American Psycho von Bret Easton Ellis

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1991unter dem Titel „American Psycho“,deutsche Ausgabe erstmals 1991, 548 Seiten.ISBN 3-462-03699-8.Übersetzung ins Deutsche von Clara Drechsler und Harald Hellmann.

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In Kürze:

Patrick Bateman sieht gut aus, ist gut erzogen und intelligent. Tagsüber sitzt er in seinem Büro in der Wall Street und vergrößert seinen Reichtum. Seine Nächte hingegen verbringt er auf unfaßbare Weise. Er ist ein Serienmörder und lebt seinen ganz eigenen amerikanischen Traum.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Höllenfeuer der Eitelkeiten“92

Horror-Rezension von Holger Wacker

Patrick Bateman, ein 27jähriger Investmentbanker an der Wall Street, verwendet den Großteil seiner Zeit und seines Einkommens für Kleidung, Drogen, Pornografie, gutes Essen und Clubbesuche. Er und Evelyn Williams sind ein Paar, und er hat eine Affäre mit Courtney Rawlinson, der Verlobten seines Kollegen Luis Carruthers. Außerdem nimmt er häufig Prostituierte in Anspruch. In seiner Phantasie ermordet er gerne Freunde und Konkurrenten.

Nachdem ein Treffen mit seinem Kollegen Paul Allen, in dem es um einen größeren Etat ging, ihn stark aufgeregt hat, lässt er seinen Ärger mit dem Messer an einem Obdachlosen aus. Er entwickelt einen Plan, Allen mit der Axt zu töten. Er dringt in Allens Apartment ein und manipuliert den Anrufbeantworter so, dass der Eindruck entsteht, Allen sei vorübergehend in London. Überraschend untersucht jedoch der Privatdetektiv Donald Kimball das Verschwinden Allens. In Batemans Wahrnehmung geraten die Ereignisse außer Kontrolle. Seine Sekretärin Jean will er töten, wird jedoch durch Evelyn gestört. In Allens Apartment hat er Sex mit seiner Freundin Elizabeth und der Prostituierten Christie. Am Ende ermordet er die Frauen in einem Blutrausch. Als er auf eine alte Frau schießt, verfolgt ihn die Polizei. Bateman tötet die Polizisten und flieht in sein Büro. Um die Taten zu gestehen, ruft er seinen Anwalt an. Als er später Allens Apartment aufsucht, ist dieses aufgeräumt und steht zum Verkauf. Jean findet beim Durchlesen von Batemans Tagebuch Hinweise auf eine Psychose. Bateman trifft seinen Anwalt, der ihn mit jemandem verwechselt und ihm erzählt, Allen sei in London.

Eine brutale Improvisation

Von 1995 bis 2001 war „American Psycho“ in Deutschland als eine die Jugend gefährdende Schrift indiziert. Im Februar 2001 erreichte der Verlag Kiepenheuer & Witsch die Aufhebung der Indizierung vor dem Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen.

„American Psycho“ zeigt eine Welt, in der die Menschen Raubtiere, Beute oder Aasfresser sind. Der Begriff vom Raubtierkapitalismus wird in diesem Horrorroman konsequent zu Ende gedacht, was sich nicht nur im Praktizieren kannibalischer Handlungen äußert. Der Roman kann gut begründet gelesen werden als ein Kommentar auf die reaktionäre Politik und Ökonomie (Reaganomics) in den USA der 1980er Jahre. Er ist auch lesbar als eine brutale Improvisation über Tom Wolfes Fegefeuer der Eitelkeiten. Bateman arbeitet bei Pierce & Pierce, der Firma, in der Sherman McCoy bei Tom Wolfe tätig ist. In Oliver Stones Film WALL STREET (1987) werden wir daran erinnert, dass Börsen Umverteilungsmaschinen sind, und dass das Geld, welches die Gewinner einstreichen, nicht extra für diese gedruckt wird, sondern von den Verlierern kommt, die oft genug nur Verlierer sind, weil sie ein naives Vertrauen in die Institutionen und ihre Handlungsträger haben. Die Wall Street ist Symbol für eine Wertsphäre, in der, böse formuliert, auf einer Ebene Exekutionen durchgeführt werden.

Bateman macht im Grunde nichts anderes, als sein Verhalten am Arbeitsplatz auf den privaten Bereich zu übertragen, was folgerichtig ist, da beide Bereiche bei ihm zusammenfallen. Batemans Leben lässt sich über wenige Parameter beschreiben. Morgens setzt er sich liebevoll mit seinem Körper und dessen Pflege auseinander. Wir können vergleichend den Zeitaufwand messen, den Bateman auf die Anwendung von Gesichtscremes und das Abschlachten von Menschen, die ihm das Blickfeld trüben, verwendet. Bateman ist Narziss und Fetischist. Wenn er Gruppensex veranstaltet, dann bis ins Detail inszeniert. Er beobachtet seine Körperbewegungen, sein Muskelspiel im Spiegel und schneidet die ganze Veranstaltung auf Video mit. Der Lebensstil des männlichen Entscheidungsträgers in der Wirtschaft wird als exemplarisch ausgelotet. Einmal vergleichen Bateman und Kollegen voller Hingabe ihre Business Cards, deren Beschriftung, typografische Gestaltung, Material und manches mehr. Es schwingt die Aussage mit: So diskutieren in anderen Kontexten Männer ihre Phalli. Es ist gar so etwas wie Kartenneid zu beobachten. In manchen Szenen versuchen Patrick und seine Konkurrenten, im letzten Moment Reservierungen für die exklusivsten Restaurants zu erhalten. Einem Mann geht es ausschließlich um die Reservierung, die er, weil er nicht Essen gehen will, von ihrem ursprünglichen Zweck gänzlich löst. Die Parameter zur Austragung von Rivalitäten sind vielfältig: Kleidung, Büroausstattung und -größe, die Vorzugsbehandlung in wichtigen Restaurants.

Ist die Büroausstattung ein wichtiger Statusindikator im Vergleich der Investmentbanker, so spielt es keine Rolle, was in diesen Büros geschieht. Zu arbeiten scheint in ihnen niemand. Die Arbeit findet statt in den Sekretariaten.

In Batemans apokalyptischer Welt ist nichts verifizierbar

Ständig argumentiert Bateman in Kategorien von Vergleich und Ähnlichkeit (jemand sieht aus wie..., etwas ist wie...) in Abwesenheit des Vergleichsobjekts. Es gibt kaum sprachliche Konventionen, deren man sich bewusst wäre, Gespräche finden selten über das gleiche Objekt oder Thema statt. In einer solchen Welt ist es unerheblich, ob die Morde tatsächlich stattfinden, ob Bateman sie fantasiert oder durchführt. Die Funktionalität der Morde liegt darin aufzuzeigen, wie männliches territoriales Denken in den Exzess münden kann, wenn der Denkende frustriert wird. Bateman ist eine scharfgezeichnete Figur in all ihrer Leere. Er ist Vertreter einer Ideologie, die minderwertigen Lebens bedarf, um sich des eigenen kulturellen Ortes zu versichern.

Das erste Opfer ist ein Afro-Amerikaner, ein Obdachloser. Hungrig sitzt er mit einem Pappbecher auf der Straße, als Bateman ihn mit Geld lockt. Bevor Bateman den Mann ersticht, fragt er ihn, warum er sich keinen Job sucht. Nicht mehr in das kapitalistische Reproduktionssystem eingebunden, hat er jede Lebensberechtigung verloren. Solche Opfer befinden sich außerhalb des Systems und können deshalb, dürfen deshalb auch keine Konsumenten sein.

In „American Psycho“ ist die Wirtschaft die das soziale (und individuelle) Leben bestimmende Größe, nicht der Staat. Gemeinschaftliche Normen werden nicht mehr auf der politischen Ebene verhandelt, sondern durch wirtschaftliche „Notwendigkeiten“ vorgegeben. Folgerichtig ist der Staat in „American Psycho“ auch abwesend oder unfähig. Exemplifiziert wird dies durch den einen Moment des Auftretens staatlicher Macht, in dem Bateman alle ihn jagenden Polizisten tötet.

Dass „American Psycho“ auf Trends der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts zielt, auf Frisuren, Gier, Genesis, Whitney Houston, Huey Lewis and the News, Schlitzerfilme, AIDS und Ronald Reagan, dies sollte nicht zu dem gedanklichen Kurzschluss verleiten, die Themen des Films seien in der Vergangenheit festgeschrieben. Gier, Geld und Geldgier sind nach wie vor zentrale Motive und Motivation im menschlichen Handeln.

Der Roman beginnt mit einem Zitat. Auf die Wand einer Bank hat jemand die Worte geschmiert: „Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren“. Offensichtlich öffnet Ellis mit diesem Zitat das Höllentor (Dante, Inferno III, 9). Der Roman endet auf S. 549 mit den Worten: „KEIN AUSGANG“.

Wenn der Roman am Ende fragt: „Und, wie war ich?“, dann wenden sich die einen mit Grausen ab, während die anderen antworten: „One of the best, yet.“

(Holger Wacker, Oktober 2011)

Ihre Meinung zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«

Gähn zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«02.02.2017
Ich bin wirklich ziemlich überrscht, wieviele Leute dieses Buch anscheinend gut finden. Und das offensichtlich NUR wegen den geschmacklosen Szenen.

Denn eigentlich passiert nicht viel in dem Buch. Ein Psycho beschreibt seinen Tagesablauf, geht dabei möglichst abwertend mit Frauen um (wobei die Sexszenen natürlich bis ins kleinste Detail beschrieben werden) und tötet hier und da mal aus purer Lust an der Freude... wirklich nicht spanndend...
meni77 zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«14.01.2014
Ein absolutes Meisterwerk!! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, man liest dahin und weiß aus Erzählungen, dass es ja irgendwann einmal los gehen muss und lange passiert nichts. Plötzlich schlägt Ellis gnadenlos zu wie Bateman aus dem Roman. War total fasziniert von seiner detailgenauen Beschreibung, welche mit keinem anderen Autor zu vergleichen ist und falsch verstanden auch als gewaltverherrlichend wirkt. Ich habe damals bei Erscheinung das Buch noch unter der Ladentheke gekauft, da es in Deutschland anfangs auf den Index war, finde auch vor dem 20. Lebensjahr sollte man es auch nicht lesen! 95 Grad, besser geht's nicht!
Janine zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«25.05.2012
Das beste Buch was ich bisher gelesen habe, es liegt schon eine Weile zurück, aber keines was ich danach gelesen habe, hat dieses übertroffen! Klar die ersten Ca 80 Seiten sind einwenig, langweilig.. Mit diesen ganzen Markennamen usw... Wollte ich schon auf hören mit lesen, es nervte! Doch dann schon gar nicht mehr mit gerechnet... Ging es los. Der Hammer! Der Anfang ist schon wichtig im Nachhinein, weil es zu diesem kranken Hirn passt.
cocoa zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«21.06.2011
Oh man, ich weiß ja nicht, ab wann es explizit mit den ekel-grusel-Zeug losgehen sollte, aber nachdem ich teilweise ganze Seiten mit Beschreibungen von Bates morgentlichen Hygieneritualen einfach überblättert habe ich ich den gefühlten fünfzigtausendsten Krawattennadelnamen um die Ohren gepfeffert bekam, war es mit meiner Geduld am Ende....

Blablabla, Hohlköpfe mit Markenfetisch kann man auch anders beschreiben. Der Autor selbst muss ja einiges an Modelabels und dem ganzen ChiChi kennen.

Wer Geduld hat und sich vielleicht ein wenig auskennt, möge Spaß am Buch haben.
Ich hatte ihn nicht.
Fytschy zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«01.01.2010
ich kann dieses Buch jedem empfehlen, natürlich nur jedem der auch geschmackloses mag. Das Buch habe ich mit 19 gelesen und ich finde es einfach genial, es ist ANDERS und das macht das Buch aus. Habe hier jetzt viele Beiträge gelesen und einige finden es geschmacklos oder auch langweilig aber man darf nicht vergessen das das Buch in den 90er geschrieben worden ist...Da waren Markenklamotten bei genau diesen Leuten die Ellis beschreibt gang und gebe. Und es ist keinesfalls langweilig weil es ist ein Teil der Geschichte und ein Teil des Kranken Batemans. Ein weiteres Buch von Ellis "Glamorama" ebenfalls genial wäre dann auch nicht für jeden weil dort ist jedes 2. Wort eine Marke aber die Story meiner Meinung nach Genial.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kondor zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«23.12.2009
mit markenklamotten echt übertrieben.was will er damit sagen daß er sehr viel ahnung hat was markenklamotten angeht.ich könnte einfach nicht mehr 80% geht es nur darum. ich bin beim lesen die stellen überflogen.aber was sex-beschriebungen im einzelnen angeht und mord-beschreibungen,fand ich viel besser als stephen king.er hat so geschrieben dass man denkt das es wirklich geschehen sei voll realistisch.naja das fand ich schön aber das war nur ca.20% derrest war müll.
Frank zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«04.09.2009
@bienario
Das mag ja auch alles so sein. Aber wer liest das über xy Seiten denn dann noch mit Interesse ?
Der Autor "will" den Leser langweilen? Das schafft er durchaus - nur will ich nicht gelangweilt werden und dafür auch noch Geld ausgeben müssen.
Auf die satirischen Aspekte und die gewollte Überzeichnung hatte ich ja bereits hingewiesen - für einen guten Roman hat es aber trotz der guten Vorsätze für meinen Geschmack nicht gereicht.
bienario zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«03.09.2009
Beachtet niemand den Kontrast zwischen den (für JEDERMANN) interessanten Horrorszenarien und den Dingen, die Pat Bateman am meisten interessieren? Genesis, Klamotten, Visitenkarten...
Das seitenlange Geplänkel soll den Leser langweilen, weil es die Dinge sind, die einen solch kranken Menschen beschäftigen. Nicht die zerstückelten Menschen, die neben ihm noch am Boden liegen, während er einen Tisch im In-Restaurant ergattern will.
Der Effekt soll verpuffen!
Geniale Idee des Autors - von wenigen Lesern so verstanden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«25.05.2009
"American Psycho" ist kein Buch, das ich empfehlen würde. Man braucht in zweierlei Hinsicht sehr starke Nerven. Da sind zum einen die expliziten Gewaltdarstellungen, die hart an die Grenze des Zumutbaren stossen. Zum anderen ist da die gebetsmühlenartige Auflistung von Designer- und Markennamen mit einer Penetranz, die ich nur durch Überlesen kompensieren konnte.
Patrick Bateman, millionenschwer, nutzt seinen Arbeitsplatz an der New Yorker Wall Street als Kontaktbörse, um sein sinnleeres Leben mit Wein, Weib und Gesang aufzufüllen. In einer Clique Gleichgesinnter, deren einzige Sorge es ist, die schärfste Braut, einen Platz im angesagtesten Restaurant und die coolsten Klamotten zu ergattern, ist er der Primus inter pares. Doch im Gegensatz zu seinen Jagdgenossen können die sich immer wiederholenden, stupiden Rituale Bateman nicht zufriedenstellen. Im Laufe der Geschichte gewinnt sein mörderischer Sadismus meht und mehr die Oberhand. Ob nun die Obdachlosen in den Strassen oder Batemans Sexgespielinnen in den Luxusappartments- alle werden Opfer seines wachsenden Blutdurstes.
Ist "Amercan Psycho" deshalb ein Horror-Roman ?
Nach meinem Verständnis nicht. Obwohl Bateman zu einer Bestie in Menschengestalt mutiert, bleibt er doch Teil einer bestimmten Gesellschaftsschicht, deren sonderbares Bestreben Ellis anprangert und durch seine Übertreibungen parodiert. Die Batemen dieser Welt sind und bleiben leider ein Stück der Realität.

Ohne Wertung
molosovsky zu »Bret Easton Ellis: American Psycho«16.02.2008
Die Kosumgüter- und Status-Symbol-Fixiertheit des Textes fand ich voll berechtigt. Hohle Personen füllen die innere Leere mit Nippes wie eben Marken-Fetischismus. Wer sich ›gern‹ ekelt und gruselt — und das nicht nur, wenn Hirn spritzt und Eingeweide quellen, sondern wie im Falle von »American Psycho« eben über die krankhaften Aspekte der Schickimiki-Milieus — kann seinen Spaß an diesem Buch haben. Bei Weitem am gruseligsten fand ich die im Buch angeführten Rezis zu 80er Yuppie-PopKultur-Ikonen (W. Husten, H. Lewis, Genesis und so). Zu weit, weil zu geschwätzig, ging mir dann allerdings das Nachfolgebuch »Glamorana«, das im Vergleich zu »American Psycho« eigentlich nix groß Neues bot. Erst mit »Luna Park« fährt Easton Ellis neue Ideen auf.

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