Das Haus Atreides von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Buchvorstellungund Rezension

Das Haus Atreides von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „Dune: House Atreides“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 826 Seiten.ISBN 3-453-52159-5.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kempen.

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In Kürze:

Wie alles begann: Mit „;Das Haus Atreides“; kehren Frank Herberts Sohn Brian Herbert und der bekannte Star-Wars-Autor Kevin J. Anderson auf den Wüstenplaneten zurück und erzählen die bisher unbekannte Vorgeschichte dieses atemberaubenden Zukunftspanoramas. Lang erwartet von Millionen von Fans, monatelang auf den amerikanischen Bestsellerlisten – der Auftakt zu den Frühen Wüstenplanet-Chroniken.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Heutige Autoren setzen auf moderne Erzählmittel“;75

Science-Fiction-Rezension von Michael Matzer

Frank Herberts Sohn Brian hat zusammen mit dem Bestsellerautor Kevin J. Anderson (STAR WARS etc.) eine Trilogie als Vorgeschichte (prequels) geschrieben, die bei Heyne als „;Die frühen Chroniken“; erschienen ist. „;Das Haus Atreides“; ist das erste Buch davon. Für Fans des „;Wüstenplanet“;-Zyklus (oder auch nur des ersten Bandes) ist diese Trilogie natürlich ein absolutes Muss. Doch auch Science Fiction-Lesern, die DUNE nicht kennen, bringt die Trilogie das Vergnügen, eine flotte, komplexe und spannende Story zu lesen. Allerdings – und das ist das große Manko – haben die Autoren, um ihre Story nicht zu überfrachten, auf zahlreiche Hintergrundinformationen verzichtet. Entweder liest man also den ersten DUNE-Roman in der gelungenen Heyne-Ausgabe vom Januar 2000, oder man greift zu der Wüstenplanet-Enzyklopädie aus den 80er-Jahren. Dies scheint sogar für ausgefuchste DUNE-Fans wie mich hin und wieder ratsam. Wünschenswert wäre jedenfalls ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen.

Brian Herbert ist der Sohn des Schöpfers der Wüstenplaneten DUNE, Frank Herbert. Brian Herbert hat nicht nur selbst einige Science Fiction-Romane geschrieben, sondern auch die Biografie seines Vaters. Er fragte Kevin J. Anderson, ob dieser an einer DUNE-Vorgeschichte mitarbeiten wolle. Anderson, selbst Autor von 12 Millionen verkauften Büchern (AkteX, Star Wars u.v.a.), sagte geehrt und begeistert zu. Das Ergebnis der Kooperation ist zunächst einmal die vorliegende Trilogie der „;Frühen Chroniken“; des Wüstenplaneten.

Insgesamt erzählt die Trilogie die Geschichte der Ereignisse, die zu der Katastrophe auf Arrakis führte, als Herzog Leto Atreides ermordet wurde, Arrakeen erst von den Harkonnens erobert und dann vom Imperator besetzt wurde. Dies führte dann zum Aufstand der Fremen unter Letos Sohn Paul und zur Niederlage des Imperators und der Vernichtung des Hauses Harkonnen.

Doch am Anfang von „;Haus Atreides“; ist jene Katastrophe nur in Grundzügen zu ahnen, denn die Story spielt binnen zweier Jahre rund zwei Generationen davor. Im Mittelpunkt stehen zwei junge Männer: Leto Atreides, der Erbe des Hauses Atreides, und Shaddam, der Kronprinz des Imperiums. Leto ist gerade mal 16 Jahre alt, als ihn sein charismatischer Vater, Herzog Paulus Atreides, auf den Planeten Ix schickt, wo dessen alter Freund und Kampfgenosse Dominic Vernius ein technologisches Wirtschaftsimperium aufgebaut hat. Leto soll Dominics Familie kennenlernen, aber auch mal andere Luft als die des ländlichen Caladan schnuppern.

Sechs abwechslungsreiche Handlungsstränge

Auf der anderen Seite also Shaddam mit seinem Schatten und skrupellosen Ratgeber, dem kriecherischen Hasimir Fenring. Shaddam ist schon über 30 und will endlich regieren. Er hat bereits seinen älteren Bruder beseitigt, nun muss auch sein 150jähriger Vater Elrood dran glauben. Zwei lange Jahre dauert das Sterben des Imperators, nachdem Fenring ihn vergiftet hat – schließlich soll alles wie eine Krankheit und nicht wie ein Mord aussehen. Während seines Siechtums sieht Elrood auf Fenrings Drängen hin die Chance, dem verhassten Dominic Vernius eins auszuwischen und zugleich die Abhängigkeit des Imperators vom Spice zu beenden: zwei Fliegen mit einer Klappe!

Elrood – und später Shaddam – stiften die allen Völkern verhassten (und daher unverdächtigen) Bene Tleilaxu-Genetiker an, synthetisches Spice herzustellen, zu einem astronomischen Preis, versteht sich. Sollte dies gelingen, hätten die Harkonnens, die zur Zeit die Spice-Gewinnung kontrollieren und riesige Gewinne scheffeln, ausgespielt, ebenso die Raumgilde, der größte Konsument von Spice. Da auch alle anderen adligen Häuser Spice in Mengen konsumieren, könnte ein Imperator, der Syntha-Spice kontrolliert, alle anderen unter seine Knute zwingen, denn das alte Spice wäre viel zu teuer, um neben dem neuen bestehen zu können – Marktwirtschaft!

Doch wo das Syntha-Spice entwickeln? Elrood hat die geniale und extrem zynische Idee, ihnen den Planeten Ix des Hauses Vernius zu überlassen: Die islamischen Fanatiker, die ixianische Computer-Maschinen hassen, dürfen Ix überfallen. Leto Atreides erlebt die verheerende Invasion, auf die das Haus Vernius in keinster Weise vorbereitet ist, hautnah und entkommt in letzter Sekunde mit Freunden.

Dies ist der erste Höhepunkt des Buches, doch der zweite bahnt sich gleich darauf an: Die Harkonnens, seit Jahrhunderten Erzfeinde der Atreides, haben es auf Paulus und Leto abgesehen. In einer perfiden Aktion schieben sie nach Paulus’ Ermordung dem neuen Herzog Leto einen Angriff auf die Tleilaxu in die Schuhe (um so die Entwicklung des konkurrierenden Syntha-Spice zu sabotieren). Dieser Angriff im Inneren eines neutralen Gilde-Raumschiffes soll und könnte einen Krieg auslösen. Doch Leto ist schlauer: Er lässt sich des Hochverrats und Mordes angeklagen, wobei er die Zukunft seines Hauses aufs Spiel setzt.

Dies sind nur zwei von rund sechs Handlungssträngen. Die Bene Gesserit arbeiten am Übermenschen, dem Kwisatz Haderach, indem sie sich Genmaterial von Baron Vladimir Harkonnen besorgen – zwei (!) sehr amüsante Episoden. – Pardot Kynes, der imperiale Planetologe auf Arrakis, schließt sich den Fremen an und setzt sein Terraformungsprogramm in die Wirklichkeit um – sehr schöne Episoden voll Romantik und Vision. – Der acht Jahre alte Duncan Idaho entkommt dem Harkonnen-Planeten Giedi Prime, flieht nach Caladan und wird in die Dienste der Atreides genommen. Dies ist der Beginn seines langen treuen Kriegsdienstes für die Atreides. – Ein junger Ixianer entwickelt im Untergrund ein geniales Gerät, mit dem Navigatoren der Raumgilde erstmals Ferngespräche übertragen können. -Alles in allem eine Menge vielversprechender Anfänge!

Brian Herbert hat auf Richtigkeit geachtet

Statt in die alten Erzählstrukturen zurückzufallen, die anno 1965 aktuell waren, als „;Der Wüstenplanet“; erschien, setzen heutige Autoren wie Anderson lieber auf moderne Erzählmittel, hohe Geschwindigkeit in der Handlung und wenig Ballast, was den Hintergrund angeht. Das hat sicherlich Vor- und Nachteile, kommt aber unterm Strich dem heutigen Leser entgegen. Mir jedenfalls hat die flotte Szenenfolge so gut gefallen, dass ich die letzten 200 Seiten des Originals – immerhin ein Drittel des Buches – nicht mehr aus der Hand legen wollte und bis um 2 Uhr morgens durchlas.

Was die Übereinstimmung mit dem ersten Zyklus angeht, so hat Brian Herbert als Erbe des großen Autors sehr auf die Richtigkeit geachtet. Er hat sogar die Stammtafeln des Hauses Corrino korrigiert. Viel Neues ist hingegen nicht zu entdecken, außer dass dem Haus Vernius nun eine zentrale Rolle in der ersten Hälfte zufällt. Für alte Fans ist dieser Umstand Anlass zu Kritik: zu wenig Tiefgang, sagen sie. Macht nichts, sage ich. Denn die Leserschaft, die neu erschlossen werden soll, kann mit philosophischen Diskursen kaum noch etwas anfangen – dafür sind die kurzen Motti vor jedem Kapitel zuständig. Möge sich mit den in diesen Zitaten geäußerten Geisteshaltungen auseinandersetzen, wer will. Sie hindern zumindest nicht am flüssigen Lesen der spannenden Geschichte.

Ihre Meinung zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Atreides«

benfi zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Atreides«08.04.2014
Dreizehn Jahre nach dem überraschenden Tod des Autors Frank Herbert erschien endlich ein neues Buch um den Wüstenplaneten! Es hatte einige Zeit gedauert, bis sich dessen Sohn Brian Herbert - ebenfalls als Autor tätig - mit dem bekannten Science-Ficton Schreiber Kevin J. Anderson zusammen tat und dieses Projekt um die Fortsetzung der mitten in einem Zyklus endenden Serie weiterzuführen. Allerdings gingen sie mit ihrem ersten Output in die Zeit vor den Geschehnissen des ersten Romans um den Planeten 'Dune', mit welchem Frank Herbert Kultstatus erlangte und der sogar mit Starbesetzung in den frühen Achtziger Jahren verfilmt wurde. So erfährt der Fan der Serie im Grunde nicht viel Neues, denn die Folgesituation ist ja hinreichend bekannt. Doch es ist schon sehr interessant zu Lesen, wie zum Beispiel Leto Atreides zum jungen Herzog des Hauses wird oder wie die tragische Figur des Duncan Idaho aus den Fängen der Harkonnen gelangt und nach Caladan, dem Sitz des Hauses Atreides, flüchtet. Man kann in diesem Buch also viele Ereignisse nachlesen, welche dann im Buch 'Der Wüstenplanet' als gegeben dargestellt sind. Für echt Fans ist dieser erste Teil einer dreiteiligen Vorgeschichte also schon interessant zu Schmökern, da man auf viele alte Bekannte in jungen Jahren trifft. Neulinge des Stoffes um den sagenumwobenen Planeten kommen ebenfalls gut zurecht, denn das Autoren-Duo hat spannende Buchseiten abgeliefert und die vielleicht kommenden Dune-Fans können sich unvoreingenommen in den Handlungsstoff arbeiten. Wer von den Altfans allerdings glaubt, dass die beiden Autoren in der gleichen Art wie der Schöpfer mit dem umfangreichen Stoff umgehen werden, sollte wohl enttäuscht werden. Es ist schlicht eine andere Generation von Schriftstellern, welche ihren eigenen, etwas schlichteren und action-betonteren Stil verfolgen und (gottseidank) nicht krampfhaft versuchen, Frank Herbert zu kopieren! Dies ist wirklich sehr schwer möglich! Und dazu kommt natürlich, dass nicht mehr der (von mir sehr geschätzte) Ronald M. Hahn für die Übersetzung verantwortlich ist, auch die Art von Bernhard Kempen ist ein völlig unterschiedlicher. Der Leser sollte einfach hergehen und sich freuen, zurück in das wunderbare Universum des Frank Herbert kehren zu dürfen - mit dem Wissen, dass es auch noch weitergehen wird!
75°
Beverly zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Atreides«07.09.2012
Das Haus Atreides führt seine Abstammung auf Agamemnon zurück. Das wird daran deutlich, dass in "Die Kinder des Wüstenplaneten" sich Agamemnon im Kopf seiner Nachfahrin Alia mit den Woten meldet: "Ich, Agamemnon, verlange, gehört zu werden!" Arme Alia.

Agamemnon gehörte zu jenen, die der "Ilias" zufolge Troja in Schutt und Asche legten und die besiegten Feinde mitleidlos abschlachteten. Vor dem Troja-Feldzug hatte er sogar seine Tochter Iphigenie geopfert, um die Götter gnädig zu stimmen. Aus Zorn über den Verlust ihrer Tochter tötete seine Frau Klytemnästra Agamemnon. Sie selbst wurde von ihrem Sohn ...

Zigtausende Jahre später hat sich daran nichts geändert. Da hocken Paulus Atreides und seine Frau Helena, die Eltern von Herzog Leto, auf ihrer Burg auf Caladan und Helena ist sauer auf ihren Gatten ..

"Das Haus Atreides" ist von anderen Autoren in einem anderen Stil als "Der Wüstenplanet" geschrieben, aber eines haben Brian Herbert und Kevin Anderson von Frank Herbert übernommen: den hinter der strahlenden Fassade edler Helden und volkstümlicher Aristokraten düsteren Charakter des Hauses Atreides.
Stormking zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Atreides«26.07.2008
Als Dune-Fan muß man die Bände überhaupt nicht lesen sondern tut besser daran, sie vollständig zu ignorieren. Was Brian Herbert und Kevin J. Anderson da machen ist Leichenfledderei par excellance. Keiner der beiden Autoren hat die notwendigen Fähigkeiten, mit Frank Herbert auch nur auf sprachlicher Ebene zu konkurrieren. Von der inhaltlichen Tiefe der Romane wollen wir gar nicht erst reden. Nun, sie haben es dennoch getan und herausgekommen ist Star Wars mit Melange und Sandwürmern. Toll.
Marcoman zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Atreides«31.10.2007
Die originale Wüstenplaneten Saga von Frank Herbert ist das beste was das Science Fiction Genre überhaupt zu bieten hat. am Ende der Ordensburg mekte man aber daß das Ende offen ist. Umso besser das Brian Herbert weiter machte wo sein Vater aufhörte. Wenigstens gestützt auf dem Nachlaß des Vaters. Diese Bände erreichen nicht die Klasse von Frank Herbert sind aber Action geladen. Die Legenden und die frühen Chroniken sind vom Hintergrund des Wüstenplaneten inspiriert. Die Jäger des Wüstenplaneten dagegen ist wahrscheinlich das interessanteste Buch von Brian Herbert. Da es die Saga im weitesten Sinne Frank Herberts weiter erzählt. Es soll ja noch zum großen Finale kommen das Frank Herbert sich einst ausdachte. Und ein neuer Feind rückt an. Wir dürfen also gespannt sein.
martin-hoerl zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Atreides«02.02.2007
Als Dune-Fan muss man diese Bände natürlich lesen, aber Herbert war sprachlich um Klassen besser.
Brian hätte sich einen anderen Partner suchen sollen, als einen Bestseller-Schreiberling. Ohne das Werk seines Vaters wäre es auch genau das und nichts sonst, langweilige Bestseller-Literatur.
Sehr schade um das grosse Vermächtnis, ich habe bei jeder Seite getrauert.
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