklich viel. Im Schacht geht es tiefer und tiefer und über einen Großteil der zweiten Buchhälfte werden die eher technischen Schwierigkeiten geschildert, die Berger und Hansen haben, zunächst mit Leitern, dann mit Gondeln und später mit einer Zahnradbahn an den Schachtwänden entlang in die Tiefe vorzudringen. Und über die Jahre verändert sich auch das Verhältnis von Berger und Hansen. Während Alexander Berger zunehmend Verwaltungsarbeit erledigt und immer neue Geldgeber für die Erforschung gewinnt, wird der Schacht für Hansen zur Besessenheit, die dann auch zum tragischen Ende führt. Fans von richtigen Horrorgeschichten werden hier vermutlich enttäuscht sein, das Grauen baut sich nur langsam und unterschwellig auf, wirklich gravierende Ereignisse passieren nicht und auch ich war zwischendurch ein wenig enttäuscht, weil ich doch irgendwie etwas anderes erwartet hatte. Insgesamt hat mir das Buch trotzdem recht gut gefallen, weil dann zum Ende hin doch etwas Bewegung in die ganze Sache kommt und alles in einem spannenden Finale gipfelt. Allerdings darf man nicht erwarten, dass man auf die entscheidenden Fragen eine Antwort erhält, vieles, vielleicht ein wenig zu viel, bleibt offen und so kann der Leser auch im Nachhinein noch darüber nachgrübeln, was es mit dem mysteriösen Schacht auf sich hat.

FaziT: eindeutig ein Buch auf das man sich einlassen muß und Fans von richtigen Horrorgeschichten sind hier sicher falsch! Das Grauen bleibt eher unterschwellig und kommt eigentlich auch erst zum Ende hin zum Tragen. Vieles wird der Phantasie des Lesers überlassen oder bleibt unklar, wer so etwas nicht mag, sollte hier die Finger von lassen. Ansonsten ist die Geschichte klar und schnörkellos erzählt und es gelingt dem Autor, seine Settings recht dicht und bildhaft zu zeichnen.
tassieteufel zu »Andreas Gruber: Das Eulentor«16.11.2015
Der junge Wiener Arzt Alexander Berger hat das Gefühl, mehr aus seinem Leben machen zu wollen, als in der väterlichen Praxis zu arbeiten, daher investiert er sein gesamtes Vermögen in eine Expedition zur Kartographierung der Küster Spitzbergens. Im November 1911 bricht er mit dem deutschen Walfänger Hansen und einer Handvoll weitere Männer an Bord des Schoners Skagerrag auf. Doch schon wenige Tage, nachdem sie mit ihren Hundeschlitten unterwegs sind, wird die Expedition von einem Unglück nach dem anderen verfolgt. Gletscherspalten, eisige Temperaturen und extreme Stürme dezimieren die Ausrüstung und einige Todesfälle unter den Teilnehmern untergraben die Moral. Die Expedition scheint gescheitert, Alexander Berger und der Walfänger Hansen sind sie einzigen Überlebenden, die nur durch die Hartnäckigkeit des Kapitäns der Skagerrag gerettet werden können. Doch während eines unheimlichen Blizzards hatten Berger und Hansen einen mysteriösen Schacht entdeckt, der tief in den Gletscher führte. Unmöglich dass es sich hierbei um einen natürlichen Graben handeln könnte. Sowohl Hansen als auch Berger wollen das Rätsel um dieses geheimnisvolle Bauwerk lösen und kommen Monate später mit neuer Ausrüstung und Geldmitteln zurück. Doch die Erforschung des Schachts, der jedem physikalischen Gesetz widerspricht, bringt nichts als Wahnsinn und Tod.

Zunächst startet die Geschichte recht spannend mit der Arktisexpedition. Die Beweggründe des jungen Arztes Alexander Berger werden stimmig geschildert, ebenso die widrigen Umstände während der Expedition. Gletscherspalten, eisige Temperaturen, der Verlust von Männern und Ausrüstung, das alles wird vom Autor sehr lebendig und dicht geschildert, hier fühlt man förmlich den eisigen Wind, der ums Zelt heult und kann sich die Situation sehr gut vorstellen. Schnell eskaliert die Lage, als einige Männer verletzt werden oder gar sterben, die Verwundeten durchdrehen. Mit dem Auftauchen des mysteriösen Schachts ändert sich die Geschichte und eine eindeutig phantastische Komponente kommt hinzu. Zwar verzichtet der Autor weitestgehend auf die typischen Fantasy oder gar Horrorelement, aber es ist eigentlich die ganze Zeit über klar, dass der Schacht nicht durch natürliche Ursachen oder menschliches Schaffen entstanden ist und so zieht sich die Spannung auch mehr aus der Frage, was es mit dem Schacht auf sich hat, als mit großartigen mysteriösen Geschehnissen. Zwar werden einige physikalische Absonderlichkeiten festgestellt und im Schacht findet man die eigenartigen Eulennester, aber ansonsten passiert nicht wirklich viel. Im Schacht geht es tiefer und tiefer und über einen Großteil der zweiten Buchhälfte werden die eher technischen Schwierigkeiten geschildert, die Berger und Hansen haben, zunächst mit Leitern, dann mit Gondeln und später mit einer Zahnradbahn an den Schachtwänden entlang in die Tiefe vorzudringen. Und über die Jahre verändert sich auch das Verhältnis von Berger und Hansen. Während Alexander Berger zunehmend Verwaltungsarbeit erledigt und immer neue Geldgeber für die Erforschung gewinnt, wird der Schacht für Hansen zur Besessenheit, die dann auch zum tragischen Ende führt. Fans von richtigen Horrorgeschichten werden hier vermutlich enttäuscht sein, das Grauen baut sich nur langsam und unterschwellig auf, wirklich gravierende Ereignisse passieren nicht und auch ich war zwischendurch ein wenig enttäuscht, weil ich doch irgendwie etwas anderes erwartet hatte. Insgesamt hat mir das Buch trotzdem recht gut gefallen, weil dann zum Ende hin doch etwas Bewegung in die ganze Sache kommt und alles in einem spannenden Finale gipfelt. Allerdings darf man nicht erwarten, dass man auf die entscheidenden Fragen eine Antwort erhält, vieles, vielleicht ein wenig zu viel, bleibt offen und so kann der Leser auch im Nachhinein noch darüber nachgrübeln, was es mit dem mysteriösen Schacht auf sich hat.

FaziT: eindeutig ein Buch auf das man sich einlassen muß und Fans von richtigen Horrorgeschichten sind hier sicher falsch! Das Grauen bleibt eher unterschwellig und kommt eigentlich auch erst zum Ende hin zum Tragen. Vieles wird der Phantasie des Lesers überlassen oder bleibt unklar, wer so etwas nicht mag, sollte hier die Finger von lassen. Ansonsten ist die Geschichte klar und schnörkellos erzählt und es gelingt dem Autor, seine Settings recht dicht und bildhaft zu zeichnen.
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