Das Haus Corrino von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Buchvorstellungund Rezension

Das Haus Corrino von Brian Herbert & Kevin J. Anderson

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „Dune: House Corrino“,deutsche Ausgabe erstmals 2002, 748 Seiten.ISBN 3-453-52161-7.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kempen.

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In Kürze:

Mit „;Das Haus Corrino“; schließen Brian Herbert und Kevin J. Anderson ihre Bestseller-Trilogie der Frühen Wüstenplanet-Chroniken ab. Die Geschichte, wie alles begann: Hunderte von Jahren bevor das Haus Atreides die Herrschaft über Arrakis, den Wüstenplaneten, und seine wertvollen Spice-Vorräte antritt – die Geschichte vom unaufhaltsamen Aufstieg des Hauses Corrino.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Eine Fülle von Erzählsträngen“;90

Science-Fiction-Rezension von Michael Matzer

„;Haus Corrino“; bildet den krönenden Abschluss der Trilogie der „;Frühen Chroniken“; um den Wüstenplaneten DUNE. Das Finale ist spannend und fesselnd, geformt aus einem halben Dutzend parallel verlaufender Handlungsstränge, die zu mehreren dramatischen Höhepunkten führen. Schließlich steht die Existenz des Imperiums und des Wüstenplaneten selbst auf Messers Schneide. So muss unterhaltsame Science Fiction sein. (Ich sage nicht, dass dies auch gute Science Fiction ist. Was „;gute SF“; ist, darüber streiten sich die Leser.)

Ich konnte den dritten Band kaum aus der Hand legen und habe ihn binnen drei Tagen verschlungen. Wie man sieht: eine Empfehlung.

Arrakis muß vernichtet werden

Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Liet-Kynes auf Arrakis die Rolle des imperialen Planetologen, kämpft aber nun verstärkt gegen die Harkonnens. Bei einer Audienz bei Shaddam IV. verursacht er einen Eklat: Entweder der Imperator schützt die Fremen vor den Harkonnens oder er hat die Konsequenzen zu tragen. Shaddam denkt gar nicht daran: Der synthetische Ersatz für das Gewürz wird Arrakis und dessen Gewürzmonopol in Vergessenheit geraten lassen. Es kommt zum Großen Gewürzkrieg, denn zunächst will Shaddam alle illegal von den Adelshäusern gehorteten Gewürzlager an sich reißen und notfalls vernichten. Dass ist ihm sogar ausreichender Vorwand, um einen letzten Rivalen um den Thron der Corrinos zu beseitigen – bei diesem Überfall sterben auf der Welt Zanovar 14 Millionen Menschen. Der Gewürzkrieg ist blutiger Ernst.

Doch was Shaddam IV. Corrino, der Padishah-Imperator, nicht ahnt: Sein Spice-Ersatz ist bei weitem nicht so gut wie erhofft. Die ersten Riesenraumschiffe der Raumgilde, die von den gewürzabhängigen Navigatoren durch den Faltraum gesteuert werden, stranden im Nichts, weil die Navigatoren unter dem Einfluss des künstlichen Spice die Orientierung verlieren. Während die Raumgilde noch über die ursache rätselt, holt der Imperator zum entscheidenden Schlag aus: Die Gewürz-Unterschlagungen des Barons Harkonnen dienen ihm als Vorwand, Arrakis und damit die einzige Quelle natürlichen Gewürzen zu vernichten. Es scheint zum Äußersten zu kommen.

Unterdessen bereiten Herzog Leto Atreides und Prinz Rhombur Vernius von Ix die Rückeroberung des von den Tleilaxu besetzten Planeten vor. Die lokale Rebellengruppe hilft ihnen dabei. In der Wüste auf Arrakis machen die Fremen unter Liet-Kynes den Harkonnens das Leben auf Dune schwer. Und auf Kaitain bringt Herzog Letos geliebte Konkubine Jessica einen Knaben zur Welt, der vom Zuchtprogramm ihrer Schwesternschaft nicht eingeplant war: Paul, der spätere Muad’dib. Prompt wird das Neugeborene entführt, und die dem Wahnsinn verfallene Gattin des Imperators, Schwester Anirul, stirbt unter mysteriösen Umständen.

Auf dem Höhepunkt der Geschehnisse ist die weitverzweigte Handlung an Spannung, Drama und Action kaum zu überbieten. Der Science Fiction-Fan kommt voll auf seine Kosten.

Die Erzählstränge

Die Trilogie der Vorgeschichte zu DUNE hat zwei Aufgaben zu erfüllen: Erstens muss sie alle Vorgaben aus Frank Herberts Bestsellerroman strikt befolgen, und das ist natürlich ein Handicap, denn da der Kenner bereits weiß, was folgen muss, ist aus der Spannung die Luft raus. Zu diesen Handlungssträngen gehören Leto und Jessica, Rhombur, die Fremen und Harkonnens sowie die Machenschaften der Corrinos und des Frauenordens der Bene Gesserit (das Projekt „;Kwisatz Haderach“;).

Zweitens muss die Trilogie auch Neues anbieten und dies in das Bekannte geschickt so einflechten, dass das Neue wieder verschwindet, wenn und bevor es mit der späteren DUNE-Geschichte kollidiert. Die zwei neuen Faktoren sind erstens das imperiale Geheimprojekt um die synthetische Gewürzmelange und zweitens, ebenfalls mit Ix verbunden, das Schicksal des Hauses Vernius.

In „;Haus Corrino“; gelangt das Amal-Projekt zu seiner Vollendung, mit allen katastrophalen Folgen, die dies für das Imperium haben könnte: Denn wenn alle natürlichen Gewürzquellen vernichtet sind (= Arrakis) und der Gewürzersatz die Erwartungen nicht erfüllt (= Gestrandete Raumschiffe), dann kommt der Verkehr zwischen den Welten zum Erliegen und die Raumgilde, die Transport und Kommunikation erledigt, verschwindet. Danach existiert einfach kein Imperium mehr. Shaddam IV. setzt in seiner Dummheit und Aggressivität die Existenz der Welt, wie er sie kennt, aufs Spiel. Ob er verliert oder gewinnt? Bitte selber lesen!

Das Haus Vernius (Rhombur) versucht, seine alte Heimat Ix wieder zurückzugewinnen. Das erscheint auch Leto nur berechtigt, und so hilft er Rhombur, seinem Freund, mit einer großen Militäraktion. Ein Ablenkmanöver verhindert ein Eingreifen des Imperators, und Leto selbst begibt sich nach Kaitain, um die Vertretung der Adelshäuser, der Raumgilde und der Handelsorganisation zu informieren, was er gegen die Tleilaxu auf Ix unternimmt. Dabei kann er jedoch nicht sicher sein, ob der Untergrund auf Ix seine Invasion vorbereitet hat, den Rhombur und Gurney Halleck sind mit einem fehlgeleiteten Raumschiff im Nichts gestrandet… Es ist höchst spannend herauszufinden, ob die Ix-Invasion glückt. Und da Caladan, Letos Planet, völlig schutzlos ist, stürzen sich bereits die Harkonnens darauf. Wird Caladan dies überstehen oder Leto alles verlieren?

Es gibt noch weitere Erzählstränge, aber das würde hier zu weit führen. Immerhin haben sich die Autoren auf die wichtigsten konzentriert, und so ist dieser Band 100 Seiten kürzer geworden als „;Haus Harkonnen“;. Die Actionszenen – ja, richtiggehende Zweikämpfe mit Schwert, Schild und Dolch – sind hier weitaus stärker vertreten als in den anderen Bänden. Leider sind diese Szenen unvermeidlicherweise auch ziemlich blutig. Auch die Szenen in den Labors der Tleilaxu gehören nicht zu den appetitanregendsten…

Ausblicke

Das muss man in Kauf nehmen, wenn man in den Genuss der glänzend herbeigeführten und erzählten Finales gelangen will: Immerhin an die 150 Seiten. Danach folgen noch 50 Seiten Epilog, die zu der Geschichte des ersten DUNE-Romans führen. Allerdings klafft hier eine Lücke von rund 20 Jahren, denn Paul muss ja noch aufwachsen und ausgebildet werden. Diese Geschichte wird entgegen meiner Erwartung nicht in „;Haus Corrino“; erzählt. Vielleicht gibt es dazu später noch einen Band. Ich bin sicher, dass es auch zu Butlers Djihad noch einen Roman geben muss, denn in diesem Kreuzzug gegen die Denkmaschinen entstand das in DUNE geschilderte Imperium.

Technik

An vielen Stellen habe ich mich über das Fehlen von Computern und modernen Kommunikationsmitteln gewundert, die unser Zusammenleben so bestimmen und die Erde klein haben werden lassen. Im DUNE-Universum gibt es nur menschliche Computer, die Mentaten. Und Telekommunikation findet zwar statt, aber nicht zwischen Welten – dazu sind Kuriere nötig. Es gibt nur einen einzigen Fall, in dem interstellare Kommunikation stattfindet: mit Hilfe eines kaum erklärten Apparates von C’tair Pilru auf Ix.

Gesellschaft und Kultur

Das Fehlen grundlegender Technik scheint der Grund für die altertümlichen Gesellschaftsformen des DUNE-Universums zu sein. Es ist so etwas wie das Britische oder Römische Weltreich. Daran erinnern Namen wie Atreides, Corrinth und Carthag. Die feudal herrschenden Adelsfamilien (Corrinos, Atreides usw.), die Transport- und Handelsverbände sind die primären Machtfaktoren, nicht jedoch eine allmächtige Kirche wie auf unserer Welt. Es gibt zwar Hohepriester auf Kaitain und auch die Tleilaxu sind fanatisch religiös, aber das sind lokal begrenzte Phänomene. Der einzige quasi-religiöse Orden, der auf allen Welten existiert, sind die Schwestern der Bene Gesserit.

Ihr Programm besteht nicht nur darin, Frauen zu Kriegerinnen und Gelehrten auszubilden, sondern auch den Übermenschen „;Kwisatz Haderach“; zu züchten. Diese Messiasgestalt wirft ihre Schatten voraus: Die Umstände von Pauls Geburt erinnern in zahlreichen Details (drei Schwestern statt drei Könige, ein Komet über DUNE usw.) an Jesu Geburt. Ganz klar wird hier bereits Paul zum künftigen Messias und Erlöser (zunächst der Fremen, später auch des Rests des Imperiums) stilisiert. Wie man sieht, machen die Autoren einen guten Job, um das Geschehen in DUNE 1 vorzubereiten.

Das Gute muß gewinnen

Hat es sich gelohnt, diese drei Schmöker zu lesen? Auf jeden Fall für denjenigen, der sich für das Universum und den Zyklus um DUNE begeistern kann. Diese Trilogie bringt die Vorgeschichte nicht auf akademisch trockende Manier nahe, sondern in lebendigen Szenen. Dabei wird der geistig-philosophische Hintergrund nicht vernachlässigt, noch auch die Notwendigkeiten für das Drama des Lebens in diesem Universum missachtet.

Natürlich folgen diese Romane dem ältesten Muster der Unterhaltungsliteratur: Das Gute muss gewinnen (auch nach harten Rückschlägen), und das Böse muss vernichtet bzw. bestraft werden. Die Gerechtigkeit scheint wieder hergestellt. Die Motti zu den Kapiteln warnen uns aber: Die Welt ist nicht an sich gerecht. Wir machen sie so. Und das kann ganz schön wehtun.

Ihre Meinung zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Corrino«

Beverly zu »Brian Herbert & Kevin J. Anderson: Das Haus Corrino«06.09.2012
Aus dem Roman ist mir der Satz "Shaddam war auf Hochglanz poliert" und die trotz erhobenem Zeigefingers wegen der Wetterkontrolle liebevolle Beschreibung des Planeten Kaitain in Erinnerung geblieben. Ich frage mich, ob den Autoren (beide keine Deutschen) die Parallelen zwischen Imperator Shaddam und Kaiser Wilhelm II. klar sind.
Auch Wilhelm II. trat gern auf Hochglanz poliert auf, übernahm sich mit seinem Größenwahn, ohne wirklich bösartig zu sein. Eher so töricht, dass es weh tat. Denn beide wären gern vom Autokraten zum Super-Autokraten geworden und begriffen weder, dass ihnen das Format dazu fehlte und dass das keine Makel, sondern ein Vorzug war.
Sowohl in der Fiktion von Dune als auch der realen deutschen Geschichte zeigten ihre Nachfolger, wie weder an Skrupel noch lästige Institutionen gebundene Super-Autokraten zu Werke gehen. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, vergleicht sich Paul Atreides in "Der Herr des Wüstenplaneten" auch mit Hitler.
Ihr Kommentar zu Das Haus Corrino

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