Saat aus dem Grabe von Clark Ashton Smith

Buchvorstellungund Rezension

Saat aus dem Grabe von Clark Ashton Smith

Originalausgabe erschienen 1970unter dem Titel „The Seed from the Sepulchre“,deutsche Ausgabe erstmals 1970, 216 Seiten.ISBN 3518372653.Übersetzung ins Deutsche von Friedrich Polakovics.

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In Kürze:

8 Kurzgeschichten und eine Novelle aus den 1930er Jahren, verfasst von einem Meister des Bizarren und Morbiden, der europäische Dekadenz mit amerikanischer Fabulierkunst kreuzt und dem Ergebnis morgenländische Märchenhaftigkeit beimischt – ein von der Zeit mit nostalgischer Patina geadeltes, aber weiterhin kraftvolles Lese-Erlebnis, das schon den großen H. P. Lovecraft beeindruckte.

Das meint phantastik-couch.de: „;Phantastische Episoden auf der Erde u. a. fremden Orten“;95

Horror-Rezension von Michael Drewniok

  • ”Saat aus dem Grabe” (The Seed from the Sepulchre, 1933), S. 7-26: Im Dschungel Südamerikas finden zwei Abenteurer auf Orchideenjagd eine wahrhaft unirdische Pflanze, die ihnen ein Brechreiz erregendes Ende bereitet…

  • ”Des Magiers Wiederkehr” (The Return of the Sorcerer, 1931), S. 27-49: Wer einen der Zauberei fähigen Konkurrenten erledigt, muss damit rechnen, dass es diesen nicht einmal dann im Grabe hält, wenn man ihn in kleine Stücke hackt…

  • ”Adomphas Garten” (The Garden of Adompha, 1938), S. 50-66: Ein böser Tyrann entledigt sich seines noch böseren Hofmagiers in seinem höllischen Foltergarten, aber er hat die Regenerationskraft seines Gegners ebenso unterschätzt wie dessen Rachsucht…

  • ”Das befremdliche Los des Eiwuusi Wessahqqan” (The Weird of Avoosl Wuthuqquan, 1932), S. 67-81: Ein hartherziger Geldverleiher verweigert einem Bettler sein Almosen und wird von diesem verflucht, was ihn erst zwei wertvolle Diamanten und dann deren dämonischen Besitzer finden lässt…

  • ”Die Stadt der singenden Flamme” (The City of the Singing Flame, 1931), S. 82-143: Drei neugierige Männer stolpern durch Zeit & Raum in eine überirdisch schöne Welt, die freilich ziemlich böse Nachbarn kennt…

  • ”Teichlandschaft mit Erlen und Weide” (Genius Loci, 1933), S. 144-170: Eine sumpfige Wiese entpuppt sich als Brutstätte eines bösartigen Geistes, der unvorsichtige Besucher erst in seinen Bann und dann ins Verderben zieht…

  • ”Der fremde Gott” (Vulthoom, 1935), S. 171-209: Auf dem Mars entpuppt sich ein ”Gott” als uralter, mächtiger Überlebender eines Raumschiffabsturzes, den es nun zum Nachbarplaneten zieht – zur Erde…

  • ”Das Reich der Toten” (The Empire of the Necromancers, 1932), S. 210-224: Zwei Magier nisten sich in einer verlassenen Totenstadt ein, deren fleischlose und mumifizierten Bewohner sie als ihre Sklaven wiederauferstehen lassen – doch selbst Zombies lassen sich nicht alles gefallen…

  • ”Das Grabgewölbe von Yoh-Vombis” (The Faults of Yoh-Vombis, 1932), S. 225-250: Am Ort des Titels finden Archäologen heraus, wieso ein mächtiges Kriegervolk vor vielen Jahrtausenden besiegt werden konnte; ihre Bezwinger sind noch sehr lebendig, wachsam – und hungrig…

Grusel-Bosheit mit Witz & Wortgewalt

Acht Kurzgeschichten und eine Novelle, die nicht nur ihr Alter exotisch wirken lässt. Diese Storys sind reine SF, (Dark) Fantasy oder Horror, also klassische Phantastik, angereichert mit vielen bekannten Szenen, Figuren und sogar Klischees. Was ihr Überleben sichert, ist der unerhörte innere Reichtum, die grenzenlose Fabulierkunst des Verfassers, der über einen Wortschatz verfügte, der dem des großen H. P. Lovecraft gleichkommt.

Der Parallelen sind noch mehr: Auch Clark Ashton Smith weiß das Grauen heraufzubeschwören, statt es wie so viele seiner weniger begabten Schriftstellerkollegen herbeizuzwingen. Dem heutigen Leser mag dabei negativ auffallen, dass Smith im Grunde recht handlungsarm und steif erzählt. Oft unterbricht er sogar seine Geschichte, um sich in seitenlangen Beschreibungen zu ergehen. Die haben es allerdings in sich und lassen wahrhaft fremde, faszinierende, erschreckende Welten entstehen! Stimmung schlägt Action leicht, wenn ein Meister die Feder führt. Mit der Realität haben seine schwelgerischen (und manchmal schwülstigen) Bilder nicht das Geringste zu tun – der ”Hard SF”-Fan wird schwerlich auf seine Kosten kommen. Schon der typische Leser der ”Pulps”, in denen Smith veröffentlichte, dürfte sich über diese sprachlich durchaus anspruchsvolle Mischung aus beinhartem Horror, pechschwarzem Humor, schwüler Dekadenz und halluzinatorischer (Alb-)Traum-Atmosphäre gewundert haben.

Neben halbwegs klassischen Gruselgeschichten wie ”Des Magiers Wiederkehr” oder ”Teichlandschaft mit Erlen und Weiden”, die ganz im Hier und Jetzt spielen, ist Smith bekannt für seine Storys, die in der Vergangenheit untergegangener Kontinente wie Atlantis oder Hyperborea, in Zothique, dem sterbenden Land einer fernen Zukunft der Erde, über der die Sonne zu erkalten beginnt, oder auf wahrlich ungastlichen  Planeten wie dem bizarren Xiccarph spielen. Mit ”Adomphas Garten”, ”Das befremdliche Los des Eiwuusi Wessahqqan” und ”Das Reich der Toten” werden uns hier drei Beispiele vorgestellt.

Auf den ersten Blick wirken Geschichten wie ”Saat aus dem Grabe”, ”Die Stadt der singenden Flamme”, ”Der fremde Gott” oder ”Das Grabgewölbe von Yoh-Vombis” wie Brot-und-Butter-Arbeiten für die zeitgenössischen Magazine: Männer reisen an exotische Orte auf der Erde oder auf andere Planeten, wo schreckliche Entdeckungen auf sie warten. Mit dem ihm eigenen Talent verfremdet Smith jedoch das einfache Geschehen und ordnet es in sein privates literarisches Schreckenskabinett ein. Das Fremde ist interessant, aber auch stets gefährlich, Neugier daher riskant. In diesem Punkt stimmt Smith ganz sicher mit Lovecraft überein. Dennoch bleibt festzustellen, dass Clark Ashton Smith kein Epigone, sondern ein selbstständiger, auf seine Weise origineller Schöpfer kosmischen Grauens ist.

Viel zum Lesevergnügen trägt einmal mehr die stimmungsvolle deutsche Übersetzung von Friedrich Polakovics bei. Man kann sie durchaus als ”altmodisch” bezeichnen, doch dies eindeutig im positiven Sinn. Mit einem Wortschatz, der längst nicht mehr gebräuchliche Substantive, Verben, Adjektive mit souveräner Selbstverständlichkeit einsetzt, verstärkt Polacovics den unwirklichen, zeitlosen Eindruck der Smith-Geschichten. Natürlich ist es heikel, dem Original solche womöglich gar nicht entsprechende Übersetzungskunst überzustülpen. Das Ergebnis mag deshalb womöglich nicht mehr Clark Ashton Smith sein (obwohl es schwerfällt, Polacovics solche Manipulation zu unterstellen), aber es liest sich einfach grandios! (Eine unschöne Ausnahme bildet allerdings Polakovics’ Interpretation des Eiwuusi Wessahqqan, den er wie den ”typischen” jüdischen Geldverleiher sprechen lässt.)

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