Tödliche Loge von Dieter Hirschberg

Buchvorstellungund Rezension

Tödliche Loge von Dieter Hirschberg

Originalausgabe erschienen 2006, 285 Seiten.ISBN 3898095037.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „;Für Freunde des Theaters“;75

Horror-Rezension von Jörg Kijanski

Berlin, April 1815. Der ebenso berühmte wie berüchtigte Direktor des Nationaltheaters Kühnemann stirbt nach einem Brandanschlag in seinem Haus. Was zunächst nach einem Unfall aussieht entpuppt sich nach eingehender Obduktion als Mord und so nehmen Kriminalrat Hitzig und der Kammergerichtsrat E.T.A. Hoffmann die Ermittlungen auf, welche sie in die schillernde Welt der Künstler an Theater und Oper führen. Die Liste der Verdächtigen ist lang und Hoffmann steht recht schnell selbst an deren Spitze, denn am Abend vor jenem Brandanschlag traf er sich mit einer Gruppe junger Künstler, die ihn baten ein Manifest gegen Kühnemann zu verfassen. Dieser hatte sich zuvor geweigert, Hoffmanns neue Oper „;Undine“; aufzuführen. Anschließend zog die Truppe in stark angetrunkenem Zustand zu Kühnemanns Haus, wo Hoffmann – plötzlich alleine – seinen Assessor Warnke trifft, der sich zuvor mit Kühnemann in dessen Haus traf.

Aber warum traf sich Warnke, der angeblich für die Stelle des Privatsekretärs vorsprach, spätabends mit Kühnemann und warum ist er nach der Tat verschwunden? Nutzte die alternde Primadonna der Oper, Dorothea Wanner, eine günstige Gelegenheit, sich zu rächen, nachdem es vor Kurzem zu einem Eklat zwischen den beiden gekommen war oder steckt hinter dem Anschlag der ihr ergebene Kapellmeister Weber, der ebenfalls erhebliche musikalische Differenzen mit Kühnemann hatte? Waren es die Künstler, die sich mit Hoffmann wenige Stunden vor der Tat trafen oder steckt hinter alldem eine geheimnisvolle Loge mit dem Namen „;Die schwarzen Jäger“;, auf die Hoffmann im Rahmen seiner Ermittlungen stößt? Und wenn ja, wer verbirgt sich hinter dieser Loge? Bei all den offenen Fragen drängt aber vor allem die Zeit, denn Hoffmann trifft auf einen seiner größten Widersacher: Dr. Mohr von der Geheimpolizei.

Da kommen die fieberbedingten Wahngespinste unter denen Hoffmann verstärkt leidet und in denen er sich in  Radamanthus, König von Atlantis, verwandelt gänzlich ungelegen, muss er sich hierin doch der Hexe Mursa Beguli und dem Zauberer Protoporax erwehren. Der Verlauf der Ermittlungen sowie die Wahngespinste weisen allerdings auch erschreckende Parallelen auf und schließlich findet sich zu allem Überfluss noch ein Drohbrief an Kühnemann, unterzeichnet in Hoffmanns Handschrift mit „;Radamanthus“;…

Eigentlich ist der Roman „;Tödliche Loge“; bei dem berlin.krimi.verlag als „;Historischer Krimi“; erschienen, jedoch verweist bereits der Untertitel „;E.T.A. Hoffmann unter Verdacht“; auf eben jenen berühmten Meister der Phantastischen Literatur. Und so ist folgende Aussage der Romanfigur Hoffmann für den vorliegenden Roman von zentraler Aussagekraft: „;Lass mich nur machen! Vielleicht ist dieser Fall auf einer anderen Ebene als der rein vernünftigen zu lösen!“; Ein weiteres Zitat des Protagonisten („;Er ist mir auf meinem eigenen Felde, dem der phantastischen Erzählungen, gegenübergetreten, und da bin ich ihm denn doch überlegen.“;) belegt, dass auch Freunde der Phantastischen Literatur sich an diesem Werk erfreuen können. Die Übergänge von Berlin in das Königreich Atlantis, Mursa Beguli und Protoporax lassen grüßen, sind jedenfalls bestens gelungen und sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Amüsant auch, wie Hoffmann alias Radamanthus mit Siebenmeilenstiefeln durch Berlin laufen möchte, wobei das eine Beine dem anderen mitunter „;meilenweit“; voraus ist.

Für (reine) Krimifreunde ist durchhalten angesagt und wenn man einen „;herkömmlichen“; Krimi erwartet ist man mehrfach geneigt, das Buch nach kurzer Zeit für immer wegzulegen. Alternativ könnte man sich natürlich auch einmal mit dem Werk des Schriftstellers E.T.A. Hoffmann befassen, um vielleicht die ein oder andere Sequenz besser nachvollziehen zu können. Die Story selbst enthält zahlreiche Blindspuren und wer den Täter erraten möchte, der muss unzählige Male umdenken, wenngleich die Lösung durchaus nachvollziehbar ist. Weniger nachvollziehbar sind dann schon die Dialoge Hoffmanns mit einem Verstorbenen, aber was erlebt man nicht alles, wenn man unter Fieber leidet. Es ist halt phantastisch.

Interessant und gelungen sind die eingestreuten Beschreibungen der aktuellen politischen Ereignisse rund um die Kriegsaktivitäten Napoleons. Weniger glücklich sind dagegen die Beschreibungen der (wenig lebendigen) Figuren, ebenso hätte ein wenig mehr Detailliebe bei der  Schilderung der historischen Szenerie dem Roman gut getan. Man möchte halt als Leser schon merken, wann eine Geschichte spielt. Die gelegentlichen Hinweise auf politische Ereignisse reichen da zu einer befriedigenden Darstellung der historischen Atmosphäre alleine nicht aus.

Für Freunde der „;Phantastischen“; Literatur sowie des Theaters (!) könnte der bereits dritte „;E.T.A. Hoffmann“;-Krimi von Dieter Hirschberg eine interessante Bereicherung für das Bücherregal daheim sein.

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