Die Schlacht am Rayhin von

Buchvorstellungund Rezension

Die Schlacht am Rayhin von

Originalausgabe erschienen 2009, 576 Seiten.ISBN 3800095009.

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In Kürze:

Das barbarische Volk der Rachuren überzieht den Kontinent Ell mit Terror und Schrecken. Das Menschengeschlecht der Nno-bei-Klan ruft in größter Not den Orden der Bewahrer zur Hilfe. Ein Verteidigungsheer formiert sich. Nur der Magier Sapius weiß, dass diese Schlacht erst das wahre Böse heraufbeschwören wird …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Das größte, deutsche Fantasy-Epos?“67

Fantasy-Rezension von Tom Orgel

Nachdem diese Bezeichnung auf dem vorab verteilten Leseexemplar des bislang noch unveröffentlichten ersten Bandes der Serie von Bernd Rümmelein steht, muss man vorerst wohl davon ausgehen, dass sie zuallererst quantitativ zu verstehen ist. Eine qualitative „Größeneinordnung“ einer zum Teil noch ungeschriebenen Serie dürfte illusorisch sein und allenfalls die Hoffnungen des Verlages widerspiegeln. Sicherlich aber setzt Ueberreuter mit dem Zugpferd seines neuen All-Age-Fantasy-Segmentes 'Otherworld’ größte Erwartungen in ihre Neuentdeckung. Und vermutlich auch nicht ganz unberechtigt gewann der Debutroman von Bernd immerhin den Wolfgang-Hohlbein-Preis 2009.

Eine neue Welt, die ihren eigenen Gesetzen folgt

 …spricht der Einband von „Kryson – Die Schlacht am Rayhin“ weiter.

Das ist zuerst einmal nichts wirklich ungewöhnliches, da diese Aussage für rund 99 Prozent aller Fantasywelten zutreffen dürfte. Kryson – das ist eine auf den ersten Blick (auf die beiliegende Karte) vergleichsweise simpel aufgebaute Welt mit einer etwas an Chris Woodings „Welt aus Stein“ gemahnenden Astrophysik in Form von einem Planeten mit zwei Sonnen.

Auf dieser Welt herrscht Krieg. Ein Invasionskrieg, um genau zu sein, in welchem blutrünstige Horden, die „Rachuren“ über den Kontinent Ell ziehen, um die einheimischen „Klan“ zu besiegen, zu unterjochen und auszurotten. Nach langer Zeit der Uneinigkeit haben sich die Fraktionen der Klan wiederum unter einem gemeinsamen Heerführer, dem Bewahrer Madhrab, zusammen geschlossen und erwarten das Heer der Invasoren an den Ufern des titelgebenden Rayhin. Um den Feldzug ein für alle Mal zu stoppen, die Heimat zu verteidigen und den Tag sowie das Land zu retten. Nur ein einzelner Mann ahnt, dass hinter dieser doch recht simplen Sachlage etwas dunkleres und deutlich komplizierteres lauern könnte.

Der klassische Schwarz-Weiß-Kontrast. Oder doch nicht?

Das ist in etwa auch das, was der Leser schnell hofft, denn der Anfang der Geschichte kommt doch sehr gradlinig und „schwarz-weiß“ daher. Das offensichtliche Grundmotiv des Buches ist die Zweiteilung. Zwei Magische Orden, die Wissen bewahren und das Land schützen, der eine männlich, der andere weiblich; zwei gottgleiche Wesen, das eine hell, das andere Dunkel; zwei Fronten: hier die edlen, aufrechten, hehren Klan, dort die tierischen, widerlichen, barbarischen Rachuren; zwei Sonnen. Und so weiter. Eine sehr langlebige, magiebegabte Rasse von Humanoiden, die Drachen reitet und eine weitere, untersetzte, die sich unter die Erde zurückgezogen hat.

Dazu ein übermenschlich großartiger, charismatischer, perfekter, hochgewachsener Held, eine wunderschöne, geheimnisvolle, anziehende Heldin, ein tollpatischer Junge, der dem Helden nacheifert, ein mächtiges, magisches Schwert, ein Magier, der sich für etwas Besseres hält, ein bis zur Unkenntlichkeit verrohter, monströser Gegner und eine Handvoll finsterer Untoter – der Freund von klassischer High-Fantasy fühlt sich dank der altbekannten Archetypen sehr bald heimisch. Das Spielfeld ist damit schnell klar und man wartet jetzt darauf, dass die Geschichte ins Rollen kommt.

Allerdings muss man sich hier ein wenig länger gedulden, als man sich als Fantasy erprobter Leser vielleicht erhofft. Genau genommen bis gut über die Seite 400 von 560 hinaus, bevor die titelgebende Schlacht tatsächlich beginnt. Bis dahin ist aber Bernd Rümmelein natürlich nicht untätig.

Ein wort- und bildgewaltiges Debüt

 …heißt es schließlich weiter auf dem Einband. Und das ist mit Sicherheit richtig.

Wortgewaltig und detailliert beschreibt Bernd Rümmelein seine Welt, bis hinein in die intimen Einzelheiten der Tier- und Pflanzenwelt, tief in die Geschichte der einzelnen Volksgruppen, in die Mythen von vergangenen Helden und legendären Monstern, in die Lebensgeschichten einer Vielzahl von Leuten, in die Ökologie und Politik seiner wichtigen Landstriche, in die Brutgewohnheiten von Insekten und das Jagdverhalten von Raubfischen. Er erklärt die Magie, die Astronomie, die Medizin und die Meteorologie Krysons. Tatsächlich fühlt man sich nach einer Weile an die Detailverliebtheit Tolkiens erinnert und es tritt deutlich zutage, dass der Autor bereits seit wirklich vielen Jahren an den Einzelheiten seiner Welt feilt. Irgendwann wird es dann allerdings langsam etwas viel des Guten und man ist versucht, ganze Passagen quer zu lesen, auf der Suche nach der eigentlichen Handlung.

Der Gedanke dahinter ist natürlich verständlich: Der Leser hält hier den ersten Band einer auf vorerst auf sechs Bände ausgelegten Serie in der Hand und man mag ihm so viele Hintergrundinformationen wie möglich mitgeben. Und darüber hinaus, wie sich schon abzeichnet, die eine oder andere falsche Spur legen, die zeigt, dass die Welt nicht so klar ist, wie sie scheint.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Auch nicht, dass Rümmelein jede seiner Personen mit einer ausführlichen Hintergrundgeschichte ausstattet. Von dieser Sorgfalt kann sich der eine oder andere Autor tatsächlich eine große Scheibe abschneiden. Aber der massive „Infodump“ wird auf Dauer eben leider langatmig und man wünscht sich nach rund 200 Seiten schließlich ein Ende der Informationsflut und einen Beginn der Handlung.

Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang nämlich die Wiederholung bereits erzählter Fakten und Details. Wenn der Leser die Geschichte eines legendären Unholds wie Quadalkar bereits drei oder vier Mal in nur geringen Variationen gelesen hat, kann er sie nahezu auswendig. Spätestens bei einer weiteren, ausholenden Runde der selben Information ohne neue, erhellende Gesichtspunkte schaltet er, so interessant sie an sich sein mag, ab. Das ist vermutlich die größte Kritik an Bernd Rümmeleins Debut: Die erste Hälfte seines Romans neigt nicht nur zum Infodumping – sie wiederholt diese Flut an Information. Mehrfach. Schweift in Details ab, die es auf Dauer schwer machen, der eigentlichen Handlung zu folgen. Wortreich und bildgewaltig, tatsächlich. Aber vor allem wortreich. Für jene Leser, die den Herrn der Ringe schon etwas langatmig finden, ist Kryson sicherlich extrem anstrengend.

Zudem muss sich Rümmelein natürlich den Vergleich mit James Barclays sechsbändiger „Chroniken-/Legenden des Raben“-Serie gefallen lassen. Zu augenfällig sind Ähnlichkeiten in Aufbau und Thematik der Welt, wie auch die Detailfreude in der Beschreibung der Schlacht. Und da bleibt festzustellen, dass es ihm bei weitem nicht in dem Maße gelingt, Handlungsvortrieb und Hintergrund zu einem flüssig lesbaren Ganzen zu verbinden wie Barclay, der seine Hintergrundinformationen genau das sein lässt: Informationen im Hintergrund.

Was aber, und da muss ich die Kritik zum Teil wieder zurück nehmen, auch an einem noch nicht endgültig abgeschlossenen Lektorat liegen kann. Immerhin ist zu beachten, dass sich diese Rezension auf ein Vorab-Leseexemplar der Leipziger Buchmesse bezieht; auf eines jener 500 Exemplare, die extra zur freien Verteilung vorproduziert wurden. Es ist also zu vermuten, dass eine ganze Reihe der Ecken und Kanten, der inhaltlichen und technischen Schwächen und Fehler, die jetzt Lesefluss und -vergnügen mindern, in der offiziellen Version noch ausgebügelt sein werden.

Drei Bände auf einmal

Das ist es, was der Verlag für den Herbst geplant hat – und das könnte auch das sein, was der Serie (und damit Band 1) gut tut. Denn es ist gut möglich, dass sich das Bild, wenn man die drei Bände am Stück liest, deutlich ändert. Wenn die Serie, nachdem sie nach 400 Seiten langsam Fahrt aufgenommen hat, das erhöhte Tempo beibehält, wenn der Plot in den Vordergrund und die bis jetzt angefallene Informationsschwemme in den Hintergrund treten, dann kann es durchaus sein, dass Kryson ein lohnendes Leseerlebnis ist und bleibt. Und dass sich das Durchbeißen durch den langwierigen Aufbau im ersten Band schließlich doch gelohnt hat. Für sich allein ist „Die Schlacht am Rayhin“ allerdings ein wenig anstrengend. Gar zu lange lässt sich das Buch Zeit. Gar zu plakativ sind die Charaktere und ihre Beziehungen überzeichnet.

Sollte das ganze, wie Bernd im Interview angedeutet hat, aber eine Finte sein, um den Leser später in der Serie um so mehr zu überraschen, dann werde ich meine Aussage gern revidieren. Schon, weil ich komplexe Täuschungsmanöver gegen mich als Leser mag. Bewerten kann ich also nur den vorliegenden Band – und das unter Vorbehalt. Denn schlecht ist Kryson tatsächlich nicht. Nur irgendwie noch nicht rund.

Ihre Meinung zu »Bernd Rümmelein: Die Schlacht am Rayhin«

berger zu »Bernd Rümmelein: Die Schlacht am Rayhin«10.10.2009
Ich stimme firespeeder voll und ganz zu.
Kryson ist eine herausragende Serie, die mich mit ihrer ganzen Wucht und der Sprache gepackt hat.
Der Einstieg auf den ersten Seiten fiel mir ebenfalls nicht leicht. Dann habe ich mich auf Stil und Sprache eingelassen und selten ein intensiveres und bewegenderes Leseerlebnis gehabt.
Die Charaktere besitzen meiner Meinung nach wirklich Tiefe und sie unterscheiden sich von vielen gängigen Figuren in anderen Romanen durch ihre Gefühle. Sie werden fließend eingeführt, was mir sehr gut gefallen hat und man täuscht sich gewaltig, wenn man anfangs denkt, sie seien einfach strukturiert und nur irgendwelche Helden mit tollen Fähigkeiten. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe nur Antihelden gesehen, die sich immer weiter entwickeln. Sicher ist die Gewalt in Kryson ein Thema, über das man diskutieren kann. Aber für mich gehört es in diese Welt und diesen furchtbaren Krieg im ersten Band.
Die Bände 2 und 3 fand ich dann schlicht genial. Anders als in Band 1 und doch extrem packend.
Ich war begeistert und mit jedem weiteren Band war ich es noch mehr. Hut ab vor diesem Meisterwerk.
Auch ich vergebe satte 95 %.
firespeeder zu »Bernd Rümmelein: Die Schlacht am Rayhin«09.10.2009
Also ich muss dir Leider widersprechen Helmut,

Mich hat das erste Buch (genau wie die bis jetzt anderen erschienenen Bücher) total gefesselt.
Ich gebe zu dass die ersten hundert Seiten etwas zäh waren und doch hab ich mich entschieden weiterzulesen.
Ich finde die Personen genugtuend beschrieben und kann sie mir in der Geschichte nicht wegdenken.Durch ihre Fähigkeiten können Personen auch in eine Geschichte eingeführt werden und ihre Handlung sind somit auch Nachvollziehbar.
Ich bin der Meinung es ist ein KLass Buch.
Aber die Geschmäcker sind ja verschieden :)
VOn mir 95 Punkte
Helmut Sacher zu »Bernd Rümmelein: Die Schlacht am Rayhin«09.10.2009
Definitiv kann man die Welt, die Herr Rümmelein vor einem ausbreitet schlicht als nicht stimmig bezeichnen. Und anstelle gute Ansätze vertiefend zu erklären werden unsägliche Szenen eingestreut (mit Spinnengift infizierte, wandelnde, menschenfressende Zombies), die eher in ein B-Movie passen. Damit sollte wohl versucht werden, einigen handelnden Personen tiefe zu verleihen (indem sie gezwungen werden alle infizierten Kameraden zu töten). Doch dies gelingt leider überhaupt nicht.

Wie übrigens generell die Charakterzeichnung jeglichen Tiefgang vermissen läßt, obwohl manchmal mit Gewalt (und das wörtlich) versucht wird, ihnen eine solche zu verleihen. Um Personen in eine Geschichte einzuführen gehört mehr als ihnen einfach nur Fähigkeiten wie bei einem Rollenspiel zuzuschreiben. Selbst mit viel Fantasie sind die Gedankengänge häufig nicht nachvollziehbar.

Und wie kann man bereits in den ersten paar hundert Seiten einer Serie bloss so viele Logikfehler einbauen? Ja hat da denn niemand Korrekturgelesen?

Bei einer Serie die auf sechs Bände ausgelegt ist, hätte man sich meines Erachtens bei Band 1 viel mehr Mühe geben müssen, den Leser in die Welt einzuführen, ihn quasi zu fesseln, die darin handelnden Personen einem näherzubringen, ...

Auch hätte man ein paar Leute mehr drüberlesen lassen sollen. So bleiben nur das Gefühl, Zeit bei einem B-Buch vertan zu haben und die restlichen 5 Bände wohl im Regal stehen.

35 Punkte gibt es von mir für ein paar gute Ideen, denen jedoch eine bessere Umsetzung nicht geschadet hätte
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