Liebe Leserinnen und Leser,

ich finde, folgende Beschreibung Carlos Ruiz Zafóns:

„An diesem Tag meißelte Gaudís Geist unmögliche Wolken auf ein Blau, das einen fast erblinden ließ.“

passt zu einem Tag im Juni. Der Sommer kommt und mit ihm das längere Tageslicht. Wir haben mehr Zeit, um sonnige Tage und laue Abende draußen zu genießen und dabei in einem schönen Buch zu schmökern. Zum Beispiel im neu erschienenen Werk "Marina„ des zitierten spanischen Autors. Geschrieben hat Zafón dieses erste seiner in Barcelona spielenden Romane 1996/1997, nach der Nebeltrilogie (“Der Fürst des Nebels", Der Mitternachtspalast„ und “Der dunkle Wächter„) und vor seinem Welterfolg “Der Schatten des Windes„. Herausgekommen ist dabei ein bizarrer Horror-Thriller im außergewöhnlichen Sprachgewand. Der Autor selbst sagt, er habe mit diesem Buch seine Stimme gefunden. Wenn sie “Marina„ lesen, wissen Sie, was er damit meint.

Zum “Buch des Monats Juni„ küren wir jedoch Karsten Kruschels neuestes SF-Werk “Galdäa – Der ungeschlagene Krieg„. Der Autor folgt glücklicherweise nicht dem Trend, die Handlung einer Serie aufzublähen, sondern fügt seinem “Vilm„ – Universum einfach weitere faszinierende Facetten hinzu. Die Story allein wäre schon spannend genug, um den Leser an die Buchseiten zu fesseln. Die hauptsächliche Stärke von “Galdäa„ liegt jedoch in der Vielfalt der Charaktere, und der Liebe, mit der sie der Autor zeichnet. Ein ganz besonderer Lesegenuss also für alle, die anspruchsvolle Science-Fiction mögen.

Kehren wir einen Moment zurück zu den Jahreszeiten – und zum Horror-Genre. “Blutiges Frühjahr„ von Greg F. Gifune, war für unseren Rezensenten ein Leseerlebnis der besonders düsteren Art. Denn es sind keine realen Dämonen, die das Frühjahr in der amerikanischen Kleinstadt Potters Cove in Blut tränken. Vielmehr das gestaltlose Böse, das nicht viel braucht, um einen Menschen zu verderben. Eine moralische Keule in der Geschenkverpackung eines Horrorthrillers.

Apropos moralische Keule – im Öko-Mysterythriller “Tief„ von Mike Croft haben die Wale eine Mission und warnen die Menschheit vor dem Grauen, das im Atomwaffentestgebiet SONAZ im nördlichen Atlantik ein Eigenleben entwickelt. “Tief ist allerdings kein Schätzing/Chrichton – Klon. Statt mit Technobabbel, wartet der Autor mit sanftem Sarkasmus und gegen den Strich gebürsteten Klischees auf – und vernachlässigt trotz ein wenig Mahnung zwischen den Zeilen, nicht die „Primärfunktion“ eines Romans, die Unterhaltung.

Kelley Armstrong, die Pionierin der derzeit allgegenwärtigen Urban Fantasy schickt in "Lockruf der Toten„ eine ihrer magisch begabten Ladies aus, die Toten zu beschwören. Vor der TV-Kamera soll die Nekromantin Jamie den Geist Marilyn Monroes beschwören. Stattdessen trifft sie auf die Seelenfragemente ermordeter Kinder und bösen Zauber. Im siebten Band ihrer Serie “Women of the Otherworld" bleibt sich die Autorin selbst treu und bietet dem Leser eine spannende Story mit wohltuend niedrig dosierter Erotik – auch wenn die Verlagswerbung einen anderen Eindruck vermitteln möchte.

Zwei interessante Interviews hat die Juni-Ausgabe der Phantastik-Couch zu bieten. Den Entertainer und Fantasy-Autor, Tommy Krappweis, trafen wir auf der Role Play Convention in Köln und sprachen so ausführlich mit ihm , das es gleich für zwei Literatur-Couch Portale reicht. Lesen Sie hier, was Tommy Krappweis wirklich vom „Operettengott“ Wagner hält und in der Juni-Ausgabe der Jugendbuch-Couch, wie er „Bernd das Brot“ erfunden hat.

Der Amerikaner Charlie Huston, der Autor des Endzeitromans "Die Plage", den wir in der Mai-Ausgabe vorgestellt haben, erzählt in unserem zweiten Interview, warum man seine Figuren mögen muss, um sie glaubhaft zu zeichnen, und inwiefern er sich selbst immer noch als ein „Pulp“-Schriftsteller betrachtet.

„Für jeden Leser etwas dabei“ – nicht immer trifft dieses Motto so auf eine Phantastik-Couch Monatsausgabe zu, wie auf diese. Mit mal mehr und mal weniger phantastischen Elementen sind unsere vorgestellten Bücher ausgestattet, von ein wenig experimentell bis zu gehaltvoller „Main Stream“.
Was auch immer Sie bevorzugen, werden Sie fündig und genießen Sie Ihre persönlichen, phantastischen Werke in vollen Zügen.

Viel Spaß mit der Juni-Ausgabe der Phantastik-Couch wünscht Ihnen

Eva Bergschneider