Das Geschenk der Wölfe von Anne Rice

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „The Wolf Gift“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 656 Seiten.ISBN 3-499-23860-8.Übersetzung ins Deutsche von Edith Beleites.

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In Kürze:

Interview mit einem Werwolf. Der junge Journalist Reuben soll einen Artikel über ein altes Herrenhaus schreiben, das abgelegen auf den Klippen der nordkalifornischen Küste thront. Doch die Besichtigung endet blutig: Reuben wird von einem großen Raubtier attackiert. Seine Wunden heilen indes ungewöhnlich schnell. Bald verändert Reuben sich. Er wird zum Wolfsmann. Bei Tag der attraktive Jungreporter, der über die furchterregende fremde Kreatur berichtet, bei Nacht eine Bestie: Reuben wird gefürchtet und gejagt. Doch das wahre Böse lauert woanders.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Vampirromane waren gestern!“85

Horror-Rezension von Silke Wronkowski

Reuben Golding, – 23 Jahre jung, dunkle Locken und bestechend blaue Augen – Reporter beim San Francisco Observer, soll einen Artikel über das berühmte Nideck-Anwesen an der nordkalifornischen Küste schreiben, denn die Erbin möchte es zum Verkauf anbieten nachdem ihr verschollener Onkel Felix Nideck endlich für Tod erklärt wurde. Nicht nur das Haupthaus samt Redwoodwald fasziniert Reuben sogleich, auch die interessante Merchant Nideck trägt dazu bei, dass in ihm immer mehr der Wunsch laut wird, selbst das Haus zu kaufen und damit einen Zweck für sein Treuhandvermögen gefunden zu haben.

Nach einem wundervollen Abend mit fantastischen Geschichten über Felix, den Weltenbummler und Erforscher längst vergangener Kulturen, und einer noch leidenschaftlicheren Nacht mit der Hausbesitzerin, zerplatzt Reubens Traum jäh: Zwei Fremde dringen in das Gebäude ein und töten Merchant, wollen auch ihn umbringen. Doch in der Finsternis kann Reuben ein animalisches Geheul und Knurren ausmachen, hört Knochen brechen und Fleisch reißen und wird im Eifer des Kampfes selbst schwer gebissen.

Als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, stehen die Ärzte – allen voran seine eigene Mutter Grace, eine berühmte Chirurgin – vor einem Rätsel, heilen seine Wunden doch rasant und Blutuntersuchungen zeugen von Wachstumshormonen, die da nicht sein dürften. Auch Reuben dämmert, dass irgendetwas mit seinem Körper vor sich geht, seine Sinne schärft, seinen Drang nach Natur und Wildnis prägt. Binnen kürzester Zeit findet er sich vor dem Spiegel seines Badezimmers wieder und versucht mit dem iPhone die Verwandlung zu einem Wolfmenschen festzuhalten, die fortan jede Nacht geschieht. Getrieben von den Stimmen unschuldiger Opfer begibt er sich in Wolfgestalt auf die nächtliche Jagd nach Mördern, Vergewaltigern und Psychopathen. Ganz klar, dass dies nicht ohne Medienrummel verläuft und die Bevölkerung spaltet. Seine eigene Herausgeberin bittet ihn in seiner gewohnt brillanten Art das Phänomen der „Bestie“ nieder zu schreiben, nicht wissend, dass er der Gesuchte ist.

Der Klappentext ist hier etwas irreführend, soll er doch wohl nur daran erinnern, dass Anne Rice die Chronistin der Vampire schlechthin ist, denn nirgends wird ein Interview mit einem der Protagonisten geführt. Keine Frage, ihre Chronik der Vampire um Lestat de Lioncourt und Louis Pointe de Lac ist ein großes, sinnliches Gesamtwerk. Ob eine Reihe um die „Morphenkinder“ um Reuben Golding und Felix Nideck ähnlich berühmt werden wird, bleibt abzuwarten. Zu schnell erkennt man ein ähnliches Schema wieder: Ein schöner Jüngling auf der Suche nach seinem Platz im Leben wird in eine unsterbliche Kreatur verwandelt, eine junge Liebe, die auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt ist, „böse“ und gute Gestalten der neuen Gattung, die seinen Weg kreuzen. Vampire und Morphenkinder, wie sich der Zirkel um Felix Nideck selbst nennt, sind beide Geschöpfe der Nacht, nur dass diesmal nicht das Blut Unschuldiger gesaugt wird, sondern böse Verbrecher brutal in Stücke gerissen werden.

Und doch: Anne Rice ist und bleibt die Grande Dame der großen Fantastik-Chroniken, die an historische Familiensagen erinnern und mit viel Gefühl das Menschliche in tötenden Bestien greifbar machen. Der über 600 Seiten starke erste Teil der als Trilogie angelegten Reihe endet somit auch eher ruhig, denn mit einem großen Finale oder spannungstreibendem Cliffhanger. Einmal von der Story und den Figuren gepackt, stört es allerdings nicht, denn man möchte sogleich zum nächsten Band der Reihe greifen und wissen, wie es weitergeht. Bleibt zu hoffen, dass die Übersetzung nicht mehr lange auf sich warten lässt!

Silke Wronkowski im August 2013

 

Ihre Meinung zu »Anne Rice: Das Geschenk der Wölfe«

Christine Klaus zu »Anne Rice: Das Geschenk der Wölfe«26.07.2015
Leider ist es auch bei Anne Rice wie bei fast allen vielversprechenden Serienromanen.....man wartet jahrelang auf den deutschen Folgeband.....in meinem Fall: Wolfes of midwinter .....

dasselbe passierte mir mit Patrick Rothfuss.....

Deborah Harkness....

Ich werde in Zukunft erst zu lesen beginnen wenn alle Bände veröffentlicht sind.....
EP zu »Anne Rice: Das Geschenk der Wölfe«11.06.2015
Hm, ich bin wirklich geteilter Meinung über dieses Buch. Man muss dazu sagen, dass ich so ziemlich alles von Anne Rice gelesen habe. Die Landschafts- und Hausbeschreibungen sind opulent und typisch - darüber habe ich mich gefreut, denn so kann man vor dem inneren Auge alles miterleben. Die Geschichte an sich ist ja auch spannend geschrieben, vor allem möchte man wissen, was es denn nun mit den Nidecks und dem Chrisam auf sich hat. Etwas verstörend waren für mich die Szenen mit Laura, der Frau aus dem Wald, die sich dem Mann in Wolfsgestalt einfach an den Hals wirft. Die Szenen mit Marchent waren angenehm zu lesen, aber die Szenen, wo die Autorin sich über die körperlichen Aktivitäten und auch die Verwandlungen auslässt, waren doch sehr seltsam. Etwas, in das man sich absolut nicht hineinversetzen kann und wo man sich beim Lesen fast unwohl fühlt. Trotzdem ist es alles in allem ein spannendes Buch und die Fortsetzung werde ich garantiert auch lesen!
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