Grandios dunkle Nacht
Lesung von Markus Heitz „Legenden der Albae – Vernichtender Hass“ mit Qntal im K17 in Berlin
Heitz ist bekannt für die düstere Spannung, die er in seinen Romanen schafft. Qntal ist bekannt für das einzigartige Verschmelzen von Stimme, Sound und Licht zu einem organischen Ganzen. Die grausamen Albae vervollständigen mit ihrer Existenz die Geschichten um das Geborgene Land der „Zwerge“. Sie sind uns in ihrem Wesen so fremd, dass es schon eine Glanzleistung ist, sie wie in Albae 1 – Gerechter Zorn – lebendig scheinen zu lassen.
Es gab zwei Parteien, die zu der gemeinsamen Lesung gingen, die Bücherfans und die Musikfans. Eine drückende Hitze ließ die Damen ihre Fächer greifen, bevor es endlich los ging. Die Bühne in dem schwarzen Raum in blaues Licht getaucht, erschien der Autor und nahm auf einem wuchtigen Thron aus Holz Platz, Die ersten Klänge machten die Schwüle vergessen. Qntal ist eben Qntal und schafft es vom ersten Ton an, die Hörer in eine eigene Welt zu locken. Syrah fing mit der Lesung an. Sie verfügt nicht nur über eine faszinierende Gesangsstimme. Mit den ersten Zeilen führte sie uns in die Sphäre der düsteren Romantik. Nahtlos übernahm Heitz. In dem ersten Passus trafen wir kurz Sinthoras und Caphalor, die Nostaroi, Feldherren der Albae, einst verfeindete Gegner, jetzt ein unzertrennliches Gespann des Hasses. In den weiteren Szenen, die Heitz las, stellte er Figuren vor, die im 1. „Albae“-Band noch nicht vorkamen, wie die Kriegerin Morana, die als Elfin verkleidet, ahnungslose Menschen manipuliert und verführt. Immer wieder wechseln sich Musik und Vortrag ab – an den richtigen Stellen – perfekt arrangiert. Es gelingt Qntal, dass die Musik nicht nur für sich klingt, sondern dass sie die dunkle Thematik des Buches aufgreift. Mit ihrer schwebenden Stimme, ihrer verhaltenen und gerade dadurch überzeugenden Gestik machte sie uns glauben, wir wären selbst die Albae. Auf der Bühne im wechselnden Lichtspiel verändert sich der Klang. Unsere Augen suchen die vier Musiker, um zu erkennen, wo das fast beängstigende Geräusch herkommt. Es ist auf den ersten Blick nicht offensichtlich wie die Borduntöne des Dudelsacks, die die Melodie tragen.
Der mongolesische Musiker in der Band überrascht uns mit seinem Kehlkopfgesang, eine spezielle Art des Obertongesangs. Die besondere Stimmung dieses Abends schaffen die Musiker, die mit ihren für uns außergewöhnlichen Instrumenten an bestimmten Stellen entweder leise das Vorlesen untermalen oder Soli spielen.
Eine Gänsehaut läuft den Hörern über den Rücken, als Syrah in ein Instrument bläst, das aussieht wie ein umgebautes Trummscheit. Es klingt wie aus einem Science Fiction. Später spielt sie ein ganzes Stück auf ihm, passend zu der Szene, als die ausgesandte Albae Morana auf einem Brunnenrand ein Lied auf der Flöte vor den Bewohnern eines Dorfes spielt, um sie zu manipulieren. Sie lauschen mit verzückten und verklärten Gesichtern wie die Hörer im K17 der Frontfrau von Qntal.
Eigens für die Lesungen hat Qntal ein Lied komponiert nach einem Gedicht aus dem Roman: „nox aeterna“, zu deutsch „die ewige Nacht“.
Schnee
fällt leise.
Rieselt auf die Körper derer,
die verloren in der
Schlacht.
Blut
rinnt leise.
Sickert aus den Wunden derer,
die nicht gaben
Acht.
Tod
kommt leise.
Schleicht sich an die Feuer derer
die sich fürchten in der
Nacht.
Refrain: Für Sie hat nun begonnen
die dunkle, die ewige Nacht
Die Zeit ist wie im Fluge vergangen, als der letzte Ton verhallt. Wie bei großen klassischen Konzerten halten die Hörer erst einmal den Atem an, sie sind wie erschlagen von dem Gebotenen, fasziniert von dem Düsteren und zugleich so ästhetischem mit dem morbiden Charme. Die einen werden sich bestimmt „Die Legenden der Albae“ kaufen, die anderen ihre erste Qntal-CD. Ein Wermutstropfen: Diese Art der Lesung gab es nur viermal in Deutschland. Ich könnte mir gut vorstellen, dass daraus ein Projekt entwickelt werden könnte wie bei den „Zwergen“ mit Corvus Corax.
(Amandara M. Schulzke, November 2011)

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