Andrew Carl & Chris Stevens: Once Upon a Time Machine von Andrew Carl & Chris Stevens

Buchvorstellungund Rezension

Andrew Carl & Chris Stevens: Once Upon a Time Machine von Andrew Carl & Chris Stevens

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Once Upon a Time Machine“,, 431 Seiten.ISBN 1616550406.

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Phantastik-Rezension von Horst Illmer

Während sich im Kino momentan Schneewittchen mit Hänsel und Gretel darin ablöst, in mittelalterlicher Kulisse möglichst viele Hexen, Zombies und Werwölfe niederzumetzeln, geht man bei Dark Horse – dankenswerterweise – einen etwas anderen Weg bei der Adaption klassischer Mythen.

Editor Andrew Carl und Producer Chris Stevens haben eine umfangreiche Anthologie mit Science-Fiction-Kurzgeschichten der besonderen Art zusammengestellt: Zum einen handelt es sich um einen Comic-Band, zum anderen werden darin altbekannte Märchen und Sagen in ein futuristisches Gewand gesteckt und teilweise sehr frei neu erzählt.

Das Konzept, neue, unbekannte, aufstrebende Zeichner und Szenaristen (und ein paar schon arrivierte Hausautoren) auf die altbekannten Erzählungen loszulassen, überzeugt durch ein extrem günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis und vor allem durch die Qualität der vorgestellten Geschichten.

Die fünfzig Einträge im Inhaltsverzeichnis weisen bereits auf die große thematische und personelle Vielfalt hin, die den Leser und Betrachter in „Once Upon a Time Machine“ erwartet. Dabei reichen die Beiträge von 1- oder 2-seitigen Themen-Bildern bis zu 20 Seiten umfassenden, komplexen Stories. Die behandelten Märchen/Mythen stammen zwar überwiegend aus dem europäisch-amerikanischen Kulturraum, es lassen sich allerdings auch solche chinesischen, japanischen oder orientalischen Ursprungs identifizieren. Gleiches kann man von den Beiträgern sagen: Da inzwischen die für Comics übliche Arbeitsteilung durch das Internet an jedem Ort der Welt möglich ist, finden sich Arbeiten von Künstlern aus Irland, Kanada, Brasilien, Holland, Mexiko, Spanien, Indonesien und Norwegen neben denen ihrer englischen und amerikanischen Kollegen (und den leider immer noch sehr wenigen Kolleginnen).

Es wäre sinnlos, im Rahmen dieser Rezension alle Geschichten nachzuerzählen/vorzustellen, deshalb beschränke ich mich auf zwei meiner liebsten.

Das Buch beginnt mit „1001“, dem Erstlingswerk der Szenaristin Tara Alexander, das der Kinderbuchillustrator Nelson Evergreen kongenial umgesetzt hat. In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft: Sherri, die Tochter eines ehemaligen Comiczeichners, kommt an ihrem ersten Arbeitstag im Comic-Department eines Medienkonzerns gerade rechtzeitig, um zu erfahren, dass man von „ganz oben“ die Auflösung der Abteilung angeordnet hat. Es gelingt ihr, beim CEO vorgelassen zu werden und dem mächtigen Mann eine Geschichte zu erzählen. Die handelt von der Faszination, die zwei junge, aufstrebende Männer (ihr Vater und der jetzige CEO) empfanden, als sie vor vielen Jahren damit begannen, für einen Comicverlag zu arbeiten. Ihre Beschreibungen sind so plastisch und mitreißend, dass der Boss seine Entscheidung revidiert – unter der Bedingung, dass ihm Sherri noch weitere solcher Geschichten erzählen kann. Ihre begeisterte Antwort: „Trust me …I have a thousand.“
Was für ein toller Einstieg in eine Story-Sammlung!

Nach vielen dutzend Science-Fiction-Variationen von „Alice in Wonderland“, „Pinocchio“, „The Three Musketeers“, „The Ugly Duckling“, „Rikki-Tikki-Tavi“, „The Sweet Porridge“ u.v.a.m., schlug mich (fast am Ende des Buches) die Geschichte „The Boy Who Drew Cats“ in ihren Bann. Dieses kleine Wunderwerk stammt aus der Feder von Chris Stevens, wurde illustriert von Khoi Pham, koloriert von Jose Villarrubia und vom großen Todd Klein gelettert. Auf wenigen Seiten wird darin das Leben eines japanischen Künstlers beschrieben, der in seiner Jugend gelobte, nichts als Katzen zeichnet. Die von ihm mittels Tusche und Feder zum Leben erweckten Tiere geben ihm ihre Zuneigung – und jeweils eines ihrer neun Leben. Doch der Weise erkennt, wann seine Zeit gekommen ist. Nach einem langen und glücklichen Leben entscheidet sich der Meister, die magische Zeichenfeder an seine Schülerin weiterzureichen. Und auch wenn sie mit ihren ersten Zeichenversuchen noch unzufrieden ist – als sie nach vielen Stunden des Übens müde ins Bett geht, folgen ihr bereits die ersten Katzen.
Ein optischer und stilistischer Genuss, nicht nur für Freunde dieser eigenwilligen Tiere.

Allen im Buch enthaltenen Beiträgen zu Eigen ist der unbedingte Wille der beteiligten Künstler, neben aller Originalität, ihren „Vorlagen“ gerecht zu werden. Egal, ob nun Rotkäppchen mit dem Raumschiff auf einem fernen Planten strandet oder ein Roboter-Konstrukteur der Zukunft die klassische Pygmalion-Erfahrung machen muss, ob ein mit Superkräften begabter Ninja seine entführten Brüder aus den Fängen von auf dem Mond heimischen Kampf-Spinnen befreit oder ein hölzerner Bengel in einer aseptischen Zukunftsstadt glücklich den letzten Baum der Welt umarmt – immer merkt man den Bildern und Texten an, mit welcher hingebungsvollen Empathie hier gearbeitet wurde.

Die Anthologie „Once Upon a Time Machine“ gehört zu den spannendsten, aufregendsten und überraschendsten Büchern, die in den letzten Jahren erschienen sind. Dieses hiermit dringend zur Anschaffung und Lektüre empfohlene Werk wird sicherlich nicht nur für Comic-Leser ein unverzichtbarer Bestandteil der eigenen Bibliothek werden.

(Horst Illmer, März 2013)

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