Arthur Machen

Geboren wurde er als Arthur Llewellyn Jones am 3. März 1863 im kleinen Städtchen Caerleon on Usk, gelegen in Süd-Wales, als Sohn eines anglikanischen Pfarrers. Mit großem Interesse verfolgte schon der Knabe Arthur die archäologischen Ausgrabungen in der Grafschaft Gwent, die zweitausend Jahre zuvor Teil des Römischen Imperiums gewesen war. Auch die Hinterlassenschaften der keltischen Ureinwohner kamen dabei zu Tage – buchstäblich der ideale Humus für den Geist eines jungen, mit Fantasie begabten Mannes, der schon früh eine Laufbahn als Schriftsteller anstrebte.

Inzwischen nach London umgesiedelt, folgten für Machen einige Hungerjahre, bevor er sich ab 1885 als Übersetzer und Verfasser abenteuerlicher Geschichten im Stil Robert Louis Stevensons einen Namen zu machen begann. Schlagartig berühmt wurde er 1891 durch „The Great God Pan“. Für die sittenstrengen Viktorianer war diese (aus heutiger Sicht recht dezente) Geschichte um heidnisch-dekadente (= zügellose, freie) Sexualität, die auch noch mit plakativem Horror aufgeladen wurde, starker Tobak. In den folgenden Jahren hieb Machen noch mehrfach in dieselbe Kerbe.

Als 1895 der Skandal um Oscar Wilde (der ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe eintrug) deutlich machte, dass die Toleranz des Establishments ihre Grenzen hatte, ging Machen gewissermaßen in Deckung. Mehrere Jahre schrieb er nur mehr, veröffentlichte aber nicht. 1899 trat er der ritualmagischen Rosenkreuzer-Gesellschaft „Hermetic Order of the Golden Dawn“ bei, die zu ihren Mitgliedern so illustre (oder berüchtigte) Persönlichkeiten wie William Butler Yeats, Aleister Crowley oder den Grusel-Kollegen Algernon Blackwood zählte, doch die Verbindung blieb locker, da Machen, ohnehin eher am ästhetischen Konzept der Magie als an ihrer praktischen Umsetzung interessiert, sich bald vom unorthodoxen Heidentum ab- und der keltisch-christlichen Mystik zuzuwenden begann.

Ab 1902 trat Machen wieder als Schriftsteller hervor. Sein Werk wurde politischer, tagesaktueller und kritischer. Den wohl größten Erfolg seiner Karriere feierte er 1914 mit der phantastischen Kriegslegende um die geisterhaften Bogenschützen von Mons, die – vom heiligen Georg persönlich angeführt – in dieser Schlacht des I. Weltkriegs angeblich den bedrängten britischen Truppen zur Seite eilten und den deutschen Gegner in die Flucht schlugen. Schon bald wurde diese Geschichte nicht nur unglaublich populär, sondern auch für bare Münze genommen; noch heute findet sie sich als „wahre Begebenheit“ in jener Sorte „Sachbuch“, die ihre Leser auch mit dem Ungeheuer von Loch Ness oder den Aliens für dumm verkaufen will.

Mit seiner zweiten Ehefrau zog sich Machen 1929 nach Amersham, Buckinghamshire, zurück, blieb aber schriftstellerisch weiter aktiv – notgedrungen, da sich der Wohlstand der früheren Jahre längst in Luft aufgelöst hatte. Arthur Machen starb am 30. März 1947 im hohen Alter von 84 Jahren. Auf seine frühen phantastischen Geschichten, die in den fünfzig Jahren seit ihrem Erscheinen gleich mehrfach vergessen, wieder entdeckt und gefeiert wurden, war er mit Recht stolz, aber gleichzeitig Realist genug, ihre Schwächen zu erkennen. Machens aus heutiger Sicht sehr modern wirkende Technik, die den bis dato üblichen stringenten Erzählfluss auflöste und es dem Leser überließ ihn durch die Montage mehr oder weniger separater Handlungselemente quasi selbst zusammenzufügen, war zu einem guten Teil aus der Not geboren: Der Verfasser wusste sich oft keinen anderen Rat, wenn er seine Handlung wieder einmal in eine Sackgasse geführt hatte. Dieselben Schwierigkeiten verraten die oft überbordenden Nebenplots und Einleitungen, die in der eigentlichen Geschichte wenig oder gar nichts verloren haben, aber Machen die Gelegenheit zu philosophischen (und sehr trockenen) Exkursen über die Natur des Bösen und ähnliche Themen boten, was den Lektürefluss manchmal etwas zäh geraten lässt. Aber dem stehen mehr als genug Passagen gegenüber, in denen Horror pur auf hohem Niveau geboten wird!

(Die Informationen zu Leben und Werk entnahm ich Joachim Kalkas Nachwort zu „Furcht und Schrecken“, dem ersten Band der Machen-Edition des Piper-Verlags aus den frühen 1990er Jahren, sowie der vorbildlichen Website der „Arthur Machen Society“.) (Michael Drewniok)

Phantastische Romane von Arthur Machen:

  • Storysammlungen:
    • (1894) Der große Pan
      The Great God Pan and The Inmost Light
    • (1906) The House of Souls
    • (1915) The Bowmen, and Other Legends of the War
    • (1924) The Shining Pyramid
    • (1924) Ornaments in Jade
    • (1936) Children of the Pool
    • (1936) The Cosy Room
    • (1948) Tales of Horror and the Supernatural
  • Sonstige Werke:
    • (1881) Eleusinia
    • (1884) The Anatomy of Tobacco (als Leolinus Siluriensis)
    • (1888) Chronicles of Clemendy
    • (1902) Hieroglyphics
    • (1904) Der Berg der Träume
      The Garden of Avallaunius
    • (1906) Dr. Stiggins
    • (1922) Der verborgene Sieg
      The Secret Glory
    • (1923) Strange Roads
    • (1924) Dog and Duck
    • (1925) The Canning Wonder
    • (1926) Notes and Queries
    • (1926) Dreads and Drolls
  • Autobiografien:
    • (1922) Far Off Things
    • (1923) Things Near and Far
    • (1924) The London Adventure
  • Bio-/Bibliografisches:
    • (1963) Aidan Reynolds/William Charlton: Arthur Machen
    • (1965) Adrian Goldstone/Wesley Sweetser: A Bibliography of Arthur Machen
    • (1970) Henry Danielsson: Arthur Machen
    • (1995) Mark Valentine: Arthur Machen
    • (2000) Lena Klassen: Arthur Machens phantastischer Raum: Raum und Stimmung als Grundlagen phantastischen Erzählens