Gebissen von Boris Koch

Buchvorstellungund Rezension

Gebissen von Boris Koch

Originalausgabe erschienen 2009, 450 Seiten.ISBN 3-453-52568-X.

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In Kürze:

Es heißt, da ist ein Junge, der einst von einem dunklen Wesen gebissen wurde. Seltsame Veränderungen sind ihm damals widerfahren, die er jedoch verbergen konnte. Jahre später, gerade als er die Liebe seines Lebens trifft, holt ihn seine Vergangenheit ein. Denn sie sind mitten unter uns – die Vampire. In den Tiefen Berlins lauern sie, sie nähren sich von unserem Blut und unseren Tränen, und es bleibt nur wenig Zeit, ihre Rückkehr aufzuhalten …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Was verbindet Sodom, Neros Rom und die deutsche Hauptstadt Berlin?“80

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Alex lebt als freier Journalist in der Bundeshauptstadt. Seine Mutter bedrängt ihn permanent, sein Leben doch endlich in geregelte Bahnen zu führen, eine Festanstellung und Familiengründung wären ihr Wunschtraum. Zu ersterem fehlt unserem etwas chaotischen Musikkritiker und Spezialisten für die Gothicszene die Lust, zu letzterem die Frau.

Eines Nachts ist Alex wieder einmal in einem der vielen angesagten Clubs der Metropole unterwegs. Am Tresen sitzt eine Frau, die sämtliche Männeraugen auf sich zieht. Makellos scheint ihr Körper zu sein, die Augen versprechen demjenigen, der es wagt, sie anzusprechen und abzuschleppen, den Himmel auf Erden. Dass selbst die abgebrühtesten Cassanovas des Dancefloors es nicht wagen, diese Überfrau anzumachen, spricht für ihre enorme Ausstrahlung. Als ausgerechnet Alex dann von der Unbekannten angesprochen wird, scheint er das große Los gezogen zu haben. Eine Nacht wie keine zuvor folgt, danach ein Brief, dass Danielle es liebt, ungebunden und hemmungslos ihren Neigungen nachzugehen. Sein Herz scheint gebrochen, auch wenn mit der netten Jurastudentin Lisa eine neue Liebe auf ihr wartet. Kaum sind sich die beiden näher gekommen, da klingelt es an Alex Haustür – Danielle rauscht herein, und vor den Augen der erschütterten Lisa treiben es die beiden brutal und hemmungslos miteinander. Das Mobiliar geht dabei ebenso zu Bruch, wie die gerade begonnene Beziehung zu Lisa. Dass sich Danielle als unsterbliche Nephilim offenbart, dass er selbst ein Vampir sein soll, hält Alex zunächst für einen Drogentraum und Spinnerei – bis er entdeckt, dass tief unter der Hauptstadt der Blutvater der Vampire sich mit Hilfe des wundertätigen Lebenssaftes der Nephilim erheben und sein Reich des Terrors errichten will …

Eine eigenwillige Vampirschöpfung

Boris Koch hat sich bislang bei Heyne dem Leser mit lesenswerten Fantasy-Romanen vorgestellt. Dass er es auch deutlich düsterer, voll knallharter Action und sexuellen Beschreibungen kann, beweist vorliegendes Werk. Wer seine Kurzgeschichten kennt, der weiß um die Fabulierfreude und den Ideenreichtum Kochs. So legt er nicht nur einen der ersten Urban-Fantasy-Plots vor, der in Deutschland angesiedelt ist, sondern er verbindet dies mit einer ganz eigenen Anlage der Bluttrinker.

Das sind beileibe keine distinguierten und kultivierten Geschöpfe einer Anne Rice und Konsorten, ebenso wenig aber waschbrettbauch gestählte Schönlinge einer Adrian und Co. Statt dessen greift er das in den Staaten gerade angesagte Motiv der gefallenen Engel auf, lässt den Nephilim aber ihren geheimnisvollen Mythos und verbindet dieses mit einer eigenwilligen Vampirschöpfung. Nur die gewandelten Menschen erinnern dabei an die Nosferatu gewohnter Ausprägung, die Blutmutter oder der Blutvater selbst wird als fremdes Wesen dargestellt, das bewusst geheimnisvoll bleibt.

Durch diesen Kniff, nicht alles aufzudecken, dem Fremden sein Anderssein zu lassen, gelingt es Koch geschickt Bedrohung durch Unbegreiflichkeit aufzubauen. Nach und nach erfahren wir ein wenig mehr über die phantastische Wesen, die unerkannt unsere Welt bevölkern. Mit zunehmendem Wissen entwickelt sich auch die zunächst ganz in der Realität fußende Handlung zu einer temporeichen Jagd nach dem Blutvater. Im Verlauf dieser Ereignisse lernen wir dann auch ein wenig mehr über die Vergangenheit der Nephilim, macht Koch Anspielungen auf das brennende Rom und das biblische Sodom.

Dass das Finale dann ein wenig abrupt und mit einem so nicht vorhersehbaren und leider auch nicht ganz glaubhaften Wechsel der Heldenrolle einhergeht, schmälert den Lesegenuss nur wenig. Temporeich, eigenständig, in der Berliner Szene glaubhaft fußend und mit einem überzeugenden Erzähler in der Hauptrolle wirbt der Autor einmal mehr für (Urban-) Fantasy made in Germany.

Ihre Meinung zu »Boris Koch: Gebissen«

Frank zu »Boris Koch: Gebissen«12.10.2009
Zunächst mal meinen Glückwunsch an den Verlag. Das (auch hier oben angezeigte) ursprüngliche Cover wurde durch eun weitaus stimmigeres ersetzt.
In seiner Jugend wurde Alex in seinem abgeschiedenen Heimatdorf von einem seltsamen Tier gebissen.
Jetzt viele Jahre später lebt er im viele Kilometer entfernten Berlin, arbeitet als freier Journalist und DJ womit er auch weithehend zufrieden ist.
Lediglich mit Frauen hat er weniger Glück in der letzten Zeit gehabt.
Dann lernt er Danielle kennen, eine Frau die ihn wie ein Orkan überkommt. Der Sex mit ihr ist animalisch, die Gefühle pendeln zwischen grenzeloser Extase und ebenso tiefer Abscheu. Nach einer gemeinsamen Nacht allerdings ist sie verschwunden.
Und Alex beginnt sich zu verändern. Plötzlich überkommen ihn Gewaltphantasien, er hat Appetit auf Blut.
Als er kaum noch weiter weiß, taucht Danielle überraschend wieder auf und verrät ihm einiges über die Hintergründe seiner Veränderung und der drohenden Konsequenzen.
Die beiden verbünden sich..
Weniger Fantasy als vielmehr urbanen Horror hat Koch hier geschrieben - und der weiß zu unterhalten. Da spannt sich die Brücke der Geschehnisse von der Stadt Sodom über das alte Rom bis in das heutige, von Gewalt geplagte Berlin. Sex, Gewalt und Spannung halten sich die Waage, wenn Alex sich schließlich sowohl seiner Natur als auch seiner Aufgabe stellt.
Die Figuren sind gut ausgearbeitet, der Schreibstil treibt den Leser ohne größere Atempausen durch das Geschehen.
Von mir gute 85%.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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