Helix von Eric Brown

Buchvorstellungund Rezension

Helix von Eric Brown

Originalausgabe erschienen 2007, 528 Seiten.ISBN 1844164721.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „Vom Planetenzerstörer zum Weltenbetreuer: Der Mensch“62

Science-Fiction-Rezension von Marcel Buelles

Am Ende des 21. Jahrhunderts ist auch die Menschheit am Ende. Die globale Erwärmung hat dem Planeten so sehr zugesetzt, dass es für die Spezies Mensch keine Zukunft gibt. Im Angesicht schwindender Ressourcen brachen unzählige Kriege aus, die den Vorgang nur noch beschleunigten. Die sich scheinbar wehrende Natur brachte einige verworrene Geister dazu, zu glauben, die Menschen hätten es verdient zu sterben und verursachten mit künstlich erzeugten Erregern Pandemien vorher unbekannten Ausmaßes. Die Menschheit ist im Jahr 2095 auf nicht viel mehr als zehn Millionen zusammengeschrumpft. Die wenigen, die noch übrig sind, warten teilnahmslos auf das Ende. Doch es gibt ein Projekt, das vielleicht das Überleben der Menschheit sichern kann.

Als die europäische Weltraumorganisation Joe Hendry anbietet, auf dem letzten Raumschiff der Menschheit, der Lovelock, als Bordmechaniker mitzufliegen, hatte er schon mit seinem Leben abgeschlossen und seiner Tochter Lebewohl gesagt, die an dem geheim gehaltenen Projekt teilnehmen würde. Viertausend hochgebildete Menschen würden ein etwa fünfhundert Lichtjahre entferntes Sternensystem ansteuern, in dem es aller Wahrscheinlichkeit nach für die Raumfahrer möglich wäre zu überleben. Der letzte Versuch eines Neuanfangs für die Menschheit. Er wäre Mitglied eines sechsköpfigen Teams, das nach dem Flug als erste aus einem Kälteschlaf aufgeweckt würde, um die anderen Kolonisten für die Ankunft auf dem neuen Planeten Erde vorzubereiten. Diese Chance lässt sich Hendry nicht entgehen und als er selbst in Schlaf versetzt wird, freut er sich über den Gedanken, seiner Tochter  beim aufwachen zuzusehen, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Kälteschlaf befindet und nicht weiß, dass ihr Vater auch mit von der Partie ist.

Als die Lovelock ihr Endziel erreicht und das Team aufgeweckt wird, wird schnell klar, dass etwas schief gegangen ist. Ob durch Sabotage, einen Unfall auf dem Weg oder technisches Versagen verursacht, das eigentliche Ziel der Reise wurde nicht erreicht und um sie herum versagen die Maschinen. Auf dem naheliegendsten Eisplaneten notgelandet, geht dem Team ein Licht auf, dass außerirdische Existenzen nicht freundlich gesinnt sein müssen, als sie ein Mitglied der Crew an eine bis an die Zähne bewaffnete Gestalt verlieren und bereits eintausend Kolonisten bei der Notlandung ums Leben gekommen sind. Sie fliehen und erreichen durch eine Art Aufzug eine weitere Welt, auf der sie neuen Schwierigkeiten ausgesetzt sind. Bald wird deutlich, dass sie nicht einen bewohnbaren Planeten entdeckt haben, sondern hunderte oder gar tausende, die in einer Spiralform oder Helix um eine Sonne angeordnet sind, als ob sie jemand erschaffen hätte. Ihr Ziel ist es, einen warmen und bewohnbaren Planeten für die Kolonisten zu finden.

Zeitgleich bricht eine Gruppe Entdecker und Techniker auf dem Planeten Agstarn auf, der sich auch auf der Helix befindet, um neue Ressourcen zu entdecken. Begleitet von einem Kleriker der allmächtigen Kirche, können sie recht bald die für ihr Überleben notwendigen Stoffe ausfindig machen, treffen dabei aber auch auf einen Außerirdischen, dessen Mission es ist, eine Waffe unschädlich zu machen, die von seinem Planeten nach Agstarn gelangt ist und die die Kirche entdeckt und versteckt hat. Bald schon wird klar, dass die Kirche kein Interesse daran hat, ihre Macht herausfordern zu lassen und macht sich daran, alle Erkenntnisse der Entdeckungsreise zu vernichten, um die Bewohner des Planeten weiter im blinden Glauben auf das Buch der Bücher wissen zu lassen, dass es nichts außer Agstarn gibt, weder andere Spezies noch andere Planeten. Als sich die Schicksale einiger Freidenker auf Agstarn mit denen der fliehenden Menschen auf ihrem Weg zur Sonne kreuzen, beginnt die Kirche einen Feldzug nicht nur gegen den Widerstand auf ihrem eigenen Planeten, sondern auch alle Außerirdischen und benachbarten Systeme. Doch sie haben die Rechnung ohne die Erschaffer gemacht.

Kurzweilig und nachdenklich, aber schwacher Rahmen

Eric Brown hat in mehreren Interviews betont, dass es ihm in seinen Romanen selten darum geht, das Augenmerk wie in anderen Subgenres der Science Fiction nur auf die Technologie der Zukunft zu richten. Seit Ende der Achtziger ist der Autor erfolgreich unterwegs und bekannt für packende Kurzgeschichten, etliche Kinderbücher und Novellen rund um zukünftige Welten. Was ihm am Herzen liegt, ist die detailreich gestaltete Beobachtung und Beschreibung des Einflusses von Technologie auf Menschen, wie sie mit ihr umgehen und auf Basis dieser Prämisse entstand auch „Helix“. Der kurzweilig geschriebene Roman fokussiert auf menschliche und außerirdische Charaktere und deren Verhalten im Ausnahmezustand. Die einen leben im vollen Bewusstsein, für das Überleben ihrer Spezies kämpfen zu müssen, die anderen stehen unter der Knute eines quasi-faschistischen Staats unter religiös-verbrämter Führung, der Widerstand mit der Todesstrafe begegnet. Insofern es sich um die zwischenmenschlichen Beziehungen und den Überlebenskampf im Angesicht nahezu unüberwindlicher Gegner handelt, gelingt Brown der Bogenschlag von Spannung zu Unterhaltung im Rahmen eines Science Fiction Romans.

Doch der eigentliche Rahmen, das nahende Ende der Menschheit und ihre Flucht ins Weltall, nur um dort auf eine von den sogenannten Erschaffern („Builders“ im Original) gestaltete Helix zu treffen, mit unzähligen Lebewesen bevölkert, die scheinbar alle einem vor langer Zeit durchdachten Plan folgen, wirkt ein wenig schwach. Als mitten aus dem Nichts auf dem Eisplaneten eine Reisemöglichkeit zu anderen Planeten wie der sprichwörtliche deus ex machina rechtzeitig für die glückliche Flucht der Menschen auftaucht und ein Mitglied des Teams dank implantierter Technologie auch noch die Sprachen auf allen Planeten der Helix verstehen kann, wirkt die Rahmenhandlung wie mit der heißen Nadel gestrickt, um den Charakteren und deren Schicksalen soviel Platz wie möglich zu lassen, was sich auch am abrupten Ende ablesen lässt.

„Helix“ bietet genügend Lesestoff, der sich mit der Frage auseinander setzt, wie wir in der Zukunft mit unserer Existenz, unserem Schicksal umgehen und nutzt geschickt den Kontrast zu außerirdischen Kreaturen, um Nachdenklichkeit mit Nachhaltigkeit zu verbinden. Doch was Brown mit seinen Kolonisten und ihrem Raumschiff im vorherbestimmten Verhältnis zu den Erschaffern als Rahmenhandlung präsentiert, lässt den Gesamteindruck schwächer ausfallen und lässt die Frage offen, ob man die Kernidee der Helix nicht anders hätte präsentieren können.

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