Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „A Discovery of Witches“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 800 Seiten.ISBN 3-7645-0391-2.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Diana Bishop ist Historikerin mit Leib und Seele. Dass in ihr zudem das Blut eines uralten Hexengeschlechts fließt, versucht sie im Alltag mit aller Kraft zu ignorieren. Doch als Diana in der altehrwürdigen Bodleian-Bibliothek in Oxford ein magisches Manuskript in die Hände fällt, kann sie ihre Herkunft nicht länger verleugnen: Hexen, Dämonen und Vampire heften sich an ihre Fersen, um ihr das geheime Wissen zu entlocken – wenn nötig mit Gewalt. Hilfe erfährt Diana ausgerechnet von Matthew Clairmont, Naturwissenschaftler, 1500 Jahre alter Vampir – und der Mann, der Diana bald schon mehr bedeuten wird als ihr eigenes Leben …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Vampirromanze für den gehobenen Geschmack“75

Fantasy-Rezension von Anja Helmers

Diana Bishop ist eine gestandene Historikerin mit einem Doktortitel und einem Lehrauftrag, die dem Hexenerbe ihrer Eltern abgeschworen hat und ihre magischen Fähigkeiten verleugnet. Als sie in der Bodleian Library der Universität von Oxford eine alte Handschrift ausleiht, scheint das in Leder gebundene Manuskript auf den ersten Blick nicht bemerkenswert zu sein, aber bereits beim Berühren spürt sie, dass der Handschrift eine übernatürliche Macht innewohnt. Getreu ihrem Vorsatz, weder Magie anzuwenden noch sich mit magischen Dingen zu beschäftigen, untersucht sie die Schrift nach rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten und gibt sie dann zurück. Kurze Zeit später begegnet ihr in der Bibliothek ein Vampir. Matthew Clairmont, Professor der Biochemie, überreicht ihr seine Visitenkarte und gibt sich als ein Bewunderer ihrer Arbeit zu erkennen. Suspekt wird ihr seine Aufmerksamkeit erst, als sich in den nächsten Tagen immer mehr nichtmenschliche Wesen wie Dämonen, Hexen und Vampire im Lesesaal der Bibliothek tummeln und es immer deutlicher wird, dass sie an ihrer Person und vor allem an dem mysteriösen Manuskript interessiert sind. Eine Hexenjagd beginnt.

Alter Ego

Deborah Harkness, selbst eine anerkannte Historikerin, kam die Idee für ihre Vampir-Hexen-Romanze während eines verregneten Urlaubs in Mexiko. Zu der Zeit, es war im Herbst 2008, waren Vampire in aller Munde und zeigten sich in zahlreichen Büchern und Filmen. Verwundert von der weltweiten Faszination und unter dem Aspekt, dass die Leute in früheren Jahrhunderten sehr wohl an die Echtheit von Gestalten wie Hexen, Dämonen und Vampiren glaubten und sie nicht wie heutzutage als Fantasiegebilde abgetan wurden, begann sie die Figuren und die Welt für ihre ´All-Souls-Trilogie´ zu entwickeln. Im Februar 2011 erschien ´A Discovery of Witches´ in Amerika und England, und im September 2011 erschien dann die deutsche Übersetzung ´Die Seelen der Nacht´ bei uns.

Nun fragt man sich, warum man dieses Buch lesen sollte, wo doch der Hype um romantische Vampire längst überrollt wurde von Engeln, Dämonen, Zombies und ähnlichen Gestalten und jetzt eher die metallischen, dampfbetriebenen Wesen angesagt sind. ´Die Seelen der Nacht´ bietet zwar keine allzu neuen Ideen, aber der Roman liest sich dank interessanter Protagonisten und Antagonisten, einer gut durchdachten Handlung und eines anspruchsvolleren Wortschatzes der Autorin angenehm erwachsen. Obwohl gleich im ersten Kapitel das mysteriöse Manuskript Ashmole 782 auftaucht, ist die Gangart gemächlich. Nichts für Freunde schneller, harter Szenen und straffer Handlung, sondern mehr ein genüssliches Aufbereiten mit Rückblenden und Informationen über den Werdegang der Heldin.

Meine Kritik richtet sich hauptsächlich gegen die Detailverliebtheit der Autorin, eine deutliche Straffung im Bereich allzu ausführlicher Darstellung von Äußerlichkeiten und simplen Abläufen hätte an manchen Stellen gut getan. Allerdings merkt man deutlich, dass Deborah Harkness sich mit der Materie auskennt, der Universitätsbetrieb und die Atmosphäre in der Bibliothek wirken sehr authentisch, ihre wissenschaftlichen Ausführungen in den Dialogen sind verständlich und ihr Erzählstil ist eingängig.

Entgegen meiner anfänglichen Befürchtung, dass die Heldin sich zu einer weiteren ´rosaroten´ Vampiranbeterin entwickeln würde – eine Szene deutete in die Richtung, wurde aber bald relativiert – ist Diana Bishop eine ansprechende Heldin, intelligent und sturköpfig. Sie kämpft lange gegen ihre magische Seite, sie hat ihre Schwächen, aber letztendlich lässt sie sich nicht das Ruder aus der Hand nehmen und ist für einige Überraschungen gut. Und das nicht nur, weil sie im Buch eine passionierte Ruderin ist. Wer die magische Anziehungskraft von altehrwürdigen Bibliotheken und den in ihnen gesammelten Schätzen versteht, wer sich vorstellen kann, dass sowohl Geschichte wie moderne Wissenschaften spannende Forschungsgebiete sein können, der verzeiht der Autorin wahrscheinlich, dass sich hinter ihrer Hauptfigur offensichtlich eine Wunschprojektion ihrer eigenen Person verbirgt.

Vereint gegen das Establishment

Matthew Clairemont, der Vampir an ihrer Seite, ist kein Blutsauger, der seine Zeit mit reiner Triebbefriedigung zubringt, sondern er nutzt seine Intelligenz und den Vorteil eines langen Lebens, um zu forschen und Wissen zu sammeln. Er ist kein hehrer Held, sondern er tötet, wenn er es für angebracht hält. Aber natürlich ist er auch der gut gebaute, fantastisch aussehende Schönling mit unwiderstehlicher Ausstrahlung, wie viele Leserinnen es erwarten, und auch der Romantikfaktor kommt zwischen all der Wissenschaft und Alchemie nicht zu kurz. Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Selbstverständlichkeit, mit der die Autorin dem Leser beibringt, dass Diana bei einem lesbischen Pärchen aufgewachsen ist oder dass der sexy Vampir Matthew so laut schnarcht, dass es sich anhört, als würde Kies in einem Metallrohr herumrollen, heben den Text etwas ab von den üblichen Klischees. Zum Glück bietet das Buch neben der reinen Liebesgeschichte breiten Raum für einen spannenden Plot um ein verschwundenes Manuskript, dass die Begehrlichkeiten von unterschiedlichen Parteien erweckt, und Dianas und Matthews Auflehnung gegen bestehende Regeln ist eine Thematik, die immer aktuell ist.

Wer sich die näher rückenden dunklen Herbstabende mit diesem 800 Seiten dicken Schmöker versüßen möchte, trifft mit der Hexe-wider-Willen und dem vampirischen Professor keine schlechte Wahl.

(Anja Helmers, August 2012)

Ihre Meinung zu »Deborah Harkness: Die Seelen der Nacht«

tassieteufel zu »Deborah Harkness: Die Seelen der Nacht«15.07.2013
Diana Bishop entstammt einer uralten Hexenfamilie, doch der Hexenkunst und Magie hat sie schon lange abgeschworen, seit als Kind ihre Eltern auf grausame Weise ermordet wurden. Als Erwachsene erforscht sie als angesehene Historikern die Ursprünge der Alchemie. Als sie im Rahmen ihrer Forschungen in Oxford in der Bodleian-Bibliothek eher zufällig ein magisches Manuskript in die Hände bekommt, fangen die Ereignisse an, sich zu überschlagen. Denn Hexen, Dämonen und Vampire, die unerkannt zwischen den Menschen leben, interessieren sich für das Manuskript und jede der 3 Parteien, will das Manuskript um jeden Preis. Ungeahnte Hilfe bekommt Diana von Matthew Clairmont, einem begabten Naturwissenschaftler, der außerdem ein 1500 Jahre alter Vampir ist. Bald kommen die Beiden sich näher und lösen damit nur noch mehr Komplikationen aus.

Deborah Harkness hat hier abseits der typischen sexlastigen Hexen und Vampirromane eine Geschichte gestrickt, die den Leser mit einer interessanten Welt konfrontiert, in der Hexen, Dämonen und Vampire unerkannt unter den Menschen leben. Abseits der gängigen Klischees versucht die Autorin glaubhaft und mit wissenschaftlichem Hintergrund wie DAN Analysen zu erklären, wie die Arten entstanden sind. Zudem hat sie ihre Figuren vielschichtig und detailreich aufgebaut, die Charaktere sind trotz des mystischen Hintergrunds glaubwürdig und in sich schlüssig, das ist ein großer Pluspunkt. Sehr angenehm empfand ich auch die sich dezent und langsam entwickelnde Liebesgeschichte zwischen den Hauptfiguren Diana und Matthew, die natürlich einen großen Raum einnimmt, die eigentliche Story aber nicht in den Hintergrund drängt und vor allem nicht in permanentes „Bettgehüpfe“ ausartet, wie das leider oft der Fall ist.
Eine kleine Schwäche der Autorin ist aber ihre Detailverliebtheit und so kommt das Geschehen im ersten Drittel nur langsam in Gang. Mit viel Liebe zum Detail und manchmal etwas ausufernd ausführlich schildert die Autorin den Alltag ihrer Protagonisten am College, die Arbeitsabläufe in Oxford, Dianas Forschungsarbeiten und ihre sportlichen Aktivitäten. Man merkt hier zwar, dass sich die Autorin sehr gut auskennt, eine kleine Straffung hätte hier aber keinesfalls geschadet und so ist das erste Drittel stellenweise ein wenig langatmig. Mit dem Fortschreiten der Story wird es aber zunehmend spannender, das mysteriöse Manuskript weckt die Begehrlichkeiten diverser Parteien und eine wilde Hetzjagd beginnt, die von der Autorin recht dramatisch geschildert wird. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz, so gibt es eine Reihe launiger Szenen, wenn Hexen, Vampire und Dämonen im Haus von Dianas Tanten aufeinandertreffen und ihre jeweiligen Vorurteile bekämpfen müssen. Sehr gelungen fand ich auch die Beschreibungen des Hauses der Tanten, das ein ziemliches schräges Eigenleben führt und immer mal wieder das Geschehen auflockert. Da es sich hierbei um eine Trilogie handelt, ist das Ende natürlich offen, aber doch ein gelungener, guter Abschluß des ersten Bandes.
Der Schreibstil der Autorin ist leicht und angenehm, dabei in Ausdruck und Wortwahl doch etwas anspruchsvoller und sie hat ein Händchen für gelungene Wortwechsel.

FaziT: nach einem etwas zähem Einstieg wird das Durchhalten mit einer anspruchsvollen, interessanten und spannenden Geschichte belohnt, die deutlich von der typischen Version des weichgespülten Vampirs und der kuschligen Hexe , die permanent ins Bett hüpfen, abweicht. Wohl eher etwas für anspruchsvollere Leser und sicher nicht jedermanns Geschmack, aber mir hat es recht gut gefallen und ich bin gespannt auf den 2. Band der Reihe.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Hakuchan zu »Deborah Harkness: Die Seelen der Nacht«16.11.2012
"Die Seelen der Nacht" ist eine Liebesromanze durch und durch! Wer dagegen allergisch ist und von Liebeserklärungen Pickel bekommt, lässt lieber die Finger von diesem Buch. Alle anderen: nur zu. Besonders geeignet scheint es mir für Fans von historischen Romanen. Zwar spielt die eigentliche Story nicht in der Vergangenheit, aber zum einen führt uns das offene Ende dort hin, zum anderen erfahren wir viel über die Arbeit von Historikern. Wer sich nicht für Quellensuche in einer Bibliothek voller Dämonen, Vampiren und Hexen begeistern kann, soll lieber wo anders suchen.

Die dt.Übersetzung hapert hier und da etwas, vielleicht sind die grössten Patzer in den neueren Ausgaben behoben. Jedem der gut Englisch kann, empfehle ich dieses Buch in der originalen Sprache zu lesen. Ich denke, es wird nicht allzu schwer sein.

Sonst hat mir das Buch sehr gefallen. Auch die Charaktere schienen mir sehr gut getroffen, wenn im Nachhinein manchmal etwas kitschig. Die Heldin Diana Bishop ist besonders zu Beginn nicht die Geschickteste, trotzdem scheint mir die Figur Potenzial zu haben.

Für alle Frauen, die eine aussergewöhnliche und doch richtige Liebesromanze suchen, ist dieses Buch bestens geeignet. Dann unbedingt lesen!

(Jaja, Männer dürfen natürlich auch. ;D )
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