Leseprobe

Terror von Dan Simmons

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Terror, deutsche Ausgabe erstmals 2007 , 992 Seiten. ISBN 3-453-02905-4. Übersetzung ins Deutsche von Friedrich Mader.

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In Kürze:

England im Jahr 1845: Unter dem Kommando von Sir John Franklin brechen die modernsten Schiffe ihrer Zeit – die „Terror“ und die „Erebus“ – auf, um die legendäre Nord-West-Passage zu finden: den Weg durch das ewige Eis der Arktis in den Pazifik. 130 Männer nehmen an der Expedition teil. Keiner von ihnen wird je zurückkehren. Dies ist ihre Geschichte. Das Opus magnum von Bestsellerautor Dan Simmons.

Mit „Terror“ lässt Bestsellerautor Dan Simmons eine der geheimnisumwobensten Entdeckerfahrten der Menschheitsgeschichte lebendig werden: John Franklins Suche nach der Nord-West-Passage. Warum ist diese Expedition gescheitert? Wie konnten 130 Männer und zwei Schiffe verschwinden, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen? Welchem Schrecken, welchem Terror sind sie im ewigen Eis begegnet? Aus diesen bis heute ungeklärten Fragen formt Dan Simmons eine atemberaubend spannende Geschichte, einen Roman, der Sie auf eines der größten Abenteuer mitnimmt, das es je gegeben hat ..

Das meint Phantastik-Couch.de: „Das Grauen in der Arktis“ 84

Horror-Rezension von Frank A. Dudley

Im Mai des Jahres 1845 setzen zwei Schiffe der königlich-britischen Marine mit insgesamt 129 Mann Besatzung an, die legendäre Nordwest-Passage vom Atlantik zum Pazifik zu finden. Ihre Route soll sie quer durch die kanadische Arktis führen. Die Schiffe „;Terror“; und „;Erebus“; unter dem Kommando von Sir John Franklin werden zuletzt von Walfängern in der Baffin Bay gesichtet, danach erblickt nie wieder ein Europäer einen Teilnehmer der Expedition lebend. Jahre später entdeckt man tief in der Arktis Ausrüstungsgegenstände und gekritzelte Nachrichten, dass die Schiffe fast zwei Jahre im Packeis festgesessen haben und die Mannschaften auf der Suche nach Rettung über Land weiter gezogen sind. Von Eskimos erfahren die Suchtrupps, dass „;kabloonas“;, bleiche Leute, auf der King-William-Insel verhungert sind, es finden sich sogar Anzeichen von Kannibalismus. Das sind belegte Fakten, die an sich schon reichlich Stoff für eine Horrorgeschichte liefern würden.

Doch Dan Simmons geht weiter. Er konfrontiert die für die gnadenlosen arktischen Verhältnisse denkbar schlecht ausgerüsteten Engländer und ihren ignoranten sowie von sich und dem Gelingen seiner Mission restlos überzeugten Kommandeur Sir John mit einem Monster, dass dem Grauen der Elemente entsprungen zu sein scheint: Einen über vier Meter großen Menschenfresser, von kalter Intelligenz, mit weißem Fell und messerlangen Klauen, sowie Zähnen, die mühelos einen Schädel aufknacken. Dieser Fluch der Arktis pflückt sich die Matrosen regelrecht von den Eis überzogenen Planken, und nichts und niemand kann es aufhalten. Als auch der Expeditionskommandeur von dem Untier hingemetzelt wird, beginnt die abergläubische Mannschaft an eine Inkarnation des Teufels zu glauben.

Kapitän Crozier hingegen, ein misanthropische Rationalist mit schweren Alkoholprobleme, hat andere Vermutungen. Die Situation der festgefrorenen Seeleute verschärft sich zusehends, als Lebensmittel und Kohle knapp werden, mit der Folge, dass Skorbut und Erfrierungen weitere Opfer fordern. Eine bevorstehende Meuterei zeichnet sich ab, als einige Matrosen die Eskimofrau „;Lady Silence“; töten wollen. Sie tauchte fast zeitgleich mit dem Monster auf und wird von den Männern nun der Hexerei verdächtigt.

Als klar ist, dass vor der Eisschmelze sämtliche Vorräte aufgebraucht sein werden und auch Rettung nicht in Sicht ist, brechen die überlebenden Expeditionsteilnehmer im Frühling des Jahres 1848 zu einem todesmarschartigen Zug über Land auf. Mit tonnenschwer beladenen und für die Arktis völlig ungeeigneten Schlitten, die sie selbst ziehen müssen, legen sie zum Teil nur ein bis zwei Meilen pro Tag zurück. Und während der arktische Winter langsam, aber sicher den kurzen Sommer ablöst, bleibt das Ding aus dem Eis den Männern auf den erfrorenen Fersen. Als es darum geht, sich anzupassen oder unterzugehen, überlebt schließlich nur Crozier den Horror aus Eis und Blut.

Frösteln bis ins Mark

Simmons begibt sich mit seinem neuesten Roman auf stilistisch dünnes Eis: Er nimmt historische Fakten, belebt sie mit menschlichen Schicksalen, unterlegt das Ganze mit Inuit-Mythologie und setzt als verbindendes Element Horror ein. Autoren mit weniger Talent und Erfahrung wären sicherlich eingebrochen, doch Simmons kennt die trittfesten Stellen.

Auch ohne mythisches Biest könnte der Roman funktionieren, denn er zeigt, dass die wahre Hölle wirklich die anderen sind, dass in Extremsituationen beinahe jeder zum Monster werden kann. Der wahre Terror in Gestalt des weißen Monsters trifft die unerwünschten Eindringlinge denn auch mit ganzer irdischer Wucht, bedeutet ihre Expedition doch einen weiteren Schritt hin zur rücksichtslosen Zerstörung eines natürlichen Lebensraumes durch westlichen Fortschrittsglauben.

„;The Terror“; mag für manche zu viel, für andere zu wenig Fiktion sein. Doch es ist auf alle Fälle ein Buch, das einen mitten im Sommer bis ins tiefste Mark frösteln lässt.

Ihre Meinung zu »Dan Simmons: Terror«

Alfred zu »Dan Simmons: Terror« 10.05.2010
gääähn, ich suchte Spannung und fand endlosen Winter.

Weder dieses lächerliche Eisbärmonster noch der Überlebenskampf in der Arktis hat irgendwelchen Spannungscharakter, wobei ich zugebe, dass die Beschreibung der Situation gelungen ist. Mag für die Leute gut zu lesen sein, die sich für Forscherabenteuer interessieren.

P.S. Man sollte sich nicht unbedingt auf Bewertungen verlassen, die von Lesern abgegeben werden.
Zacko zu »Dan Simmons: Terror« 27.04.2010
Lapislazuli und karmesinrot. Das scheinen Lieblingswoerter von Dan Simmons zu sein. terror ist auch ein echt gutes Buch. Aber seine zwei Science-Fiction-Baende "Illium&Olympos" sowie "Hyperion&Endymion" sind schon ziemlich wirr.
Meine Ansicht zu dem Monster aus dem Eis ist, dass es ja eigentlich noch nicht mal eine so grosse Gefahr darstellt, wie der Hunger und das Eis. Es dezimiert die Mannschaft zunnehmend und jagt sie. Aber genau dadurch erhoeht es ihre Ueberlebenschance. Zum einen, dass es in ihnen die Einsicht staerkt, man muesse versuchen zu Fuss dem Eis entkommen, zum anderen, weil es die Anzahl an hungrigen Maeulern verringert.
Roughtrade zu »Dan Simmons: Terror« 05.08.2009
Zuallererst, ich liebe die Bücher von Dan Simmons.
Ich habe Hyperion, Endymion mehrfach gelesen und auch Ilium & Olympos verschlungen. Aber Terror ist das mit Abstand beste Werk von Ihm. Es ist so gut, dass ich, in den Nächten als ich es las, davon Träumte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt; Das Wort "Lapislazuli" kommt nicht einmal darin vor. Wer die anderen Werke von Simmons gelesen hat, weiß wovon ich rede ;-)
Kay zu »Dan Simmons: Terror« 06.07.2009
Ich habe das Buch unter den selben Aspekt wie bubo gelesen. Für mich steht das Eismonster nicht als Monster an sich. Es ist Sinnbild für einen nicht greifbaren Horror ein unbesiegbarer Gegner. Es ist nicht beschriebbar. Es ist pure Angst. Wenn du freirst und hunger Hast dir ein ewindzug wie einSturm vorkommt ein Hügel wie ein Gebirge und Eiszapfen wie Krallen glaubst du schnell an ein Monster. Das ist wie beim Tauchen. Im dunkeln allein Lebensbedrohlich abhängig von Technologie geschüützt von dünner Haut Umgeben von BEstien die bestens angepaßt sind - dan wird z..B auch aus einen See ein Monster.
Simmons strickt wieder einmal - denkt an Fiesta in Havane - eine wunderbare wahre Geschichte. Er füllt wissnslücken mit phantastischen erklärungen die meines erachtens aber reine Metaphern sind. Habs gerne gelesen. Mag aber eh alle seine Bücher. Hab sie ja schließlich alle:-)
effie zu »Dan Simmons: Terror« 16.06.2009
Der Roman „Terror" von Dan Simmons beginnt im Oktober 1847, als die beiden Schiffe Erebus und Terror das zweite Jahr in der Arktis sind und der dritte Winter ihrer eisigen Gefangenschaft bevorsteht.

Dan Simmons wäre jedoch nicht Dan Simmons, wenn er es bei den historischen Fakten, die über die unglückliche Franklin-Expedition bis heute bekannt sind, beließe. Denn er läßt die Bedrohung nicht nur durch die lebensfeindliche Umwelt den Männern zum Verhängnis werden, sondern auch durch einen vier Meter großen Eisbären. Eine schlaue, raffinierte und überaus gefährliche Bedrohung.

In den Kapiteln, die auf den historischen Ereignissen basieren, soweit man sie rekonstruieren konnte, ist Dan Simmons einfach brilliant. Dabei bringt er alle Funde und Theorien über die Expedition hinein, so dass man denkt, so könnte es sich zugetragen haben.

Und dann ist da das Ungeheuer aus dem Eis, eine phantastische Schöpfung, die sich die um ihr Überleben ringenden Männer vom Eis pflückt und der keine Schussverletzungen etwas anhaben können. In einem rein fiktiven Roman und für sich genommen, sind die Monster-Sequenzen auch gelungen. Doch leider wollen die beiden so unterschiedlichen Genres nicht immer miteinander harmonieren.

„Terror" wäre ein wahres Meisterwerk, hätte der Roman hundert Seiten früher geendet, idealerweise mit dem Kapitel 56 über den Jopson, das die ganze Hoffnungslosigkeit, die Angst, das Grauen, den Hunger, die eisige Kälte und die Einsamkeit auszudrücken vermag. Danach verliert sich Dan Simmons leider völlig in Mythologie und reiner Phantastik.

Dies ist ein Roman, den ich ganz bestimmt, auch noch ein zweites Mal lesen werden, dann aber nur bis zur Seite 867. Es ist sehr gut recherchiert und mit Liebe zum Detail und einem Vorstellungsvermögen ersonnen und in einer angenehm flüssigen Sprache verfaßt, was dem Leser ermöglicht, an einer tragischen und geheimnisumwitterten arktischen Expedition teilzuhaben.
Roger Kretschmann zu »Dan Simmons: Terror« 22.04.2009
Ich habe lange keine Romane dieser Art gelesen.
Horosbücher sind mir an sich suspekt. Simmons möchte ich aber meinen Respekt zollen,für ein durchaus grandioses dramaturgisches Talent,was er in seiner Art zu erzählen unter Beweis stellt.Die gedanklichen Verlinkungen,der perspektivische Wechsel erzählend denkender Personen,nicht zuletzt ein feinnerviges Einfühlungsvermögens in eine uns unvorstellbare extreme Belastungssituationen, - machten mir das Buch interessant und spannend.

Ich werde weitere Bücher von ihm lesen.Ich bin gerade auf der Suche danach.
Bubo scandiacus zu »Dan Simmons: Terror« 13.01.2009
Das Ungeheuer ist eine Allegorie auf das weithin ambivalente Verhältnis des modernen Menschen zur Natur.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Allegorie).
Mit diesem Kunstgriff vereitelt Simmons jeden Versuch des Lesers, sich diese Natur, wenn auch nur begrifflich, anzueignen: das Ungeheuerliche begegnet uns mikrobiologisch in den Viren, kosmologisch in den schwarzen Löchern wieder.
Bernhard zu »Dan Simmons: Terror« 19.12.2008
Ein sehr gutes Buch, das ich jederzeit empfehlen würde.

Allerdings kann ich mich den Anderen nur anschließen: der Unfug mit dem Monster-Eisbären ist eigentlich völlig überflüssig. Der einzige echte Schwachpunkt des Buches (der leider wiederholt auftritt).

Zunächst hatte ich mich noch gefragt, was Simmons uns mit dem Monster sagen will:

a) Die Männer wurden ja zumindest teilweise von Blei vergiftet. Waren die schon so dusselig im Kopf, dass sie sich so ein Monster eingebildet haben?

b) Letztlich weiß man heutzutage immer noch (?) nicht genau was wirklich vorgefallen ist. Einiges reimt man sich aus den Interviews von Eskimos zusammen. Vielleicht glauben die tatsächlich an den Riesen-Bären, so dass das Buch möglicherweise aus der Sicht der Eskimos beschreibt, wie man sich das alles erklären kann.

Inzwischen bin ich allerdings zu der Ansicht gekommen, dass der Riesen-Bär einfach nur ein Riesen-Quatsch ist.
mase zu »Dan Simmons: Terror« 13.12.2008
Ein cleverer Schachzug des Autors, sich ein historisches Geheimnis zu schnappen, nämlich eine Expedition, auf der über 100 Mann spurlos verschwinden und dieses Geschehen auf Fakten aufbauend zu schmücken.

Das erste Drittel des Buches war ein rein historischer Abschnitt, der durchaus interessant und gut geschrieben ist und für mich nur einmal eine Länge aufwies. Das beengte Leben auf den Schiffen, der Tagesablauf der Besatzung, die Bräuche und die Bemühungen, die Körper und das Schiff gegen die Kälte zu schützen, war sehr lesenswert.
Hier war es für mich sehr spannend, die Route der Schiffe auf Karten zu verfolgen (die im Buch ist nicht sehr übersichtlich).

Gleich zu Beginn des zweiten Drittels wird dann deutlich, warum „Terror“ auf der Phantastik-Couch zu finden ist. Das „Grauen“ hält Einzug im zwangsläufigen Winterquartier der beiden Schiffe. Eine Flucht ist ausgeschlossen, da sie vom Packeis eingeschlossen sind und der Gegner ist übermächtig.

Ein weiteres Highlight war für mich die Verfolgung der Expedition und die Überprüfung der Fakten im Internet. Auf und über Wikipedia gibt es zahlreiche aufschlussreiche Querverweise und Originalfotos zu finden.

In der Schlussphase schickt uns Simmons auf eine mythische Reise. Hätte ich nie so erwartet, war aber auch wunderschön zu lesen.

Meine Kritikpunkte sind folgende:
Simmons hätte die damaligen Behandlungsmethoden, wie Amputationen genauer schildern dürfen. Hätte mich schon interessiert, wie die Ärzte auf einem dunklen Schiff arbeiteten. Als mühselig fand ich die die Längenangaben in Zoll, Fuss und Faden. Das hätte der Übersetzer der Einfachheit halber ins metrische System übersetzen können.

Unter dem Strich ist das Buch ein absoluter Volltreffer. Eine perfekte Mischung aus Abenteuer – , Histo- und Fantasyroman. Der Horroraspekt ist zwar vorhanden, aber nicht dominierend und wäre vor allem überhaupt nicht nötig gewesen um zu unterhalten. Volle Punktzahl.

PS: Ich bin heilfroh, dass ich die Couch-Rezis generell nicht vor dem Buch lese. Bei dieser wird mir viel zuviel verraten.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bartensen zu »Dan Simmons: Terror« 17.02.2008
Ein großartiges Buch, Dan Simmons verschmelzt hier bekannte Fakten, Theorien zum Scheitern der Expedtion und eine gehörige Portion Fiktion (zu der auch einzelne Schicksale der Expeditionteilnehmer und der Schiffsalltag auf Erebus und Terror gehören) zu einem Roman allererster Klasse. Die Arktis wir hier zum Leben erweckt in all ihrer eisigen, kargen und tödlichen Pracht. Spannend für mich auch deshalb, da ich bereits einige Sachbücher zu diesem Thema gelesen habe und beim Lesen doch mehrere Aha-Erlebnisse hatte (z.B. Harry Peglars Tagebuch, das Grab von Lt. John Irving).
Ein Happy End wir man hier nicht finden ... es ist wie bei der Titanic, man weiß, das es ein schreckliches Ende nehmen wird, doch man kann nicht aufhören zu Lesen.
Sicherlich hat TERROR auch eine Schwäche, in einer absolut menschenfeindlichen Umgebung, in der die isolierten Expeditionsteilnehmer fremd und unerfahren sind, bzw. deren klimatischen Bedingungen sie vollkommen unterlegen sind ... dort braucht man keinen nahezu übermächtigen Gegner um Horror zu erzeugen. Dieser Anteil des Buch ist auch dramaturgisch eigentlich vollkommen unnötig gewesen ...

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