616 - Die Hölle ist überall von

Buchvorstellungund Rezension

616 - Die Hölle ist überall von

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „616 - Todo es infierno“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 407 Seiten.ISBN 3-426-63898-3.Übersetzung ins Deutsche von Alice Jakubeit.

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In Kürze:

Der Teufel, den der Exorzist für besiegt hielt, hatte Audrey zugezwinkert. Er hatte sie hinters Licht geführt. Das Wesen stieß ein grausames Lachen aus, das aus unendlicher Ferne zu kommen schien …Der ehemalige Priester eines spanischen Dorfes soll selig gesprochen werden. Nach altem Brauch wird er zunächst exhumiert, um festzustellen, ob er friedlich in seinem Sarg liegt. Doch den Anwesenden bietet sich ein grausiges Bild: Alle Knochen des Toten sind gebrochen, der Sargdeckel von innen zerkratzt. Und Jesuitenpater Albert Cloister entdeckt mit Entsetzen drei ins Holz geritzte Wörter: Todo es infierno – die Hölle ist überall . Albert Cloister gehört einer Kommission des Vatikans an, die mit wissenschaftlichen Mitteln paranormale Vorfälle aufklärt. Seit einiger Zeit häufen sich Berichte von Menschen mit Nahtoderfahrungen, die seither zutiefst hoffnungslos sind. Denn sie sahen nicht nur das berühmte Licht am Ende des Tunnels, sondern erlebten, wie sich das lockende Strahlen in Dunkelheit, Schreie und Leiden auflöste. Was hat das zu bedeuten? Die Therapeutin Audrey und Pater Albert müssen sich dem Undenkbaren stellen: Der Teufel selbst greift nach den Menschenseelen. Und er kommt mit nie dagewesener Macht.

Das meint phantastik-couch.de: „X-Akte Nr. 1001 aus dem Vatikan-Archiv“35

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Teufel, Teufel! Irgendetwas rührt sich im Jenseits, und es riecht verdächtig nach Schwefel! Definitiv gläubige Zeitgenossen, die es bei Unfällen oder auf dem OP-Tisch beinahe dahinraffte, berichten nach ihrer Rückkehr ins Leben nicht vom berühmten weißen Licht und der freundlich winkenden Oma, sondern von Feuer, Schreien und anderen Unerfreulichkeiten, die man gemeinhin mit der Hölle assoziiert.

Das klingt nach einem Fall für Jesuitenpater Albert Cloister, Mitglied der „;Wölfe Gottes“, einer geheimen Geheimorganisation, die im Auftrag des HERRN auf der ganzen Welt übernatürlichen Auffälligkeiten hinterher forscht! Cloister findet denn auch manches Indiz dafür, dass Satan energisch an einer Expansion seines Territoriums arbeitet. Wenn es nur jemanden gäbe, der im Jenseits nach dem Rechten sehen, zurückkehren und berichten könnte …

Noch kennt Pater Cloister Audrey Barrett nicht, die in New York als Therapeutin tätig ist. Zu ihren Patienten gehört neuerdings der alte Gärtner Joseph, der von wüsten Visionen geplagt wird, die sich – wäre Audrey nicht Wissenschaftlerin – als Blicke ins Jenseits deuten ließen, wo es (s. o.) merkwürdig zugeht …

Unabhängig voneinander kommt man zu den Schluss, der Sache vorsichtshalber nachzugehen. Satan, der anscheinend sonst nichts Wichtiges zu tun hat, mischt sich mit kryptischen Hinweisen ein und schickt vor allem Pater Cloister auf eine Schnitzeljagd rund um die Welt. Die endet in einer einsamen Höhle im Heiligen Land und mit dem Fund einer Schrift, die eine ganz fürchterliche Wahrheit für alle frommen Christen konserviert …

Gefangen in der Klischee-Hölle

Wer weiß, was „;Hölle“ wirklich bedeutet …Schenkt man dem Autorenduo Zurdo & Gutiérrez Glauben, dann sitzt an einem unbequemen Ort tatsächlich der Teufel, der die Welt in die Realversion einer fundamentalkatholischen Kinderbibel zu verwandeln sucht. Der aufgeklärte Leser weiß indessen bald, dass die wahre Verdammnis ein Ort ist, an dem man auf ewig Bücher wie „;616 – Die Hölle ist überall“ lesen muss.

Einen „;gnadenlos spannenden Mysterythriller aus dem Land der Inquisition“ preist die Verlagswerbung ebenso geschmacklos wie marktschreierisch dieses Buch an, das von der zahlenden Leserschaft als x-ter Dan-Brown-Klon erkannt und beachtet werden soll. Tatsächlich gibt es ein Publikum für solche seichten Munkelmann-Mysterien, die kirchliche Ränken, unterdrückte Geheimnisse und umher tappende Schrecken bieten – je mehr & grobschlächtiger, desto besser!

Subtilität kann man dem Autorenduo wahrhaftig nicht vorwerfen. Unendlich ziehen sie ihren Teufelsspuk in die Länge, während sogar der dümmste Leser längst begriffen hat, worum es geht: Beelzebub ante portas! Irgendwie hat der Herr der Fliegen es geschafft, seine Macht über die Grenzen der Hölle hinaus zu erweitern. Jetzt ist diese überall, wie schon der deutsche Titel es herausschreit.

Quatsch & Quark: keine bekömmliche Mischung

Na und? Das ist leider des Lesers Reaktion, denn höchstens den naiven Zeitgenossen dürfte dieser Einfall erschauern lassen. Zurdo & Gutiérrez schreiben offenbar für jene, die ‚ihre‘ Bibel Wort für Wort für bare Münze nehmen. Wer dem nicht folgen kann oder mag, nimmt staunend oder gelangweilt zur Kenntnis, welch‘ angestaubten Mummenschanzes sich das Autorenduo bedient. Verborgene Geheimnisse, Symbole und Zahlenspielereien, Unheil verkündete Bibelstellen; auch der uralte Weise gibt sich die Ehre mit dumpfen Andeutungen, statt einfach Klartext zu reden.

Und die „;Wölfe Gottes“ …nein, die Existenz einer solchen Gruppe hat sogar die Kirche nicht verdient: „;In den neunziger Jahren berieten ehemalige Mitglieder der Wölfe die Produktionsgesellschaft von ‚Akte X‘, allerdings strikt privat. Mehrere Fälle der Serie waren – wenn auch nach entsprechender Bearbeitung – echten Nachforschungen der Wölfe, nicht des FBI, entnommen.“ (S. 82) Es müssen Episoden der letzten Staffeln gewesen sein, die eine einst gute Serie im traurigen Niedergang zeigten …

Nun gibt es Schriftsteller, die es verstehen, diese an sich klassischen Mystery-Elemente mit spannendem Leben zu erfüllen. Zurdo & Gutiérrez gehören nicht zu ihnen. Nicht einmal die eigene Storyline halten die Autoren fest in den Händen. Die Handlung schlägt merkwürdige und schwer verständliche Falten. Es brennt gleich mehrfach (Feuer = Teufelswerk!), ein Kinderschänder treibt sein Unwesen; zum zentralen Geschehen wollen sich diese und andere Nebengeschichten nicht fügen.

Unheilig ‚gekrönt‘ wird das Spektakel durch ein Finale, das es an Hosianna-Kitsch und Einfalt nicht fehlen lässt. Sämtliche Register ungenierten Erlösungs-Kitsches werden gezogen, bis das Maß übervoll ist. Das Ende ist happy, der Leser ist es nicht.

Flache Figuren von ausgeprägter Lächerlichkeit

Mehrdimensionalität ist ein Zustand, der Zurdo & Gutiérrez offensichtliches Unbehagen bereitet. In ihrem Roman streichen sie ihn deshalb ersatzlos und ersetzen ihn durch absoluten Flachsinn in Sachen Story (s. o.) sowie Figurenzeichnung. Leider ist es gar nicht so selten, dass der Leser moderner Thriller mit Klischee-Gestalten konfrontiert wird. Erneut ist es Dan Brown, der viel zu vielen Möchtegern-Autoren den Weg bereitet hat. Sie lernten aus seinen Reißbrett-Pageturnern, dass Talent und Tiefe völlig überflüssig für einen Bestseller-Produzenten des 21. Jahrhunderts sind. Tempo, ‚Geheimnisse‘ und scheinbares Hintergrundwissen ersetzen altmodisches schriftstellerisches oder wenigstens handwerkliches Können. Also kopiert man, was seine Publikumswirksamkeit bewiesen hat, und hofft auf das Beste.

Das führt zu Als-ob-Figuren wie Albert Cloister, den Fox Mulder der Katholischen Kirche. Er gehört einer jener Organisationen an, die dieser gern angedichtet werden, weil sich die traditionelle Geheimniskrämerei des Vatikans gut mit angeblichen Geheimnissen verquicken lässt, die jenseits der wissenschaftlichen begründbaren Welt die Gestalt mysteriöser Kreaturen und Dunkel-Orden annehmen, deren Existenz heute höchstens von einigen urbayrischen Dorfpfarrern offen angenommen wird. Damit Cloister so etwas wie ein Profil entwickelt, impft ihm das Autorenduo die üblichen leichten Glaubenszweifel ein, unter denen alle Exorzisten der Unterhaltungsindustrie zuverlässig leiden.

Um dem pseudo-religiösen Gaukelspiel ein wenig Weltlichkeit überzustülpen, bringen Zurdo & Gutiérrez die Psychologin Audrey Barrett ins Spiel; außerdem muss das weibliche Publikum berücksichtigt werden, und auch im Rahmen einer möglichen späteren Verfilmung ist es wichtig, eine Frau als zweite Hauptrolle in petto zu haben. Politisch korrekt ist Audrey zwar hübsch, aber auch klug und, ach, so unglücklich, denn sie hütet ein tragisches Geheimnis in ihrem Busen, das uns selbstverständlich enthüllt wird, ob wir das wollen oder nicht. Wenn die Handlung einsetzt, ist Audrey unbemannt, was ebenfalls wichtig ist, da Seifenoperschaum unbedingt zu einem gutem Rumpel-Thriller gehört!

Ganz allein muss Audrey den Kampf mit Satan freilich nicht aufnehmen – an ihrer Seite steht ein mutiger Feuerwehrmann! Ledig ist er zwar auch, aber schlicht im Geiste und daran als sog. „;zweiter Mann“ der Handlung zu erkennen, der für Trostreden, grobe Arbeiten und dumme Fragen zuständig ist und den es meist in der zweiten Hälfte erwischt, was für Betroffenheit sorgen und die scheinbare Aussichtslosigkeit des Ringens mit dem Feind unterstreichen soll. In unserem Fall lassen ihn Zurdo & Gutiérrez einfach aus dem Geschehen verschwinden, was in Ordnung ginge, wäre es nur deutlich früher geschehen!

Satan delegiert nicht, sondern tückt persönlich

Luzifer ist so, wie ihn unser Autorenduo gestaltet, eine Witzfigur. Sein ‚Plan‘ zur Neuordnung von Himmel und Jenseits ist monumental. In der Umsetzung kreißt der Berg jedoch und gebiert nur ein Mäuschen. Man sollte annehmen, der Teufel sei ein wenig heller in einer so wichtigen Sache! Stattdessen fädelt Luzifer ein unendlich kompliziertes und an Zufällen und Logiklöchern überreiches Komplott zusammen, das ohne die massive Hilfe von Zurdo & Gutiérrez niemals über das erste Buchkapitel hinauskäme!

Ansonsten benimmt sich Satan, als habe er zu viele schlechte Horrorfilme gesehen. Lachkrampf erzeugende ‚Exorzismen‘ wechseln sich mit konspirativen Treffen an geisterbahnähnlichen Orten ab; wieso hat die Hölle kein Handynetz? Mit solchem Mumpitz vollenden die Autoren ihr trauriges Werk, das in seiner deutschen Fassung als aufwändig gestaltetes Paperback veröffentlicht wird – dies kündet von der Hoffnung, einen (bzw. zwei) neue/n Star/s lancieren zu können, um sich vom Dan-Brown-Kuchen etwas abzuschneiden.

Ihre Meinung zu »David Zurdo & Angel Gutiérrez: 616 - Die Hölle ist überall«

Martin Weber zu »David Zurdo & Angel Gutiérrez: 616 - Die Hölle ist überall«05.05.2015
Es ist generell unpassend, wenn ein Rezensent wegen einer argumentativ untermauerten Kritik persönlich angegriffen wird.
Die angeführten Kritikpunkt sind fast zur Gänze genau dieselben, die mir beim Lesen durch den Kopf gingen, weshalb ich mich der Einschätzung von Herren Drewniok vollinhaltlich anschließen kann.
PF zu »David Zurdo & Angel Gutiérrez: 616 - Die Hölle ist überall«16.10.2010
Michael Drewniok hatte wohl einen schlechten tag oder musste irgendeinen anderen frust von der seele schreiben?!

ich habe schon sehr viele bücher gelesen, und war von diesem buch "616 - die hölle ist überall" sehr begeistert. es hat mich total gefesselt und mir eine schöne gänsehaut beschert. es ist mit eines der besten bücher, die ich je gelesen habe!

ich habe unter anderem auch schon viele "bestseller" gelesen, die an dieses buch aber nicht herankommen!!

die kritik von herrn drewniok ist grundlos negativ und reisserisch!!
Michael Drewniok zu »David Zurdo & Angel Gutiérrez: 616 - Die Hölle ist überall«14.11.2009
Nun, weil ich direkt angesprochen werde, möchte ich auch direkt antworten: Meine Kritik wurde & ist begründet, und ich stehe zu meinen Worten. Sie muss aber nicht geteilt werden. Auch als Rezensent arbeite ich keinesfalls nach der Devise "Buch ist schlecht - nicht lesen!". Wer Spaß daran hat, soll ihn unbedingt haben. Das meine ich ehrlich. Apropos: Der Kollege Dieter Paul Rudolph hat in der Oktober-Ausgabe der "Krimi-Couch" klug über den Un-/Sinn von Rezensionen geschrieben!
Chriss zu »David Zurdo & Angel Gutiérrez: 616 - Die Hölle ist überall«14.11.2009
Wer über dieses Buch Schlechtes sagt der ist entweder "kirre" oder hat das Buch nicht gelesen.
Ich glaube eher Zweiteres denn ich finde Ihre Kritiken eigentlich recht in Ordnung bis auf die hier .

Sicherlich in Zeiten von "Verschwörungsautoren" wie Dan Brown (dessen Bücher ich nicht bewerten kann , da ich sie nie gelesen habe und auch nicht vorhabe zu lesen , da mich verschwörungen und "geheimbundquatsch" nicht so wirklich interessieren ) ist es schwer ein Buch nicht mit dem gefeierten Dan Brown zu vergleichen. Aber "616 - Die Hölle ist überall" sollte man auch nicht vergleichen , sondern man sollte sich darauf einlassen , denn dann ist dieses Buch spannend , erschreckend und vor allem ein exzellenter Mysterythriller.

Allerdings gibt es auch einige langweilige Passagen ( aber auch nur wenige ) , die man noch hätte ausarbeiten können , aber der Schreibstil des Autorenduos gefällt .

Im Großem und Ganzem bin ich persönlich gefesselt von diesem Buch und wenn sie immernoch anderer Meinung sind , dann können Sie das Buch ja gerne noch einmal in Ruhe lesen ( aber Sie müssen sich darauf einlassen und Sie müssen biblische Passagen mögen ).

Auf einer Skala von 1 - 10 , wo 1 extrem schlecht und 10 extrem gut ist , würde ich "616 - Die Hölle ist überall " bei einer 9 einordnen , da man durchaus gefesselt ist .
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