Die Werwölfe von Christoph Hardebusch

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2009, 550 Seiten.ISBN 3-453-53316-X.

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In Kürze:

Europa Anfang des 19. Jahrhunderts: Während sich die Alte Welt von zahllosen Kriegen erholt, kündigen sich tiefgreifende Veränderungen an – die Menschheit steht an der Grenze zur Moderne. Aber noch sind die Traditionen stark und die starren Strukturen brechen nur langsam auf. In dieser Zeit des Wandels schickt sich eine uralte Bedrohung an, die Menschen in den Abgrund zu reißen. Denn in den Schatten der Welt hat etwas überlebt: die Werwölfe …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Wie die Werwölfe ans Licht kommen – und mit ihnen die Dunkelheit“74

Fantasy-Rezension von Marcel Buelles

Der junge Cavaliere von Otranto, Niccolo Viviani, hat sein Herz an die bezaubernde Valentine verloren und hofft sie zu heiraten. Doch sein Vater, der Conte Viviani, bestimmt für ihn eine Karriere beim Militär. Die Idylle seiner toskanischen Heimat scheint ein jähes Ende zu finden, doch Niccolo darf noch eine „Grand Tour“ machen – sich die Hörner abstoßen, etwas von der Welt sehen, wie es sich für einen Adligen zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts gehört. Aber seine Gedanken sind nur bei Valentine, die er in ihre schweizerische Heimat begleitet, bevor es zum Regimentsdienst gehen soll. Als er das malerische Dorf in der Nähe von Genf erreicht, lernt er einen außergewöhnlichen englischen Dichter und seine Freunde kennen, mit deren Ruf es nicht weit her ist: Lord Byron schert sich nicht um gesellschaftliche Zwänge. Was Niccolo aber noch nicht weiß, ist, dass Byron und seine Freunde mehr sind, als es den Anschein hat. Sie sind anders. Sie wollen ihn in ihr Rudel aufnehmen.

Ein Werwolf zu sein hat seine Vorteile – oder auch nicht

Viviani muß mit Entsetzen feststellen, dass Byron, sein Freund Bysshe Shelley und ihr Arzt Polidori Werwölfe sind. Seine Begeisterung für dieses neue Leben als anderes Wesen erlischt in dem Moment, als sie beim Initiationsritual angegriffen und fast getötet werden: Die Heilige Mutter Kirche hat etwas gegen die Ausgeburten der Hölle und alle, die mit ihnen zu tun haben. Von diesem Moment an ist Niccolo ein Gejagter und sie teilen sich auf, um dem Geheimbund des Vatikans die Jagd zu erschweren. Valentine läßt er zurück ohne ein Wort des Abschieds, und in ihrer Enttäuschung heiratet sie den Grafen Ludwig von Karnstein, der sein eigenes Geheimnis hat: Er ist ein Vampir, ein Beherrscher des Schattens, der auch vom Vatikan gejagt wird. Niccolo entschließt sich, nach den Ursprüngen der Werwölfe zu forschen und stößt bei seinen Recherchen auf dunkle Geheimnisse, mysteriöse Assassinen mit ungewöhnlichen Kräften. Eine gefährliche Reise quer durch Europa beginnt.

Eine Tour de Force durch die Literaturgeschichte

Wer sich ein wenig mit der Literaturgeschichte der Fantasy auskennt und schon einmal von Shelleys „Frankenstein“ oder dem „Castle of Otranto“ gehört hat, der ahnt vielleicht, was Hardebusch mit diesem Buch gelingt: Eine augenzwinkernde Hommage an ein bedeutsames Treffen ungewöhnlicher, kreativer Geister wie Byron und Bysshe Shelley in der Schweiz 1816. Der Erfolgsautor von „Die Trolle“ und „Sturmwelten“ verquickt handwerklich sauber große Poeten und ihre Lebensgeschichte mit dem nach-napoleonischen Europa, das zwar die althergebrachte Ordnung wieder hergestellt hatte, sich aber liberalem und demokratischen Gedankengut nicht auf Dauer erwehren konnte. Wo der Ursprung des Vampirromans, des Genres Horror und natürlich auch der Fantasy liegt, nämlich am Ufer des Genfer Sees, dort läßt Hardebusch Werwölfe und Vampire auferstehen und von der Macht jagen, die auf unserer Welt als Stellvertreter Gottes die Ausgeburten der Hölle jagt: dem Vatikan.

Es gibt keine andere Institution, die soviele Geheimbünde ins Leben gerufen hat oder gerufen haben soll, und auch in diesem Buch ist es nicht anders. Auf gut fünfhundert Seiten folgt der Leser dem jungen Cavaliere und späterem Conte auf seinen Abenteuern, bei denen er oft genug keine besonders gute Figur abgibt, denn sonderlich intelligent, selbständig und kreativ scheint er nicht zu sein. Umso spannender sind daher die Nebencharaktere, die die Geschichte kurzweilig, spannend und gut lesbar halten, um am Ende eine Lösung herbeizuführen, die auf weitere Abenteuer hinweist. Denn wer ist der Mann, der im Hintergrund von Rom aus die Fäden zieht und die Macht der Schatten nutzt? Wo kommen die Werwölfe wirklich her? Was geschieht mit Valentine, die am Ende des Buchs keine Wahl hat, als das Schicksal anzunehmen, daß Karnstein und Niccolo ihr mit Gewalt aufgezwungen haben? Fragen, die Hardebusch sicherlich gerne in einem weiteren Band beantworten würde.

Ihre Meinung zu »Christoph Hardebusch: Die Werwölfe«

Engelbert Babinger zu »Christoph Hardebusch: Die Werwölfe«31.01.2010
Atemloser Nervenkitzel, blutrünstige Werwölfe, die ahnungslose Dorfbewohner grausamst dahinmetzeln und panische Jagtversuche...

Das alles findet man in diesen Roman nicht^^
Ich muss zugeben, als ich das Buch anfing zu lesen, ging ich von solch einer Geschichte aus, aber ich wurde bald eines besseren belehrt.
Anfangs tat ich mich schwer dieses Buch zu lesen. Die Hauptcharaktere stammen aus Adelsfamilien und deshalb ist das Buch in einen gehobenen Deutsch geschrieben, mit einigen Fremdwörtern, die ich raten musste...
Ausserdem tauchen auch lateinische Sätze auf. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Latein ziemlich verlernt habe und somit konnte ich einige Zeilen gar nicht lesen.

Als ich mich an den Schreibstil gewohnt hatte (nach 100 Seiten) kristallisierte sich eine traurige Liebesgeschichte heraus. Diese ist sehr gut gelungen. Das ganze Buch lang konnte ich an nichts anderes denken als an diese Liebesgeschichte. Leider ging dadurch der Kernteil der Geschichte leider etwas unter. Die Jagt auf den Werwölfen ist meiner Meinung nach nicht ausreichend beschrieben. Ausserdem gibt es Zeitsprünge von teilweise einen Jahr und länger, ich will wissen, was in der Zwischenzeit passiert ist.

Alles in allem ist das Buch aber sehr gut gelungen und durch die Liebesgeschichte auch für nicht-Werwolf-Fans interressat
Blofeld2 zu »Christoph Hardebusch: Die Werwölfe«25.12.2009
Tja, was soll man zu diesem Buch sagen. Nun, mal der Reihe nach. Wer einen spannenden Old-School-Grusler erwartet, mit atmosphärisch dichten, vollmondumfluteten Landschaften, Schlössern, unheimlichen Wolfsgeheul und charismatischen Figuren, wie Bucklige oder zwielichte Gestalten...wird enttäuscht. Wer durchdachte Charaktere erwartet, die eine gewisse psychologische Tiefe aufweisen, die jeder Groschenwerwolfroman hergibt...wird enttäuscht. Wer in der Handlung einen erkennbaren roten Faden erwartet, der in der Lage ist, über 500 Seiten einen Spannungsbogen zu bilden...wird enttäuscht.
Richtig hier ist, wer gerne zusammenhanglose Belanglosigkeiten gepart mit teilweise extremen Gewaltdarstellungen und begleitet von kratertiefen Logiklöchern lesen möchte. Die größte Schwäche des Buches liegt sicherlich daran, dass der Schwerpunkt auf dem schwächsten der Charaktere, dem jungen Nicolo, liegt und zB die Arbeitsweise und Vernetzung der Kirchenorganisation, die jede Menge Spannungspotential geboten hätte, links liegen gelassen wird. Keine Spur von einem zerrissenen Hauptdarsteller, der verzweifelt gegen seinen Fluch ankämpft. Graf Karnstein, vampireller Obermotz des Romans, wird zunächst als unbesiegbares Monster dargestellt, der sich, nachdem er die Heldin geehelicht hat, auf deren Bitte hin aufmacht um den in Gefangenschaft geratenen Nico zu befreien, nur um selbst von ein paar Muselmanen flugs überwältigt zu werden. Werwölfe, als nahezu unbesiegbar beschrieben, scheiden aus dem Leben, in dem sie einfach vergiftet werden undsoweiterundsofort.
Die Meinung des Rezensenten vermag ich nicht zu teilen, das Teil ist sein Geld nicht Wert. Der Roman wird mit einem von fünf Fangzähnen bewertet und dem Autor wird hiermit auferlegt, den Werwolf von Tarker Mills zu lesen, mindestens drei Mal.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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