2012 - Das Ende aller Zeiten von Brian D'Amato

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „In the Courts of the Sun“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 896 Seiten.ISBN 3-404-16508-X.Übersetzung ins Deutsche von Dietmar Schmidt.

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In Kürze:

Eine Mischung von Go und Mensch-ärgere-dich-nicht, so ähnlich ist das Brettspiel, das Jed DeLanda von seiner Mutter geerbt hat. Jed benutzt es dazu, um an der Börse zu spekulieren, und dies mit beträchtlichem Erfolg. Bis eines Tages die reiche, exzentrische Marena Park, TV-Moderatorin und Computerspiel-Designerin, in sein Leben tritt. Sie zeigt ihm Bilder von einem alten Maya-Codex, der mit modernsten technischen Mitteln lesbar gemacht werden konnte. Die Maya waren besessen von Zahlen. Sie spielten das gleiche Spiel wie Jed, aber in einer unvorstellbar größeren Komplexität. Sie hatten ihren eigenen Untergang vorausgesehen. Sie berechneten die großen Katastrophen der Menschheit voraus, bis zu dem Tag, an dem alles endet. Dem 21. Dezember 2012. Die Endzeit wirft ihre Schatten voraus. Eine Seuche sucht Amerika heim. Während die USA in Chaos und Anarchie versinken, macht sich Joe auf eine fantastische Reise. Er muss den Schritt zurück in die Zeit wagen, als die Hochkultur der Maya noch blühte. Er muss selbst das große Spiel spielen, um zu sehen, ob die Menschheit noch eine Chance hat.

Das meint Phantastik-Couch: „Komplexe Zeitreise zu den Maya“82

Mystery-Rezension von Verena Wolf

Der alte Maya-Kalender, der 2012 endet, besteht in Wirklichkeit. Gut, viele Autoren schnappen sich das Thema, und bis Dezember 2012 werden es noch viel mehr, aber hey, das ist verständlich. Aber was (er)schafft Brian D`Amato in „2012 – Das Ende aller Zeiten“?Um fair zu sein, das Original des 890-Seiten-Schinkens heißt „In the Courts of the Tun: The Sacrifice-Game“, hat also 2012 nicht so schlagwortartig im Titel. Egal, trotzdem geht es genau darum.

Der Spieler und die apokalyptische Wahrsagung

Der Ich-Erzähler Jed DeLanda stammt selbst von den Maya ab, außerdem ist er ein wenig gefühlskalt und mathematisch ziemlich fit, genauer gesagt „hypernumerisch inselbegabt.“ Außerdem kann er sich nicht so richtig einfügen, knabbert an dem Trauma, wie seine Eltern durch guatemaltekische Soldaten ermordet wurden und macht lieber sein eigenes Ding. Er ist ein virtuoser Spieler des „Opferspiels“, ein altes Maya-Brettspiel, einer Mischung aus Go, Schach und Mensch-ärgere-dich-nicht. Mit dem Spiel kann man zu allen möglichen Fragen oder zukünftigen Geschehnissen Wahrscheinlichkeitsberechnungen aufstellen. Die alten Maya haben es für Ernteberechnungen und Voraussagen genutzt, allerdings war ihr Spiel unvorstellbar komplexer als Jeds Version. Aber er schlägt sich trotzdem nicht schlecht. Mit Hilfe des Opferspiels berechnet er die Wahrscheinlichkeit des börsennotierten Maishandels und wird mit diesen Warentermingeschäften reich. Sehr reich! Dann trifft er Marena Park, Geschäftsführerin eines großen Medienkonzerns, die er recht interessant findet. Auf gar nicht mathematische Weise. Und seinen alten Freund Taro, einen Professor für Spieltheorie. Durch sie erfährt er von einem alten Maya-Codex, der durch modernste technische Verfahren lesbar geworden ist. In ihm stehen die Daten und die Beschreibung von Katastrophen – für die alten Maya weit in der Zukunft, für unsere Helden sehr in der Gegenwart. Gespenstisch genau treffen die Prophezeiungen die Wahrheit, Anschläge erschüttern wie beschrieben die Welt. Das grauenvolle ist: die Maya haben auch das Ende der Welt vorausgesagt: der 21. Dezember 2021.

Spannende Gegenwart versus langatmige Maya-Zeit

Fieberhaft versuchen die Wissenschaftler, das Spiel zu verstehen, um Einfluss zu nehmen. Sie ahnen, nur mittels des Opfer-Spiels kann man errechnen, wer die Katastrophe heraufbeschwören will und ihn – und hoffentlich so das Weltende – aufhalten. Keiner kann das Opferspiel besser spielen als Jed. Aber auch er ist ein Stümper gegen die alten Maya. Dementsprechend fassen sie einen irren Plan. Sein Geist wird gedoppelt und per Zeitreise wird Jed2 in einen Körper eines alten Maya im 7. Jahrhundert transferiert, um so mehr über das Spiel zu erfahren. Jed1 bleibt in der Gegenwart zurück, ohne zu wissen, wie es Jed2 ergeht.

„2012 – das Ende aller Zeiten“ ist kein hingeklatschter billiger SF-Thriller, der schnell-schnell auf den Marketingidee-Zug 2012 aufspringt. Im Gegenteil: Nach dem ersten Drittel dachte ich, das Buch ist einsame Spitze! Sarkastisch, klasse erzählt, mit Humor und guter Story. Jed ist ein vielschichtiger Protagonist, sarkastisch und interessant, die Geschichte um Spieltheorie, den Codex und die weltendnahenden Geschehnisse einer nahen Zukunft spannend. Ein Thriller der besonderen Art, irgendwo zwischen Endzeitvision, Mayaroman und SF. Brian D`Amato hat Dinge zu Ende gedacht und erklärt. Nur die vielen Tippfehler störten, aber da kann der Autor ja nichts für! Aber sobald Jed2 bei den alten Maya ankommt, wird es zäh. D`Amato hat ausführlichst recherchiert, gewiss, aber muss er dem Leser haarklein jeden Namen vorkauen, ja, jede einzelne verdammte Feder erklären, beschreiben, verständlich machen und später noch einmal darauf zurück kommen? Das bremst die Geschichte komplett aus. Genau 300 Seiten Lokalkolorit (Seite 374-675) muss man durchhalten bis man endlich beim alten Maya-Spiel angekommen ist. Straffungen hätten gut getan. Aber der Schlussteil „Die Nachkommenden“, der wieder in der Gegenwart spielt, ist besser und das coole, überraschende Ende hat meine leicht anarchische Natur vollauf versöhnt! Ich hoffe, dass die Fortsetzung von „2012 – das Ende aller Zeiten“ ein wenig weniger ausschweifend wird. Das schuldet D`Amato Jed1. Und uns!

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