Vampir-Horror Band 2. Das siebente Opfer von Diverse

Buchvorstellungund Rezension

Vampir-Horror Band 2. Das siebente Opfer von Diverse

Originalausgabe erschienen 2004, 480 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Inhalt:

  • Hugh Walker: Der Teufelmacher
  • Uwe Voehl: Baphomet
  • Bernd Frenz: Das siebente Opfer
  • Jo Zybell: Baal

Das meint Phantastik-Couch.de: „Dämonenkulte und schwarze Messen mit einem Durchhänger“70

Horror-Rezension von Elmar Huber

Der Teufelmacher

„Inspektor Marketz hatte schon Recht. Wir PEPs (Para-Einsatz-Personen) waren wirklich ein schräger Haufen, aber allein, dass es uns gab und das unsere Talente dokumentiert waren, interessierte jemanden im Innenministerium genug, um für ausreichende Finanzierung zu sorgen.“

Der Parascout Robert Steinberg empfängt plötzlich die mentalen Hilferufe einer Frau. Kurz darauf gelingt es ihm, diese aus den Fängen einer Satanssekte zu befreien. Zurück im Helm-Institut erfährt Steinberg, dass es noch mehr Opfer gab. Die Sekte scheint ihren Opfern Bilder ins Gehirn zu pflanzen, die nur diese sehen können. Die Aufzeichnungen des jüngsten Opfers, einer Reporterin, die der Sekte auf der Spur war, hilft weiter.

Eine Art Para-X-Men in Zivil

Der Einstieg in „Der Teufelmacher“ ist schlicht atemberaubend schnell. Auf wenigen Seiten bekommt der Leser eine Ahnung, mit welchen Personen und mit welcher Organisation er es auf Seite der „Guten“ zu tun hat. Dabei wählt Walker keine träge Personenvorstellung, sondern verpackt das in 20 Seiten Non-Stop-Action in der man trotzdem nie den Überblick verliert. Die Beschreibungen des para-empfänglichen Rezeptorzustandes (oder Wachzustandes) unseres Helden sind plastisch und trotz aller Fremdartigkeit nachfühlbar beschrieben. Hugh Walker gelingt das Kunststück, seine Supermänner und -frauen, eine Art X-Men in Zivil, als ganz normale Personen mit ganz normalem Alltag darzustellen. Ein Rezept, auf dem auch der Erfolg der Marvel-Helden basiert. Nicht zuletzt, fühlt man sich Robert Steinberg verbunden, weil die ganze Geschichte in der Ich-Perspektive geschildert wird.

„Der Teufelmacher“ ist ein Grusel-Krimi, der absolut Lust auf mehr macht. Statt den oftmals albernen Gruselelementen, die diese Romanspezies enthält, fügen sich die Phantastik-Teile hier perfekt in die Krimihandlung ein. „Der Teufelmacher“ schließt zusätzlich mit einer handfesten Überraschung, die zumindest ich nicht vorhergesehen habe.

Obwohl ich ein großer Anhänger deutscher Phantastikautoren bin, war „Der Teufelmacher“ meiner erste Begegnung mit dem Autoren Hugh Walker. Bisher haben mich die überwiegende Fantasylastigkeit bzw. die wenig gelungen Cover der älteren Veröffentlichungen eher abgeschreckt. „Der Teufelmacher“ hingegen hat mich vollauf überzeugt.

Einzelwertung: 90

Baphomet

„Wir waren Kinder gewesen. Achtzehnjährige, verrückte Kinder, die mit dem Feuer spielten. Damals war es 'in’ mit dem Teufel zu spielen. Wir lachten über unsere älteren Geschwister, die sich damit begnügt hatten, Black Sabbath rückwärts laufen zu lassen und dabei glaubten, satanische Botschaften zu hören. Das war kindisch. Wir waren weiter, schon viel weiter gegangen.“

Seitdem Jürgen Weiß als Kind einen Geist auf dem heimischen Dachboden gesehen hatte, ist sein PSI-Interesse erwacht. Als Jugendlicher geriet er in eine Clique, die mit Teufelsbeschwörungen experimentierte. Nun, in der Gegenwart, holt ihn seine abgeschlossen geglaubte Vergangenheit wieder ein. Ein Treffen mit dem Anführer seiner alten Clique entwickelt sich zu einem surrealen Albtraum mit ungewissem Ausgang.

Deutliche Parallelen zu Voehls „Henker“-Serie

Uwe Voehl fängt den Leser gleich ein, indem er die Handlung mit einem Verhör beginnt, das Jürgen Weiß als Angeklagter mehrerer Morde bestreiten muss. Durch dessen Aussage und seine Erinnerungen entblättert der Autor auf mehreren Zeitebenen die Geschichte, die schließlich in diesen Verhörraum führt.

Einige Elemente von „Baphomet“ hat Uwe Voehl aus seiner eigenen Schöpfung „Der Henker“ (eine Serie von 8 Romanen aus der Vampir-Horror bzw. Dämonen-Land-Reihe) übernommen. Die Zusammenkunft seltsamer Zeitgenossen in dem geheimnisvollen, fremden Anwesen, die Geisterstadt und das Zusammentreffen mit dem Werwesen erinnern frappierend an „Das Archiv der schwarzen Särge“ (Band 1 der Henker-Serie). Überhaupt sind die zeitweisen Drifts in die Surrealität typisch für Uwe Voehl.

„Baphomet“ ist eine perfekte Pilotfolge für eine weitere Romanreihe, doch leider ist es, nach meinen Infos, bisher bei diesem Auftakt geblieben.

Einzelwertung: 80

Das siebente Opfer

„Im ersten Moment war Melanie ihre erschrockene Reaktion peinlich, doch keiner der Kollegen machte sich lustig über sie. Im Gegenteil, die ganze Gruppe hielt gemeinsam den Atem an.“

Bei Ausgrabungen entdeckt eine Gruppe Ägyptologen weitab sonstiger Gräber zufällig eine ungewöhnliche Grabkammer. Dieses Grab enthält eine sonderbare Totenmaske, die vor allem auf die männlichen Teilnehmer des Ausgrabungsteams eine beunruhigende Wirkung ausübt. Zurück im Hildesheimer Museum kommt es zu mehreren mysteriösen Todesfällen, die im Zusammenhang mit der Maske zu stehen scheinen.

Kein erwähnenswerter Beitrag

Auch dem „siebenten Opfer“ gelingt nicht das Kunststück, dem ohnehin noch nie besonders innovativen Mumiengrusel einen erwähnenswerten Beitrag hinzuzufügen. Flache Charaktere, eine vorhersehbare Handlung, langweilige Dialoge und absolute Klischeehaftigkeit machen den Beitrag zu reinem Füllmaterial.

Einzelwertung: 20

Baal

„Was ist das, Tom?“, fragte Steelwalker. „Ein religiöses Symbol?“ „Schwer zu sagen. Ein Tierkopf, schätze ich.“ Mit der Schuhspitze fuhr er über eine von beiden Sicheln, die aus dem Oval ragten. „Das hier könnten Hörner sein.“

Auf einem Schrottplatz wird eine verbrannte Leiche entdeckt. Es finden sich Hinweise auf eine schwarze Messe. Durch mythologische Symbole am Tatort und den Toten selbst gerät Tom Percival auf die Spur einer Gruppe Personen, die den Gott Baal anbeten.

Überzeugende Ermittlungsarbeit mit phantastischen Motiven

Wie schon „Der Orden der Raben“ (aus Vampir Horror 1) bietet „Baal“ eher klassische Krimikost mit phantastischen Motiven. Diesmal ermittelt Tom Percival, Reporter beim Boulevardblatt Sun und ehemaliger Priester, in der Londoner Gothic-Szene. Für das Ambiente ist also hinreichend gesorgt. Eine äußerst gelungenen Personeneinführung, die Schilderung der Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven, Percivals stimmige Ermittlungsarbeit und das actionreiche Ende, das eine Brücke zu „Der Orden der Raben“ schlägt, überzeugen auch formal. Etwas zu kurz kommt der Anschlag, der der eigentliche Höhepunkt des Romans sein sollte. Doch angesichts des ansonsten vollständig gelungenen zweiten Auftritts von Tom Percival kann man damit leben.

Einzelwertung: 80

Potential für weitere Geschichten dieser Kaliber

„Das siebente Opfer“ kommt gegenüber „Die Geburt des Bösen“ (Band 1 der Reihe) wesentlich gelungener daher. Die Qualität einzelner Beiträge ist merklich gestiegen. „Die Teufelmacher“, „Baphomet“ und „Baal“ erscheinen hier als Erstveröffentlichungen, der Käufer bekommt also mehr (neues) fürs Geld. „Das siebente Opfer“ wird als Nachdruck von Mitternachts-Roman 685 (Bastei, unter Pseudonym Bernadette Francis) veröffentlicht.

Im Gegensatz zu Band 1 schimmert in „Das siebente Opfer“ ein gemeinsames Thema durch, das die Geschichten thematisch verbindet, nämlich Dämonenkulte und schwarze Messen, wozu auch das Covermotiv sehr gut passt. Das mag Zufall sein, macht aber die Sammlung schön rund. Einziger Wermutstropfen ist der Beitrag von Bernd Frenz, von dem wohl nur der Verlag weiß, wie er in diese ansonsten perfekte Sammlung hineingeraten konnte.

Die Beiträge von Hugh Walker, Uwe Voehl und Jo Zybell bieten sowohl ausreichend Potential für weitere Geschichten dieser Kaliber, wie sie auch Lust darauf machen. Konkret erfahren die Abenteuer um Tom Percival und die der Archäologin Melanie Krüger aus „Das siebente Opfer“ in „Das grausame Meer“ (Vampir Horror Hardcover 3) ihre Fortsetzung.

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