Das Drachenschwert von Daniel Hanover

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „The Dragon´s Path“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 672 Seiten.ISBN 3-442-26865-6.Übersetzung ins Deutsche von Simone Heller.

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In Kürze:

Hauptmann Marcus Wester war der Held vieler Schlachten. Doch in den Jahren als Söldner hat er vor allen Dingen gelernt, dass das Überleben das einzig Wichtige ist. Da werden er und seine Männer zu einem Kampf gezwungen, den sie nicht gewinnen können. Wester wendet alle Tricks an, um seine Leute am Leben zu halten. Bis er Cithrin begegnet. Die junge Waise benötigt dringend Hilfe – und sie bewahrt einen Schatz, der wertvoller ist als alles, was sich der Hauptmann vorstellen kann.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Das Bild einer faszinierend real wirkenden Welt“81

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Cithrin Bel Sacour stammt zur Hälfte von einer Cinnae ab. Dass ihre Eltern der Pest erlegen sind, macht sie zu einem Mündel der Bank in dem Stadtstaat Venai. So hat sie Glück im Unglück. Statt einfach auf der Straße zu landen, nimmt sich der Bankinhaber ihrer an, bis sie volljährig wird und ihre Anlage damit frei wird.

Als die Stadt sich weigert, dem König im fernen Antea seinen Tribut zu zahlen, kommt es zum Krieg. Während Söldner die Stadt vor den Truppen des Königs schützen sollen, versucht der Bankinhaber sein Vermögen in Sicherheit zu bringen. Und wer ist unauffälliger als eine Halbcinnae, die sich als Maultierkutscher eines schäbigen Karrens verkleidet hat? So schließt sich Cithrin einer Karawane gen Carse an, die unter dem Schutz des legendären Hauptmanns Marcus Wester steht. Dieser, ein allseits bewunderter Kriegsheld, flieht selbst vor den Nachstellungen des Statthalters von Venai, der ihn in seine Dienste pressen will. Zusammen mit einer Gruppe fahrender Schauspieler, die er als Wächter verkleidet, soll er die Handelskarawane sicher zu ihrem Ziel bringen.

In Antea versucht derweil der Baron von Osterling Dawson Kalliam seinen alten Freund, König Simeon, vor den Intrigen der Adeligen zu schützen. Dass er, der alle Neuerungen verteufelt, sich vehement gegen die Gewährung weiterer Rechte für die Bauern und Sklaven sträubt, dabei seine eigenen Machtansprüche zurückstecken muss, um seinen König an der Macht zu halten, verbittert ihn.

Vierter im Bunde der Erzähler ist Sir Geder Palliako von Bruchhalm, der sich auf Weisung des Königs der Strafexpedition gen Venai anschließen muss, obwohl er so viel lieber alte Manuskripte studieren und übersetzen möchte. Im eroberten Venai setzt ihn sein intriganter Widersacher Alan Klin, zunächst als Mann fürs Grobe ein, wohl wissend, dass er damit Geder nicht nur der Gefahr für Leib und Seele aussetzt, sondern auch dessen innersten Wesen zuwiderhandeln lässt.

Vier Erzähler sorgen dafür, dass wir nach einem zunächst etwas verwirrenden Start einen überzeugenden Einblick in eine fremde Welt erhalten

Was zunächst nicht viel miteinander zu tun hat, was kaum Berührungspunkte aufweist, des verbindet sich im Verlauf des Romans zu einem komplexen Bild einer mittelalterlichen Welt, die anders als viele Vorbilder auch in merkantiler Hinsicht zu überzeugen weiß. Das Gebotene ist weit von dem üblichen Kampf der Guten gegen die Bösen entfernt, erinnert zu Beginn eher an eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten, die in derselben Welt angesiedelt wurden, bevor es sich zu einem bunten Teppich einer faszinierenden Welt im Umbruch verbindet.

Dominiert wird der Text von den vier Erzählern. Jeder für sich ist ein Charakter, der weit von den üblichen Stereotypen entfernt auf seine ganz eigene Art zu überzeugen weiß. Das sind Figuren mit einer Vergangenheit, die sie geprägt hat, Gestalten, die in sich logisch, ihrer Persönlichkeit entsprechend handeln und letztlich den Roman prägen.

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass sich hinter dem Pseudonym Hanover niemand anderer als der gefeierte Fantasy-Autor Daniel Abraham (aka MLN Hanover, aka S. A. Corey) verbirgt. Wie in seiner ebenfalls bei Blanvalet erschienen hochgelobten Reihe um „Die magischen Städte“ weist der Untertitel der Reihe den Weg – wobei der Dolch für die Intrigen der Adeligen am Hof steht, die Münze für den wirtschaftlichen Vorgänge rund um das Bankhaus, die allgegenwärtigen Bestechungen und die Händler. Gerade die Darstellung des zunächst verwirrenden Beziehungsgeflechts der Adeligen, ihre Bündnisse, Animositäten und Intrigen prägen die Kapitel, die aus Dawsons Sicht geschildert werden den Text.

Dazu gesellen sich dann nicht weniger als dreizehn Rassen, die mehr oder minder einträchtig die an das Europa des Mittelalters angelehnte Welt bevölkern. Auf seiner Webseite hat der Autor diese Rassen, die er sehr differenziert ausgestaltet hat, noch einmal gesondert beschrieben und in allen Einzelheiten vorgestellt.

Die zumeist kurzen Kapitel verwirren zu Beginn etwas durch den häufigen Perspektivenwechsel. Mit der Zeit, wenn wir mit unseren Erzählern vertrauter werden, wenn deren Hintergrund Gestalt annimmt und wir sie besser kennenlernen aber fällt der Wechsel zwischen den Figuren leichter, tauchen erste Verbindungen auf und entfaltet sich ein letztlich faszinierendes Geflecht.

Das ist fern der angesagten Hau-Ruck-Fantasy zunächst keine einfache Lektüre, bietet aber dafür ein faszinierend real wirkendes Bild einer fremden Welt, die zudem von glaubwürdigen Personen bevölkert wird.

(Carsten Kuhr, Juli 2012)

Ihre Meinung zu »Daniel Hanover: Das Drachenschwert«

Nordlicht zu »Daniel Hanover: Das Drachenschwert«18.01.2016
Vier verschiedene Personen berichten ihre Erlebnisse und Eindrücke.
- Die Waise Cithrin, Mündel einer Bank, die heimlich, als Junge verkleidet, dessen Reichtümer in Sicherheit bringen soll, damit es nicht einem Fürsten in die Hände fällt. Weder dem, der noch amtiert und Geld für Söldner braucht, noch dem, der die Stadt mit Sicherheit erobern wird.
- Marcus, Hauptmann einer Söldnertruppe, die mit Ausnahme von ihm und seiner rechten Hand Yardem inhaftiert wird. Der Fürst braucht jeden Mann für die hoffnungslose Verteidigung der Stadt und will ihn in seinen Dienst zwingen. Der Hauptmann macht ihm einen Strich durch die Rechnung, indem er eine Schauspielertruppe engagiert, damit sie sich als Wachen ausgeben. So kann er seinen Vertrag erfüllen und verläßt wie geplant mit einer Karawane die Stadt. Zu dieser Karawane gehört der Wagen, den Cithrin lenkt.
- Dawson, ein königstreuer Adliger, der seine Intrigenspiele spielt, um diesen zu schützen.
- Geder, ein unbeliebter und verlachter Adliger, der einige Zeit nach Eroberung der Stadt mit ihrer Verwaltung beauftragt wird.

Trotz der Mühe des Autors den Personen durch ihre tragischen Schicksale Tiefe zu verleihen, bleiben sie zweidimensional und man fühlt nicht mit ihnen. Ins Besondere Cithrin fiel mir immer wieder durch ihre Dummheit und Naivität auf. Wenn man bedenkt, was sie bereits vorher alles erlebt hat und daß sie offenbar recht klug ist, fäßt man sich einfach nur an den Schädel.
Das Buch läßt sich zwar recht gut lesen, nur passiert leider nichts von Belang. Hunderte Seiten verstreichen, Cithrin fährt mit der Karawane mit, die Marcus bewacht, Dawson intrigiert mehr oder weniger erfolglos herum, Geder erfüllt seine Aufgaben und liest Bücher.
Es wird ausführlich von Cithrins Schwierigekeiten berichtet, als eines ihrer Maultiere krank wird, aber die Welt mit ihren Ländern und 13 Rassen der Menschheit bleibt trotz Karte sehr vage. (Die Karte erinnert mich sehr an eine von Europa.) Mir wurde nicht einmal klar, wie die einzelnen Völker genau aussehen sollen. Daß die einen Schuppen haben, andere einen Chitinpanzer und wieder andere im Wasser herumschwimmen, ist doch sehr ungenau und so etwas wie eigene Kulturen scheinen sie auch nicht zu haben. Es hat keine Bedeutung, daß die Personen verschiedenen Völkern angehören. Abgesehen davon, daß Mischlinge anscheinend nicht gern gesehen sind, merkt man nichts davon. Aber auch davon merkt man nicht viel, abgesehen davon daß am Anfang erwähnt wird, daß Cithrins Verwandte sie nicht haben wollten. Die Protagonisten hätten genausogut alle einfach Menschen sein können.
Auch die immer wiederkehrende Floskel zwischen Marcus und Yardem: "Ist heute der Tag, an dem du mich in den Graben wirfst und das Kommando über den Trupp übernimmst?" wirkt sehr aufgesetzt. Sie soll wohl zeigen, daß die beiden schon viel zusammen durchgemacht haben, wirkt aber auf die Dauer nur nervig.

Fazit: Es gibt interessantere Bücher.
VonRandomHousegenervt zu »Daniel Hanover: Das Drachenschwert«06.08.2012
Ein neues Kapitel, wie der Verlagsriese Random House (aus welchen Gründen auch immer) die deutschen Fantasy Fans verarscht.
Daniel Abraham wählt seine Pseudonyme, um die einzelnen Genres für die Leser klar abzugrenzen. So schreibt er Urban Fantasy als MLN Hanover; SF als S. A. Corey (mit GRMM's Assistenten Ty Franck)
und High Fantasy eben als Daniel Abraham. So erschien dieses Buch (Band 2 ist auch bereits erschienen) im Orginal natürlich auch unter dem Namen Daniel Abraham.
Leider waren die hervorragenden "magischen Städte" bei Blanvalet nicht erfolgreich, hat man sich deshalb entschlossen exklusiv für unseren Markt einen neuen Autor zu erfinden?

P.S: Als verarschen empfinde ich neben dem Schlag ins Gesicht aller treuer GRMM Leser durch plötzliche Namensänderungen z.B. auch den Versuch Joe Abercrombies Werke durch Namen und Aussehen quasi als eine Reihe darzustellen.
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