Flashback von Dan Simmons

Buchvorstellung

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Flashback“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 750 Seiten.ISBN 3-453-26597-1.Übersetzung ins Deutsche von Friedrich Mader.

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In Kürze:

Die nahe Zukunft: Die USA stehen vor dem Kollaps, doch dem Großteil der Bevölkerung ist das völlig egal, denn sie sind abhängig von einer Droge namens Flashback, die es den Konsumenten ermöglicht, die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens immer und immer wieder zu erleben. Einer von ihnen ist Ex-Cop Nick Bottom, der seit dem tragischen Tod seiner Frau bei einem Autounfall nur noch in der Vergangenheit lebt und dank Flashback noch einmal die schönsten Momente mit seiner Frau verbringen kann. Doch dann wird der Sohn eines hohen Regierungsbeamten ermordet, und Nick beginnt eher widerwillig zu ermitteln. Bis er eine gigantische Verschwörung aufdeckt, die den desolaten Zustand der USA und ihrer Bewohner verursacht hat …

Ihre Meinung zu »Dan Simmons: Flashback«

Reesolini zu »Dan Simmons: Flashback«22.06.2016
Puhchen, das ist wirklich das Schlechteste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Beschrieben wird der Niedergang der hochverschuldeten USA, OK, das ist nachvollziehbar, aber das ausgerechnet die noch höher verschuldeten Japaner die Weltherrschaft übernehmen... na ja,
Die sehr phantasievollen Beschreibungen der zukünftigen Waffensysteme die eher einem Comic gleichen sind da noch erfrischend im Vergleich zu dem Gesamt-Szenario, welches einfach nur dumm ist. Dabei hätte die Idee mit der Droge Flashback durchaus Potential gehabt daraus ein gutes Buch zu machen. Aber eine derart plumpe Aneinanderreihung Fremdenfeindlicher und politisch verwirrter Ansichten ist wirklich erbärmlich. Da wird doch wieder die Paranoia der Amis vor den Russen geschürt. Das ist einfach nur dumm und auf die Dauer auch wirklich langweilig zu lesen. Schade um das Papier
Gundolf zu »Dan Simmons: Flashback«01.01.2014
Warum nur erliegen so viele alte Männer einem solchen intellektuellen Verfall? Wird die Angst vor allem "Fremden" so übermächtig, oder fällt ihnen das Denken einfach zu schwer? Oder schlägt ihm seine selbstgewählte Isolation hoch in den Bergen auf das Gemüt?
Ich möchte Dan Simmons dringend empfehlen, sich vor Begin eines neuen Buches in die Welt hinaus zu bewegen, den Geist aufzufrischen.
Schade um das Geld und ein drittel gelesenes Buch, aber das ist in meinem Leben tatsächlich das erste selbst gekaufte Buch das ins Altpapier wandert.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
dahmane zu »Dan Simmons: Flashback«15.01.2013
Verstörend ist nicht, daß in dem Roman fremdenfeindliche und erzreaktionäre Ansichten geäußert werden oder daß ein Präsidenz wie Obama, der bei uns als eher rechts von der Mitte eingeordnet würde, als sozialistisch verunglimpft wird; verstörend ist nicht einmal, daß die Innend- und Außenpolitik der U.S.A. in den letzten 10 bis 20 Jahren (im Grunde seit Clinton) verantwortlich gemacht wird für den heute schon zu beobachtenden objektiven Niedergang des Landes; verstörend ist nicht einmal, daß die propagierten Verschwörungstheorien unlogisch, unhistorisch und paranoid sind - verstörend ist vor allem, daß dieser Unsinn bar jeden Humors und todernst nur von den Leuten vorgebracht wird, die der Autor ganz offensichtlich als Erzengel des Lichts portraitiert.
Diese Art der Darstellung degradiert die an sich sehr spannende und nachvollziehbare Handlung zur Trägerrakete einer problematischen politischen Botschaft. Das ist künstlerisch und moralisch höchst bedenklich. Dergleichen hätte in der durchaus gelungenen Rezension deutlich angesprochen werden sollen, finde ich.
Simmons' Heilsbotschaft hat durchaus bedenkenswerte Ansätze: ein Wohlfahrtsstaat muß finanzierbar bleiben. Wir wollen nicht vergessen, daß in Europa die Militärausgaben vergleichsweise niedrig sind, weil wir uns auf die U.S.A. verlassen, die wir zugleich eben dafür verachten. Die linke Arroganz ist nicht leichter zu ertragen als die rechte. Und daß eine Nation (oder Europa als Ganzes) eine historisch begründete gesellschaftliche Identität braucht, ist sicherlich eine Binsenweisheit. Wenn vor diesem Hintergrund Simmons eine bitterböse Zukunftssatire geschrieben hätte, voller Sehnsucht und Verzweiflung und Wut, dann hätte ich das Buch wohl geliebt. Es ist aber nicht Zorn, der ihn antreibt, sondern Haß und selbstgerechtigkeit und Arroganz. Das ist und bleibt verstörend - selbst (oder gerade?) bei einem so bedeutenden Unterhaltungsschriftsteller.
Daran scheitet auch diese Rezension.
2 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kluseba zu »Dan Simmons: Flashback«06.07.2012
Dan Simmons neues Werk ist ein dystopischer Roman, in dem eine kriminalistische und äußerst vertrackte Verschwörungsgeschichte im Vordergrund steht. Der Autor glänzt wie gewohnt mit einem unglaublich detaillierten Schreibstil, den die fiktive Welt erschreckend realistisch erscheinen lässt. Dabei spielen auch einige sozialkritische und psychologische Elemente eine wichtige Rolle. Neben einigen präzise, aber nie zu lehrhaft erläuterten technischen und politischen Elementen wird das Werk auch mit Verweisen aus der Weltlitteratur und der Filmgeschichte ausgeschmückt. Die Mischung aus intellektueller Science-Fiction, packendem Thriller und düsterem Drama geht voll auf und lässt den geneigten Leser das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Besonders die zweite Hälfte ist unglaublich flüssig geschrieben und die Ereignisse in den zwei parallel erzählten und schließlich zusammenlaufenden Handlungssträngen überschlagen sich gegen Ende immer mehr.

Die Hauptgeschichte dreht sich um den gescheiterten Polizisten und Privatdetektiven Nick Bottom, der seit dem Tod seiner Frau vor über fünf Jahren nur noch ein menschliches Wrack ist. In Denver konsummiert er eine Droge namens Flashback, die sich in den Vereinigten Staaten des Jahres 2032 (und nicht etwa 2036, wie es der Klappentext angibt) ausgebreitet und zu einer Art Volksverdummung geführt hat. Mit Hilfe dieses Rauschmittels kann der Konsumment bestimmte Momente seines Lebens noch einmal nacherleben und der tristen Realität entfliehen. Um seinen Drogenkonsum weiter zu finanzieren, rollt Nick Bottom einen sechs Jahre alten Fall wieder auf. Bei diesem wurde der Sprössling eines emporkommenden hohen japanischen Regierungsbeamten der Vereinigten Staten von Amerika während einer Party gemeinsam mit seiner Geliebten grausam abgeschlachtet. Nick Bottom geht alte Zeugenaussagen noch einmal durch und stößt auf einen Dokumentarfilm über das Flashback-Phänomen in Nordamerika, an dem der Tote mit triumphierendem Eifer gearbeitet hatte. Begleitet von einem schweigsamen japanischen Profikiller, stößt er dabei auf eine viel weitreichendere politische Verschwörung, die nicht nur sein Leben in Gefahr bringt, sondern auch an den Grundfesten des etablierten Weltbildes rüttelt.

Der zweite Handlungsstrang dreht sich um den pubertierenden Val, der mit marodierenden Jugendgangs und Flashbackkonsummenten in Los Angeles um die Häuser zieht. Der desillusionnierte junge Mann ist der Sohn Nick Bottoms und wurde von diesem nach dem Tod der Mutter zum Großvater mütterlicherseits nach Kalifornien geschickt. Als seine falschen Freunde aus der Jugendgang auf der Suche nach dem ultimativen Kick ein unfassbares Verbrechen planen, steht Val plötzlich zwischen allen Fronten und wird von den Behörden verfolgt. Mit seinem Großvater macht er sich auf eine gefährliche Odyssee quer durch die USA zurück zu seinen Wurzeln und der Lösung des Rätsels um den Tod seiner Mutter.

Die im Roman präzise suggerierte Zukunft der USA sieht düster aus. Requistadores dringen von Mexiko her in den Süden des einst mächtigsten Landes der Welt ein und liefern sich in ihren mafiaähnlichen Strukturen Straßenkämpfe mit den wenigen lokalen Autoritäten. Das sogenannte Weltkalifat, das in seinem Expansionsdrang bereits einen Großteil Europas einverleibt und Israel durch einen atomaren Angriff ausgelöscht hat, manipuliert ebenfalls das moderne Nordamerika und strebt nach einer absoluten Weltherrschaft. Eine weitere Weltmacht wurde der großjapanische Lebensraum, der es sich zur Aufgabe macht den alten Glanz des Reiches der aufgehenden Sonne zu retablieren und dabei zu seinem Vorteil mit den USA kollaboriert. Überteuerte Sozialprogramme, von Gegnern gnadenlos ausgenutzte Annäherungspolitik und zahlreiche soziale Probleme rund um das Flashback-Phänomen haben die USA an den Rand des existenziellen Abgrundes geführt.

Viele Kritiker empfinden das von Dan Simmons entworfene dystopische Epos als polemisch und verbohrt irgendwo zwischen einer sturen erzkonservativen und fast schon als extremistisch xenophob zu bezeichnenden Haltung. Es ist schwer zu sagen, wo hier die Grenze zwischen kreativer Phantasie und fast schon propagandistischen Zügen liegt. Man fragt sich permanent, ob der Autor hier einfach nur erfolgreich verpackt einen radikalen Denkanstoß bei den Lesern provozieren wollte oder ob er hier mit moralisch erhobenem Zeigefinger unverschnörkelt persönliche Hasstiraden abfeuert. In jedem Fall lassen den Leser die düsteren Zukunftsvisionen nicht kalt und regen zum Überlegen weit jenseits der eigentlichen Geschichte an. Als weltoffenes Mitglied einer Multikultigesellschaft teilt man manche Ansichten des Autors sicherlich nicht, muss sich aber insgeheim fast erschrocken eingestehen, dass das erworfene Szenario aber durchaus einen verstörend realistischen Grundzug hat. In Zeiten übertriebener politischer Korrektheit ist es auch einmal interessant mit einer unpopulären Vision eines Querdenkers konfrontiert zu werden. Da die Romane Simmons was Vokabular und Anekdoten angeht sich ohnehin eher an eine gebildete Leserschaft richten, kann es wohl kaum das Ziel des Autors gewsen zu sein einfach nur plump zu propagieren und seine Leser für leichtgläubigen Pöbel zu halten. Was der geneigte Leser also aus dieser politischen Komponente an Schlüssen zieht, bleibt ihr oder ihm selbst überlassen. Für die einen mag dieser Aspekt auf den Lesegenuss störend wirken, aber wer mal über den eigenen Tellerrand blicken möchte, könnte an dieser Methodik eine zusätzliches Bereicherung erkennen.

Fazit ist, dass der geneigte Leser der simmonschen Romanwelt seltener mehr gefordert war, als in diesem dystopischen Werk. Durch seine überraschend detaillierte, radikale und auch vielschichtige politische Komponente hebt sich dieses Werk klar von anderen Romanen des Autors ab und geht noch einmal weiter als dystopische Klassiker von George Orwell oder Ray Bradbury, die sich größtenteils auf eine künstlich ausgeschmückte Kritik am Sozialismus beschränken. Wer einfach nur einen spannenden Science-Fiction-Roman lesen möchte, wird hier überfordert sein. Wer aber ein facettenreiches, radikales und dystopisches Epos erleben möchte, das zudem mit den gewohnt grandiosen schrifstellerischen Fähigkeiten des Altmeisters ausgestattet ist, wird an diesem Werk seine helle Freude haben.

Für mich war letztere Option der Fall und der Roman hat mich noch lange nach der letzten verschlungenen Seite ins Grübeln gebracht. Das Werk hat definitiv das Zeug zum Klassiker und verdient eine gründliche Analyse und mehrfache Lektüre.

95/100
AltersEgo zu »Dan Simmons: Flashback«04.03.2012
Tja ich kann mich leider(!) im Großen und Ganzen nur meinem "Vorschreiber" Willi Wakker anschließen.
Man ist besseres und bei weiten weniger polemisches von Dan Simmons gewöhnt. Die Botschaft des Buches: Habt Angst vor allen Muslimen, macht alle Grenzen dicht, passt vor allem auf die Japaner auf, Latinos sind durch die Bank weg Kriminelle, alle Sozialprogramme müssen abgeschafft werden etc.
Eine sehr grenzwertige Botschaft, die schon als leicht hetzerisch betrachtet werden könnte, wenn es nicht reine Fiktion wäre...
Trotz zweifelhaften Inhalts, ist das Buch trotzdem ganz gut geschrieben. Man kennt aber weit besseres von Dan Simmons.
2 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Willi Wakker zu »Dan Simmons: Flashback«29.02.2012
Die Geschichte an sich ist akzeptabel, eigentlich so, wie man es von Dan Simmons auch erwartet hat. Aber leider baut er ständig so penetrant verschiedene politische Parolen ein und bedient sämtliche Klischees, dass einem Angst und Bange wird. Die USA sind zerbrochen, weil sie zu gut waren mit unbezahlbarer Sozialgesetzgebung und politisch viel zu korrekt, um den Schurkereien der anderen etwas entgegensetzen zu können. Überhaupt ist alles in dem "sozial" vorkommt sowieso von übel. Die Europäer waren zu blöd und wurden überschwemmt von Einwanderern, die sie nicht konsequent abgewiesen haben. Kanadas Verhängnis war auch zu viel Multikulti,die kleinen Grüppchen haben irgendwann die Macht übernommen. Muslims haben das Weltkalifat gegründet, ausgehend natürlich vom Iran, Syrien und Mekka (Schiiten, Sunniten?) und haben natürlich Israel atomisiert, ohne das Israel sich gewehrt hätte. Jetzt wollen jetzt Texas besiedeln, da sie ja ein Wüstenvolk mit Kamelen sind. Latinos sind schlicht und ergreifend sich bekämpfende Kartelle, uneins und unfähig, Schwarze haben resigniert und lassen sich wieder die Bezeichnung "Nigger" gefallen, Japaner sind hinterhältig und wollen wieder ein Shogunat einrichten. Ständig werden die üblichen Plattitüden und Vorurteile wiederholt. Da es ein Roman ist, kann der Autor es einfach als gesetzt hinstellen, auch wenn wir gerade in der Zeit leben, in der der Untergang beginnt (begonnen hat). Von Dan Simmons bin ich mehr Tiefgang gewöhnt, so dass diese dumpfen Parolen den Roman eher wie ein unterschwellige Indoktrination daherkommen lassen. Jedenfalls läßt sie einen tiefen Einblick in seine Weltanschauung und politisches Denken zu. Für einen Schriftsteller seines Formates eher peinlich.
2 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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