Liebe Leserinnen und Leser,

die Alternativwelten kommen groß heraus, sie scheinen sich zum neuen Trend in der Fantasy zu entwickeln. Unser Buch des Monats ist der Serienauftakt  "Magierdämmerung – Für die Krone„ von Bernd Perplies. Als “Steampunk„ wird es beworben, wir möchten jedoch lieber von “Gaslight-Fantasy„ sprechen. Aber wie man die Richtung auch nennt, sie ist faszinierend und anders. Die Geschichte spielt im viktorianischem England, erzählt einen Kriminalfall, beschreibt filmreif die Funktionsweise der Magie und ist bis in die Nebenrollen mit einmalig skurrilen, liebenswerten und unsympathischen Typen im besten Wortsinne besetzt.
Der Autor Bernd Perplie stellte sein neues Werk erstmalig auf der “Fantasy-Gala„ von “Rheinlesen" in Köln vor und erzählte uns bei der Gelegenheit im Interview, was es mit dem literarischen Vorbild zur Figur des Jupiter Holmes und den Zeitungsartikeln am Anfang der Kapitel auf sich hat.

Da passt es doch ausgezeichnet, dass "Der Ruf der Schlange„ von Andreas Gößling ebenfalls in einer Art Alternativwelt spielt. Von Schlangen, Okkultismus und Dampfmaschinen geprägt, könnte man sie “orientalisch-steampunkig„ nennen. Lassen Sie sich überraschen, wie gut sich auch noch eine bizarre Mordserie in dieses Ambiente einfügt.

Und noch ein Fantasy-Highlight bereichert mit “Sündenfall„  von Ken Scholes diese frühherbstliche Phantastik-Couch-Ausgabe. Und auch hier: Dampfbetriebene Automaten, ein menschlicher Android, zerstörerische Magie und der Verlust uralter Kenntnisse über Magie und Technik. Hier geht es nicht darum die Welt zu retten, sondern um ein zeitloses Thema: Die Verantwortung für Wissen, das missbraucht werden kann.

Einen etwas anderen Vampirroman mit Klang, schrieb Oliver Buslau, den viele Leser als Krimi-Autor kennen. “Der Vampir von Melaten„ spielt statt in einer Alternativwelt in Köln – auf dem berühmten Melaten-Friedhof. In diesem Roman steckt keine Schmonzette und weit mehr, als Horror mit Holzpflöcken. Eine Zeitreise ins weit dunklere, alte Köln und ein ungewöhnlicher Akteur: Der Zauber klassischer Musik.

Seitdem Sergej Lukianenko mit seinen Werken populär wurde, erlebt die russische Phantastik eine Renaissance. Auch Dmitry Glukhowski konnte mit seinen “Metro„-Büchern viele Science-Fiction Fans begeistern. Nun kam sein neues Werk “Sumerki-Dämmerung„ heraus, in der sich der Autor selbst zur Hauptfigur macht und sein Alter Ego den Boden unter den Füßen verliert. Scheinbar reiht sich “Sumerki„ in die bereits im Jahre 2010 lange Liste der apokalyptischen “2012„-Romane ein. Doch die Geschichte schwenkt um zu einer Borges’ schen Weltsicht, (siehe im Essay “Der Magische Realismus, Teil 2„) in der Realität und Fiktion verwischen.

Womit wir schon beim Thema unseres Oktober-Essays wären. Nach der allgemeinen Einführung in das Thema stellt uns Thomas Nussbaumer nun im zweiten Teil “Der magische Realismus" exemplarisch die Autoren vor, die in Vergangenheit und Gegenwart diese faszinierende Literaturgattung prägen. Hätten Sie gedacht, dass auch Autoren wie Kai Meyer „Magischen Realismus“ schreiben?

Apropos Essay. Erinnern Sie sich noch an unseren Essay in der August-Ausgabe "Die Zukunft der Fantasy-was bleibt„ von Andrea Bottlinger? Der Radiosender Ö1 des ORF (Österreichischer Rundfunk) beschäftigt sich in der Sendung “Ex libris-Das Bücherradio„ mit dem Thema “Trends der Fantasy„ und befragte Andrea Bottlinger und mich zur Charakteristik, den Trends und der Anerkennung des Fantasy-Genres. Ausgestrahlt wird am 24. Oktober 2010 um 18.15 Uhr und “Ex Libris" ist auch über Webstream zu hören.

Ich wünsche Ihnen einen schönen sonnigen Herbst und herzerwärmende Lektüre für die kalten Tage. Das Phantastik-Couch Team konnte Ihnen bestimmt ansprechende Bücher für das unvermeidliche Schmuddelwetter empfehlen.

Eva Bergschneider