Verrat von Claudia Kern

Buchvorstellungund Rezension

Verrat von Claudia Kern

Originalausgabe erschienen 2009, 400 Seiten.ISBN 3-442-24421-8.

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In Kürze:

Ana, die einzige Tochter des Fürsten von Somerstorm, befindet sich auf der Flucht vor den geheimnisvollen Nachtschatten. Die Gestaltwandler haben – so glaubt Ana – ihre gesamte Familie ermordet und so die Kontrolle über das Fürstentum an sich gerissen. Ana flieht nach Szranizar und findet dort tatsächlich Unterstützung. Doch plötzlich steht die Armee der Nachtschatten vor der Stadtmauer. Die Verteidiger sind chancenlos – und so muss Ana erneut die Flucht ergreifen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Nachtschatten übernehmen die Macht“80

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Jahrhunderte wurden die abwertend „Nachtschatten“ genannten Gestaltwandler versklavt, gejagt und fast ausgerottet. In einer vorindustriellen, feudalen Gesellschaft galten sie als das Böse schlechthin. Insgeheim aber lebten die Nachtschatten in ihrer menschlichen Gestalt mitten unter den ehrbaren Bürgern. Als Diener, Leibeigene und Bauern fristeten sie ihr karges, nur zu oft unterdrücktes Dasein. Als sich ihnen die Möglichkeit bietet, rebellieren sie und gehen, angeführt von dem charismatischen Heerführer Schwarzklaue und dem genialen Taktiker Korvellan, in die Offensive. In einer Nacht- und Nebelaktion überrennen sie die stark befestigte Heimstatt der Fürsten von Somerstorm, sichern sich die dort liegenden Goldminen und damit die wirtschaftlichen Dominanz in den Königreichen.

Nur zwei Menschen gelingt es, den Angriff der Nachtschatten zu überleben. Die Thronerben, das Geschwisterpaar Ana und Gerit werden nach dem Fall der Feste getrennt. Während Ana im von Nachtschatten besetzten Land versucht, eine sichere Zuflucht zu erreichen und Hilfe zu erbitten, verfällt Gerit dem Charme des Nachtschatten Korvellan. Zusammen mit der Armee der Gestaltwandler macht er sich auf den Feldzug gegen die Menschen. Seiner Hilfe ist es zu verdanken, dass die Truppen des verbündetet Westfalls in eine Falle laufen und vernichtend geschlagen werden. Auf dem weiteren Weg der Gestaltwandlerarmee gelingt es ihm zu fliehen und in seine Heimat zurückzukehren.

Währenddessen sucht seine Schwester weiter in die vermeintlich sichere Zuflucht nach Westfall zu gelangen. Nachdem sie ihren Beschützer, den Krieger Joram, selbst ein Nachtschatten, verloren hat, besitzt sie nur noch ein Pfund, mit dem sie wuchern kann – ihren Namen. Sie schließt sich einer Gruppe Emanzen an, flieht vor Schwarzklaues Armee, nur um vom Regen in die Traufe zu gelangen. In der Stadt der Sklavenhändler gerät sie in die Klauen des Königs ohne Land, und dieser zeigt ihr seine Geheimwaffe, mit Hilfe derer er seinen Eroberungsfeldzug startet will – eine unsterbliche Armee …

Ruhigere Töne, fesselnde Schicksale

Mit dem ersten Teil ihrer „Der verwaiste Thron“-Trilogie hat Claudia Kern positiv überrascht. Sie legte eine eigenständige Schöpfung vor, die insbesondere durch vielschichtige Charaktere und unerwartete Wendungen überraschte.

Im zweiten Teil geht es weit geruhsamer zu. Wir begleiten unsere beiden – nun eigentlich sind es mit dem verkrüppelten König von Westfall drei – Protagonisten auf ihrem weiteren Weg. Wer nun große Schlachten, überwältigende Siege und brisante Offenbarungen erwartet, der sieht sich getäuscht. Dieses Mal sind es die leisen Töne, die im Buch vorherrschen. Trotzdem, und das ist überraschend, liest sich der Roman flüssig und spannend in einem Rutsch durch.

Dies mag daran liegen, dass wir nach der Einführung der großen Konflikte, und der Vorstellung der handlungsrelevanten Personen mit weiteren Details, aber auch neuen Elementen konfrontiert werden. Die bis dato machtlosen Zauberer und ihre wenig rühmliche Geschichte im Kampf gegen den Roten König werden angeschnitten, wobei dem Leser hier vieles nur angedeutet wird, er sich aus diversen eigentlich unauffälligen und nebensächlichen Bemerkungen sein Bild selbst zusammensuchen muss. Diese Art, den Rezipienten zu fordern, mag für einen Gelegenheitsleser ungewöhnlich und anstrengend sein, übt aber gleichzeitig einen ganz eigenen Reiz aus. Es gilt ständig auf der Hut zu sein, dass nichts unseren Augen entgeht, vieles immer wieder neu zu bewerten und in Beziehung zu setzen. Auf diese Weise taucht der Leser tief in die Handlung und ihre Figuren ein, muss sich mit den verschiedenen Personen, ihrer unterschiedlichen Motivation auseinandersetzen und erkennen, dass es keine „Bösen“ oder „Guten“ im Spiel um Freiheit, Macht und Selbstbestimmung gibt, dass jeder nur sucht, das beste für sich selbst zu ergattern.

Stilistisch ansprechend, inhaltlich überzeugend bekräftigt die Autorin nach dem überraschenden Debüt, dass sie ihre Leser anspruchsvoll und spannend zugleich zu fesseln weiß.

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