Die Straße der Plünderer von Dave Duncan

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1992unter dem Titel „The Reaver Road“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 480 Seiten.ISBN 3-404-20614-2.Übersetzung ins Deutsche von Michael Krug.

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In Kürze:

Omar betreibt ein ganz besonderes Handwerk: Er handelt mit Geschichten. Dabei scheinen ihn die Götter häufig zur rechten Zeit an den rechten Ort zu leiten, um monumentale Ereignisse zu bezeugen. So auch, als die barbarischen Vorkan-Horden über die Straße der Plünderer zur Stadt Zanadon vorrücken. Unvermittelt findet sich Omar im Kreuzfeuer der Priester, des Heeres und steinreicher Geschäftsleute wieder …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Von einem der auszog, Geschichten zu erzählen“75

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Was braucht es, um einen Fantasy-Bestseller zu schreiben? – Nun, eine mittelalterliche Welt ist von Vorteil, muskelbepackte Recken voll edler Gesinnung, betörende Maiden voller Anmut, Grazie und Sittsamkeit, Schätze und Geheimnisse, Belagerungen, Kriege und Verrat und ein paar in die Handlung eingreifende Götter kommen meist auch ganz gut zur Geltung. Das liest sich dann, je nach dem Können des Autors, recht flott und unterhaltsam, lässt bei näherer Betrachtung jedoch zwischenzeitlich ein wenig die großen Überraschungsmomente missen.

Dave Duncan nun geht die übliche Geschichte ein wenig anders an. Auch er erzählt von der Belagerung einer mächtigen und reichen Metropole von Barbarenhorden, von Kämpfen und einer korrupten Priesterschaft, vom Aufstieg und Fall ganzer Reiche. Doch in dem ersten von insgesamt vier Romanen um den Geschichtenerzähler Omar oder Homer wie er mancherorts genannt wird, stehen nicht etwa die charismatischen Helden im Kampf um Macht und Ehre im Zentrum der Erzählung. Nein, ein kleiner, unauffälliger Beobachter, der von den Göttern immer wieder an die Brennpunkte des aktuellen machtpolitischen Geschehens entsandt wird, um die Ereignisse zu bezeugen und publik zu machen, ist unser Erzähler.

Omar ist ein eigenwilliger Held – soweit diesen Ausdruck auf ihn überhaupt zutrifft. Nicht groß, nicht klein, eher zäh als stark, gewitzt und mit allen Wassern gewaschen, dem holden Geschlecht ebenso zugetan wie den lukullischen Genüssen oder dem Hochprozentigen, hat er sich mit seiner Rolle als ewiger Chronist erst abgefunden, später dann angefreundet. Es gibt kaum etwas, das er nicht gesehen, bei dem er noch nicht Zeuge war. So erträgt er seine Versklavung zur Beginn des Romans mit Fassung, weiß er doch aus langjähriger Erfahrung, dass sich das Blatt nur allzu bald wenden kann, und die Götter für die Sicherheit ihres Beobachters zu sorgen wissen. Die Metropole Zanadon wird von wilden Barbaren bedroht. Als Stadt, die dem Gott des Krieges geweiht ist, konnte die beschützt auf einem Berg gelegene Stadt in ihrer wechselvollen Geschichte immer sicher sein, dass sie letztlich durch das persönliche Einschreiten ihres Gründers vor jeglicher Gefahr gerettet würde. Doch diesmal lässt die Manifestation des Kriegsgottes auf sich warten. Und so hecken der Hohepriester und der Vorsitzende der örtlichen Händler einen Ersatzplan aus. Ein tumber, gewaltverliebter Schlagetot soll die Rolle des Gottes übernehmen, und die Krieger der Stadt motivieren. Soweit so gut, doch unsere Ränkeschmiede haben ihre Rechnung ohne die Götter gemacht. Und auch Omar hat seine Hand im Spiel, als einmal mehr Geschichte geschrieben wird.

Ein ungewöhnlicher Protagonist führt den Leser auf ungewohnten Pfaden ins Abenteuer

Dave Duncan ist ein alter Hase im Geschäft. Er weiß, wie er seine Leser auf die Angel nehmen kann und was seine Fans fasziniert. Dabei vermeidet er geschickt allzu ausgetretene Pfade zu beschreiten, oder sich selbst zu wiederholen. Mit Omar hat er einen ungewöhnlichen Protagonisten geschaffen. Bis zum Finale bleibt unklar, ob Omar nur wirklich der unsterbliche Zeuge der Götter ist, oder nur der Welt überzeugendste Lügner.

Im Gegensatz zu seinen sonstigen Erfolgswerken ist Omar nicht der junge, strahlende Held, der sein Glück sucht und macht, sondern eine Gestalt, die im Hintergrund steht, die selten selbst eingreift, die observiert und pointiert und unterhaltsam zu erzählen weiß. Dabei ist Omar bekennender Egoist – er sucht – und findet die Nähe der holden Weiblichkeit, genießt die Freuden des Lebens aus vollen Zügen. Nie aber ist er ein wirklich verlässlicher Freund oder Unterstützer der jeweiligen Helden. Diese sind selbst gefordert für ihr Glück zu sorgen, und so manches Mal wird selbst unser wackerer Chronist von der Ereignissen und Entwicklungen überrollt und verblüfft.Dieser ungewöhnliche Blickwinkel, aus dem die Handlung berichtet wird, die Lebensweisheiten über egozentrische Menschen und verlässliche Götter oder umgekehrt, machen das Buch zur amüsanten, mitunter urkomischen, dann wieder anrührigen Lektüre gespickt mit Lebensweisheiten und einer gekonnt vielfältigen Personenzeichnung.

Zu erwähnen noch, dass vorliegender Roman zusammen mit dem zweiten Band der Omar Erzählungen bei Otherworld in einem Hardcover aufgelegt wurde. Für die Taschenbuchausgabe wurden die beiden Romane nun wieder getrennt. Ob und wann die zwei bei uns bislang noch nicht publizierten Omar Titel erscheinen, ist noch nicht bekannt.

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