Im Mondstaub versunken von Arthur C. Clarke

Buchvorstellungund Rezension

Im Mondstaub versunken von Arthur C. Clarke

Originalausgabe erschienen 1961unter dem Titel „A Fall of Moondust“,deutsche Ausgabe erstmals 1962, 189 Seiten.ISBN 3-442-23027-6.Übersetzung ins Deutsche von Tony Westermayr.

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In Kürze:

In Kürze: In einer inzwischen nicht mehr allzu fernen Zukunft ist der Mensch nicht nur auf den Mond zurückgekehrt: Er hat ihn besiedelt, Stützpunkte errichtet und schließlich Städte gebaut, deren stolze Bürger bereits nach Zehntausenden zählen. Bei den Erdmenschen steht der Nachttrabant als Reiseziel hoch im Kurs. Inzwischen gibt es in Port Clavius, der ältesten Mondstadt, eine eigene Touristenbehörde, die von Direktor Davis straff und erfolgreich geführt wird. Die neueste Attraktion ist der Staubkreuzer „Selene“, kein Raumschiff, sondern eine Art Mondbus, der zwanzig gut betuchten Passagieren eine eindrucksvolle Fahrt über das „Meer des Durstes“ beschert. Da der Mond bekanntlich eine luft- und wasserlose Felsenkugel ist, wird dieses Meer von feinem Staub gefüllt, der sich allerdings unter Weltraum-Bedingungen wie eine Flüssigkeit verhält und so etwas wie eine Mond- Schifffahrt ermöglicht. – Kapitän der „Selene“ ist der Pat Harris, ein nicht besonders ehrgeiziger, aber gewissenhafter junger Mann. Unterstützt wird er von Stewardess Sue Wilkins, die aus härterem Holz geschnitzt ist. Das ist hilfreich, als die aktuelle Fahrt der „Selene“ durch ein Mondbeben unterbrochen wird, das den Kreuzer im „Meer des Durstes“ versinken lässt. Dort sitzt man fest, gefangen vom Staub, der die Kommunikation mit der Basisstation verhindert und einen Ausstieg verhindert; es gibt ohnehin nur einen Raumanzug an Bord..

Das meint phantastik-couch.de: „Dramatischer Untergang im Mond-Meer des Durstes“90

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

In einer inzwischen nicht mehr allzu fernen Zukunft (um eine exakte Datierung drückt sich der Verfasser; gewissen Andeutungen lässt sich entnehmen, dass wir uns etwa im Jahre 2040 befinden) ist der Mensch nicht nur auf den Mond zurückgekehrt: Er hat ihn besiedelt, Stützpunkte errichtet und schließlich Städte gebaut, deren stolze Bürger bereits nach Zehntausenden zählen. Bei den Erdmenschen steht der Nachttrabant als Reiseziel hoch im Kurs. Inzwischen gibt es in Port Clavius, der ältesten Mondstadt, eine eigene Touristenbehörde, die von Direktor Davis straff und erfolgreich geführt wird.

Die neueste Attraktion ist der Staubkreuzer „Selene“, kein Raumschiff, sondern eine Art Mondbus, der zwanzig gut betuchten Passagieren eine eindrucksvolle Fahrt über das „Meer des Durstes“ beschert. Da der Mond bekanntlich eine luft- und wasserlose Felsenkugel ist, wird dieses Meer von feinem Staub gefüllt, der sich allerdings unter Weltraum-Bedingungen wie eine Flüssigkeit verhält und so etwas wie eine Mond-Schifffahrt ermöglicht.

Kapitän der „Selene“ ist der Pat Harris, ein nicht besonders ehrgeiziger, aber gewissenhafter junger Mann. Unterstützt wird er von Stewardess Sue Wilkins, die (jedenfalls für eine Frau im SF-Roman der frühen 1960er Jahre) aus härterem Holz geschnitzt ist. Das ist hilfreich, als die aktuelle Fahrt der „Selene“ durch ein Mondbeben unterbrochen wird, das den Kreuzer im „Meer des Durstes“ versinken lässt. Dort sitzt man fest, gefangen vom Staub, der die Kommunikation mit der Basisstation verhindert und einen Ausstieg verhindert; es gibt (aus dramaturgischen Gründen) nur einen Raumanzug an Bord.

Das Verschwinden der „Selene“ erregt weltenweites Aufsehen. Während von der Erde die Presse einfällt, suchen die Retter unter Leitung des tüchtigen Chefingenieurs Lawrence lange vergeblich nach dem Kreuzer. Dort wird die Lage langsam kritisch, da der Luftvorrat begrenzt ist und die Kabinenkühlung langsam den Geist aufgibt. Als die Retter endlich kommen, muss improvisiert werden, wobei sich immer wieder fatale Fehler einschleichen. Die Zeit läuft langsam ab für Passagiere und Besatzung der „Selene“. Während an der Oberfläche des Staubmeers fieberhaft gearbeitet wird, breiten sich darunter langsam, aber sicher Verzweiflung und Todesangst aus …

Ein SF-Abenteuer der gediegenen Sorte

Arthur Charles Clarke (geb. 1917) ist einer der Letzten der ganz großen Alten der Science Fiction. Seit 1937 ist er dem Genre verbunden, erst als Fanautor, nach dem II. Weltkrieg dann als Profi. Daneben gibt es den (sogar studierten) Mathematiker und Physiker A. C. Clarke, der 1945 mit einer Studie über die Möglichkeiten der weltweiten Kommunikation per Satellit die Zukunft tatsächlich voraussah. (Üblicherweise liegen SF-Autoren mit ihren Prognosen noch schiefer als der normalsterbliche Zeitgenosse.) Wir finden dieses Konzept leicht abgewandelt im vorliegenden Roman wieder. Allerdings ist Clarkes den Mond umkreisende „Lagrange II“ eher ein Zwischending, halb Nachrichtensatellit, halb Raumstation, und kündet mit charmanter Naivität von der Zuversicht des mittleren 20. Jahrhunderts, dass der Mensch der Zukunft erst den Mond und dann den Rest des heimischen Sonnensystems wie einst den Wilden Westen kolonisieren werde.

„Im Mondstaub versunken“ zählt die gestrenge Kritik nicht zu den großen Werken Clarkes. Das kann leicht nachvollzogen werden, da die Handlung gar zu vertraut klingt – klingen muss, weil die Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen, in der ein an unzugänglicher Stelle versunkenes/abgestürztes Raumschiff/Flugzeug die Hauptrolle spielt, naturgemäß ziemlich begrenzt sind. Umsichtiger Kapitän, schief gelaufene Rettungsversuche, durchdrehender Passagier (eventuell mit Bombe), Wettlauf gegen die Zeit: Wer einen der „Airport“-Filmthriller gesehen hat, kann die „Mondstaub“-Story mit schlafwandlerischer Sicherheit voraussagen. (Aber wurde denn der originale „Airport“ nicht erst 1970 gedreht, so dass Clarke das Recht der geistigen Erstgeburt für sich beanspruchen könnte? Ja – wenn es da nicht „The High and the Mighty“/„Es wird immer wieder Tag“ von 1954 gäbe, der John Wayne als Kapitän eines vom Absturz bedrohten Flugzeuges voller unberechenbarer Passagiere präsentiert.)

Nicht immer gelungene Variation bekannter Muster

An Bord der „Selene“ beherrscht denn auch routinierte Panik das Bild, die recht kalt lässt. Gerade der frühe Arthur C. Clarke ist nicht als Meister der differenzierten Figurenzeichnung bekannt. Er bemüht sich, aber der Erfolg hält sich – siehe das Dickenssche Kindheitsdrama des Tom Rawson – in engen Grenzen. Mit der „Selene“ fahren jedenfalls ausschließlich Fleisch (bzw. Papier) gewordene Klischees in die Tiefe.

Dass Clarke dagegen durchaus über die Gabe der Selbstironie verfügt, belegt die Figur des geistig derangierten UFO-Jüngers Wilfried Radley, der außerdem als betrügerischer Buchhalter auf der Flucht entlarvt wird: Der junge Arthur war in den 1930er Jahren dazu gezwungen worden, einen 'vernünftigen’ Beruf zu erlernen. Er arbeitete einige Zeit als Rechnungsprüfer in einer Finanzverwaltung, obwohl die Naturwissenschaft und die Science Fiction längst seine echte Passion waren. Der Schock dieser Erfahrung muss tief gesessen haben, wenn Clarke mehr als zwei Jahrzehnte später schildert, was aus ihm womöglich geworden wäre. (Und dann gibt es im Rettungsteam noch einen vorlauten Zeitgenossen, der stets besser weiß, was auf dem Mond und überhaupt zu tun ist, und auf den schönen Namen „Anson“ hört. Wer sich erinnert, wie der große Robert A. Heinlein mit vollem Namen hieß, wird den kleinen Spaß zu würdigen wissen.)

So hätte die Zukunft aussehen können – und sollen

Da ist es nur gut, dass Clarke dem psychologischen Drama nicht allzu viel Raum bietet. Sobald er nämlich das Leben auf dem Mond beschreibt, ist er einfach unschlagbar. Ganz auf der Höhe des Wissensstandes von 1961 lässt er vor dem geistigen Auge des Lesers eine Welt entstehen, die einfach überzeugt. Acht Jahre vor der ersten Mondlandung kannte sich der Mensch bereits erstaunlich gut auf dem Nachbargestirn aus. Natürlich gibt es Diskrepanzen: Auf einen Staubozean, wie ihn Clarke sich hier des Plots wegen ausgedacht hat, sind die Astronauten nie gestoßen. Ansonsten gibt sich der Autor große Mühe, noch das kleinste Detail des Geschehens mit dem Ort der Handlung abzustimmen. Eine Mondreise haben sich (allzu) viele SF-Schriftsteller ausgedacht, ohne die faszinierenden physikalischen Verhältnisse zu berücksichtigen. Clarke tut es, und den Unterschied wird auch der wissenschaftliche Laie sofort bemerken!

Vom pädagogischen Eifer beflügelt, übertreibt es Clarke hier und da sogar ein wenig mit seinen Lektionen. Man merkt daran, dass er ca. ab 1960 als Romanschriftsteller eine längere Pause eingelegt hatte und nun bevorzugt allgemeinverständliche Sachbücher schrieb (nicht nur über die Raumfahrt übrigens, sondern auch über das Tauchen in tropischen Gewässern, Clarkes lebenslange Leidenschaft). Erst Stanley Kubrick sollte ihn Jahre später mit „2001 – Odyssee im Weltall“ zur fiktiven Science Fiction zurücklocken.

Mit diesem Meisterwerk kann sich „Im Mondstaub versunken“ natürlich nicht messen, aber dieser 'kleine’ Roman hat sich trotzdem behauptet. Liest man ihn heute, sorgt der Nostalgie-Faktor für weiteres Vergnügen, in das sich leichte Wehmut im Gedenken an eine Zukunft mischt, in der vor gar nicht allzu langer Zeit noch alles möglich schien, und die dann so rasch verloren ging. Der Weltraum wird heute nur noch von Robotersonden bereist; der Mensch hat dort oben nichts mehr verloren bzw. beschränkt sich auf kleine Hopser oberhalb der Erdatmosphäre. Die Realität hat die Fantasie in dieser Hinsicht nicht nur eingeholt, sondern sie brutal niedergeschmettert. Im Mondstaub wird keine „Selene“ versinken. Davon zu träumen ist aber weiterhin gestattet, und unter dieser Prämisse darf Clarkes Roman als Klassiker gelten.

Ihre Meinung zu »Arthur C. Clarke: Im Mondstaub versunken«

Frank P. zu »Arthur C. Clarke: Im Mondstaub versunken«19.01.2017
Guter und logischer Handlungstrang. Sehr gute Einführung und alles wichtige im Detail erwähnt bzw. beschrieben. Nach und nach werden die Personen beschrieben und auch befragt. Alles sehr schlüssig erzählt. Auch das die Technik für solch einen Notfall erst entwickelt werden muss. Die Gedanken der Retter, sowie das Verhalten an Bord ist sehr gut beschrieben.
Im Prinzip eine spannende Geschichte und auch die Rettung ist durch das Verhalten und Zusammenhalt jeder einzelnen Person garantiert.
Michael Zöllner zu »Arthur C. Clarke: Im Mondstaub versunken«22.10.2014
Ein solider Science-Fiction Katastrophenroman wie ich in aus der Feder von Arthur C erwartet hätte. Es geht diesmal nicht um das Schicksal der ganzen Menschheit, es wird nicht ins unendliche aufgebrochen und es wird auch nicht ein kosmisches Bewusstsein kontaktiert.

Eine kleine Gruppe Mondtouristen kommt in eine gefährliche Situation weil die Technik der Menschen, die Oberfläche des Mondes und der Zufall auf unerwünschte Weise zusammenwirken. Das alles wird glaubhaft und logisch geschildert.

Das Verhalten von Menschen in vielen Situationen wird sowohl auf der Seite der Helfer wie auf der Seite der Opfer realistisch dargestellt. Gerade das macht den Roman für mich zu einem gut zu lesenden Teil der hart SF. Denn um die Katastrophe herum, schildert Artuhr C. Clarks Eine glaubwürdige und logische Welt der erdnahen Raumfahrt im 21. Jahrhundert.

Der Roman ist sogar auf unfreiwillige Art und Weise inzwischen hochinteressant. Der Zeitung welche Hoffnungen im vergangenen Jahrhundert auf die Raumfahrt gesetzt wurden. Wer es mag Science-Fiction auf diese Art zu lesen, der mag vielleicht auch einen anderen Aspekt dieser Geschichte.

Auch wenn die Katastrophe, wie hier geschildert wird, fiktiv ist, so folgt der Aufbau der Geschichte und der Ablauf des Unfalls denselben Mechanismen welche den tatsächlichen Scheitern von technischen Projekten zu Grunde liegen. Katastrophenforscher wie Charles Peron von ihren Spaß an der Geschichte gehabt. Gerade der Aspekt, der Interaktion von Systemen die eigentlich nicht zum zusammenwirken gedacht waren, ist hier von entscheidender Bedeutung.

Wer diesen Gedanken nachvollziehen möchte, sollte sich zuvor mit Fachbüchern wie "normale Katastrophen"oder "der Logik des Misslingens" auseinandersetzen. Der Roman ist zwar älter als die Bücher, aber sie zeigen wie gründlich Arthur C sich auch auf wissenschaftlicher Ebene, mit dem Phänomen der Fehlfunktion -des Versagens auseinandergesetzt hat.

Gleichzeitig, und das hat mir danach war sie immer gut gefallen, schildert er Menschen mit knappen Worten oder sie platt erscheinen zu lassen. Wir erfahren über die Personen das was wir brauchen um sie zu verstehen. Diese Vorgehensweise erklärt auch den geringen Umfang des Textes.

Ein Buch aus der Zeit, als nicht jede Idee auf 4-500 Seiten aufgepummt werden musste. Soweit so gut - ich empfehle dieses Buch - ausging eben genannten Gründen.
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