Clifford D. Simak

Clifford Donald Simak wurde am 3. August 1904 in Mil(l)ville, einem Städtchen im Südwesten des US-Staates Wisconsin, geboren. Naturwissenschaft und Journalismus waren seine frühe und lebenslange Leidenschaft. Simak studierte an der Universität von Wisconsin und wurde 1922 zunächst Lehrer. 1929 wagte er den Absprung und wurde für diverse Zeitungen des Mittelwestens tätig. Ab 1939 war er fest beim „Minneapolis Star“ angestellt, wo er bis 1976 blieb und u. a. die Wissenschaftsbeilage betreute: Clifford D. Simak liebte die Beständigkeit, was sich nicht nur in seinem Werk widerspiegelt. Er war 56 Jahre mit derselben Frau verheiratet, arbeitete 37 Jahre für dieselbe Zeitung und 57 Jahre als Schriftsteller.

Der junge Simak gehörte zu den zahlreichen Altersgenossen, die von den Science-Fiction-Magazinen fasziniert waren, die seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre in großer Zahl erschienen. Simak zählte zu den Lesern, die sich inspiriert fühlten selbst schriftstellerisch aktiv zu werden. Seine erste Kurzgeschichte erschien 1931 in Hugo Gernsbacks „Wonder Stories“ – Simak trat damit in den Kreis der Autoren des „Golden Age of SF“, das etwa bis zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg dauerte. Allerdings drückte er dieser Ära der Blaster schwingenden Supermänner und Weltraumabenteuer, in die ganze Galaxien verwickelt wurden, nie seinen Stempel auf. Zwar trug er mit „Cosmic Engeneers“ (dt. „Ingenieure des Kosmos“) 1938 eine „Space Opfera“ vor, die für ihn freilich eher untypisch war; Simak war ein Autor der leisen Töne, dessen Zeit noch kommen sollte.

1938 wechselte Simak als Autor zu „Astounding Science Fiction“. Unter dessen charismatischen Herausgeber John W. Campbell jr. (1910-1971) begann er seine eigene Stimme zu finden. In den nächsten Jahren entstanden jene Storys, die 1952 zum „City“-Zyklus zusammengefasst wurden, der zu den ganz großen Werken der klassischen SF gezählt wird. Überhaupt begann Simaks eigentliche Karriere erst in den 1950er Jahren. Parallel zum Ende der meisten großen Magazine entwickelte sich der Taschenbuchmarkt. Zwar schrieb Simak weiterhin Kurzgeschichten, doch er verfasste von nun an vor allem Romane, die von Lesern und Kritikern gleichermaßen positiv aufgenommen wurden.

Dabei muteten Simaks Geschichten schon zu diesem Zeitpunkt altmodisch an. Er sperrte sich gegen aktuelle Modeströmungen und blieb „seiner“ SF treu: Weder Superhelden noch Superhirne, Mutanten oder dystopischen Antihelden, sondern einfache Männer bildeten seine Hauptfiguren: Handwerker, Journalisten, Lehrer, oft am Rande der Gesellschaft lebend weil etwas verschroben aber aufgeschlossen, tolerant und neugierig (sowie in der Regel begleitet von einem Hund). Gern lässt Simak das Fremde in den vertrauten Landschaften des Mittelwestens auftauchen, wo außerhalb der großen, anonymen, moralisch fragwürdigen Städte Männer und Frauen in übersichtlichen Gemeinschaften leben, in denen jede/r jede/n kennt und gesunder Menschenverstand allemal über weltfremdes Spezialistentum gestellt wird.

Die Hast der technikbesessenen Moderne ist Simak unheimlich – er predigt konservative oder traditionelle Werte, wobei er sich von jenen Fundamentalisten, die diese ebenfalls zum Maß aller Dinge erheben, dadurch angenehm unterscheidet, dass ihm jeglicher Fanatismus abgeht bzw. durch Humor, Ideenreichtum und spannende Handlungen ersetzt wird. Simak verzichtet keineswegs auf die typischen Gestalten oder Plotkonstellationen der Science Fiction; Raumschiffe und Roboter, Zeitreisen und Dimensionstore, Aliens und Invasoren – Simak kennt sie und setzt sie ein, wobei er seinem einzigartigen Erzählstil treu bleibt und Überraschungen nie ausbleiben. Außerirdisches ist keinesfalls per se gefährlich sondern fremd – und „fremd“ bedeutet für Simak „interessant“. Konflikte sind das Ergebnis von Kommunikationsschwierigkeiten. Werden diese behoben, kehrt Frieden ein. Am Ende einer Simak-Geschichte haben in der Regel alle Beteiligten gewonnen – nicht an Geld oder Ruhm aber an Wissen und Freundschaft, was der Verfasser eindeutig höher bewertet.

Mit seinen „pastoralen“ SF-Werken schuf sich Simak eine literarische Nische, in der er sich behaglich einrichtete. Selbst die eifrigen und manchmal eifernden Vertreter der „New Wave“, die Ende der 1960er Jahre der SF grundlegende neue Impulse gaben, ließen ihn im Gegensatz zu anderen „Dinosauriern“ des Genres in Ruhe. Dazu trug auch Simaks bemerkenswerte Schreibkonstanz bei: Mindestens ein neuer Roman aus seiner Feder erschien in fast jedem Jahr bis zu seinem Tod, denen ihr hohes Niveau und ihre Unterhaltsamkeit gemeinsam war. Schon 1973 wurde Simak in die „Science Fiction Hall of Fame“ aufgenommen und für sein Lebenswerk geehrt, welches zu diesem Zeitpunkt keineswegs abgeschlossen war. Dass der Autor auch literarisch seinen Zenit noch keinesfalls überschritten hatte, stellte er 1980/81 unter Beweis, als seine Kurzgeschichte „Grotto of the Dancing Deer“ (dt. „Grotte des tanzenden Wildes“) mit dem „Nebula“ und dem „Hugo Award“ gleich zwei der höchsten Preise in der SF gewann. („Grotto“ wurde noch mit anderen Preisen ausgezeichnet.)

Während die Preise für sein Lebenswerk förmlich auf ihn niederprasselten, schrieb Simak unverdrossen weiter gute Bücher. In den 1970er Jahren erweiterte er sein Repertoire und verfasste einige erfolgreiche Fantasy-Romane. Erst sein Tod am 25. April 1988 in Minneapolis setzte dieser erstaunlichen, fast sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere ein Ende. Clifford D. Simak gehört zu den wichtigsten „Gründervätern“ der modernen Science Fiction, auch wenn er ein wenig im Schatten von Autorenkollegen wie Robert A. Heinlein, Isaac Asimov oder Arthur C. Clarke steht, die sich im Rühren der Werbetrommeln geschickter zeigten als er. In Deutschland sind fast alle Simak-Romane und viele seiner ca. 200 Kurzgeschichten erschienen. Erst die Verleugnung der SF-Historie durch die deutschen Verlage und ihre globalisierungsorientierte Fokussierung auf umsatzträchtige Namen ließ Simak in Vergessenheit geraten – ein Schicksal, das seine Bücher und Geschichten ganz sicher nicht verdient haben, denn ihre trügerisch schlichte oder besser solide Machart lässt sie glänzend altern bzw. zeitlos werden und ein großes Unterhaltungspotenzial bewahren.

mehr über Clifford D. Simak:

Im Internet gibt es keine „offizielle“ Simak-Website aber natürlich ist der Autor nicht ohne treue Fans. Einen guten Einstieg in Leben und Werk bietet http://www.tc.umn.edu/~brams006/simak/. Sehr versteckt ist die tschechische (!) aber englischsprachige Simak-Site http://www.natur.cuni.cz/~vpetr/Simak1.htm. (Michael Drewniok)

Phantastisches von Clifford D. Simak:

  • Storysammlungen
    • (1952) City / Als es noch Menschen gab Rezension
      City
    • (1956) Strangers in the Universe
    • (1960) Das Tor zur anderen Welt Rezension
      The Worlds of Clifford Simak
    • (1961) Aliens for Neighbours
    • (1962) Der einsame Roboter
      All the Traps of Earth and Other Stories
    • (1962) Other Worlds of Clifford Simak
    • (1964) Die Gilde der Träumer
      Worlds Without End
    • (1964) The Night of the Puudly
    • (1967) Best Science Fiction Stories of Clifford D. Simak
    • (1967) Nacht über dem Mars
    • (1968) Die Kristallkäfer
      So Bright the Vision
    • (1972) Trilogy of the Future
    • (1975) The Best of Clifford D. Simak
    • (1977) Invasionen Rezension
      Skirmish: The Great Short Fiction of Clifford D. Simak
    • (1986) Marathon Photograph
    • (1988) Off-Planet
    • (1991) The Immigrant
    • (1993) The Creator
    • (1996) Over the River and Through the Woods
    • (1997) The Civilisation Game and Other Stories
  • Sachbücher
    • (1962) The Solar System: Our New Front Yard
    • (1965) Trilobite, Dinosaur, and Man: The Earth’s Story
    • (1969) Wonder and Glory: The Story of the Universe
    • (1971) Prehistoric Man: The Story of Man’s Rise to Civilization

(Anmerkung: Bei den durch Schrägstrich getrennten Jahreszahlen gibt die erste Zahl das Erscheinen eines Titels in Magazinform an. Die zweite Zahl markiert die Erstausgabe als Buch.)