Wächter der Grenze von Dan Abnett

Buchvorstellungund Rezension

Wächter der Grenze von Dan Abnett

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „Border Princes“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 366 Seiten.ISBN 3941248596.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Das Ende der Welt begann an einem Dienstagabend im Oktober, kurz nach acht Uhr abends ...Unerklärliche Vorkommnisse halten die Torchwood-Agenten in Atem. Eine Wesenheit namens Das Amok treibt die Menschen in den Wahnsinn, verwandelt sie in Zombies, verursacht Straßenkrawalle. Und plötzlich taucht die Kirche von St.-Mary-in-the-Dust wieder auf, obwohl sie 1840 abgerissen wurde. Das Torchwood-Team kommt an seine Grenzen. Was bedeutet dies für die Romanze zwischen den neuesten Mitgliedern des Teams?Captain Jack Harkness hat noch ein anderes Problem, das ihm Sorgen bereitet: Ein Alarmsignal, eine Warnung an die Menschheit und von Torchwood seit 108 Jahren verborgen gehalten. Jetzt blinkt es. Etwas kommt. Oder es ist bereits hier.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Torchwood Lesefutter überbrückt das Warten auf Staffel 4“78

Science-Fiction-Rezension von Eva Bergschneider

Die BBC-Mystery-Serie „Torchwood“ ist ein Spin-off der populären TV-Serie „Dr. Who“, richtet sich aber nicht wie diese an ein Familienpublikum, sondern an Erwachsene. Vor Sex und Gewalt in allen Formen schreckt man hier nicht zurück. Gern wird „Torchwood“ mit der Mutter der Mystery-Serien „Akte X“ verglichen. Das Hauptthema ist ein ähnliches; ein Agententeam rettet die Erde vor der Bedrohung und Vernichtung durch Außerirdische. Doch „Torchwood“ entwickelte schnell ein ganz eigenes Profil. Die Serie spielt im walisischen Cardiff und weist einen deutlichen Lokalkolorit auf, der natürlich in der englischsprachigen Ausgabe deutlicher herüber kommt als in der deutsch synchronisierten Fassung. Aber auch die Charaktere sind tiefer gezeichnet, ihre Beziehungen zueinander kontroverser und zentraler Bestandteil der Serie. Zudem beschäftigt sich „Torchwood“ mit der Moral von der Geschicht, oft mit einer überraschenden Schlussfolgerung. In Deutschland war „Torchwood“ ab März 2009 in drei Staffeln bei RTL2 zu sehen. Nach langer Pause hat nun die BBC mit dem amerikanischen Kabelsender Starz eine vierte Staffel gedreht, die aktuell in England und Amerika zu sehen ist. In Deutschland, so munkelt man, ist für die Torchwood Fangemeinde Anfang 2012 die Wartezeit zu Ende. BBC Worldwide publiziert auch Bücher zu ihren Serien, so auch zu „Torchwood“. Und der Cross Cult Verlag bringt diese als deutschsprachige Fassungen heraus.

Die Katastrophen der Woche auf einer Skala von 1 – 10..

...liegen bei 27, wie Captain Jack Harkness seinem Team versichert. Dieses mal scheint Torchwood an seine Grenzen zu stoßen. Sie bekommen es mit einem Amok zu tun, der Menschen in degenerierende Zombies verwandelt und tötet. Von seiner Wirkung bleiben auch die Torchwood Agenten Jack, Owen, Ianto, Toshiko, Gwen und James nicht verschont.

„James?“ wird der Torchwood-Kenner nun fragen, „Wer ist denn James“? Zum einen ist James nicht nur ein wie selbstverständlich zum Team gehörender Agent, sondern ein Charmeur, der Gwen gewaltig den Kopf verdreht. Bevor das Rätsel seiner tatsächlichen Identität gelöst werden kann, gilt es noch einen mit skrupellosem Charakter versehenen, übermächtigen außerirdischen Kampfroboter zu vernichten und einen genial manipulierenden Fenstervertreter zu stellen – beides Aufgaben, denen das Team trotz des exquisiten Equipments und ihrer genialen Fähigkeiten nicht gewachsen ist.

Selbst Jack fühlt sich überfordert und vertraut dem Team ein Geheimnis an:

„Nach dem was heute passiert ist, möchte ich dieses Geheimnis mit Euch teilen. Ich denke, das ist nur fair.“ „Geheimhaltungsstufe?“ fragte Gwen. Jack nickte. „Genau das. Der heutige Tag hat mir gezeigt, dass ich nicht allwissend bin.“ [..] „Ihr müsst bereit sein zu handeln, falls ich es nicht kann.“

Welche Gefahr aus dem Universum kommt also noch auf die Erde zu?

Die Bücher zur Serie – wieder nur eine Nacherzählung?

Peter Anghelides, ein treuer BBC-Books Autor, machte mit „Ein anderes Leben“ den Anfang zur Buchserie „Torchwood“. Mit „Wächter der Grenze“ von Dan Abnett, der bisher vor allem mit seinen „Warhammer“-Büchern bekannt geworden ist, liegt nun der zweite Band vor.

Oft liest man in Büchern zu Filmen ziemlich genau die Geschichte, die man schon aus Kino oder TV kennt. Wenn man Glück hat, wird tiefer auf die Charaktere und den Hintergrund eingegangen, als das im Filmformat möglich ist. Nicht so bei diesem Roman. Zwar kommen dem serienkundigen Leser gewisse Motive bekannt vor. In der Folge „Adam“ aus der 2ten Staffel gab es schon einmal einen zu viel im Torchwood-Team. In „Offenbarungen“ aus derselben Staffel erhält das Team ebenfalls eine Warnung vor dem Eindringen einer unbekannten Lebensform. Dennoch werden in „Wächter der Grenze“ nicht diese Geschichten nacherzählt, sondern bekannte Handlungen variiert und mit neuen Motiven verknüpft. Und davon gibt es jede Menge. Ein Katastrophenszenario jagt das nächste, an Spannung und Action mangelt es nicht.

Der Autor wechselt immer wieder die Perspektive. Mal erzählt er aus Jacks, mal aus Gwens oder James Sicht die Geschehnisse. Es tritt sogar ein übergeordneter Erzähler auf, der als Beobachter mit einem Blick durch das Wohnungsfenster verfolgt, was die Mitglieder des Teams gerade tun. Abnett erzählt ambivalent, der Leser muss selbst entscheiden, wie gut oder böse der Gegner oder das auftretende Phänomen ist. Das erhöht das Tempo, sorgt für zusätzliche Spannung und gehörte schon zu den Qualitätsmerkmalen der TV-Serie. Auch eine typisch walisische Atmosphäre drückt der Geschichte ihren Stempel auf. Es mangelt lediglich an einer homogenen Verknüpfung der verschiedenen Handlungsstränge. Scharfe Schnitte gehören zum Stil einer Actionserie dazu. Im Roman sind sie eher unvorteilhaft, weil die Geschichte dadurch zerrissen wirkt

Apropos Qualität – was man sich von einem Buch zum Film mindestens wünscht ist, das die Figuren denen der Vorlage entsprechen und vertieft werden. Und auch das ist dem Autor gelungen. Captain Jack Harness ist genau der, den man aus der Serie kennt; überlegen, selbstgefällig, mitunter unbarmherzig und mit einem Hang zur Melancholie. Gwen gibt ihm in bekannter Manier munter Kontra und kann ihrem Dauerverlobten Rhys nicht treu sein. Auch der zynische Owen und die geniale, aber scheue Toshiko sind exakt getroffen. Es scheint so, als habe der Autor die Figuren mit ihren Stärken und Schwächen in sein Herz geschlossen und einen Blick hinter ihre Fassaden riskiert. Lediglich der vorlagenlose James bleibt blass, was schade ist. Da wäre mehr Charaktertiefe möglich gewesen.

Insgesamt bekommt der Fan, an den sich diese Reihe sicherlich in erster Linie richtet, für die Wartezeit auf die vierte Staffel aufregende neue Abenteuer mit echtem Torchwood Spirit geboten. Lesern, die sich bislang dem Torchwood-Fieber entzogen haben und einen spannenden Mix aus SF und Mystery schätzen, dem sei „Wächter der Grenze“ ebenfalls ans Herz gelegt – allerdings mit einer Warnung: Vorsicht, hohes Suchtpotential.

(Eva Bergschneider, August 2011)

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