Schwarzes Prisma von Brent Weeks

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „The Black Prism“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 700 Seiten.ISBN 3-442-26816-8.Übersetzung ins Deutsche von Hans Link.

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In Kürze:

Gavin Guile ist der hoch geehrte Lord Prisma. Allein seine magischen Fähigkeiten, seine Intelligenz und seine Überzeugungskraft bewahren den unsicheren Frieden im Reich. Doch Gavin bleiben nur noch fünf Jahre zu leben. Fünf Jahre, um fünf unmögliche Ziele zu erreichen. Da erfährt er, dass er einen Sohn hat, und von der Gefahr für dessen Leben. Doch um den unschuldigen Jungen zu retten, muss Gavin sein dunkelstes Geheimnis offenbaren – und damit das Reich zerreißen. Denn sein Leben fußt auf einer Lüge, und seine Macht ist lediglich geraubt. Kann er diesen Preis bezahlen, um sein einziges Kind zu retten?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mitreißend fantastisch“90

Fantasy-Rezension von Anja Helmers

Der fünfzehnjährige Kip lebt in Rekton, einer verarmten Stadt in Tyrea, am Rande eines alten Schlachtfelds. Eines Nachts schleicht Kip sich auf das verbotene Gebiet, um frisch vom Regen freigespültes Luxin zu sammeln. In der Morgendämmerung entdeckt er am anderen Flussufer ein großes Heerlager, und von einem wahnsinnigen Farbwicht, den er von seinen Ketten befreit, erfährt er, dass seine Heimatstadt vernichtet werden soll.

Gavin Guile, Lord Prisma und damit das religiöse Oberhaupt der Chromateria, erhält einen Brief aus Rekton, mit der Botschaft, dass es an der Zeit sei, endlich seinen Sohn Kip kennenzulernen. Völlig überrumpelt von der Mitteilung, und sich keiner Schuld bewusst, kann er die Vaterschaft nicht mit Sicherheit ausschließen.

Orea Pullawr, die Weiße, die eigentliche Machtperson an der Spitze der Chromateria, schickt daraufhin Karris Weißeiche, eine Schwarzgardistin, mit einem Schiff nach Tyrea. Währenddessen statuiert Garadul, selbst ernannter König von Tyrea, ein Exempel. Vom Säugling bis zum Greis werden alle Bewohner Rektons nieder gemetzelt, die gesamte Stadt wird niedergebrannt mit magischem Feuer. Als Strafe für einen Diebstahl und weil sich die Stadtherrin ihm widersetzt hatte.

Mit diesen dramatischen Ereignissen beginnt der erste Band von Brent Weeks neuer Lichtbringer-Trilogie, der sowohl im englischen wie im deutschen mit ´Schwarzes Prisma´ betitelt wird. Durch seinen Umfang, – immerhin 800 Seiten-, und sein ansprechendes Cover springt das Buch gleich ins Auge. Aber auch der Inhalt ist eine Wucht.

Ab ins Lesevergnügen

Die ersten Kapitel werfen den Leser sofort hinein in die Handlung, der Autor hält sich nicht mit langen Beschreibungen auf. Man erfährt nur häppchenweise etwas über Örtlichkeiten oder das Magiesystem. Die Handlung ist voller Spannung und macht so neugierig, dass selbst ungewöhnliche Begriffe oder erdachte Bezeichnungen wie zum Beispiel Vechevoral oder Ataghan den Lesefluss nicht stören. Nach ereignisreichen Kapiteln folgen dann einige längere Passagen, in denen das komplexe Magiesystem oder geschichtliche Ereignisse erklärt werden, aber inzwischen ist das Interesse groß genug, um einen problemlos darüber hinwegzuziehen.

„Immer etwas zu sagen, nie das Richtige“ Kip, der ständige Kommentator

Der Roman beginnt mit Kip, einem ungewöhnlichen Protagonisten. Der Jugendliche ist kein Kämpfer, sondern unbeholfen, groß und dick. Aber er ist gesegnet mit überdurchschnittlicher Intelligenz und einer enormen Zähigkeit. Er erkennt schnell die wunden Punkte seiner Mitmenschen, und leider kann er meisten nicht seine Klappe halten, selbst in haarsträubenden Situationen. Wenn aus Kips Sicht erzählt wird, gibt es manchen Anlass zum Losprusten oder Schmunzeln. Zu seinem Leidwesen war Kips Mutter eine drogensüchtigen Frau, die ihn immer nur wie den letzten Dreck behandelt und selbst im Sterben noch niedergemacht hatte. Trotzdem fühlt er sich schuldig an ihrem Tod. Er hat in seinem Leben wenig Anerkennung erfahren, und sieht sich selbst als Versager. Deswegen nimmt er sich vor, wenigstens ihrem letzten Wunsch zu folgen und sie zu rächen. Mit dieser Figur schafft Weeks einen realistischen anmutenden Charakter, dem man seine Gefühle und Verhaltensweisen bedingungslos abkauft.

Tollkühn, unaufhaltsam, unerschütterlich

Während Kip vom unteren Ende der sozialen Leiter kommt, steht Gavin Guile auf der obersten Stufe. Er gilt als der mächtigste Mann der Welt, er ist der von Orholam (Gott) Erwählte, der einzige Mensch, der das Ungleichgewicht der Magie in der Welt wahrnehmen kann. Seine Aufgabe besteht darin, das Gleichgewicht wieder herzustellen, denn er kann aus allen Farben wandeln, mühelos ohne Hilfsmittel, ohne lichtkrank zu werden. Die meisten Prismen sind nach sieben, vierzehn oder einundzwanzig Jahren am Ende ihrer Fähigkeit angelangt. Mit dreiunddreißig Jahren hat Gavin bereits sechzehn Jahre als Prisma hinter sich und aller Wahrscheinlichkeit nach verbleiben ihm nur noch fünf Jahre, um seine Pläne zu verwirklichen.

Gavin Guile ist eine großartige Figur, die starke Emotionen hervorruft. Ein zerrissener Charakter, der zwischen seinem schlechten Gewissen und der Erfüllung seiner Ziele hin und her pendelt. Ein talentierter Mann, der wie alle Guiles mit einer übermenschlichen Willenskraft versehen ist. Einer von drei Brüdern, aufgewachsen im Schatten eines übermächtigen Vaters. Sehr schön, wie dieser Mann, der Dominanz aus allen Poren ausschwitzt, vor seinem Vater zu einem demütigen Kind zusammenschrumpft, auch noch als Erwachsener. Ein widersprüchlicher Mann, auf den bestimmt viele weibliche Leserinnen anspringen, denn Gavin bietet neben seinem überlegenen Gebaren auch weiche Seiten. Er besitzt eine jungenhafte Begeisterungsfähigkeit, man erlebt ihn menschlich mitfühlend und in echter Freundschaft verbunden. Umso mehr erschrecken seine dunklen Taten und lassen einen schaudern.

Äußerst geschickt enthüllt Brent Weeks Stück für Stück Gavins dunkles Geheimnis, dreht die Spannung bis zum Anschlag, und überrascht mit Lösungen, die einen verblüfft in den Sessel sinken lassen. Aber nicht nur Kip und Gavin fesseln, auch die weiblichen Protagonisten sind hervorragend ausgearbeitet.

„Also, wer würde sie wohl eher belügen? Gavin, in zehn Fällen von zehn.“

Gavin, der Lügner, der Hurensohn, wie Karris ihren ehemaligen Verlobten bezeichnet. Karris war stets ein Mensch gewesen, der Ordnung, Struktur und Pläne liebte. Aber ihr Lebensplan brach völlig zusammen, als Gavin nach dem Ende des Krieges das Verlöbnis mit ihr ohne jegliche Erklärung auflöste. Damit wurde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Nach einiger Zeit Abwesenheit hatte sie ihr Leben wieder im Griff und trat gegen alle Konventionen der Schwarzen Garde bei. Sie ist schon lange nicht mehr das naive Mädchen, sondern eine durchtrainierte, harte Kämpferin und um einiges abgeklärter. Trotzdem löst ihr Ex-Verlobter immer noch leidenschaftlichen Zorn in ihr aus und das führt zu einigen köstlichen Szenen im Buch.

Brent Weeks ist ein grandioser Spieler, der seine Chancen zu nutzen weiß, er erhöht seine Interaktionsmöglichkeiten durch eine weitere weibliche Figur und dehnt das Spannungsgefüge noch mehr. Mit der Einführung der siebzehnjährigen Liv, einer Schülerin, die sich zur Wandlerin ausbilden lässt, erhält man eine weitere sympathische Figur, um die man bangen muss. Als Tochter eines Generals, der im Krieg der Prismen auf der falschen Seite gekämpft hatte, hat sie einen schweren Stand in der Chromateria.

Durch so verschiedene Sichtweisen ist man sich nie sicher, was die ´Wahrheit´ ist, oder wer wirklich der ´Böse´ ist. Das spannt enorm auf die Folter. Schwarzes Prisma besticht außerdem durch ein beeindruckend durchdachtes Magiesystem. Die Magie der Welt beruht auf Licht. Einige besonders begabte Menschen können verschiedene Farben des Lichts in einen Stoff namens Luxin verwandeln. Je nachdem, ob sie Rot-,Grün-,Blau-, oder Gelb-Wandler sind, hat der Stoff unterschiedliche Eigenschaften. Alle Wandler bezahlen mit verlorener Lebenszeit, denn jede Anwendung dieser Magie bringt sie näher an den unausweichlichen Wahnsinn. Wenn sie nicht aufpassen, werden sie zu irrsinnigen Farbwichten, die getötet werden müssen.

Ein weiterer Pluspunkt von Brent Weeks Schwarzem Prisma ist, dass sowohl die herrschende politische Macht, -die Chromateria-, wie auch das gegnerische Lage stimmige Argumente für sich beanspruchen können. Als Leser schwankt man zwischen beiden Polen, die Chromateria steht für Ordnung und Sicherheit, aber sie ist wie so viele politische oder religiöse Institutionen teilweise korrupt und ungerecht. Die Gegner haben nachvollziehbare Abneigungen gegen diese herrschende Macht, sie haben die Faszination des Rebellentums auf ihrer Seite. Mir hat die Schilderung des gegnerischen Lagers besonders gut gefallen, ich bin gespannt, wie sich alles im nächsten Band entwickeln wird.

Wer epische Fantasy-Bücher mit lebendig geschriebenen Action-Szenen, nervenzerreißender Spannung und großartigen Charakteren sowie findigen Ideen, – im Großen wie im Detail-, liebt, kann hier bedenkenlos zugreifen.

(Anja Helmers, Oktober 2011)

Ihre Meinung zu »Brent Weeks: Schwarzes Prisma«

CrisCros zu »Brent Weeks: Schwarzes Prisma«06.09.2013
Ein sehr guter Schreiber der in seinen Büchern alles mögliche einbaut: Dramatik, Liebe, Erotik, Spannung, Aktion und gesamt eine gute Story.
Ich würde diese Bücher immer wieder lesen und bin hungrig auf den 3 Teil der Licht-Triologie.
Ich würde dieses Buch jeden empfehlen den ich kenne. Und wer es nicht mag kann garkeinen Geschmack haben!
Viel Glück beim Dritten Teil.
Hans-Joachim Förster zu »Brent Weeks: Schwarzes Prisma«10.03.2012
Ich möchte das Buch ohne weiteres mit den Dune Büchern von Frank Herbert auf eine Stufe stellen - genial !
Schon die Schatten - Trilogie hob sich von ähnlichen Fantasy Romanen mehr als positiv ab, aber Black Prism ist für mich seit langem wieder mal ein Buch zum Mehrfach-lesen. Ähnlich wie bei Dune wird den Charakteren viel Aufmerksamkeit gewidmet, sie sind nicht schwarz oder weiß, sondern glaubhaft mit Fehlern, Schwächen und Stärken.
Der zweite Band der Trilogie wird ja 2012 noch erscheinen, die im Netz vorhandenen Leseproben machen Appetit !
Nun fehlt nur noch eine Verfilmung, der Book-Trailer ist ja nur mit bescheidenen Mitteln gedreht worden, zeigt aber schon so das Potential des Romanstoffs auf !
Sir Knumskull zu »Brent Weeks: Schwarzes Prisma«25.10.2011
Ich habe es auch endlich geschafft das buch zu beenden und ich bin mehr als begeistert von dem ersten Teil der "Licht Triologie" das ist echt unglaublich Weeks sich in die Romane fallen lässt!
ich kann es akaum erwarten wie es weiter geht :o


Eindeutig keine verschlechterung nach der Überragenden Schatten Reihe!

auch bin ich gespannt was nach Schatten und Licht kommt ;)
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bashae zu »Brent Weeks: Schwarzes Prisma«18.10.2011
ein wirklich sehr gutes buch und beginn einer trilogie. mir hat schon seine "schatten trilogie" gut gefallen, aber mit schwarzes prisma hat er sich definitiv um einiges übertroffen.

auch mag ich es sehr, wenn sich autoren eine neue idee betreffend magie überlegen. die umsetzung davon hat mich wirklich überzeugt, auch wenn ich gern noch weitere details erfahren möchte ;)

allgemein bin ich sehr gespannt wie es weiter geht :)
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