Bartholomäus Figatowski: Der Basilikumdrache von

Buchvorstellungund Rezension

Bartholomäus Figatowski: Der Basilikumdrache von

Originalausgabe erschienen 2011, 112 Seiten.ISBN 3943022064.

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In Kürze:

Aus einem längst dicht gemachten Malakow-Turm tritt ein sonderbarer Kumpel heraus, der geradewegs aus dem 19. Jahrhundert teleportiert sein könnte. Die Glückssträhne zweier Möchtegernganoven wird jäh beendet, als sie zu viele ihrer Giftfässer in den Rhein-Herne-Kanal kippen. In den Schächten der Zeche Mont Cenis sind Schweißbrenner und Märchenkenntnisse unabdingbar. Die Safari in einem gigantischen Schaufelradbagger durch das, was einst das »Ruhrgebiet« genannt wurde, beweist, dass der Bergbau immer eine Zukunft hat …In dieser Anthologie wird in elf ganz unterschiedlichen Geschichten die phantastische Seite des Ruhrgebiets aufgeschlagen: von Marika Bergmann, Bettina Forbrich, Susanne Haberland, Achim Hiltrop, Jutta Kieber, Benjamin Nemeth, Regina Schleheck, Renate Schmidt-V., Rainer Schorm, Karla Weigand und Jörg Weigand.

Der Herausgeber

Bartholomäus Figatowski, Jahrgang 1976, arbeitet als Lehrer an einer weiterführenden allgemeinbildenden Schule in Bonn. Er studierte die Fächer Germanistik, Pädagogik und Sozialwissenschaften an den Universitäten Köln, Bonn und Krakau und absolvierte das Zertifikatsstudium Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bonn. Er ist Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung und arbeitet an einer Dissertation zum Thema „Explorationen moderner Kindheit und Jugend in der kinder- und jugendliterarischen Science Fiction nach 1945“.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die thematische Bandbreite ist zu groß“50

Horror-Rezension von Elmar Huber

„ Das Luftschiff war mittlerweile auf eine beachtliche Höhe gestiegen und Melinda konnte die Fabriken und Maschinenhallen erkennen, die sich bis zum Horizont erstreckten. Ein stählernes Meer, das über seine Ufer getreten war und alles Land unter sich begraben hatte.“
(Der Kepkow-Apparat)

Regina Schleheck – Der Basilikumdrache

Ein Inspektor, der eine Grubenstützkonstruktion der Zeche Mont Cenis prüfen soll, hat in der Grube eine verhängnisvolle Begegnung. Glücklicherweise ist der Inspektor märchenkundig.

Susanne Haberland – Am Baldeneysee

Da es sich Nivella in den Kopf gesetzt hat, ausgerechnet in dieser alten Villa am Baldeneysee ein Sommerfest zu geben, lässt sie sich auch von den Ammenmärchen nicht beeindrucken, die um den See kreisen.

Jörg Weigand – Nadeltanz

Mittels eines Voodoo-Rituals will sich der Singular des Ordens eines Konkurrenten entledigen. Er weiß jedoch nicht, dass die Zusammenkunft beobachtet wird.

Renate Schmidt-V. – Tot oder lebendig in Gut Rocholz

Reichlich angeheitert hat Paul eine seltsame Begegnung mit einem berittenen, stinkenden Penner. Dieser erzählt Paul eine phantastische Geschichte und Paul ahnt langsam, wer ihm tatsächlich gegenübersteht.

Jutta Kieber – Das Knöllchen

Als sie von der Arbeit nach Hause kommt, erwartet ihr Mann sie mit Vorwürfen. Auf dem Knöllchenfoto ist außer ihr ein anderer Mann im Auto zu sehen. Doch sie schwört, dass sie alleine war.

Karla Weigand – Am Kanal

Als Mirko und Walle wieder einmal illegal Giftmüll in den Rhein-Herne-Kanal entsorgen, ahnen Sie nicht, dass sie beobachtet werden.

Bettina Forbrich – Ruf aus dem Nebel

Nach einem Autounfall hat er sein Gedächtnis verloren. Immer wieder lockt es ihn zum Adlerturm, wo er eines Nachts seine Identität wiederfindet.

Marika Bergmann – Union >U<

SIE ist verwirrt. Hört Stimmen. Wird beobachtet. Im Café, wo SIE ein Bier trinkt. Und die anderen können IHRE Gedanken lesen? Was hat das alles mit der Dortmunder UNION zu tun?

Benjamin Nerneth – Der Kepkow-Apparat

Die Mechanisierung des Ruhrgebiets schreitet voran. Mit dem Kepkow-Apparat ist es gelungen, eine Maschine zu entwickelt, die ein künstliches Bewusstsein entwickeln soll. Und der Philosoph Abraham Grünspan soll der Lehrer der Maschine sein.

Rainer Schorm – Teufe

Irgendwann begann Stefan Kolinowski, vom Untergang zu reden. Ein alter Kumpel – Konopka -, der wie aus dem Nichts aus dem Malakow-Turm getreten ist, hat ihn gewarnt. Doch niemand sonst hat Konopka je gesehen. Ist Konopka, der Kumpel aus der Vergangenheit, nur ein Symptom von Kolinowskis Krankheit?

Achim Hiltrop – Glück auf!

Seit man in den Tiefen des Ruhrgebiets auf Seltene Erden gestoßen ist, hat sich der Bergbau radikal verändert. Nur wenige Lotsen kennen die Förderorte der wertvollen Metalle, die nun mit gigantischen Förderbaggern gehoben werden. Aus dieser Sicht war der Reaktorunfall, der das Gebiet unbewohnbar gemacht hat, fast ein Glücksfall gewesen.

„Die radioaktive Wolke hatte sich bei starkem Ostwind über den riesigen Ballungsraum zwischen Dortmund und Duisburg ausgebreitet und ihn von einem Tag auf den anderen unbewohnbar gemacht. Wo einst in Spitzenzeiten über sieben Millionen Menschen gewohnt hatten, lag nun eine viereinhalb tausend Quadratkilometergroße Geisterstadt.“
(Glück auf!)

Der regionalerprobte Herausgeber Bartholomäus Figatowski zeichnete bereits für die vergriffene phantastische Schleswig-Holstein-Anthologie „Wo die Biiken brennen“ verantwortlich. Nun soll es also das Ruhrgebiet, der „Pott“ sein, der mit seiner Bergbauvergangenheit die Kulisse für Phantastisches verschiedenster Couleur bildet.

Naturgemäß liegt die Gemeinsamkeit bei solcher Art Anthologien eher auf der Region, denn auf einer bestimmten Genreausprägung. Und so ist. „Der Basilikumdrache“, ein Sammelsurium verschiedenartigster Fantasy, Science-Fiction und Geistergeschichten aus dem Ruhrgebiet. Dabei variiert ebenso der Ton der Beiträge – humorig, philosophisch, visionär, surreal – wie auch die Qualität.

Einige AutorInnen, wie Regina Schleheck („Der Basilikumdrache“), Susanne Haberland („Am Baldeneysee“) oder Bettina Forbrich („Ruf aus dem Nebel“) haben sich als Kulissen und Objekte ihrer Geschichten reale Orte im Ruhrgebiet ausgesucht, andere spinnen die Entwicklung der ohnehin geschichtsträchtigen Kohleförderung weiter (Benjamin Nerneth „Der Kepkow-Apparat“, Achim Hiltrop „Glück auf!“), wieder andere lassen unruhige Seelen durch Deutschlands größten Ballungsraum wandern (Renate Schmidt-V. „Tot oder lebendig in Gut Rocholz“, Rainer Schorm „Teufe“). Manche Geschichten könnten jedoch überall spielen und verwässern damit den ansonsten inhaltlich runden Eindruck der Sammlung. Jörg Weigands „Nadeltanz“, Jutta Kiebers „Das Knöllchen“ und Marika Bergmanns „Union >U<“ haben nicht zwangsläufig etwa mit dem Ruhrgebiet zu tun. Nur dass der Verfasser/die Verfasserin aus dem Ruhrgebiet stammt, ist eine sehr weit gesteckte Qualifikation für die Aufnahme in einen Regionalanthologie. Schade um einige äußerst gelungene Beiträge, wie z.B. die eindringliche und fast klassische Gespenstergeschichte „Tot oder lebendig in Gut Rocholz“, der lakonischen Katastrophenwarnung „Teufe“ und „Glück auf!“ als Ausblick auf die zukünftige Art der Rohstoffförderung im Ruhrgebiet.

Das Buch ist ein einwandfrei gearbeitetes Hardcover, gedruckt auf hochwertigem Papier, für das der Preis von 12,90 EUR bestimmt nicht zu hoch gegriffen ist. Das Covermotiv sieht allerdings nach Kinder-/Märchenbuch aus und weckt damit falsche Erwartungen.

Auch wenn die thematische Bandbreite einfach zu groß ist, um jeden Leser restlos zu überzeugen – leider der Fluch solcher Anthologien – kann man „Der Basilikumdrache“ insgesamt nicht vorwerfen, langweilig zu sein. Die Fokussierung der Geschichten auf die Region Ruhrgebiet wird leider nicht immer eingehalten.

(Elmar Huber, Juni 2012)

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