Die Krone von Lytar von Carl A. deWitt
Buchvorstellung und Rezension
- Fantasy
- Science-Fiction
- Horror
- Mystery
In Kürze:
Ein Land ohne Herrscher. Eine Krone ohne König. Nur das Banner – ein Greif auf goldenem Grund – und eine Prophezeiung, sind alles was von Lytar, der einstigen Hauptstadt des alten Reiches und seiner großen magischen Macht übrig geblieben ist, bevor es dem Erdboden gleichgemacht wurde. Nur wenige überlebten und ihre Nachkommen glaubten sich im Laufe der Zeit von der Welt vergessen. Jahrhunderte später werden sie jedoch von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt und ihr Dorf brutal überfallen: Eine fremde Macht ist auf der Suche nach dem magischen Artefakt des alten Reiches, das den Legenden nach, für dessen eigene Zerstörung verantwortlich war und über unsagbare Macht verfügen soll. Die Krone von Lytar. Auf Geheiß des Ältestenrates ziehen die Freunde Tarlon und Garret, die Halbelfin Elyra und Zwerg Argor nach Lytar, um dort nach Gegenständen längst vergessener Magie zu suchen, um sie im Kampf gegen den Feind einzusetzen. Doch bei der Erforschung Alt-Lytars erfahren sie mehr über die Geschichte des alten Reiches und die Grausamkeit ihrer Vorfahren, die ihre Macht nutzten, um die Welt mit Krieg unter ihre Herrschaft zu zwingen. Eine Geschichte, die sich niemals wiederholen darf, denn so die Prophezeiung, ist der Frieden für die Menschen Lytars für immer in Gefahr.
Das meint Phantastik-Couch.de: „Forschung und Verderben“
Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley
Die Bewohner des Dorfes Lytara waren rechtschaffene Leute und kannten seit 400 Jahren nur Frieden. Sie gingen seit Generationen ihren Berufen nach, trieben Handel, trafen sich zum trinken in der Taverne und wählten in einer Art Basisdemokratie alle paar Jahre ihren Bürgermeister. So beginnt jedenfalls die Geschichte, die ein alter Mann dem Reichsabgesandten Lamar in eben jener Taverne erzählt. Ein Einstieg, auf den ersten Blick ebenso unspektakulär wie die Hauptfiguren: der Mensch Garret, die Halbelfin Elyra und der Zwerg Argon.
Während sie ein entlaufenes Pferd suchen, beobachten sie entsetzt aus der Ferne, wie Elyras Mutter von einem Trupp fremder Soldaten ermordet wird, deren Offizier einen Drachen als Reittier benutzt. Sie eilen ins Dorf zurück, das offenbar schon angegriffen wurde. Unter der Leitung des Bürgermeisters entscheidet der Ältestenrat, dass sofort Verteidigungsmaßnahmen ergriffen werden, denn die eigene Haut soll den anrückenden Soldaten so teuer wie möglich verkauft werden. Und trotz ihrer erdrückenden Übermacht und des feuerspuckenden Kampfdrachens erleiden die Angreifer durch die hervorragenden Bogenschützen des Dorfes herbe Verluste und ziehen sich wieder zurück.
Zwar hat die Dorfgemeinschaft nur wenige Tote zu beklagen, doch wie groß ihre Wut ist, müssen die Gefangenen spüren: Sie werden erst vom Schmied gefoltert, damit sie über den scheinbar unmotivierten Angriff aussagen, dann werden sie bis auf einen Überläufer gehenkt. Die folgende Ratsversammlung bringt endlich ein Geheimnis an den Tag, vor dessen Aufdeckung man sich gedrückt hat: Es gibt ein verborgenes Waffenlager in der Nähe von Alt-Lytar, der verbotenen Stadt. Die magisch-mechanischen Waffen wurden von den Vorfahren der Dorfbewohner geschaffen und für unlautere Zwecke eingesetzt, weshalb die Stadt schließlich von den Göttern vernichtet wurde. In ihr verdirbt alles Leben, wer sich einmal hineinwagt, kommt um oder wird zu einem Monster, halb Tier, halb Mensch.
Doch „Die Krone von Lytar“ wäre keine spannende Geschichte, wenn die Bewohner Lytaras das Waffendepot nicht öffnen würden, wenn nicht eine der ingeniösen und gleichzeitig furchterregenden Kampfmaschinen freigesetzt würde und wenn nicht die drei Hauptfiguren in die mit übler Magie verseuchte Stadt ihrer Ahnen vordringen müssten, wo ihnen Entsetzen und Tod, aber auch Hoffnung begegnen. Und auch die feindlichen Truppen streifen durch die Ruinen: Auf der Suche nach der Krone von Lytar.
Magischer Super-GAU
Es ist eine Geschichte abseits des deutschsprachigen Fantasy-Mainstreams, die Carl A. deWitt geschrieben hat. Zwar bedient er sich auf den ersten Blick eher gewöhnlicher Mittel, denn weder die Figuren noch ihre Dialoge bergen anfangs große Überraschungen. Es ist die Ausgestaltung der zahlreichen Details, die den Roman abhebt. Zum Beispiel die verseuchten Ruinen der alten Stadt Lytar, eine Anspielung auf Tschernobyl, das auch in hunderten von Jahren noch unbewohnbar sein wird. Dann die Folgen der magischen Verstrahlung: Mutanten, Ratten- und Wolfsmenschen, Horrorwesen, in denen noch genug Menschlichkeit schlummert, um an der monströsen Verwandlung zu leiden.
Und die Waffen des geheimen Depots: Sie sind die letzten funktionierenden Überbleibsel der einstigen Hochkultur Lytars, perfekt konstruiert und zuverlässig wie ein alter Toyota springen sie auch noch nach Jahrhunderten an. Schwerter spielen zwar eine Schlüsselrolle im Roman, doch ihre Geheimnisse verblassen hinter der faszinierenden Funktionsweise der Kampfmaschinen, deren innere Räderwerke von ungekannter Magie angetrieben werden.
Vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Altlasten ihrer Vorfahren – ein magischer Super-GAU, unbezwingbare Militärtechnologie – wird die einfache Strickart der Hauptfiguren zu einer Kunstgriff des Autors. Er verdeutlicht uns damit, dass wir unserer Vergangenheit nicht entfliehen können, auch nicht der unserer Vorfahren. Und weil Carl A. deWitt nur andeutet, welcher Hochmut ihrer Bewohner zur Zerstörung der Stadt Lytar geführt hat, folgt die Auflösung hoffentlich in nächsten Teil der Geschichte, leider erst im Frühjahr 2008. Er wird zeigen, ob die Handlung eine noch stärkere Ausrichtung auf Kritik an unkontrollierbaren der Forschung bekommt.
Ihre Meinung zu »Carl A. deWitt: Die Krone von Lytar«
| Beorn zu »Carl A. deWitt: Die Krone von Lytar« | 20.09.2009 |
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| annun_ zu »Carl A. deWitt: Die Krone von Lytar« | 11.11.2008 |
| annun_ zu »Carl A. deWitt: Die Krone von Lytar« | 11.11.2008 |
| stravaganza zu »Carl A. deWitt: Die Krone von Lytar« | 15.07.2008 |
| Yantur zu »Carl A. deWitt: Die Krone von Lytar« | 23.04.2008 |
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