Necroscope 1: Das Erwachen von Brian Lumley

Buchvorstellungund Rezension

Necroscope 1: Das Erwachen von Brian Lumley

Originalausgabe erschienen 1986unter dem Titel „Necroscope“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 192 Seiten.ISBN 3935822057.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Diesel.

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In Kürze:

Der englische Bestsellerautor Brian Lumley schuf mit den bizarren Abenteuern um Harry Keogh, den Totenhorcher Necroscope, eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt. Der spannendste Kampf zwischen den Lebenden und den Toten, den es je gab. Endlich dürfen auch die deutschen Leser daran teilnehmen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Spannend & erotisch: Frisches Blut für Dracula“;90

Horror-Rezension von MM

Mit dieser Geschichte begründet Lumley seine groß angelegte Saga um Harry Keogh, den Nekroskopen, und Boris Dragosani, den Nekromanten. Abwechselnd steht jeweils eine der beiden Zentralgestalten der Saga im Mittelpunkt der Episoden. Ihr Aufeinandertreffen findet allerdings erst in einer späteren Folge statt.

Gerade ist der Chef eines geheimen Regierungsdezernates in Großbritannien, das sich mit dem Übernatürlichen beschäftigt, gestorben und Alec Kyle soll nun dessen Posten übernehmen. Als er im Büro seines Vorgängers alte Akten durchsieht, fällt ihm die Akte eines gewissen Harry Keogh in die Hände. Doch er kommt nicht dazu, sie zu lesen, denn plötzlich erhält er Besuch von einer geisterhaften Gestalt, die ihm unbedingt eine Geschichte erzählen will. Und dann verspricht sie, Kyles Dezernat unentbehrlich für die Regierung Ihrer Majestät zu machen…

In der Sowjetunion des Jahres 1971 gibt es unter Breschnew ein ähnliches Dezernat, geleitet von General Gregor Borowitz. Er sitzt mit zwei Begleitern hinter einem Einwegspiegel. Davor spielt sich in einem antiseptischen Saal eine unheimliche Szene ab.

In Kontakt mit einem 1000 Jahre alten Wesen

Gerade ist eine sehr bizarre Obduktion im Gange, sofern man es überhaupt als solche bezeichnen kann. Ein gewisser Boris Dragosani, der sich jedes Körperhaar abrasiert hat, ist gerade dabei, seiner Arbeit als „;Totenhorcher“; nachzugehen, was seinem Chef vom Dezernat neue Erkenntnisse über seine Feinde liefern soll.

Die Szene findet ein brutales und gewaltsames Ende, als es die zwei Begleiter des Generals nicht mehr aushalten und ausrasten. Einer der beiden schießt die beiden anderen nieder und flüchtet. Doch Borowitz hat überlebt, und Dragosani setzt alles daran, den Verräter auszuschalten. Nachdem sich der Staub gelegt hat, gelingt es Borowitz, sich den KGB vom Hals zu halten und frei und unbehelligt tätig zu werden.

Boris Dragosani ist ein eigenbrötlerischer Typ. Einmal im Jahr nimmt er sich Urlaub, um in Rumänien nach seiner „;Vergangenheit“; zu forschen, da er als kleines Kind im Ort Dragosani ausgesetzt wurde. Seiner Vergangenheit kommt er dabei immer näher und die Zeit eilt, denn er hat nur noch vier Jahre zu leben. Seit seinem siebten Lebensjahr steht er in Kontakt mit einem Wesen, das tief in einem finstren Wald in einem Grabmal lebt – und in Boris’ Bewusstsein spricht – ein Wesen, das an die 1000 Jahre alt ist und von den meisten Menschen Dracul genannt wird. Doch Boris hat keine Angst: Er braucht Dracul, um bestimmte menschliche Erfahrungen zu machen, so etwa die körperliche Liebe…

Die Gedanken der Toten lesen

Harry Keogh, den Nekroskop, lernen wir in einem parallel laufenden Erzählstrang kennen. Harry ist anfangs nur ein verträumter Zwölfjähriger, der sich gegen Schlägertypen kaum durchzusetzen weiß. Eines Tages entdeckt der Mathelehrer Hennand eine neue Qualität geistiger Tätigkeit an Harry. Von einem Tag zum anderen kann er plötzlich mathematische Gleichungen lösen, von denen er noch nie etwas gehört hat. Er kann sich plötzlich gegen die übelsten Schläger schlagkräftig und ohne Waffen zur Wehr setzen. Von der gleichen Art ist wohl auch seine spätere Fähigkeit, Stories und Romane zu schreiben, die aufs Lebhafteste in einer Zeit spielen, die Harry nie kennengelernt hat, so etwa im 17. Jahrhundert…

Und was seine Freunde Brenda Cowl am sonderbarsten findet: Stets befindet sich Harrys Wohnung in der Nähe eines Friedhofs. Der schönen Aussicht wegen, sagt Harry. Doch selbst ihr verschweigt er seine eigentliches Geheimnis: Er selbst ist der Nekroskop, der die Gedanken der Toten lesen kann. Das ist keine Figur in seinen Geschichten, wie er vorgibt, das ist er selbst.

Und er hat eine Mission. Seine geliebte Mutter Mary wurde, als Harry noch klein war, von grausamen Händen in einen vereisten Fluss bei Edinburgh gestoßen. Durch seinen Kontakt mit der Toten weiß Harry, wer der Mörder ist und wo er wohnt. Doch wie soll die exquisite Rache aussehen, die Harry auszuüben hat? Was ist die angemessene Strafe? Wie soll die Falle aussehen? Und vor allem: Wer soll der Köder sein?

Wenig Splatter, aber umso mehr Psychologie

Die Handlung ist wie für einen Film geschrieben: in Szenen, die sich aneinanderreihen, dabei Kontraste und Verstärkungen bilden. Wenn also die Rede endlich auf Harry Keogh kommt, sind bereits die lange Einleitung und die dramatische „;Totenbehorchung“; durch Dragosani erfolgt, so dass der Leser dringend eine Ruhepause mit etwas halbwegs Alltäglichem benötigt – die dann ja auch erfolgt: Harry blamiert sich in der Schulstunde.

Anders als bei langatmigeren Autoren der alten englischen Schule vor dem 2. Weltkrieg lässt Lumley unwichtiges Beiwerk weg, das nicht unmittelbar zur Wirkung einer Szene beiträgt. Wenn wir etwas über die ungewöhnliche Kindheit und Jugend Boris Dragosanis, des Nekromanten, erfahren müssen, so wird auch dies in einer Szene realisiert, die an Spannung und (mitunter erotischem) Nervenkitzel nichts zu wünschen übrig lässt. Auch Harry Keogh hat seine erotischen Momente, wenn er den Lehrern beim Schulausflug zusieht. Der Tod, die Liebe und die Rache – drei psychologisch wichtige Elementarkräfte, die auf Keogh und Dragosani einwirken.

Für Liebhaber von Horrorliteratur oder Gruselfilmen bietet „;Necroscope 1“; zwar wenig Splatter, dafür aber umso mehr Spannung und menschliche Psychologie. Was Keogh und Dragosani verbindet, ist noch nicht klar, doch es dürfte auf eine Konfrontation hinauslaufen, denn Dragosani hat sich einer furchtbaren Macht verschrieben. Leute mit schwachen Nerven könnten in der Szene, in der Dragosani eine Leiche ausnimmt oder vielmehr zerfetzt, vom Hocker fallen. Sie sollten dann vielleicht doch lieber etwas anderes lesen. Lumley-Fans finden bei Ebay günstige Buchausgaben zu Niedrigstpreisen.

Ihre Meinung zu »Brian Lumley: Necroscope 1: Das Erwachen«

Trinae zu »Brian Lumley: Necroscope 1: Das Erwachen«03.06.2007
Ich kenne die Necroscope-Saga seit einigen Jahren und habe die ersten 16 (!) Teile der Saga gelesen. Es ist ein sehr komplexes und anfangs spannendes Werk. Mit der Zeit wurde es mir allerdings zu langatmig und verlor viel von seinem Reiz. Leider! Ich habe mein Abo gekündigt und kenne die letzten bisher erschienen 5 Teile daher nicht.

Auf jeden Fall hat der Mann Phantasie und Schreibtalent auch wenn er meiner Meinung nach ein Problem damit hat, ein Ende zu finden.

@Frank: auch Rice-Fans können das durchaus lesen, wenn sie bereit für eine völlig andere Vampir-Welt sind. Das eine schließt das andere nicht aus.

Viel Spaß und guten Grusel beim Lesen!

Trinä
Frank zu »Brian Lumley: Necroscope 1: Das Erwachen«19.01.2007
Hallo.
Inhaltlich auf Necroscope einzugehen,würde den Rahmen hier sprengen.Dies ist mM nach,die definitive Vampirsaga unserer Zeit.Lumley verarbeitet Ideen,die Rice + Konsorten niemals auszubrüten in der Lage wären.Daher:Rice Fans:Fingers weg.Dies hier ist nicht(!) das (ver)romantisierende Epos der Vampire.Necroscope lässt einen frischen Wind durch die Gruften wehen.Das ist Horror am Puls der Zeit.Volle Punktzahl.
Tark zu »Brian Lumley: Necroscope 1: Das Erwachen«19.01.2007
Ich bin nur völlig zufällig über Brian Lumleys Bücher gestolpert. Jetzt bin ich seinen düsteren, atmosphärisch extrem dichten Werken auf Anhieb hoffnungslos verfallen. Necroscope, die Serie über den Totenhorcher, der über die rare Gabe verfügt, mit toten Kontakt auf nehmen zu können und sich mit ihnen zu verständigen, um die bevorstehende Bedrohung der Untotenbrut ab zu wehren, ist eine superbe Idee, wenn auch im Ansatz nicht ganz neu, aber dafür umso besser im Allgemeinen und speziell im Dialog ausgeführt und präsentiert. Ja, die Dialoge mit den Untoten gehören hier meiner Meinung nach zu den interessantesten "Konversationen" überhaupt, die ich jemals gelesen habe. Was hat ein uralter, seit Aeonen der Zeit im Tiefschlaf verbrachter, nach Blut dürstender Vampir einem Menschen zu sagen? Was will so ein mächtiges, scheinbar von grosser Intelligenz und Eigennützigkeit beseeltes Wesen? Fragen deren Antworten man in diesen Gesprächen irgendwo erhaschen möchte, teilweise aber nie erörtert werden. Das ist ein Punkt, woran sich seine Bücher laben. Was mich desweiteren beeindruckt hat, wie eingehend es Lumley versteht, die Intensität von erzählten Bildern noch ein Stück hautnäher zu machen. Sein Detailreichtum, sein Vorstellungsvermögen kennt manchmal nahezu einfach keine Grenzen in seinen markanten Erzählungen, will sie nur zu gerne ab und zu überschreiten. Desweiteren gefallen mir die alten Elemente, die klassische Vorstellung von Vampiren und ihrer Eigenschaften, verbunden mit vom Autor aus der Fiktion gegriffenen Gegebenheiten enorm gut. Er lässt sie in erfrischendem, neuem Gewand erscheinen und komplexisiert sie dazu, fügt sie in Geschichten ein und würzt das ganze noch mit einer intelligenten Story und Erzählweise. Das Alles hebt sich dann wunderbar angenehm von den altbekannten Klischeevorstellungen um Vampire ab.
Ich habe bisher "Das Erwachen" und "Vampirblut"verschlungen. ein bisher grossartiger, von unglaublicher Spannung belebter Kampf zwischen Vampiren und den Menschen, den ich weiterverfolgen werde, wenn die Folgebände weiterhin so zu überzeugen wissen.

(Dieser Text wurde im Original kopiert und hier eingefügt)
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