Gargoyle von Andrew Davidson

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The Gargoyle, deutsche Ausgabe erstmals 2009 , 576 Seiten. ISBN nicht vorhanden. Übersetzung ins Deutsche von Eike Schönfeld.

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In Kürze:

Das aufregendste Debüt der letzten Jahre: eine fesselnde Geschichte über die erlösende Kraft des Leidens und eine Liebe, die die Grenzen von Zeit und Raum überschreitet.
Ein Mann fährt eine dunkle Straße entlang, als er plötzlich geblendet wird, sein Wagen in eine Schlucht stürzt und Feuer fängt. Er überlebt, wird mit schwersten Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert und hat in den Wochen der Rekonvaleszenz nur einen Gedanken: wie er nach seiner Entlassung Selbstmord begehen kann. Doch da taucht eines Tages eine mysteriöse Frau an seinem Krankenbett auf, die schöneMarianne Engel, Bildhauerin beeindruckender Gargoyles. Sie behauptet, sie seien einst Liebende gewesen vor siebenhundert Jahren in Deutschland, als sie eine Nonne war und er ein Söldner auf der Flucht. Ist diese Frau einfach verrückt? Oder ist sie der rettende Engel, der ihn aus seiner Verzweiflung und Todessehnsucht erlösen wird?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Über Liebe, Hölle und das Groteske dazwischen“ 91

Mystery-Rezension von Verena Wolf

Ich bin übermüdet – sehr übermüdet – und „Gargoyle“ ist schuld. Aber das macht nichts. Denn dieses Debüt war es wert, dass ich jetzt Augenringe wie eine gotische Wasserspeier-Figur habe. Es ist eindringlich, abgedreht und außergewöhnlich – und dass man manchmal wie besessen etwas durchziehen muss, weiß man nach der Lektüre sowieso. Die Hauptfiguren schlafen auch viel zu wenig.

Ein Pornodarsteller, betrunken und mit zu vielen Drogen im Blut, hat bei einer Autofahrt die Schreckensvision, auf ihn würden Pfeile aus einem Wald abgeschossen. Er reißt das Lenkrad herum, baut einen Autounfall und verbrennt fast in dem Wrack. Im Krankenhaus wacht er auf und er sieht nicht nur aus, als wäre er durchs Fegefeuer gegangen, für ihn beginnt ein wahrer Höllenritt. Er leidet entsetzliche Schmerzen, seine Karriere, die auf Ausdauer und einem Adoniskörper aufbaute, ist wörtlich wie sein bestes Stück in Rauch aufgegangen. Ihn halten nur noch bitterster Zynismus und ein Gedanke bei Sinnen: Endlich aus dem Krankenhaus zu kommen, um sich umzubringen. Genüsslich malt er sich seinen Selbstmord aus. Dann taucht an seinem Bett eine Bildhauerin namens Marianne Engel auf, die im selben Krankenhaus psychiatrische Patientin ist und lächelnd behauptet, sie kenne ihn aus ihrem vorigen Leben. Vor 700 Jahren trafen sie sich bereits in Deutschland – sie war Nonne, er Söldner – und sie wurden ein Liebespaar. Außerdem fügt sie tadelnd hinzu, sei es jetzt schon das dritte Mal, dass er so verbrannt worden sei. Der Ich-Erzähler hält die Dame selbstverständlich für verrückt, aber ihre Besuche vertreiben die Zeit und so lässt er zu, dass sie ihm Geschichten aus der Vergangenheit erzählt, die sie für Wahrheit und er für Spinnereien hält. Dann wird er entlassen und zieht bei Marianne ein – warum auch nicht?

Das war so noch nie da

Es gibt Bücher, die kann man kaum in eine Schublade stecken. Genauso schlecht, wie man den Titel von Davidsons Erstlingswerk übersetzen konnte, darum blieb der sperrige Titel einfach, muss man das Debüt „Gargoyle“ für sich selbst sprechen lassen. Ist es Fantasy, eine Zeitreise, eine mystische Liebesgeschichte oder ein zeitgenössischer, psychologischer Roman? Von allem ein bisschen und verdammt, eigentlich ist es einem auch egal, wenn man liest. Man hat ja irgendwie das Buch in die Finger bekommen und das allein zählt.

Klar, es geht um einen zur Unkenntlichkeit verbrannten Patienten und eine Bildhauerin. Da ist der schöne Pornodarsteller, für den Sex seine Arbeit und Frauen sein Hobby waren, bis das Feuer die kalte, schöne Adonisstatue, die er war, zerstörte und er zum ersten Mal etwas wirklich fühlt. Auf der anderen Seite gibt es die verstörenden Fabelwesen, die seine neue Bekannte in manischen Anfällen aus Stein meißelt, weil sie befreit werden wollen aus ihrem Gefängnis. Das ist alles ganz schön tiefsinnig. Aber zum Glück erschöpft es sich nicht in der billigen Symbolik.

Eine gemeißelte Liebesgeschichte

Gargoyle ist brillant geschrieben, der Zynismus des Ich-Erzählers gerade im ersten Drittel ist fantastisch beißend. In der Mitte hatte das Buch einen kleinen Hänger und auch die schamanenhaft anmutende Traumreise des Hauptdarstellers ist etwas ausführlich, aber das Buch nimmt dann wieder Fahrt auf. Die schillernden Geschichten, die Marianne erzählt und die sich langsam zu einem Bild der scheinbar gemeinsamen Vergangenheit fügen, kreisen um schicksalhafte Liebe und Tod, aber das anhand von japanischen Glasbläserinnen, schwulen Wikingern und Bibel übersetzenden Nonnen. Man lernt viel über Dantes Hölle, mittelalterliche Buchbinderei und Schmerztherapie.

Gargoyle ist weder actionreicher Reißer noch schmachtend-kitschiger Schinken. Mariannes Schilderungen sind von der harten Realität geprägt, von der sie berichtet und wie dem Ich-Erzähler ist es dem Leser irgendwann egal, ob sie vor 700 Jahren geboren wurde oder schizophren ist. Hauptsache, sie erzählt weiter. „Gargoyle“ ist rau, aber auch beeindruckend anrührend, grotesk und wahnhaft facettenreich. Ach, wer jemals selbstvergessen die steinernen Unholde betrachtet hat, die seit Jahrhunderten mit aufgerissenen Augen von Kirchen und Kathedralen herunterstarren und sich dabei fragte, ob die Figuren nicht wirklich böse Geister fernhalten, der sollte in „Gargoyle“ einen Blick werfen. Er wird es genauso wenig aus dem Kopf kriegen können wie die kunstvollen Fratzengesichter.

Ihre Meinung zu »Andrew Davidson: Gargoyle«

Dracon zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 13.05.2011
Ich kann die hohe Bewertung von Frau Wolf nicht ganz nachvollziehen.Gargoyle ist zwar ganz ordentlich geschrieben ,aber so gelungen fand ich ihn nicht . Die ersten 50 - 60 Seiten sind einfach nur langweilig ich wollte kein Fachbuch für Verbrennungen lesen. Mit erscheinen der Mariane Engel wird die Storyline zwar besser aber so richtig gefesselt hat mich das Buch auch da nicht . Das Ende ist außerdem zimmlich hervorsehbar . Gargoyle ist ein nettes Buch für zwichen durch mehr aber auch nicht.
Varg zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 13.11.2010
Traurig, Mitreißend, Romantisch, Historisch, Philosophisch und Fesslnd....all das beinhaltet dieses Buch.
Zwar habe ich dieses Buch sehr schnell gelesen, aber ich würde sagen das es positiv ist, da es eine die ganze Zeit gefesselt hat. Ich wollte die ganze Zeit nur noch wissen wie es weiter getht.
Die einzelnen Geschichten aus Mariannes Leben waren sehr gut erzählt, dazu auch die kleinen Kurzgeschichten über die Liebe. Genau wie der Gang des Hauptdarsteller durch Dantes Hölle, war sehr zum Nachedenken, auch wie er immer weiter aufgebaut wurde, obwohl er am Anfang keine Lust mehr hatte weiterzuleben, da er durch den Brand so entstellt war war richtig gut.

Ich finde dieses Buch sollte man Lesen, wenn man auf Mysteriöses, Romantik, Glaubensfragen und Mittelalter steht.
Ziva zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 24.11.2009
Dieses Buch ist etwas ganz besonderes. Witzig. bissig und leidenschaftlich erzählt es von einer Liebe, die über hunderte von Jahren hinweg andauerte. Die zynische Art des Ich-Erzählers, die vor allem im ersten Drittel des Buches sehr stark ausgeprägt ist, gibt allem die nötige Situationskomik um das durchaus schwere Schicksal und die rücksichtslos grausame Erzählweise des Namenlosen zu verdauen.
Dieses Buch hat mich zum Nachdenken gebracht, nicht nur über die Liebe oder den Glauben, die Hölle und Gott, sondern den ganzen Sinn des Lebens, und für wen oder was man sich selbst aufgibt.
Eins der besten Bücher, das ich je gelesen habe!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Pennywise zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 30.09.2009
Lesen, lesen, lesen...

Man kann dieses Buch auf jeden Fall nicht mal schnell in Worte fassen aber es ist den Kauf definitiv wert. Eine wirklich schöne Liebesgeschichte ohne kitschig zu sein. Ein Buch, welches auf jeden Fall noch nachhaltig beschäftigt. Stellenweise zum schreien komisch, wenn unser Brandopfer sich in seine eigene Gedankenwelt flüchtet. Genau an diesen Stellen habe ich wirklich laut auflachen müssen. Es ist wirklich alles vertreten, was ein Buch so benötigt.
Jesssie zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 10.09.2009
Schönes Buch, dass mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist und allein dafür gibt es schonmal einen großen Pluspunkt. Der Couch-Rezi kann ich nicht viel hinzufügen oder absprechen. Minuspunkt für mich war, dass Marianne Engel ihrem verbrannten No-Name nicht eindringlicher klar macht, dass es sich um die gegenseitige groooße Liebe handelt. Mir fehlt da etwas die Leidenschaft, die wohl hier durch die Bildhauerei zum Ausdruck kommen soll. Augenringe habe ich auch keine bekommen, weil ich durchaus aufhören konnte zu lesen ;-) Dennoch Hut ab für so ein Debut. Der Autor schafft es mit seinem detaillierten und eindringlichen Stil wirklich schöne Geschichten und Charaktere zu schaffen, die lebendig werden. Ein modernes 1001 Nacht-Buch über manchmal ein wenig viel Gott und Glauben, aber auch über Vertrauen und Mut, ohne die die Liebe und das Leben nicht funktionieren würden. Am Ende hielt ich das Buch noch einige Minuten in den Händen und lag (zugegeben) ein wenig gebannt und nachdenklich auf meinem Sofa.

Fazit: Die genauen Beschreibungen der Verbrennungen u. Heilungsmethoden und auch einige andere Passagen sind bestimmt nichts für „zarte“ Gemüter, mir haben sie aber ausnahmslos gefallen :-D Diese stehen wiederum im krassen Gegensatz zu der/den (Liebes-) Geschichte(n), die manchmal etwas langatmig ausfallen. Insgesamt hat mir etwas das mystische und geheimnisvolle gefehlt. Deshalb gibt es „nur“ 89 Grad.
adhara zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 30.04.2009
Ich fand den Einstieg von Gargoyle hammermässig stark. Und der erste Drittel des Buches lag ausserhalb dessen, was ich in dieser Sparte bisher gelesen hatte. Doch dann fing die Geschichte langsam an abzugleiten. Zwar stürzte sie nicht gerade ins Bodenlose, doch sie wurde banal und dümpelte zum Schluss nur noch mässig herum. Nach dem fulminanten Einstieg ins Buch habe ich weit mehr erwartet, als das, was Andrew Davidson letztlich geboten hat. Für mich stellt Gargoyle mit Ausnahme des esrten Drittels eine absolute Enttäuschung dar.
Fireblade zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 07.04.2009
Der "offiziellen" Rezension und der Meinung von JulO gebe ich voll und ganz recht, möchte aber noch eine kleine Besonderheit hinweisen:
Das Buch ist aus der Sicht des Ich-Erzählers geschrieben. Aber nicht durchgängig. Wenn Marianne Engel ihre Geschichten erzählt redet sie, und nur sie. Sie spricht den Hauptdarsteller zwar direkt an, aber keinerlei Anmerkungen oder Fragen oder sonst irgendwas von ihm sind zu lesen. Das gibt einem das Gefühl ein vertrauliches Gespräch mit anzuhören. Und es lässt den Leser im Dunkelen darüber was Protagonist über die Dinge in den Geschichten denkt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
JulO zu »Andrew Davidson: Gargoyle« 03.04.2009
Ja, das Buch ist eindringlich geschrieben und geht gleich zu Anfang in die Vollen. Da wird, um die Schmerzen des Protagonisten zu illustrieren, der Leser auch schon mal eindringlich aufgefordert, sich vorzustellen, die Wange auf eine rotglühende Elektroherdplatte zu legen - und darauf liegen zu lassen! Die Verletzungen und Schmerzen des Protagonisten ziehen sich zwar durch´s ganze Buch, immerhin hat der Unfall sein bisheriges Leben völlig zerstört, aber der Fokus wird immer mehr auf Marianne Engel, deren Geschichten und die Beziehungen zu diversen Therapeuten gelegt. Der Protagonist entwickelt sich von einem gedankenlosen Macho mit verquaster Vergangenheit, den niemand aus seinem Leben vor dem Unfall ein zweites Mal im Krankenhaus besucht, zu einem Menschen, dem andere wichtig werden. In dem Buch kommen nur eine Handvoll, dafür aber sehr bezeichnend beschriebene und wirklich herausgearbeitete Nebencharaktere vor - u.a. eine japanische Physiotherapeutin, ein übergewichtiger und schüchterner Psychiater, eine kratzbürstige Agentin - so dass sie mir alle lebensecht erschienen. Die von Marianne erzählten Geschichten, die sich durch Zeit und Raum ziehen, sind unglaublich schön und geben dem Leser reichlich zu grübeln.
Auch ich fand die Szenen während des Entzugsdeliriums ein wenig zu ausführlich, aber das tut dem Gesamteindruck des Buches und der Empfehlung als gute Lektüre keinen Abbruch.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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