Meran von Dirk van den Boom

Buchvorstellungund Rezension

Meran von Dirk van den Boom

deutsche Ausgabe erstmals 2015, 240 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Casimir Daxxel bekommt Post: Seine alte meranische Flamme ist eine Dame in höchster Not, ihr droht eine Verurteilung für eine Tat, die sie nicht beging. Zusammen mit Josefine Zant begibt sich der junge Diplomat in die Höhle des Löwen, die Hauptwelt des Meranischen Kalifats. Dort muss er feststellen, dass er in einen Sumpf aus politischen Intrigen, Verschwörungen und Konflikten hineingeraten ist. Seine Klugheit, seine Tapferkeit, seine Leidenschaft – und Josefine Zant werden auf eine harte Probe gestellt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Konsul und seine Leibwächterin beim Feind“67

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Zum dritten Mal folgen wir dem Diplomaten und Hobby-Detektiv Casimir Daxxel bei seinen Ermittlungen. In seinem ersten Fall auf Eobal lernte er eine faszinierende Angehörige des Meranischen Reiches kennen. Und er interessierte sich mehr für die Echsen-Frau, als er sich oder seiner tatkräftigen Leibwächterin Josefine Zant eingestehen will. Nachdem er auf Habitat C einen heimtückischen Angriff aufklären und Schlimmeres verhindern konnte, wird dieses Mal seine Hilfe in einer privaten Angelegenheit angefordert.

Als Angehöriger der Akte dürfen der Konsul und seine Leibwächterin als Art Rechtsbeistand auf die Hauptwelt des verfeindeten Echsenreiches reisen. Hier wird die alte Flamme Draxxels für einen Mord festgehalten und angeklagt, den sie nicht begangen hat. In Wirklichkeit geht es allen am Verfahren Beteiligten nur darum, die lästige Frau aus ihrer Rolle als Vormund eines jungen Meraners zu verdrängen und Einfluss auf dessen Vermögen und dessen politische Macht zu bekommen.

Da kann nur ein Außenstehender helfen, auch wenn die Meraner Menschen zutiefst verachten und Draxxel und seine Begleiterin mit Ressentiments, Diskriminierung und einem mehr als fremden Gesellschaftssystem so ihre liebe Mühe haben. Doch Daxxel ist bereit für seine Freundin bis an die Grenzen und darüber hinaus zu gehen …

Tolle Ansätze, fundiertes Fachwissen aber auch verschenktes Potential

Die Lektüre des letzten Bandes der Draxxel-Trilogie liegt hinter mir. Angesichts gegenüber seinen Tentakel-Romanen doch deutlich geringeren Verkaufszahlen hat van den Boom sich entschieden, die Reihe um den Konsul und seine Leibwächterin mit diesem Roman zu beenden. Dies ist betrüblich, hat er hier doch augenzwinkernd, spannend und mit viel Sense of Wonder unterhalten.

Nachdem er im Mittelband der Trilogie viele Handlungsanrisse eingebaut, Rätsel aufgebaut und Grundlagen für ein weit größeres Bild als bislang gelegt hat, zieht er sich vorliegend auf altbekanntes Terrain zurück. Dies ist zu bedauern, lässt er doch so einige offenen Handlungsstränge und ungelöste Fragen zurück. Vorliegend berichtet er uns versiert von fremden Kulturen und einem Gerichts-Ermittlungsthriller.

Selbst beruflich mit der Integration von Einwanderern und Asylanten befasst, merkt man dem Text an, dass hier ein Autor das Bild einer fremden Kultur entwirft, der Erfahrung in der Begegnung mit anderen Gesellschaften hat. Man merkt dem Roman an, dass der Autor weiss, von was er spricht, wenn er uns die auf den ersten Blick so statische, patriarchische Gesellschaft der Meraner schildert. Beim genaueren Hinsehen wird dann deutlich, dass diese doch ein wenig vielfältiger und, verborgenen hinter dem äußeren Schein, auch emanzipierter daherkommt, als zunächst vermutet.

Es ist bekannt, dass Dirk van den Boom ohne großes Exposé munter drauflosschreibt, fabuliert, ohne sich zunächst groß um innere Logik oder Charakterentwicklung zu kümmern. Seine Charaktere bleiben zumeist eher flach, entwickeln sich kaum und überzeugen nicht wirklich. Überspielt und übertüncht werden diese Mankos durch seinen Drang, uns eine packende, voraneilende Handlung zu präsentieren und nette Anspielungen auf gängige Filme bzw. leicht anrüchigen Sex. Die Meraner, die hier die etwas härtere Gangart bevorzugen, sind nur ein Beispiel.

Leider hat er es versäumt, sich und damit seine Leser mit Daxxel, der zwischen zwei weiblichen Wesen steht, wirklich zu beleuchten. Immer wieder können wir lesen, dass er seine Leibwächterin bewundert, dass er Zant fast schon anhimmelt, der Konflikt, wem er sich dann aber letztlich zuwenden wird, und warum wird aber nicht näher thematisiert. Überhaupt liegt in der doch sehr oberflächlichen Darstellung Zants das vielleicht größte Manko der drei Romane. Hier hat er bedauerlicherweise viel Potential verschenkt.

Fängt der Roman als Gerichtsthriller an, so entwickelt er sich – leider – später zu einer detektivischen Suche nach Täter und Motiv. Dabei nimmt er durch die Beleuchtung von Verdächtigen und Tätern so manches Mal das Tempo und die Spannung ein wenig aus dem Roman, nur um dafür die Gesellschaft der Meraner deutlicher herauszuarbeiten. Die Auflösung des Verbrechens ist letztlich zu einfach gestrickt, als dass sie wirklich überzeugen könnte. Was bleibt ist ein Roman, der trotz seiner Schwächen und der verpassten Möglichkeiten gut und temporeich unterhält, der aber weit mehr hätte sein können.

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