Creekers von Edward Lee

Buchvorstellungund Rezension

Creekers von Edward Lee

Originalausgabe erschienen 1994unter dem Titel „Creekers“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 416 Seiten.ISBN 3865521622.Übersetzung ins Deutsche von Ben Sonntag.

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In Kürze:

Phil Straker hat das Städtchen Crick City einst verlassen, um Karriere als Polizist zu machen. Nun kehrt er zurück – gebrandmarkt als Mörder eines Kindes, das er im Dienst unabsichtlich erschoss. Phil bemerkt schon bald, dass in der Stadt, die er doch zu kennen glaubte, etwas Grauenvolles vorgeht. Auf der Suche nach einem vermissten Mädchen führen ihn die Ermittlungen zu den Creekers – einem abscheulicher Clan, der unter primitivsten Bedingungen in den Wäldern lebt und sich seit Jahrhunderten durch Inzucht vermehrt. Über die Creekers gab es immer mysteriöse Gerüchte, Phil kennt sie nur zu gut: Dämonische Rituale, sexuelle Exzesse, Mord und Kannibalismus. Aber das waren nur harmlose Fantasien …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der verlorene Sohne kehrt zurück – auf Du und Du mit der ungeliebten Heimat“67

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Dereinst, als junger Mann hatte Phil Straker nur ein Ziel – möglichst schnell Crick City, einem Hinterwäldlerdorf im Süden der USA zu entkommen und Karriere zu machen. Und er hat sein Ziel erreicht – als Chef der Drogenfahndung einer großen Metropole ist sein Weg an die Spitze der Polizei vorgezeichnet – schien vorgezeichnet zu sein, denn dann wird er hereingelegt. Bei einer Razzia auf ein PCP-Labor wird ein Kind erschossen, ihm wird die Tat angehängt. Allen Unschuldsbeteuerungen zum Trotz muss er seinen Hut nehmen, und fristet als Nachtwächter sein Dasein.

Da kommt es gut, dass sein alter Ziehvater, der Chief von Crick City dringend einen neuen Hilfssheriff braucht. So kehrt er zurück an den Ort, zu dem er nie, niemals zurückkehren wollte. Ein verschlafenes Nest mitten im Nichts, voll mit versoffenen Rednecks, Moonshinern, Schmugglern und Frauen, die für ein wenig Cash für alles zu haben sind.

Früher einmal wurde das örtliche Gefängnis eigentlich nur als Ausnüchterungszelle für die Raufbolde, die sich um eine Frau schlugen, gebraucht, ab und an gab es einmal eine Festnahme, wenn ein Mann seine Ehefrau gar zu heftig angefasst hat, das war es aber auch schon. Nun aber verschwinden Drogenboten, gehäutete Leichen werden aufgefunden, auf dem Parkplatz des örtlichen Stripclubs werden Frauen und Drogen verkauft.

Hinter all dem könnte der Anführer der Creeker stecken. In den 40 Quadratkilometern Wald rund um Crick City leben sie, zurückgezogen ohne Elektrizität und fließend Wasser, ein Familienclan, der gerüchteweise seit Jahrzehnten der Inzucht und dem Kannibalismus frönt. Missbildungen sind bei ihnen an der Tagesordnung, fehlende oder zusätzliche Gliedmaßen, eine rote Iris und ihre tiefschwarze Haare zeichnen sie aus.

Stecken sie hinter dem Morden und dem vermuteten Drogenring?

Phil versucht undercover zu ermitteln. Als er das erste Mal den Stripclub betritt, wartet eine Überraschung auf ihn, die ihn mehr mitnimmt als zunächst gedacht. Seine alte High-School-Liebe, die er der Karriere wegen damals hat sitzen lassen, arbeitet nicht nur als Tänzerin an der Stange, für Geld und gute Worte ist sie auch bereit, jedem Freier in den Pick-Up zu folgen.

Im Verlauf seiner Ermittlungen führen ihn die Spuren vom Hinterzimmer des Stripclubs, in dem die Creeker-Damen ihre Reize darbieten, tief in den undurchdringlichen Wald – zu einem Haus, das er als Kind bereits einmal betreten hat – und in dem er damals etwas Unaussprechlichem begegnet ist …

Sex und Gewalt – die Mischung punktet, wenn auch nicht unbedingt Mainstream Lesefutter

Wie in fast allen seiner Bücher bettet Edward Lee seine Story um Sex und Gewalt in ein Umfeld, das er selbst aus dem Effeff kennt ein. Als ehemaliger Polizist weiß er nicht nur um die Abgründe der Seele, denen die Ordnungshüter auf ihrer Jagd nach den Mördern, Drogenpatschern und Zuhältern tagtäglich begegnen, er kennt auch die Ermittlungsmethoden. Geschickt verbindet er diese einmal mehr mit der glaubwürdigen Zeichnung der trostlosen, verarmten Dörfer im tiefen Süden der USA. Hier, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wo es schlicht keine Perspektive für die Menschen gibt, Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft nicht existent sind, kennt er sich aus. So bietet er uns in einem frühen Werk seines Schaffens erneut ein überzeugendes Bild eines trostlosen Dorfes, in der der Kneipenbummel am Wochenende noch das Highlight darstellt, in der häusliche Gewalt an der Tagesordnung ist und jeder jeden kennt.

In diese Umgebung hat er eine Handlung eingebettet, die den Leser zunächst auf eine falsche Fährte führt. Was anfänglich nur nach einem Drogendelikt aussieht, vielleicht verbunden mit einem Drogenkrieg zwischen verfeindeten Banden, das entpuppt sich nach und nach als viel mehr. Wer alles in die Verbrechen verwickelt ist, was das mit Phils Jugend, seiner Familie zu tun hat, entpuppt sich erst gänzlich im packenden Finale.

Im Gegensatz zu anderen Werken aus seiner Feder steht die grell beleuchtete und schonungslos geschilderte Sexualität noch nicht so sehr im Mittelpunkt des Buches. Zwar wird auch hier brutal vergewaltigt, werden Frauen geschändet, missbraucht und ermordet, doch nehmen diese Szenen weniger Raum ein, fügen sich mehr in das Gesamtbild ein, als in späteren Romanen.

Immer wieder gelingt es Lee den Leser mit so nicht zu erahnenden Wendungen zu verblüffen, ihn mit seinen Gestalten zu schocken und gleichzeitig zu faszinieren und letztlich immer wieder von Neuem zu überraschen. Das ist bestes Thriller-Horrormaterial, fesselt durch ein stimmig gezeichnetes Setting und bietet einen stringenten Handlungsbogen – wenn auch das Titelbild nicht eben verkaufsfördernd daherkommt.

(Carsten Kuhr, Oktober 2012)

Ihre Meinung zu »Edward Lee: Creekers«

Alexi1000 zu »Edward Lee: Creekers«07.02.2013
CREEKERS habe ich relativ zeitnah nach THE BIG HEAD gelesen.
Dadurch wurde mir sicher der Lesefluss etwas gedämpft, da im nachhinein gesehen, beide Geschichten (vom Ablauf) sehr ähnlich sind, bei einigen Figuren hat man sogar das Gefühl, man könnte Sie nahtlos innerhalb beider Geschichten austauschen.

CREEKERS ist laut Infos nun also einer DER Romane, die vor allem in den U.S.A. Edward Lee den Ruf eingebracht haben, einer der härtesten (Horror)Schreiber unserer Zeit zu sein.
Er nimmt auch hier sicher wieder absolut kein Blatt vor den Mund, haut uns Abartigkeiten und Gesplatter im Minutentakt um die Ohren.
War das ganze (trotz aller Perversitäten) bei BIGHEAD aber irgendwie immer mal wieder ironisch und mit gutem pechschwarzen Humor durchtränkt, nimmt er die CREEKER Geschichte irgendwie ZU ernst, was das ganze dann schon nicht mehr so "leicht" durchlesen/leben lässt...

es war mir so dann teilweise an einigen Stellen fast etwas zu viel des guten...

zu den Charakterisierungen braucht man nicht viel zu sagen, man leidet zumindest mit den Hauptfiguren leicht mit...viele sind leider wie das mir immer bewusster werdende "Hauptthema" von Lee (Einzelgänger schafft es aus dem Hinterland, nur um Jahre später in "Mutantenverseuchte" Heimat zurückzukehren) etwas austauschbar...

Lee ist dann am besten, wenn er auch mal etwas "übernatürliches" einwebt, deshalb bleibe ich dabei: sein bisher bestes ins deutsche übersetzte bleibt DAS HAUS DER BÖSEN LUST (leider etwas unglücklich eingedeutschter Titel von BLACK TRAIN)...wer Lee noch gar nicht kennt, könnte mit CREEKERS voll vor den Kopf getroffen werden...

also sagt später nicht, Ihr wäret nicht gewarnt worden...

leichte Abzüge für "Austauschbarkeit"...immer noch recht gute 75°.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Barbara Lamek zu »Edward Lee: Creekers«25.01.2013
Creekers war das erste Buch was ich von Edward Lee gelesen hatte.
Die Geschichte nimmt so viele Wendungen das man ab und zu fast nicht mehr weiß, wie was war das gleich nochmal, aber man verliert nie den roten Faden und das ganze läßt sich wunderbar flüssig lesen. Spannend und fesselnd zu gleich, aber wer keine guten Nerven hat und mit extremer Gewallt nicht klar kommt sollte dieses Buch mit Vorsicht lesen, da Edward Lee schonungslos alles sehr gut Beschreibt und reichlich an Brutale Details zu lesen sind.
Das einzige was mich an dem Buch störte war der abrupte Schluß, wo man sich dann selber denken mußte/ konnte was nun mit Phil in dem Zimmer passierte.

Mein Fazit für das Buch ist für alle die mal einen etwas anderen Horrorthriller lesen möchte der einiges an Überraschungen zu bieten hat.

B.Lamek
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