Welches Buch war im Jahr 2011 ein phantastische Highlight?

Dieses mal fragten wir Menschen, die wie wir über phantastische Bücher im Internet schreiben, nämlich Blogger. Und erhielten überraschende Antworten.

Für Simone Dalbert, sie schreibt über Bücher verschiedener Genre auf "Papiergeflüster„, war ein phantastische Highlight 2011 “Die Insel der besonderen Kinder„ von Ransom Riggs (Pan 2011, ISBN: 978-3426283684)

“Ein ganz besonderes Buch, weil fernab des Mainstreams, war für mich „Die Insel der besonderen Kinder“ von Ransom Riggs. Keine Vampire, keine Werwölfe, weder Zwerge noch Elfen oder Orks. Stattdessen eine spannende Mischung aus X-Men und Peter Pan, gewürzt mit ein wenig Nostalgie und einer Zeitschleife. Als Jacob seinen Großvater sterbend im Wald findet, ahnt er zum ersten Mal, dass die Geschichten, die er ihm erzählte, nicht nur Märchen waren. Gibt es sie wirklich? Die besonderen Kinder, die Jacob auf den Fotos sah und auch die Monster, die sein Großvater sein Leben lang jagte? Düster und unheimlich, die Wirkung des Textes wird durch die Bilder im Buch noch verstärkt. Nur Stück für Stück lösen sich die vielen Rätsel auf, die Jacob auf der Suche nach der Wahrheit entdeckt. Schön, dass sich ein Autor und auch ein Verlag wagten, mal wieder etwas ganz anderes zu veröffentlichen.„

Daniela Höhne schreibt über Fantasy, Paranormal Romance, Liebesromane und SF auf “Verlorene Werke„. Sie empfiehlt uns ein älteres Buch, das emotionale phantastische Werk “Die Stunde des Fauns" von Megan Lindholm (Heyne, 1994, ISBN: 978-3453079953 ):

„Obwohl ich einige großartige Werke gelesen habe, ist 2011 für mich kein Highlight dabei gewesen. Am emotionalsten jedoch war für mich Megan Lindholms “Die Stunde des Fauns„ und das nicht nur, weil sie (besonders als Robin Hobb) zu meinen Lieblingsautoren zählt.
Evelyn ist in der rauen, weiten Natur von Fairbank, Alaska aufgewachsen, wo Pan, der Gott der Wälder ihr Spielgefährte war. Als sie erwachsen wird, trennen sich die Wege der beiden und Eve heiratet Tom. Als das Paar 1976 seine Familie in der hochmodernen Welt in Washington besucht, droht Evelyn an der Situation zu zerbrechen. Unerwartet taucht Pan wieder auf und steht ihr zur Seite.
Lindholm schreibt von echten Menschen, die echte Dinge tun und dabei nie unfehlbar sind. Die fühlen und fühlbar sind. Die so tatsächlich existiert haben mögen. Damit hat sie ein intelligentes und sehr gefühlvolles Werk geschaffen, das auch nach vielen Jahren nicht an Bedeutung verloren hat. Die mythische Figur des Pan trägt zwar einen Teil der Handlung, steht jedoch nie im Vordergrund. Beinahe möchte man glauben, dass es sich bei ihm “nur„ um eine Art Metapher handelt, die erstklassig zum Leben erweckt wurde. Der Roman ist also mehr eine zeitgenössische Geschichte mit leichtem phantastischen Einschlag.“

Andrea Bottlinger schreibt auf "Katastrophengebiet„ über alles Phantastische, was ihr bei ihrer Arbeit als Lektorin und Autorin begegnet.
Sie stellt uns “Der Kuss des Jägers" von Sarah Lukas (Piper 2011, ISBN 978-3492702256) und „Hounded“ von Kevin Hearne (Del Rey Books 2011, ASIN B0051XU2PE) vor:

„Mein deutschsprachiges Highlight im Jahr 2011 war für mich selbst recht überraschend “Der Kuss des Jägers„ von Sarah Lukas. Normalerweise lese ich keine Romantik, und es war auch nicht die Liebesgeschichte, die mich fasziniert hat. Aber die Charaktere in diesem Roman sind mit so viel Witz und Liebe zum Detail gezeichnet, dass man sie einfach mögen muss. Man hat das Gefühl, dass sie im nächsten Moment aus den Seiten klettern könnten. Vor allem der Dämonenjäger Jean und die schwierige Wahl, die er am Ende des Romans treffen muss, haben es mir angetan.

Mein englischsprachiges Highlight war “Hounded„ von Kevin Hearne. In diesem Urban-Fantasy-Roman geht es um den 2000 Jahre alten Druiden Atticus, der einem Gott ein magisches Schwert gestohlen hat und seitdem auf der Flucht ist. Doch nun machen die verschiedensten Wesen der keltischen Mythologie ihn ausfindig, und er muss sich mithilfe seines Hundes und seiner beiden Anwälte wütende Götter, eifersüchtige Göttinnen und die Polizei vom Hals halten. Der Roman enthält eine Menge Nerdhumor, ohne dabei aber albern zu werden oder zu vergessen, eine spannende Geschichte zu erzählen. Jeder, der sich auch nur ein wenig für Mythologie interessiert, wird ihn lieben.“

Christian Handel informiert auf "Darkstars Fantasy News„ über phantastische Bücher, Filme und Comics. Ein echter Insider der Szene ist hier am Werk, denn Christian schreibt auch für die monatlich erscheinende Zeitschrift “Nautilus – Abenteuer & Phantastik„, welche in diesem Jahr als bestes Sekundärwerk mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde. Als sein Highlight stellt er uns “NACHTMAHR„ von Seanan McGuire vor (Lyx, ISBN 978-3802582905, ET 8. April 2012, Originalausgabe: “An Artificial Night„ , DAW, ISBN: 978-0756406264)

“Mein persönliches Highlight 2011 war definitiv Seanan McGuires „NACHTMAHR“, der (in sich abgeschlossene) dritte Teil ihrer Urban Fantasy-Reihe um die Halbfee October „Toby“ Daye. Toby lebt – wie eine Vielzahl anderer Feenwesen – in San Francisco, wird jedoch immer wieder hineingezogen in die gleichsam gefährliche, wie magische Anderswelt. Wer aufgrund der Tatsache, dass die Bücher bei Lyx erscheinen, befürchtet, dass es zu romantisch zu geht, kann beruhigt werden. Die Toby Daye-Reihe setzt vor allem auf spannende Thriller-Plots in der magischen Welt der Feen. Besonders „NACHTMAHR“ hat sich in mehrfacher Hinsicht als phantastisch erwiesen: Nicht nur Toby Dayes Welt ist phantastisch, sondern auch Seanan McGuires Schreibstil: flott, actionreich, gerade in den mystischen Szenen sehr cineastisch und gewürzt mit trockenem Humor. Auch wenn die Hauptfigur keine Vampire pfählt, erinnert Toby doch in vielerlei Hinsicht an (eine etwas ältere) Buffy Summers. Mit dem dritten Teil hat die amerikanische Autorin mühelos ihren leider recht enttäuschenden zweiten Teil der Reihe vergessen lassen und Patricia Briggs den Rang meiner persönlichen Lieblings-Urban Fantasy-Autorin abgelaufen.
Wer Toby Daye noch nicht kennt, aber auf opulente Mystery-Schmöker mit glaubhaften liebens- und hassenswerten Charakteren steht, dem lege ich „NACHTMAHR“ an’s Herz. Oder „WINTERFLUCH“, den Auftakt der Reihe, der zwar nicht ganz so großartig ist wie Band 3, aber Tobys Welt erstmals vorstellt. Dieser Roman erscheint im April 2012 als preisgünstige Taschenbuchausgabe. Bleibt zu hoffen, dass die außerordentlich gute Urban Fantasy-Reihe auch hierzulande das große Publikum findet, dass sie verdient, und bald auch die Bände 4 und 5 auf Deutsch erscheinen.

Zu guter Letzt empfiehlt uns Marny Leifers, ebenfalls eine fleißige Rezensentin und Bloggerin auf "fantastische Bücherwelt.de", ihre Phantastik-Highlights. Zu ihren Favoriten gehören der Auftakt zu Bernhard Hennens neuer Elfen-Saga „Drachenelfen“ (Heyne, ISBN: 978-3453266582) und eine Anthologie, über Wesen, die in den letzten beiden Jahren ihren Platz in der Fantasy erobert haben; die Wasserspeier. In „Geisterhafte Grotesken“ (Torsten Low, ISBN 978-3940036056) von der Herausgeberin Fabienne Siegmund erwecken 23 deutsche Phantastik-Autoren die steinernen Figuren zum Leben.

„Mein Phantastik-Highlight 2011 war “Drachenelfen„ von Bernhard Hennen, dem ersten Teil der in der Frühzeit der Albenmark spielenden neuen Saga. Mich hat die Vielschichtigkeit dieser komplexen Geschichte fasziniert, mein Kopf war voller Bilder und Gedanken – auch außerhalb der Lesezeit. Die zahlreichen miteinander verwobenen Handlungsstränge bieten so viele Andeutungen, Möglichkeiten und Ideen, von denen ich beeindruckt war und die meiner Phantasie Flügel verliehen haben. Eine für mich sehr intensive und emotionale Lektüre voller Magie! Ein Buch, das mich auf ganz andere Weise begeistert hat, war die von Fabienne Siegmund herausgegebene Anthologie “Geisterhafte Grotesken". Hier versammeln sich 23 sehr unterschiedliche Wasserspeier-Geschichten, in denen es unter anderem unheimlich, romantisch, düster, mystisch und tragisch zugeht. Jede von ihnen verbreitet eine ganz eigene individuelle Stimmung und hat mich aus den verschiedensten Gründen berührt, was mir davor noch bei keiner Anthologie passiert ist. Darum kann ich auch keinen Favoriten nennen – möglicherweise werdet ihr da aber irgendwo zwischen den Beiträgen von Christoph Marzi, Tanya Carpenter, Chris Lind, Oliver Plaschka, Katharina Seck und Diana Kinne fündig.